Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Jung sein!

In An Niemanden on Mai 13, 2008 at 8:06 am

Da man mit zunehmendem Alter Gefahr läuft, seltsame Gewohnheiten anzunehmen (z.B. knipse ich seit ein paar Jahren Fotos, eine Eigenart, die ich früher nie hatte), lese ich alle paar Jahre die Worte von General MacArthur über das Jungsein. Ob das hilft, die schlimmsten geistigen Verkrustungen zu verhindern?

Jung sein!
Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung:
Sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.
Man wird nicht alt,
weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat:
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.

Die Jahre zeichnen zwar die Haut –
Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns schon vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist,
wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt:
Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie euer Glaube.

So alt wie eure Zweifel.
So jung wie euer Selbstvertrauen.
So jung wie eure Hoffnung.
So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben,
so lange ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich für’s Schöne. Gute und Große;
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfasslichen.

Sollte eines Tages
euer Herz geätzt werden von Pessimismus.
zernagt von Zynismus,
dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele –
der Seele eines Greises.

(Douglas Mac Arthur, 1945)

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  1. Nein, es hilft nicht, glaube ich. Wenn ich beginne, mir vorlesen zu lassen, weil mein Geist zu müde geworden ist selbst zu fragen um nach meinem Verstädniss erkennen zu wollen, dann verkruste ich. Wir sind nicht so alt wie unsere Zweifel, wir werden vielleicht reif und verantwortungsbewusster durch unsere Zweifel.
    Ich glaube, das das Zitat von Douglas absolut stimmig ist, für sein individuelles Leben, und das wir aus den Zeilen nicht die Bilder erkennen können, die diese Worte formten. Es ist gut, das du das Zitat reingesetzt hat, als Aufforderung, unser eigenes zu schreiben.

  2. Menachem, interessant, dass mir der Punkt mit den Zweifeln nie aufgefallen ist. Anscheinend habe ich mich vom Text insgesamt so mitreissen lassen, dass mir manche Einzelheit entgangen ist. Ich glaube auch, dass Zweifel wichtig sind und jung halten.
    Dennoch: ich finde den Text inspirierend und aufrüttelnd. Auch wenn er eigenes Denken nicht ersetzen kann, so gibt er mir immer wieder einen kleinen Impuls und eine Hilfe, mich gegen Bequemlichkeit und Abstumpfung zur Wehr zu setzen.

  3. Hallo,

    aus welchem Buch stammt das?

  4. Michael, das hast du mich erwischt. Nach einer kleinen Recherche (Quelle, dort ist auch gleich das englische Original), habe ich folgendes entdeckt:
    Der Text stammt im Original gar nicht von MacArthur, sondern aus Samuel Ullmanns „Margaret England Ambrester“. Der General wollte ihn in eine Rede einbauen, was er aber wohl nicht tat. Später hat er den Text frei zu seinem eigenen 75.Geburtstag zitiert, ohne die Quelle zu nennen.

  5. siehe auch hier (auf französisch).

  6. @Fragezeichner:

    🙂

    Ist mir schon klar, warum ausgerechnet MacArthur das so gefallen hat. So war er eben, dieser großartige Mensch! Niemals feige, immer jung und voranschreitend. Der Spruch:

    „Stay hungry, stay foolish!“

    hätte ebenso gut von ihm stammen können 😉

    Ich werde mir diese herrliche Aussage aber dennoch an die Wand hängen.

    Gruß

  7. ein toller Mann mit klaren Gedanken!

  8. man sollte bedenken, dass der General sich mit fremden Federn schmückt: vergleiche Jung sein! von Marcus Aurelius 180-121 v.Chr.

  9. @rita:

    Ist mir fast schon egal…

    Zum einen konnte man schon bei der Zeugung Christi kaum mehr etwas von sich geben, was nicht schon vorher irgend ein Grieche oder Babylonier gesagt hätte.

    Und zum anderen hatte Mac Arthur wenigstens noch echten Mumm in den Knochen. Der stand noch zu dem was er gesagt hat, auch wenn er mal daneben lag. Der Mann hatte bis in’s hohe Alter einen Messerscharfen Verstand und ließ sich auch nicht von Politikern für dumm verkaufen oder als Marionette vorführen. Mal davon abgesehen war er sich nicht zu fein -einzig mit einem Gehstock bewaffnet- als einer der ersten das jeweilige Schlachtfeld zu betreten. Wo sind solche Persönlichkeiten heute?

    Gruß

  10. Habe zum jung sein bzw. jung fühlen mal ein Gedicht geschrieben:

    http://halbwert.de/2009/06/ich-fuhl-mich-jung/

  11. Ist nicht gut, du bist sehr scheisse…

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