Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Offene Fragen der Woche (31)

In An Manche on November 30, 2008 at 1:10 pm

Immer wieder, aber irgendwie anders

In An Niemanden on November 27, 2008 at 9:56 am

[Foto: ersatzspeiche]

Wenn ich das nur gewusst hätte als ich jung war… Mit meinem Schwiegervater hatte ich eine Diskussion darüber, ob Kinder von den Erfahrungen ihrer Eltern lernen sollten oder die gleichen Fehler selbst begehen sollten, um wirklich daraus zu lernen. Können Worte eine Erkenntnis weitergeben? Oder gelangt man nur über eigene Erfahrung zur Erkenntnis? Aber hiesse das nicht, dass die Menschheit immer wieder die gleichen Fehler wiederholen muss?

Komprimieren

In An Manche on November 25, 2008 at 10:27 am

[Foto: alsokaizen]

Für Platon muss eine stabile Gesellschaft relativ geringe Einkommensunterschiede aufweisen. Der reichste darf nicht mehr als 20 mal mehr verdienen als der ärmste. Was würde passieren, wenn in Deutschland morgen ein Gesetz verabschiedet würde, dass genau das festlegt: ein Unternehmen darf seinem bestverdienenden Angestellten nicht mehr als das Zwanzigfache des geringstverdienenden bezahlen. Wenn es seinem Chef 1 Million zahlen will, muss es seinem Pförtner 50000 im Jahr bezahlen. Oder umgekehrt: wenn es nur 10000 für seine Putzfrau bezahlen will, kann auch der Chef nicht mehr als 200000 verdienen. Scheint mir eine gute Sache. Aber wie ich die Menschen kenne, würden sie versuchen, diesen hehren Plan zu unterlaufen. Aber wie? Fiese Ideen?

Update: Link zum Thema auf SPON

Das Amazon-Spiel

In An Manche on November 24, 2008 at 9:22 pm

Amazon gibt bekanntlich die berühmten Empfehlungen „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch: …“. Ist das nicht eine tolle Grundlage für ein völlig sinnloses Spiel, mit dem man Zeit totschlagen kann? Startpunkt setzen (z.B. Elton John), Endpunkt setzen (z.B. Louis Armstrong).

Gibt es einen Amazon-Empfehlungspfad zwischen Slayer und Jürgen Drews? Wer ihn findet, bekommt von mir eins der Produkte zu Weihnachten, die auf dem Empfehlungs-Pfad liegen.

Was soll der Unfug? Bin gerade im Büro eingeschneit. Und das an der Côte d’Azur. Das stand so nicht im Vertrag…

Offene Fragen der Woche (30)

In An Manche on November 22, 2008 at 5:43 pm

Fördern und Fordern

In An Niemanden on November 20, 2008 at 10:23 am

Fördern und Fordern. Man liest das immer häufiger, was einst als eine Art Werbe-Spruch für die Hartz IV-Gesetze ersonnen wurde: von Erziehungsberatern, Kulturpolitikern, Sportlern, Fussball-Trainern, Managern, Energie-Experten, IT-Beratern oder Blog-Theoretikern. Anscheinend wurde da ein Nerv getroffen. Ist das nicht seltsam? Ein simpler Stabreim wird zum Motto der Deutschen im 21.Jahrhundert. Wie kommt das? Fast hat man den Eindruck, dass hier eine tiefe, Jahrhunderte alte Wahrheit schlummerte, die dann Anfang des Jahrhunderts wachgeküsst wurde. Und die dann ihrer Schönheit und Klarheit wegen (und natürlich auch wegen der beiden F) fast zwangsläufig den Staatssekretären und Juristen im Arbeitsministerium den Stift beim Schreiben der Hartz-Gesetze führte. Und nun mit ihrem unschlagbaren Charme auch andere Teile der Gesellschaft erobert. Auch wenn die Hartz-IV-Gesetze sehr umstritten waren, das Fördern und Fordern hat meines Wissens niemand infrage gestellt.

Was wäre aus der Agenda 2010 geworden, wenn kein so griffiges Label gefunden worden wäre? Kämen die Erziehungsberater und Fussball-Trainer auch ohne Motto zurecht oder hätten sie sich ihr eigenes ausgedacht? Hat man kurzzeitig auch mal daran gedacht, das Wort Fordern an die erste Stelle zu setzen? Ist der Slogan exportierbar: französisch „aider et exiger“ oder englisch: „help and demand“?

Der Fulgurator

In An Mich on November 18, 2008 at 9:36 am

Der Fulgurator ist ein Gerät, das beliebige Motive auf Fotos projeziert, genau in dem Moment, in dem sie geschossen werden. Die Projektion wird mithilfe eines Sensors für Blitzlicht ausgelöst und ist für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar. Julius von Bismarck, der diesen Apparat erfunden und patentiert hat, benutzt ihn, um symbolische Botschaften zu projezieren, zum Beispiel Friedenstauben auf ein Porträt Mao-Ze-Tuns am Platz des himmlischen Friedens oder um auf das Schild „You are entering the American Sector“ den Zusatz „Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border“ zu „schreiben“.

Ein faszinierendes Teil. Was manipuliert der Fulgurator da eigentlich: die Fotos oder die Realität oder die Köpfe der Menschen, die ihre Fotos anschauen und beginnen nachzudenken? Und: macht das eigentlich einen Unterschied? Haben Fotografen das Recht auf ein unbeflecktes Foto? Wenn mir das passieren würde und ich fände auf meinen Urlaubsfotos versteckte Botschaften – was würde mir da durch den Kopf gehen?

Ist das letztlich nicht lediglich eine besondere Form der Werbung? Tatsächlich haben angeblich schon einige Marketing-Agenturen angefragt (die Bismarck mit den Worten „Ich mag Werbung nicht. Gute Werbung noch weniger als schlechte“ zurückwies).

Aber was, wenn nun Botschaften wie Hakenkreuze an jüdische Gedenkstätten projeziert werden? Ist das juristisch überhaupt zu fassen?

[durch Kulturzeit]

Offene Fragen der Woche (29)

In An Manche on November 15, 2008 at 5:58 pm

Raus aus den Silos

In An Alle on November 13, 2008 at 11:04 am

[Foto: Zoom Zoom]

Eine Beobachtung: Menschen suchen Bestätigung ihrer eigenen Auffassungen. Deshalb beziehen sie Informationen aus Quellen, die ihnen bereits Informationen geliefert haben, die ihre eigenen Auffassungen bestätigt haben. Sie abonnieren zum Beispiel Tageszeitungen, die ihrer politischen Richtung entsprechen. Das führt dazu, dass sie sich noch mehr in ihren Auffassungen bestätigt fühlen – weil Informationen, die ihre Auffassungen in Frage stellen, immer schwerer an sie herankommen. Im Internet ist das ähnlich: Foren und Blogs bilden Trauben von relativ homogenen Lesern, die sich gegenseitig offene Türen einrennen. Diejenigen, die andere Auffassungen vertreten, verirren sich selten auf diese Seiten und werden – sollten sie es wagen, sich zu äussern – oft durch rüde Gegenrede abgeschreckt.

Man könnte sich jetzt fragen, wozu man sich dann überhaupt informiert, wenn man das, was man erfährt, sowieso schon weiss. Aber so sind die Menschen nunmal. Ich frage viel lieber, wie man Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Erfahrungen ins Gespräch bringen kann, wie man die Vielfalt ihrer Perspektiven für alle nutzbar machen kann – im Wissen dass 1) Menschen Zeit brauchen, um andere Meinungen an sich herankommenzulassen 2) Menschen sich gerne im Ton vergreifen, wenn sie mit anderen Meinungen konfrontiert sind 3) Diskussionen scheinbar nicht über die Teilnehmerzahl 5 hinaus skalierbar sind (es gibt wahrscheinlich noch eine Reihe anderer weniger offensichtlicher Hindernisse).

Ist es nicht ein Jammer? Da ist dieses Internet, das es erlaubt, dass jeder mit jedem kommunizieren kann, das alle Grenzen jeglicher Art überwinden hilft – und wie wenig machen wir daraus?

Relativierungsfreiheit

In An Manche on November 11, 2008 at 11:12 am

Ich bin mal auf ein Blog gestossen (Joel on Software), das keine Kommentare von Lesern zulässt und dies explizit und ernsthaft begründet. Ein Blog gäbe jedem eine Stimme. Doch Kommentare verrauschten diese Stimme, relativierten die Botschaft, nämen ihr an Kraft. Wer Stellung nehmen will, könne dies auf seinem Blog tun, aber nicht hier bei ihm. Er stelle Thesen auf, sei aber kein Diskussionsmoderator.

Ist da etwas dran? Kommentare in Blogs: Ausdruck der Meinungsfreiheit oder im Gegenteil: Unterlaufen der Meinungsfreiheit? Gibt es auch eine Relativierungsfreiheit, eine Korrekturfreiheit?