Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Musik nah und fern

In An Mich on Dezember 28, 2007 at 3:24 am

Unzählbar

[Photo: _Lev_]

Immer wieder fasziniert mich die Fähigkeit meines Freundes Lars, stilsicher Nischenströmungen der House-Musik der späten 80er-Jahre zu erkennen und mir ihre Besonderheiten zu erklären. Für mich klingt alles gleich. Ich blicke von ganz weit oben, von ganz weit weg auf diese Musik. Lars lebte in ihr.

Ich frage mich, ob Musikhörer in 100 Jahren einen Unterschied zwischen der Pop-Musik der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts und der Pop-Musik dieses Jahrzehnts festzustellen in der Lage sind. Sind die Unterschiede wirklich signifikant? Oder sind wir einfach zu nah dran?

Wird man ein Lied wie „Hey Jude“ von den Beatles irgendwann mal als „irgendwann aus dem 20. Jahrhundert“ betiteln? Oder wird man es sogar längst vergessen haben?

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10x richtig = falsch?

In An Niemanden on Dezember 26, 2007 at 2:02 pm

Nach unten

[Foto: ReRod]

Wie ist das möglich: über 20 Jahre lang jede einzelne Entscheidung abgewogen und mit Bedacht getroffen, auch im Rückblick nicht einen einzigen gravierenden Fehler begangen, im jeweiligen Kontext das beste erreicht zu haben, von der Überzeugung durchdrungen, alles wieder genauso zu machen – und dennoch ganz woanders zu sein, als vor 20 Jahren erhofft und erwartet? Was lief falsch?

Weihnachtslügen?

In An Mich on Dezember 25, 2007 at 1:08 am

[Foto: Herbstkind]

Ist die folgende Aussage eine Lüge?

Die Geschenke bringt das Christkind

Und diese hier (auf die Frage, warum das Playmobil-Haus im gleichen Geschenkpapier verpackt wurde, das in der Küche herumfliegt und auch schon für Omas Massagegerät benutzt wurde)?

Das Christkind war so überarbeitet, dass es mich gebeten hat, die Geschenke selbst einzupacken.

Warum mache ich es dann nicht?

In An Mich on Dezember 19, 2007 at 10:22 pm

Jeden Morgen kalt duschen verhindert Erkältungskrankheiten.

Warum mache ich es dann nicht?

Jeden Tag 10 Minuten Meditieren fördert Konzentration und Ausgeglichenheit.

Warum mache ich es dann nicht?

Jeden Tag 15 Minuten Spanisch lernen und in einem Jahr kann ich in Madrider Cafés parlieren.

Warum mache ich es dann nicht?

Ich könnte die Liste noch endlos weiterführen. Aber ich habe eine noch erschreckendere Frage: ist die Antwort auf all die obigen Fragen vielleicht immer die gleiche?

Wenn Phantasie wichtiger ist als Wissen…

In An Manche on Dezember 18, 2007 at 11:47 pm

wie Albert Einstein sagt, weil Wissen im Gegensatz zu Phantasie beschränkt ist, ist dann das Internet eine eher kontra-produktive Erfindung, weil es vor allem Wissen transportiert – aber Phantasie nicht oder kaum fördert, sondern in vielen Fällen auch verkümmern lässt?

Herbstnebel

[Photo: pokpok313]

Muss Musik Emotionen wecken?

In An Niemanden on Dezember 17, 2007 at 9:32 pm

Emotionen aus zweiter Hand

[Foto: ztephen]

Strawinsky wurde von Kritikern vorgeworfen, dass seine Musik keine Emotionen transportiert.

Aber ist das denn überhaupt ein Vorwurf? In welchem Regelbuch steht, dass Musik Emotionen transportieren muss? Muss denn auch Literatur Emotionen transportieren oder die Malerei?

Ist mit Musik Emotionen zu wecken nicht überhaupt das Allereinfachste und gelingt täglich hunderten von Songs? Ist es nicht viel schwieriger und deshalb bewundernswerter, wenn Musik Erkenntnis beschert? Wenn sie uns eine Ahnung vermittelt, von der Grösse unserer eigenen Fähigkeiten, von der Schönheit der Natur, von einer unvergänglichen Wahrheit, von einem Zusammenhang zwischen unserem Leben und dem der anderen Menschen? Wenn sie neue Formen zu erprobt und neue Ideen umzusetzt wie es den Werken Strawinskys und anderen moderne Komponisten gelang? Oder auch nur längst vergangene, polyphone Musik aus den Vorzeiten Bachs wieder ans Tageslicht bringt?

Was ist dagegen das bisschen Hass, Schadenfreude und wohlige Gemütlichkeit, die uns Radio/Fernsehen/Internet täglich einführt?

Machen uns Werkzeuge dümmer oder stärker?

In An Mich on Dezember 16, 2007 at 8:15 pm

Hammer

[Foto: Muslima2006]

So wie viele unserer Rücken heute auf den Bürostühlen verkümmern, weil ein Grossteil der Arbeit, die früher manuell heute von Maschinen erledigt wird, darf man sich fragen, ob die Maschinen – die Computer und das Internet – auch unsere Gehirne verkümmern lassen, indem sie uns einen Grossteil der Denkarbeit abnehmen. Wenn das stimmen würde, wäre es durchaus möglich, dass wir irgendwann einfach zu blöd sind, die komplexe Technik im Fall eines Fehlers noch zu beherrschen und als Folge unsere Zivilisation hilflos zusammenbrechen sehen.

Aber nehmen uns Computer wirklich Denkarbeit ab? Oder befreien sie uns nicht vielmehr von lästigen Tätigkeiten – wie Rechnungen zu addieren, Akten abzulegen, zu duplizieren, zu suchen, Informationen nachzuschlagen, langfristig nutzlose Dinge kurzfristig zu memorisieren – die viel unseres kreativen Potentials binden?

Oder ist mal wieder beides richtig?


Fragen zu ähnlichen Themen:

Die 80/20-Regel

In An Mich on Dezember 13, 2007 at 11:50 am

Ein universelles Phänomen: die 80/20-Regel (auch Pareto-Prinzip genannt)

  • 20% der Menschen besitzen 80% des Volksvermögens
  • 20% Aufwand bringen 80% Ergebnis
  • 20% aller möglichen Ursachen sind für 80% meiner Probleme verantwortlich
  • 20% aller Autofahrer verurachen 80% aller Unfälle
  • Ich trage zu 80% meiner Zeit 20% meiner Klamotten
  • 20% meiner CDs tragen zu 80% meiner Musik-Konsums bei
  • 20% der Blogs sind für 80% des Traffics verantwortlich

Was ich mich frage: ist das jetzt ein unumstössliches Naturgesetz oder kann man daran etwas ändern? Ist das Auftreten der 80/20-Regel eine Art Krankheitssymptom oder ein natürliches Gleichgewicht?

Sollte ich mich also z.B. zwingen, jeden Tag etwas anderes anzuziehen und somit eine lineare Verteilung zu erreichen?

Oder im Gegenteil die 80% meiner Klamotten zu identifizieren, die ich nur zu 20% trage, und sie einfach wegzuschmeissen? Wenn ich das tue, kann ich dann sicher sein, dass sich meine restlichen Klamotten nicht ebenfalls nach dem Pareto-Prinzip verteilen? Und dass ich, wenn ich konsequent weiter optimiere, am Ende mit genau einem Hemd und einer Hose ende?

Aufmerksamkeit statt Geld?

In An Manche on Dezember 11, 2007 at 11:37 am

Die Feudalherren des späten Mittelalters verschliefen die Geldwirtschaft. Die Währung des Erfolgs und des Reichtums hiess Macht. Ihr Ziel hiess: zu Adligen werden. Der Systemwechsel von der Feudal- zur Marktwirtschaft ist ihnen schlecht bekommen. Denn nun war Geld die Währung des Erfolgs. Und Macht liess sich nicht so leicht in Geld umwandeln wie Geld in Macht. Der Adel verarmte.

Sind wir gerade in einem Übergang zu einer neuen Ökonomie von der Marktwirtschaft zur Aufmerksamkeitsökonomie? Dieser Frage und ihren Implikationen widmete sich bereits vor 10 Jahren Michael Goldhaber in einem bemerkenswerten Essay:

  • Heisst die neue Währung des Erfolgs bald Aufmerksamkeit statt Geld?
  • Ist Darstellen, nicht Produzieren der künftige Weg zum Erfolg?
  • Ist das Preisgeben geistigen Eigentums und auch eines grossen Teils der Privatsphäre Grundbedingung für Erfolg in der Aufmerksamkeitsökonomie?
  • Lässt sich Aufmerksamkeit leichter in Geld umwandeln als Geld in Aufmerksamkeit?
  • Werden finanzielle Transaktionen auf Kosten von Aufmerksamkeitstransaktionen an Bedeutung verlieren?

Sind wir der Aufmerksamkeitsökonomie in den letzten 10 Jahren ein deutliches Stück näher gekommen?

Wenn man das mal weiterzudenken versucht, leben wir dann irgendwann in einer Welt, in der folgendes gilt?

  • Menschen führen Aufmerksamkeitskonten, die ausweisen, wieviel Aufmerksamkeit sie besitzen?
  • Es gibt standardisierte Mechanismen um Aufmerksamkeit zu transferieren, also um damit reelle Güter und Dienstleistungen zu bezahlen?
  • Unternehmen werden an einer Aufmerksamkeitsbörse notiert, die angibt, wieviel Aufmerksamkeit das Unternehmen besitzt?
  • Es gibt Aufmerksamkeitsräuber, die es schaffen, mit Aufmerksamkeit gesegneten Menschen, Aufmerksamkeit zu entziehen und sich selbst anzueignen?
  • Wenn mehr Aufmerksamkeit erzeugt wird als echte Werte produziert werden, gibt es Aufmerksamkeitsinflation?
  • Eine zentrale europäische Behörde regelt Aufmerksamkeitsparameter – wie zum Beispiel den Aufmerksamkeitszins (was immer das sein mag, da fehlt mir die Phantasie)?
  • Ein Ratgeberbuch namens „Aufmerksamkeit macht nicht glücklich!“ steht seit Jahren auf der Aufmerksamkeitsliste ganz oben?
  • Ein geflügeltes Wort heisst: „Aufmerksamkeit stinkt nicht!“?

Warum Fremdwörter?

In An Manche on Dezember 10, 2007 at 12:43 pm

Warum benutzt man Fremdwörter?

Ich habe folgende Gründe anzubieten:

  1. es gibt einfach kein passendes deutsches Wort
  2. man kennt das deutsche Wort nicht
  3. man hat keine Zeit, nach dem deutschen Wort zu suchen
  4. man spekuliert darauf, nicht verstanden zu werden, weil das Gesagte keinen Sinn ergibt
  5. das Fremdwort klingt einfach besser oder passt stilistisch besser
  6. man möchte nur von bestimmten Menschen verstanden werden
  7. man lebt in einem Spezialisten-Kosmos und ist an seine Fremdwörter gewöhnt
  8. man möchte seine Gesprächspartner mit seiner Bildung beeindrucken

Wer kennt noch bessere Gründe?

Warum sind alle Gründe – ausser dem ersten – eher negativ?

Kleine Analyse der benutzten Fremdwörter für diesen Beitrag:

  • Spezialist => Fachgelehrter (Grund 2)
  • Kosmos => Welt (Grund 5)
  • negativ => ? (Grund 1 oder 2)
  • Natur=> ? Beschaffenheit (Grund 2)