Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Offene Fragen der Woche (15)

In An Manche on Juni 28, 2008 at 9:44 am
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Geschichten

In An Mich on Juni 26, 2008 at 10:18 am

Ganz Ohr

[Foto: Svenwerk]

Geschichten simulieren das Leben und helfen zu lernen, sich weiterzuentwickeln, neue Ideen zu verarbeiten, von Erfahrungen anderer zu profitieren. Sie sind die nächstbeste Sache neben dem Leben selbst und viel effektiver als jede Art von Instruktion oder Belehrung. Das steht in dem ungeheuer interessanten und durchaus inspirierendem Buch von den Heath-Brüdern namens „Made To Stick„.

Und warum gibt es Menschen, denen man nur ungern zuhört (will jetzt mal keine Namen nennen)? Weil man das Gefühl hat, nichts lernen zu können? Oder weil man einfach nur schlecht unterhalten wird?

Grösse der Welt und Grösse von Vorurteilen

In An Mich on Juni 24, 2008 at 7:42 am

Indem die Technik mehr und mehr die Natur sich unterwerfe, durch die Verbindungen, welche sie schaffe, den Ausbau der Straßennetze und Telegraphen, die klimatischen Unterschiede besiege, erweise sie sich als das verlässigste Mittel, die Völker einander näher zu bringen, ihre gegenseitige Bekanntschaft zu fördern, menschlichen Ausgleich zwischen ihnen anzubahnen, ihre Vorurteile zu zerstören und endlich ihre allgemeine Vereinigung herbeizuführen.“ (Thomas Mann, Der Zauberberg – wenn ich mich nicht irre).

Verkehrsinfrastruktur und Kommunikationstechnologien haben die Welt kleiner gemacht. Haben sie auch Vorurteile kleiner gemacht?

Schlechte Vergleiche

In An Manche on Juni 19, 2008 at 7:47 am

Endlich hat ein Politiker begriffen, dass man keine Nazi-Vergleiche machen darf. Stattdessen hat er einen RAF-Vergleich gemacht. Könnte das der Beginn eines neuen Trends sein? Dürfen wir uns demnächst auf so gelungene Tiraden wie die folgenden freuen?

„Der schlimmste Hetzer seit Horst Mahler.“

„Es war nicht alles schlecht bei der RAF. Zum Beispiel die Kameradschaft.“

„Damals gab es noch Respekt innerhalb der Brigade!“

„Rot war auch die Farbe der RAF.“

„Baader verstand auch etwas von PR.“

„Das hat auch Ulrike Meinhof schon gesagt.“

„Das sind Sekundärtugenden. Damit kann man auch eine terroristische Vereinigung betreiben.“

„Die haben immerhin die Kronzeugenregelung eingeführt, die benutzen wir heute noch!“

Wenn Siemens eine Fussball-Mannschaft wäre…

In An Alle on Juni 17, 2008 at 8:33 am

Der Ball ist gross

[Foto: Markus Merz]

Ist es nicht bemerkenswert, wie in diesen Tagen der Fussball-Europameisterschaft in Deutschland (und natürlich auch in Frankreich und überall in Europa) der Leistungsgedanke gelebt wird? Millionen von harmlosen und gutmütigen Menschen werden zu Scharfrichtern, beurteilen und verurteilen auf Grundlage einer einfachen Metrik – dem Erfolg -, sortieren diejenigen aus, die dem Erfolg im Wege stehen, verwünschen und beschimpfen Versager, fordern ihren sofortigen Rausschmiss, mitleidslos, ihrer Meinung sicher, ohne Rücksicht auf Verdienste in der Vergangenheit.

Wäre ein DAX-notiertes Unternehmen wie Siemens eine Fussball-Mannschaft, gäbe es wohl zwei rivalisierende Torhüter, die sich gegenseitig bekämpfen, sabotierten und die Fehler dem anderen in die Schuhe zu schieben versuchen. 5-6 Leute stünden tatenlos herum und versuchten die Zeit totzuschlagen. 2 Verteidiger spielten bewusst gegen die eigene Mannschaft (wahrscheinlich weil sie mit der eigenen Position unzufrieden sind oder vor langer Zeit vom Trainer gekränkt wurden). Und dann gäbe es wohl zwei Spieler, die versuchten, den Laden zu schmeissen, die sich alle Verantwortung aufladen, bis zum Umfallen rennen und keinen Aufwand scheuen (allerdings lediglich durch die Hoffnung befeuert, bald in einer besseren Mannschaft spielen zu dürfen).

Wie kommt das, dass in wichtigen Bereichen unserer Gesellschaft das Leistungsprinzip völlig ausser Kraft gesetzt ist und Erfolg durch Geld und Herkunft bestimmt wird, während ein nebensächliches Spiel dieses Prinzip geradezu überdehnt? Falsche Prioritäten? Kompensation?

Offene Fragen der Woche (14)

In An Manche on Juni 14, 2008 at 4:05 pm

Berufswahl: „Do what you love!“?

In An Mich on Juni 12, 2008 at 7:33 am

Tun, was man liebt oder tun, was man kann? Steve Jobs plädiert in seiner fesselnden Rede vor Studenten für ersteres, ein Wissenschaftler auf Brandeins für letzteres. Im Idealfall fällt natürlich beides zusammen. Aber die Liebe ist ein flatterhaftes Wesen. Und was man kann, weiss man manchmal erst, wenn man es versucht hat.

Es gibt auch so pathologische Fälle wie mich, der damals glaubte, alles zu können, aber nichts zu mögen (ich hoffte damals ernsthaft, dass der Kelch des Arbeitslebens irgendwie an mir vorüberziehen würde).

Was würde ich heute jemandem raten, der mir die Frage stellt? Die Rede von Steve Jobs nahelegen? Vielleicht sollte ich ihm diese Frage stellen: womit könntest du dich den ganzen Tag beschäftigen, ohne dich zu langweilen? Oder noch besser: was würdest du den ganzen Tag tun, wenn du keinen Zwang hättest, Geld zu verdienen?

(Hätte mir damals übrigens auch nicht weitergeholfen: der optimale Tag bestand für mich in einem bisschen von allem 😉 )

Lifecasting – Exhibitionismus als Ersatzgott

In An Alle on Juni 10, 2008 at 8:20 am

Augen

[Foto: Nokapixel]

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Zunehmen von Atheismus und einer Anwendung namens Lifecasting (oder sollte man sagen: eines Lebensmodells?), die es erlaubt, sein ganzes Leben in Echtzeit über das Internet zu zeigen? Ist das Bedürfnis das gleiche: beobachtet und beurteilt zu werden, Kraft aus äusserlicher Ermutigung zu ziehen, sein Gewissen von einer Gruppe moralischer Grenzwächter überprüfen zu lassen, die unsere Welt in richtig und falsch unterteilen? Wenn man keinen Gott findet, der sich diesen Aufgaben stellt, delegiert man dann diese dann an eine Community, eine Art Gott-Community? Ist Lifecasting also ein Konkurrent der Religion oder ein Symptom des Bedeutungsverlustes von Religion?

Eine Diskussion darüber habe ich in diesem Forum gefunden.

Offene Fragen der Woche (13)

In An Manche on Juni 6, 2008 at 10:04 pm

Free-Jazz, Videospiele und Blogs

In An Mich on Juni 5, 2008 at 7:31 am

WoW

[Foto: ghz]

In dem Manifest der Digitalen Bohème „Wir nennen es Arbeit“ stehen ein paar Seiten über die zunehmende Bedeutung von Videospielen in der Alltagskultur. Mittlerweile gäbe es in Deutschland mehr WoW-Spieler als Handballer.

Trotzdem schaue ich mir im Fernsehen lieber ein Handball-Spiel an als dass ich anderen beim WoW-Spielen zuschaue. Und ich nehme an, ich bin da keine Ausnahme. Videospiele sind nichts zum Angucken, sondern zum Mitmachen. Auch bei Brettspielen ist das meist so (Ausnahme: Schach, aber da scheinen auch alle Zuschauer Schachexperten zu sein und ständig mitzudenken). Bei Sport ist das anders, da kann beides Spass machen: spielen und zugucken.

Und jetzt zurück zur Frage in der Überschrift: gilt das nicht auch sinngemäss für Blogs (schreiben macht mehr Spass als lesen)? Und natürlich auch für Free-Jazz (Krach machen ist lustiger als ihn sich anzuhören)?