Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Das Bild hing schief

In An Alle on Februar 6, 2008 at 10:14 am

Schief

[Foto: Herrner]

Was ist eigentlich so störend an schiefen Bildern? Ist in der Natur nicht auch vieles schief? Würden wir ein schiefes Bild eher akzeptieren, wenn alle anderen Linien auch schief sind? Hat das was mit dem Horizont zu tun – Urängste vor dem Weltuntergang angekündigt durch einen schiefen Horizont? Oder eher mit antrainiertem Ästhetik-Bewusstsein? Oder beginnen wir in unserem Kopf sofort ein Vexierspiel und eine Fehleranalyse, wenn wir ein Element sehen, das sich von seinem Kontext unterscheidet? Stören sich auch Tiere an schiefen Bildern – oder Ebenen?

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  1. Erinnerst du dich an Numerobis, den Architekten in ‚Asterix und Kleopatra‘?
    Ein schief hängendes Bild ist ein Konstruktionsfehler. Wer zu blöd ist, ein Bild
    gerade aufzuhängen, wählt wahrscheinlich auch die falsche Befestigung: „Das Ding
    fällt demnächst runter“, wird wohl der leitende unbewußte Gedanke sein.

    In der Natur kennen wir keine Präzision und erwarten sie auch nicht. Allerdings
    dürfen wir vom Meeresspiegel zu recht verlangen, daß er horizontal verläuft. Wenn
    man nun das einzige, das die Natur präzise hinbekommt, mit solch einem Foto
    in Frage stellt, fährt uns vermutlich ein Urschreck in die Glieder. Im Unterbewußt-
    sein wird der Ozean nach einer Seite hin auslaufen. Dieser Alarm löst wohl ein
    berechtigtes Unbehagen aus: Es könnte alles noch viel schlimmer sein…

    Mach mal ein Experiment. Hänge zwei nebeneinander hängende Bilder symmetrisch
    zueinander schief auf. Gleichgültig, wie groß der Winkel sein mag – nur symmetrisch
    muß es sein. Das sieht dann geplant aus, durchdacht. Das findet man dann originell,
    aber nicht mehr ‚ver’störend. Als Loriot das Zimmer verließ, paßte alles wieder
    zusammen. Da fiel das schiefe Bild nicht mehr auf…

  2. An einer Dachschräge in meinem Wohnzimmer hängen vier Spiegel nebeneinender.
    Absolut 100%ig exakt perfekt supergenau gerade – aber eben schräg. Alles, was
    man darin gespiegelt sieht, droht abzurutschen. Mir ist das noch nie aufgefallen,
    weil ich weiß, daß das ein Spiegelbild ist und sich das so gehört.

    Nun fällt mir aber gerade ein, daß eine meiner Katzen, ein ausgesprochen wacher
    Kater, der fast immer strategisch handelt, also nicht nach dem Erfolg-Mißerfolg-
    Prinzip – daß also dieser Kater oft minutenlang völlig starr und mit weit aufge-
    rissenen Augen in diese Spiegel sieht. Da er dort meist nichts sehen kann, was
    sich bewegt (er selbst rührt sich ja auch nicht), muß ihn etwas anderes faszinieren.
    Meine anderen Katzen haben noch nie bemerkt, daß da Spiegel sind. Sind im Ver-
    gleich zu ihm aber auch ein bißchen, mein Gott, ja, langsam eben.

  3. @Triomento: danke für deinen interessanten Beitrag! In einem Punkt möchte ich dir widersprechen: auch wenn es in der Natur keine geraden Linien geben mag, so gibt es doch eine perfekte Präzision (z.B. das Ei) und verblüffende Gesetzmässigkeiten (z.B. den goldenen Schnitt), die auch der Mensch in seinen architektonischen Arbeiten nachahmt. Aber gerade Linien scheinen in der Tat eine menschliche Erfindung zu sein (mal unterstellt, dass dein Kater auch schon stark menschliche Züge angenommen hat ;-))

  4. Richtig. Aber auch den Meeresspiegel kann man nur metaphorisch als Glanz’leistung‘
    der Natur sehen. Er gehorcht Naturgesetzen und ist eben NICHT ‚gerade‘.
    Andererseits mag das Ei als Ei perfekt sein, die Wabe als Wabe, aber ob hier schon
    die optimalste, präziseste Form gefunden ist, bezweifle ich. Nicht umsonst behandelt
    man ein rohes Ei mit Vorsicht (Mißtrauen, Angst!). Ein Schildkrötenei zum Beispiel
    hat einfach mehr drauf: kugelrund, elastisch, ziemlich strapazierfähig.
    Ein Bild jedoch gerader als gerade aufzuhängen, das geht nicht. Aber es geht, einen
    ganzen Tag lang über ein schiefes Bild zu philosophieren. Da liegt auch noch einiges
    im Argen. Auch das kann einem Angst machen.
    Hast du ein Beispiel für den Goldenen Schnitt in der Natur? Wenn nicht, weißt du, was
    ich bis morgen so zu erledigen habe. 🙂

  5. Tannenzapfen. Aber Wikipedia hat noch ein paar mehr auf Lager:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Goldene_Schnitt#Vorkommen_in_der_Natur

    Die Natur hat immerhin ein paar hundert Millionen Jahre Vorsprung auf den Menschen gehabt – und damit genügend Zeit , die verschiedensten Formen auszuprobieren und die optimale zu finden. Dass keine Gerade dabei war, sollte zu denken geben.

  6. Danke. Tannenzapfen also. Die Seitenlängen der Quadrate der Fibonacci-Spirale also.
    Natürlich!
    Ich denke nicht, daß ich die Gastfreundschaft von Wikipedia länger in Anspruch nahmen möchte…

  7. also ich sage immer: „nur im chaos liegt die perfektion!“

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