Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Balance

In An Niemanden on Juni 30, 2009 at 7:01 am
Foto: wooody

Foto: wooody

Ein Tischtennisball auf einem Tischtennisschläger in einer menschlichen Hand. Der Ball rollt ein wenig nach links, die Hand kippt den Schläger leicht nach rechts, der Ball rollt ein wenig nach oben, die Hand kippt den Schläger nach hinten, der Boll rollt ein wenig nach rechts, die Hand bewegt den Schläger leicht nach links. Ziel des Spiels: eine Balance zu erreichen und zu verhindern, dass der Ball auf den Boden fällt. Ein Betrachter, der dem Spiel nur wenige Sekunden zuschaut, der beobachtet, wie das Kippen nach Links den Ball vor dem Herunterfallen rettet, der könnte den falschen Schluss ziehen, dass Linkskippen ein probates Mittel gegen das Herunterfallen ist. Ein anderer Beobachter, der zu einem anderen Zeitpunkt schaut, könnte den gegenteiligen Schluss ziehen, nämlich dass Rechtskippen die Lösung aller Probleme ist.

Ob in der Erziehung, in der Politik, in der Wirtschaft oder im Lösen von Konflikten – sind wir nicht alle versucht, Probleme durch eine Patent-Lösung aus der Welt schaffen zu wollen, ohne zu merken, dass die eigentliche Lösung darin besteht, eine perfekte Balance zu finden? Dass minimale aber permanente Anpassungen abhängig von der jeweiligen Situation nötig sind? Woher kommt unsere Vorliebe für starre Lösungen, was verleitet uns zu der trügerischen Sicherheit, dass es eine richtige und eine falsche Seite gibt? Und wie entsteht bei so vielen Patentlösern und Lagerdenkern trotzdem manchmal die perfekte Balance?

Wir singen uns die Welt schön

In An Mich on Juni 25, 2009 at 9:08 am
Foto: wortmeer

Foto: wortmeer

Erich Kästner bezeichnete Kurt Tucholsky als „kleinen dicken Berliner, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte„. Kann die Musik das, was Tucholsky nicht geschafft hat – kann Musik die Welt verändern? Ich meine dabei nicht die Welt der Musik, sondern Veränderungen, die auf auf Politik und Gesellschaft wirken. Oder kann sie im besten Fall lediglich die Veränderungen begleiten, beschreiben, musikalisch verewigen? Oder Veränderungen eine Stimme verleihen?

Gibt es wenigstens ein einziges Lied oder Stück, das die Welt mal verändert hat? Hat Biermanns „Lass dich nicht verhärten“ zum Zusammenbruch der DDR beigetragen? Hat Bob Dylans Version von „Blowing in the Wind“ den Vietnam-Krieg zu verkürzen geholfen? Haben Bachs Kantaten, Mozarts Opern oder Beethovens Symphonien die Menschen in einer Weise sensibilisiert, inspiriert, befriedet, dass die Gesellschaft davon besser wurde? Haben Hanns Eislers Protestlieder die Arbeiterbewegung gestärkt? Lässt sich das überhaupt irgendwie beurteilen? Haben die Zuschauer des Westernhagen-Konzerts, die aus vollen Kehlen „Freiheit“ sangen, auf dem Rückweg zum Parkplatz noch den Schimmer der Bedeutung des Freiheitsbegriffes?

Aber warum nicht mal bei mir anfangen: gibt es ein Lied, das mich verändert hat? Gibt es eine Akkordfolge oder musikalische Struktur, die mich zum umdenken gebracht hat? Gibt es eine Melodie, die mir die Augen geöffnet hat? Hat sich ein Text dadurch bei mir eingebrannt, dass er gesungen wurde? Hat ein Musikstück jemals eine neue Lebensphase eingeläutet? Die Musik, die die stärksten Erinnerungen hinterlassen hat, war Tröster, Aufputscher, Spiegel oder auch zufälliger Zeuge von emotionalen Ausnahmezuständen – aber nie Mitwirkende im harmlosen Drama meines Lebens. Die Musik, die mir ans Herz gewachsen ist in den Jahren, ist dies aus den verschiedensten meist unergründeten Gründen, aber zu einem anderen Menschen hat sie mich sicher nicht gemacht. Bin ich da eine Ausnahme?

Oder gehört Selbstüberschätzung nunmal zum Rüstzeug der Liedermacher, Grössenwahn zu jeder Rockband, träumerische Illusion zu jedem Poeten und die Legende, dass die Welt durch einfach und schöne Dinge verändert werden kann, zum Mythenschatz der Menschheit? Und zur Beruhigung kann man sich immer noch diese CD kaufen…

Tödliche Konsequenz

In An Manche on Juni 23, 2009 at 9:38 am

Der ostdeutsche Musiker Gerhard Gundermann arbeitete als Baggerfahrer im Kohlebau, später dann als Tischler, obwohl er es nicht musste, um seine Existenz zu sichern. Wikipedia schreibt: „Seine Maxime, nicht von der Kunst, sondern von „echter Arbeit“ zu leben, um eine kommerzielle Vermarktung seiner Lieder zu verhindern, führte zu einem übermäßig anstrengenden Lebenswandel mit extrem wenig Schlaf. Oftmals fuhr er von einem seiner dreistündigen Konzerte direkt zur Schicht oder umgekehrt, ohne sich eine Pause zu gönnen. Diese Umstände trugen wahrscheinlich maßgebend zu seinem frühen, plötzlichen Tod bei.

Ich glaube, Gundermann hatte recht, dass ein Leben für die Musik die Gefahr birgt, vom kommerziellen Erfolg korrumpiert zu werden, den Erwartungen der Produzenten und der zahlenden Kundschaft entsprechen zu müssen, aber auch den Kontakt zum Leben zu verlieren, in seine persönliche Umlaufbahn zu geraten, die sich um die eigene Grossartigkeit dreht und dann Lieder zu schreiben, die davon handeln, wie es sich so schwebt in dieser Umlaufbahn. Gute Lieder sind gute Geschichten – und die erlebt man nicht, wenn man nicht mit normalen Menschen zu tun hat. Auch gesellschaftliche Missstände gerinnen leicht zu blutleeren Klischees und ritualisierter Klage, wenn man sie nicht mehr am eigenen Leib spüren muss. Viele kommerziell erfolgreiche Musiker scheinen mir (Ferndiagnose) an chronischem Mangel von neuen Impulsen oder akkutem Verlust des Erdbodens zu leiden. Aber musste es so weit kommen, dass Gundermann für diese bewundernswerte Konsequenz sein Leben opfert? Gibt es keinen besseren Weg aus dem Dilemma als zwei Leben auf einmal zu führen?

Auf dünnem Eis

In An Manche on Juni 18, 2009 at 4:44 am
Foto: feverblue

Foto: feverblue

Man geht unbeschwert durchs Leben, vertraut seiner Intuition, hat eine gewisse Orientierung, Stützpfeiler, die das Gedankengebäude zumindest eine zeitlang tragen, man geht auf festem Boden, bildet sich ein Urteil und noch eines, eine Menschenkenntnis, formt Ziele, die ja nichts anderes sind als Projektionen in die Zukunft, man erobert sich den Platz, den man uns gelassen hat, findet möglicherweise sogar ein Leitmotiv in seinem Leben, nickt zufrieden, wenn man recht gehabt hat, vertieft mit jeder Ausnahme den Glauben an die Regeln, man bastelt sich eine Welt, in der man zuhause ist, und wenn alles gut geht, hat man nicht einmal gemerkt, dass das ganze Leben auf einer Reihe von teils durchaus kühnen Annahmen aufgebaut ist, die teils richtig, teils aus den falschen Gründen richtig, teils durch puren Zufall richtig waren.

Als angehender Unternehmer habe ich mir letztens mal eine Liste von Annahmen gemacht, die eintreffen müssen, damit die Unternehmung erfolgreich ist. Die einzelnen Punkte betreffen eigene Fähigkeiten, die ich bei mir selbst noch nicht abrufen musste, die Entwicklung des Marktes, also der Verhaltensweisen von Kunden, die ich noch gar nicht genauer kenne, die Reaktion und Kompetenz von Wettbewerbern, deren Zahl ich sehr wahrscheinlich noch gar nicht vollständig erfasst habe, den Erfolg von sozialen Medien als Marketing-Instrument und noch viele andere Dinge, die eines gemeinsam haben: ein grosses Fragezeichen. Wahrscheinlich ist die Liste nicht mal komplett. Aber sie hilft mir, mir bewusst zu werden, worauf ich vertrauen muss und sie könnte mir als Warnsystem dienen. Und ich vertraue auch darauf, dass mir das Glück zur Seite steht.

Und dann dachte ich: vielleicht sollte ich auch mal eine solche Liste für mein privates Leben aufstellen? Ich habe es nicht gemacht. Wer weiss, ob ich mir dabei nicht bewusst würde, wie dünn das Eis ist, auf dem ich durchs Leben stampfe. Reicht ja, es zu merken, wenn man erstmal im kalten Wasser zappelt. Oder?

Netzwerke: Materialtest

In An Manche on Juni 16, 2009 at 9:16 am
Foto: Lautergold

Foto: Lautergold

„Wer heute nicht mit Social Media anfängt, hat morgen nicht das Netzwerk, das er braucht!“ Diesen Satz hat mir Hannelore zugetwittert, er ist wohl auf dem Deutschen Multimedia-Kongress in ähnlicher Form gesagt worden. Wie das nun mal so ist mit prägnanten, schön formulierten Sätzen, sie betören schon mal allein durch ihre Form und Stringenz, kristallisieren ein vages formloses Gebräu von Gedanken und lösen den Reflex aus zu denken: genau! Und wenn man dann mit den Gedanken wieder weiterwandert, dann verwandelt sich der schöne Satz zum Filter im vorderen Hirnlappen und macht Werbung in eigener Sache (im Volksmund auch Vorurteil genannt).

Deswegen möchte ich den Satz nicht widerstandslos in den Frontallappen einziehen lassen und ihn stattdessen ein wenig hinterfragen. Netzwerke gibt es schon, seit es Menschen gibt. Dazu braucht man keine neuen Medien. Man braucht dazu nur seine Augen und Ohren, seinen Mund und eine gewisse Neugier beim Gang durch das Leben. Der Gründer von Facebook, Marc Zuckerberg, hat mal auf die Frage geantwortet, wie man Netzwerke oder Communities im Internet erzeugt: „Gar nicht, man kann nur bereits existierende abbilden“. Wieder so ein prägnanter Satz. Natürlich entstehen neue Netzwerke – denn was anderes sind meine Kontakte mit meinen Blog-Lesern und den Bloggern, bei denen ich kommentiere, oder die Twitterer, mit denen ich Gedanken austausche?

Doch wie stabil sind diese Netze eigentlich? Enden sie mit dem Blog oder mit dem Löschen des Facebook- oder Twitter-Accounts? Migrieren sie mit mir auf die nächste populäre Platform? Werden sie die Zeit überdauern bis zu dem Tag, an dem sie nützlich werden könnten?

Und was vermögen diese neuen Netze zu leisten? Was weiss ich wirklich von diesen virtuellen Freunden? Würde ich ihnen Geld leihen? Mich für sie bei meinem Chef einsetzen, um ihnen einen Job zu besorgen? Würde ich ihnen meine Kinder anvertrauen? Sicher nicht, ohne sie persönlich getroffen zu haben. Aber würde ich ihnen wenigstens – wenn ich denn könnte – einen Platz in einem Panel besorgen oder die Möglichkeit einen Vortrag zu halten? Ja, wenn die Referenzen stimmen und fachliche Kompetenz erkennbar ist – aber das würde ich auch bei jedem anderen, der mich danach fragt.

Wie effizient ist also dieses Netzwerken verglichen mit den traditionellen Netzwerken? Lassen sie sich überhaupt so einfach voneinander trennen? Könnte es sogar sein, dass die im Web besonders gut Vernetzten vielleicht ihre persönlichen Netzwerke mit ins Web gebracht haben – dass die eigentliche Vernetzungsarbeit ganz klassisch durch den beruflichen Werdegang und den Freundeskreis entstanden ist? Sind vielleicht die verborgenen Bande, die keiner im Internet gespiegelt sieht, die mächtigeren?

Wie oft habe ich schon gedacht, dass ich mit meiner Musik mehr Menschen durch einen einzigen Auftritt in der Fussgängerzone erreichen kann als durch monatelanges Bloggen und Twittern. Ist es vielleicht genauso mit den Netzwerken? Investiert man seine Zeit nicht besser durch das Entwickeln persönlicher als durch das Entwickeln virtueller Kontakte in sozialen Medien? Gesetzt – es geht einem wirklich darum, ein Netzwerk zu schaffen, „das man später braucht“ – denn für mich bleibt Bloggen und Twittern einfach ein kreatives Vergnügen.

Dahingetwagt (9)

In An Manche on Juni 13, 2009 at 11:05 am

Diese Woche auf Twitter:

  • Wer erlebt den eigenen physischen Verfall näher und stärker als Menschen, die regelmässig Sport treiben?
  • Scheitern aufgrund vom Schicksal erzwungener Entscheidungen ist leichter zu ertragen als aufgrund eigener Entscheidungen. ??
  • Seit wann geben denn die Äusserungen von Politikern deren persönliche Meinung wieder?
  • Was wird da eigentlich so gelagert, im bürgerlichen oder im linken Lager? Alte Vorurteile mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum?
  • Gibt es etwas tragischeres als als „Urgestein“ zu enden, bevor man zur „Legende“ werden konnte?
  • Halte ich mir im Leben mehr Optionen offen, wenn ich eine beliebige nutze oder wenn ich sie besser verpasse?

Wie sag ich’s meinem Kinde?

In An Mich on Juni 11, 2009 at 5:55 am
Foto: Photos8.com

Foto: Photos8.com

Ok. Schau deinem Kind in die Augen und sag ihm ins Gesicht, dass du nicht stolz auf es bist, nicht sein kannst, weil du Stolz negativ assoziierst, weil Stolz eine unangenehme Eigenschaft ist, die abgrenzt und überhöht, die dem Egoismus des Menschen huldigt und sogar zu den sogenannten sieben Todsünden gehört, und zudem noch vollkommen unsinnig ist, weil ja es, das Kind, selbst für seine Leistungen verantwortlich ist (wenn in dieser deterministischen Welt überhaupt jemand für irgendetwas verantwortlich ist) und du, das Elternteil, ja nur in geringem Masse, im Rahmen deiner beschränkten Möglichkeiten, als ein Faktor unter vielen zu seiner Entwicklung beigetragen hast. Oder sagst du dann doch lieber: „Ja, natürlich bin ich stolz auf dich!“?

Und wenn es dich fragt, warum der Grossvater tot ist, warum Menschen sterben können, und was mit ihnen passiert, wenn sie sterben, und ob du auch bald sterben könntest oder es selbst, und wie traurig es ist, dass der Grossvater jetzt in der Erde von den Würmern zerfressen wird, dann nimmst du deinen Mut zusammen und erinnerst dich daran, dass du der Wahrheit verpflichtet bist, und erzählst von der Evolution und von egoistischen Genen und dem Nichts, in dem alles verschwinden wird. Und du sagst NICHT im Brustton der Überzeugung (wo soll die auch herkommen?), dass wir uns alle im Himmel wiedersehen werden, dass Grossvater jetzt ein Engel ist, der seine schützende Hand über uns hält, und dass unsere Seelen weiterleben. Oder etwa doch?

Inspiriert durch das Gedicht „Wie sag ich’s meinem Kinde?“ der wunderbaren und doch leider immer mehr in Vergessenheit geratenden Mascha Kaléko.

Es war nicht pädagogisch,
Vom Fortbestand der Seelen,
Und viel zu theologisch,
Vom Himmel zu erzählen.

Doch mangels akkuraten
Berichts aus jenen Sphären,
Erschien es mir geraten,
Zu trösten statt zu lehren.



Charismatiker unentbehrlich?

In An Manche on Juni 9, 2009 at 9:09 am

[Foto: salimfadhley]

Apple hat seinen. Oracle hat einen. Microsoft hat seit ein paar Jahren auch einen. Googles Largei-Serry ist zwar öffentlichkeitsscheu, aber anscheinend durchaus beeindruckend im direkten Kontakt. Und der FC Bayern hatte bekanntlich Oliver Kahn.

Ich hatte letztens die Möglichkeit, mit dieser Gründerin hier zu sprechen und war beeindruckt von ihrer Energie, ihrem Ehrgeiz, ihrer Eloquenz, aber auch ihrer Kompromisslosigkeit, ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Art, Gespräche an sich zu reissen und zu lenken, von ihrem – ja, jetzt ist es raus – von ihrem Charisma. Da ich in ein paar Monaten selbst ein Startup gründen möchte, mein Partner ein eher ruhiger, ernsthafter Vertreter ist, und ich selbst schon häufiger als mundfaul beschrieben wurde, stellt sich die Frage, ob in unserer Mannschaft nicht eine Lücke klafft, die uns zum Verhängnis werden kann und die geschlossen werden sollte.

Braucht ein erfolgreiches Startup-Unternehmen einen charismatischen Gründer? Oder wenigstens jemanden, der keine Probleme damit hat, als Arschloch wahrgenommen zu werden und keine Skrupel besitzt, auf einer Konferenz die Leute so lange mit seiner Idee zu belästigen, bis sie ihm ihre Visitenkarte geben? Der vorne schon wieder zu Tür hereinschaut, während sein Hintern noch vom Fusstritt des Rauswurfs schmerzt? Der einem Unternehmen ein einzigartiges und sofort erkennbares Gesicht gibt? Braucht es so jemanden – oder ist das nur ein medialer Mythos und geht es auch ohne? Oder wächst man vielleicht sogar ganz automatisch in eine solche Rolle hinein? Welche Unternehmen wurden mit lauter freundlichen, zurückhaltenden, höflichen Menschen erfolgreich?

Dahingetwagt (8)

In An Manche on Juni 6, 2009 at 3:04 pm

Diese Woche auf Twitter:

  • Wenn Entscheidungen im Laufe des Lebens immer weniger wichtig sind, sollte man sie dann zwecks Risikominimierung nicht auf ewig verschieben?
  • Können wir nicht einfach ein Foto von dem Ding machen zur Erinnerung und es dann wegschmeissen (das Ding)?
  • Apropos Generation #C64: wie geht es eigentlich Ernst Eiswürfel?
  • Zeigt sich in unseren kleinen Gesten auch der Geist unserer grossen Taten (wenn wir die Möglichkeit hätten, welche zu schaffen)? #fraktal
  • These: Menschen, die sich selbst als blöd bezeichnen, sind zwangsläufig lernunwillig
  • Kann ein Buch die Welt verändern? Oder zumindest ein Leben?
  • Sind Leute, die sich nichts vorzuwerfen haben, nicht automatisch verdächtig?
  • Warum scheint die grösste Befriedigung von Politikern darin, Pakete zu schnüren? Um diskret irgendwelchen Gesetzesschrott zu beseitigen?
  • Gibt’s auf der Erde mehr Menschen, die ich hätte sein wollen als die ich nicht hätte sein wollen?

Erziehung in Zeiten der Gefahr

In An Alle on Juni 4, 2009 at 8:34 am

[Bild: jatop]

Die Generation meines Vaters und meines Grossvaters (und wohl auch die der diversen x-Ur-Grossväter) sind in Zeiten des Krieges, in Zeiten der ständigen Gefahr und Bedrohung aufgewachsen. Ist das möglicherweise auch der Grund, warum sie autoritär erzogen wurden? In Zeiten der Gefahr kann jeder Fehler, jedes Experiment, jeder unbedachte Schritt tödlich sein. Ständiges Hinterfragen von Entscheidungen, langwierige Diskussionen und trotzige Verweigerung konnten katastrophale Folgen haben. Instinktiver und blinder Gehorsam gegenüber den Eltern dagegen verringert dieses Risiko. Ich bemerke an mir selbst, dass ich mit meinem Söhnchen sehr streng, ja rabiat sein kann, wenn wir in der Stadt sind, im Verkehr, umgeben von Autos, umgeben von der Gefahr. Ist das Aufwachsen zwischen und während Kriegen nicht ein Leben in einer dauerhaften potentiellen Gefahren-Situation, in der man sich den Luxus des Abwägens, Ausgleichens, Überzeugens durch Worte nicht leisten kann?

Und was passierte heute bei einem Krieg – wenn wir in Bunker müssten mitten in der Nacht mit unseren Kindern, die sich nicht die Zähne putzen wollen und den ganzen Tag im Schlafanzug trödeln? Wenn wir zu Fuss mehrere Kilometer flüchten müssten mit unseren Kindern, die zu viele Pfunde haben und schnell schlapp machen und jammern? Wenn wir uns von Brot aus Getreideresten und Stroh ernähren müssten, während sonst bereits das Nörgeln losgeht, wenn es Gemüse statt Pommes zum Kotelett gibt? Können wir dann alle den Schalter umlegen und in den Krisenmodus schalten?