Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Offene Fragen der Woche (18)

In An Manche on August 29, 2008 at 9:37 pm
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Das ganze noch mal ohne Emotionen, bitte!

In An Mich on August 28, 2008 at 8:57 am
immobilien für menschen mit emotionen
[Foto: me Maja]

Ein Aktionskünstler names Francis Aly hat in Mexico City in einem Waffenladen eine Feuerwaffe samt Munition gekauft, die Waffe geladen und entsichert, einen Reporter mit versteckter Kamera bestellt und ist dann mit der für jedermann sichtbaren Waffe in der Hand nervös durch die Stadt getigert, bis er nach etwa 12 Minuten vom mehreren Polizisten mit Pistole im Anschlag gestellt und verhaftet wurde.

Mit einer Genehmigung, einer nicht geladenen Waffe und dem gleichen Reporter ist er exakt den gleichen Weg noch einmal gegangen. DIe beiden Filme hat er nebeneinander geschnitten. Sie sind praktisch identisch. Und dennoch zeigen sie so unterschiedliche Vorgänge, die von so unterschiedlichen Emotionen begleitet waren.

Was genau ist also der Unterschied? Zeigen wirklich beide das gleiche? Kann der Zuschauer diesen Unterschied entdecken? Welcher der beiden FIlme ist wahrer als der andere? Machen die echten Emotionen den ersten Film wahrer?

Jeder Farbtupfer ist ein Mensch

In An Manche on August 26, 2008 at 9:08 am

[Foto: notsogoodphotograph hy]

Peking am 24.8.2008: Hunderte von Menschen folgen einer Geisterhand, erheben sich über ihre Individualität, verschmelzen in einer gigantischen Animation, verwandeln sich in ein funkelndes Formen- und Farbenspiel. Doch hinter jedem Farbtupfer steht ein Mensch. Monate- oder gar Jahre probte jeder unter Entbehrungen für diesen grossen Moment der Perfektion, der unbedingte Unterordnung, Aufgabe der eigenen Wünsche, Gedanken und Gefühle erfordert, der nicht die kleinste Abweichung von der vorgegebenen Choreographie erlaubt, der dem Einzelnen keinen Zentimeter Raum lässt, sondern das Opfern der eigenen Persönlichkeit für das gemeinsame, grosse Ziel als Preis verlangt.

Bei den Tänzern der Zeremonien der Olympischen Spiel darf man zumindest hoffen, dass dieses Opfern freiwillig geschah und zeitlich begrenzt ist. Bei manchen grossen Bauwerken wie den Pyramiden von Gizeh, dem Schloss Sanssouci oder in neuerer Zeit dem Empire State Building stimmt das nicht, dort wirkte politischer oder wirtschaftlicher Zwang und kostete zahlreichen Arbeitern ihr Leben.

Ist der Preis des Grossen, des Perfekten, des Aussergewöhnlichen immer der gleiche – die Unterdrückung der Bedürfnisse des Einzelnen, das Opfern des Leibes oder der Seele der Mitwirkenden? Kann eine Gesellschaft überhaupt Grosses leisten, ohne einen Teil seiner Bevölkerung dafür zu opfern? Was ist, wenn sich niemand mehr opfern will? Wie geschützt ist eine solche Gesellschaft gegen Sabotage? Was wäre passiert, wenn nur eine Handvoll der Artisten abweichende Wege beschritten hätte – wäre das Werk nicht in Kürze dem Chaos verfallen?

Offene Fragen der Woche (17)

In An Manche on August 22, 2008 at 8:40 am

Ist die Zukunft gleichmässig verteilt?

In An Mich on August 20, 2008 at 8:33 am

[Foto: Alexander Drachmann]

Gar nicht so einfach, nach drei Wochen Pause wieder zu bloggen. Ich muss mich erst mal wieder fragen, warum ich überhaupt damit angefangen habe. Und dann, ob ich diesem Warum irgendwie näher gekommen bin. Und schliesslich auch, ob es sich lohnt, weiter zu machen.

Wie war das also nochmal, warum blogge ich? Ach ja, ich wollte der Frage mehr Gewicht geben, dem Zweifel, der Ungewissheit in einer Gesellschaft, in der mit Meinungen scharfgeschossen wird, in der so viele in ihrer Selbstgefälligkeit das Banner ihrer Wahrheit in die Höhe halten und die Welt aus genau einer – ihrer – Perspektive kommentieren, als gäbe es keine zweite oder dritte oder hundertste. In der sich lauter Einäugige über vermeintlich Blinde lustig machen. Was ist denn so besonderes an einer eigenen Meinung? Hat denn nicht jeder eine? Ist es denn nicht viel schwieriger, mal keine Meinung zu haben? Eine Distanz zu meinen eigenen Vorurteilen zu finden und sie somit zu entlarven, ja, das war auch ein Motiv.

Und? Bin ich dem Ziel näher gekommen? Lohnt es sich wirklich, dafür Zeit, Mühe und Energie zu investieren? Lohnt es sich weiterzumachen? Diese Fragen verdränge ich jetzt einfach mal und versuche der Frage nach dem Sinn dieses Blogs mit einer Ausweich-Frage zu begegnen: Ist die Zukunft gleichmässig verteilt?