Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Archive for Januar 2008|Monthly archive page

Einzigartig normal

In An Mich on Januar 31, 2008 at 9:31 am

Palm

[Foto: nat_olly]

Einzigartig: (Gute) Eltern halten ihre eigenen Kinder für etwas Besonderes. Sie sind stolz, wenn ihre Kinder irgendwo die besten sind. Sie freuen sich, wenn sie sich von der Masse abheben. Sie preisen ihre einzigartigen Talente, die sie von anderen Kindern unterscheidet.

Normal: Andererseits sind sie sehr besorgt, wenn ihre Kinder auffällig sind, anders als andere Kinder, wenn sie sich nicht gut einfügen können, zu schüchtern sind, zu aggressiv, zu laut. Sorgsam wachen sie über die Normalität.

Täusche ich mich oder habe ich da eine kleine Alltagsschizophrenie entdeckt?

Advertisements

Umfaller?

In An Manche on Januar 29, 2008 at 4:15 pm

Umgefallen

[Foto: Soy Un Playmobil]

Ist die FPD ein Umfaller, wenn sie eine Ampel-Koalition eingeht? Ist die SPD ein Umfaller, wenn sie sich von der Linkspartei unterstützen lässt? Sind die CDU und die Grünen Umfaller, wenn sie eine Jamaika-Koalition schmieden? Umfallen kann man ja eigentlich nur, wenn man vorher aufrecht gestanden hat, oder?

Warum hängen sich die Parteien ohnehin vor Wahlen so weit aus dem Fenster und ketten ihr Schicksal an das der anderen Parteien? Baut ernsthaft noch irgendein Wähler auf Versprechen vor einer Wahl? Wäre es nicht für alle ein Befreiungsschlag, hemmungslos kopulieren koalieren zu können?

Warum koalieren man eigentlich überhaupt – man könnte doch Mehrheiten einfach pro Thema schmieden? Würde das dem Wählerwillen nicht näher kommen?


Siehe auch:

Der Fluch der Produktivität?

In An Manche on Januar 28, 2008 at 9:02 am

Mal angenommen, 10 Leute stranden auf einer Insel. Zunächst werden sie all ihre Zeit ohne Unterlass damit beschäftigt sein, etwas zu essen zu finden und einen geschützten Unterschlupf zu finden. Sie werden nach einiger Zeit Werkzeuge bauen und Methoden entwickeln, die es ihnen erlauben, effizienter zu werden und ihre Arbeitslast erheblich zu reduzieren. Dem gesunden Menschenverstand folgend, werden sie die verbleibende Arbeit auf alle 10 verteilen, jeder wird also von der steigenden Produktivität profitieren und alle ernährt werden können.

Wenn sie allerdings einen Industriestaat als Vorbild nehmen würden, würden 3 Leute weiter Tag und Nacht schuften, 3 würden so tun als ob und für den Rest bliebe nichts zu tun, er müsste aber ein gewisses Engagement zeigen, seine Nützlichkeit beweisen, um überhaupt etwas zu essen zu bekommen.

Wäre das nicht völlig bescheuert?

Börsencrash: das Schweigen der Blogger

In An Manche on Januar 24, 2008 at 11:51 am

Bärenmarkt

 [Foto: janten]

Die Börsenturbulenzen bestimmen seit drei Tagen Print-Medien und Fernsehen. Die Blogosphäre hingegen nimmt das Thema so gut wie nicht wahr (Ausnahme: Spiegelfechter). Warum ist das so? Ich glaube nicht, dass es an Inkompetenz oder Selbstüberschätzung liegt. Es scheint nur keine Blogger zu geben, die sich dafür interessieren. Ich erwarte von Blogs wie Spreeblick oder Nerdcore auch nicht, dass sie ihren Senf zu wirtschaftlichen Entwicklungen abgeben. Das würde mich sogar irritieren.

Allerdings ist es doch seltsam, dass sehr viel über Startups gebloggt wird, aber keines der Technologie-Blogs, Gründer-Blogs, Startup-Blogs, VC-Blogs, Web2.0-Blogs – auch kein Techcrunch oder Basicthinking– mal darüber nachdenkt, welchen Einfluss diese Turbulenzen auf ihre Themen oder gar ihre Existenz haben. Hat nicht der letzte Börsencrash im Jahr 2000 die Träume einer ganzen Generation von Gründern ausgelöscht und eine mehrjährige Risikokapital-Eiszeit ausgelöst? Hält man das für eine wirtschaftsgeschichtliche Ausnahme?

Werden solche Gedanken verdrängt? Oder schätzt man die Turbulenzen als nicht relevant ein? Oder ist der Tunnelblick eine Qualität von Gründern? Ich wundere mich.

Das Leben der Anderen

In An Alle on Januar 21, 2008 at 8:44 pm

Auch wenn die Geschichte im „Das Leben der Anderen“ erfunden ist und in der geschilderten Weise nie stattgefunden hat, ist es nicht geradezu wahrscheinlich, dass es eine Menge Abhörer gab, die mit den Angehörten sympathisierten und bestimmte kompromittierende Fakten wegliessen, schönten, herunterspielten?

Ist dies bereits eine Heldentat? Ein Akt der Sabotage, der den Niedergang des Systems mitbefördert hat? Oder hätte ein eindeutiges Nein nicht mehr geholfen? Ist die Verstrickung in die Machenschaften einer Diktatur bereits ein Verbrechen oder ein erster Schritt dahin? Kann man da überhaupt wieder raus, wenn man erst mal angefangen hat? Sinkt man nicht zwangsläufig ein in den Sumpf des Misstrauens, der Lüge, der Fehlinformation, der Erpressung, der Korrumpierung?

Sind wir nicht alle Werber?

In An Manche on Januar 18, 2008 at 5:26 pm

Google macht eine sehr sorgfältige Trennung zwischen organischen Suchergebnissen und bezahlten Suchergebnissen. Organische Links werden nach Relevanz ausgewählt (was immer das sein mag), bezahlte Links (auch AdWords genannt) vor allem nach dem gebotenen Preis der Werber für Suchwörter.

Es scheint, dass Suchende aber mehr Vertrauen in die organischen Links haben (wahrscheinlich weil diese nicht explizit als Werbung deklariert sind). Als Ergebnis bildete sich ein ganzer Industriezweig: die Suchmaschinenoptimierer (SEO). Diese Leute entwickeln und verwenden Methoden, um die Links ihrer Kunden in der organischen Suche weiter oben erscheinen zu lassen. Das ganze scheint für viele Werber rentabler zu sein als für das Erscheinen von Werbelinks zu bezahlen. Google ist das natürlich ein Dorn im Auge, weil erstens die Relevanz organischer Ergebnisse kompromittiert wird und weil sie zweitens Werbeeinnahmen von Firmen verlieren, die sonst gezwungen wären, für das Erscheinen der Links zu zahlen. Und so entwickelt sich seit einigen Jahren ein Katz-und-Maus-Spiel: Google ändert den Suchalgorithmus, die SEOs passen ihre Methoden an.

Sind das – aus Sicht von Google – nicht verschwendete Energien? Und ist das überhaupt im Sinne der Benutzer, also derjenigen, die etwas Relevantes im Netz suchen? Die Suchqualität scheint zu sinken – ist die Zeit für etwas anderes gekommen?

Ich stelle deshalb mal einen ketzerischen Vorschlag in den Raum: warum schafft Google die Trennung in organische und bezahlte Links nicht einfach ab und lässt alle dafür zahlen, die Links zu ihrer Seite oben zu platzieren? Jeder kann seine Seite selbst anhand von Schlüsselwörtern indizieren und einen Preis nennen – wobei der Preis auch 0 Euro sein kann. Die Suche nach Schlüsselwörtern, für die sich niemand registriert hat, bleibt ergebnislos. Ansonsten werden die Ergebnisse in der Reihenfolge der aktuellen Gebote gezeigt. Wären die Ergebnisse wirklich schlechter als heute?

Bücher und Lachen

In An Mich on Januar 17, 2008 at 10:06 pm

…sind die häufigsten Suchbegriffe, die Leser auf das Frage-Blog führen. Eine Aufforderung, mehr über Bücher zu schreiben? Oder mehr über sich selbst zu lachen?

Ameisen und Startups

In An Manche on Januar 17, 2008 at 9:35 am

Tote Ameise

[Foto: husbandunit]

Ameisen strömen in alle Richtungen aus, um Futter zu suchen. Diejenigen, die etwas gefunden haben, signalisieren den anderen den Fundort. Das Futter kommt der ganzen Kolonie zugute. Statistisch gesehen sind es immer wieder andere Ameisen, die erfolgreich sind. Natürlich – denn der ganze Mechanismus ist darauf ausgelegt, alle mögliche Wege zum Futter zu untersuchen, auch die verkehrten. Keine Ameise wird dafür bestraft, kein Futter gefunden zu haben. Keine Ameise wird zum Superstar, weil sie zufällig etwas gefunden hat.

Das Gründen von Startups erinnert von einem übergeordneten Blickwinkel auch an eine Ameisenkolonie. Gründerameisen schwärmen aus, um tragfertige Ideen zu finden. Nur wenige finden den richtigen Weg. Im Gegensatz zu Ameisen kooperieren sie zwar nicht, von Erfolgen profitieren aber in gewisser Weise wieder alle – andere Startups durch Investitionsgelder, die Volkswirtschaft durch Innovation und Wertschöpfung. Im Gegensatz zu Ameisen werden die Gewinner aber gefeiert und übermässig belohnt – und die anderen oft als Verlierer abgestempelt, was ohne Frage kontraproduktiv ist. Nur dort, wo auch die Verlierer gewürdigt werden, schwärmen genügend aus.

Ist nicht unserere ganze Gesellschaft ein Ameisenhaufen, der die Verlierer bestraft und individuelle Leistung überbewertet?

Kopflos?

In An Manche on Januar 16, 2008 at 10:10 am

Kopflos

[Foto: henteaser]

Seit einem halben Jahr hat Belgien keine gewählte Regierung, so beginnt dieser FAZ.net-Artikel. Das Leben in Belgien scheint aber trotzdem weiterzugehen.

Was ist also so schlimm daran, keine Regierung zu haben? Was würde denn in Deutschland passieren, gäbe es ein paar Jahre lang keinen Bundeskanzler, kein Kabinett, keine Bundestagssitzungen? Der Bundespräsident müsste dann halt ein paar Besucher mehr empfangen und es würden keine neuen Gesetze verabschiedet. Aber die alten Gesetze gelten ja weiter. Die meisten Gesetze sind ja ohnehin schon uralt. Ein paar Jahre länger werden sie’s dann auch tun. Und die Verwaltungen in Exekutive und Judikative arbeiten ja auch weiter. Und sonst? Keine Wahlkämpfe mehr und keine Machtkämpfe, keine billige Polemik, kein Schaulaufen in Talk-Shows, keine Pseudo-Diskussionen in Parlamenten, keine Gehälter für Vor- und Hinterbänkler, keine Ansprechpartner für Lobbyisten. Ist das nicht eher angenehm? Verliert Deutschland dann seinen Kopf – oder vielmehr seinen Blinddarm oder gar ein Magengeschwür?

Und wenn man wirklich mal ein Gesetz braucht, könnten Vorschläge ja von Bürgerinitiativen kommen und von den zuständigen Beamten in den Ministerien ausgearbeitet werden. Hat das schonmal jemand vorgeschlagen?

Anerkennung

In An Mich on Januar 15, 2008 at 11:17 am

Puzzle

[Foto: INTVGene]

Meine Frau beglückt mich quasi jede Woche mit einer neuen Geschichte über ein Kind, von dem sie geherzt, geküsst, gedrückt wurde. An Weihnachten bekommt sie Briefe mit Liebeserklärungen und Zeichnungen und selbstgebastelte Geschenke von ihren Schülern. Als Lehrerin (zumindest in der Grundschule) bekommt man regelmässig Anerkennung für die professionellen Mühen, die man auf sich nimmt. Das hilft, den Sinn der eigenen Tätigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber wer gibt uns Informatikern eigentlich die Anerkennung? Man programmiert etwas, das in ein Produkt eingeht, das dann von Menschen benutzt wird, die man nicht kennt, das vielleicht sogar dazu führt, dass Menschen ihre Arbeit verlieren, die man nicht kennt…

Wer also: das Programm selbst, das ich gecodet habe, nämlich dann wenn es funktioniert, wie es geplant ist – oder einfach elegant programmiert ist? Mein Chef, indem er mich für meinen Einsatz lobt? Der Kunde, indem er das Programm kauft und benutzt? Der Gehaltscheck am Ende des Monats? Alles sehr abstrakt. Reicht das auf Dauer wirklich aus? Muss ich diese Aufgabe, mir Anerkennung zukommen zu lassen, besser selbst übernehmen?