Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Offene Fragen der Woche (36)

In An Manche on Januar 29, 2009 at 12:22 pm
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Das Böse im Auftrag des Guten

In An Niemanden on Januar 29, 2009 at 10:20 am

[Foto: Uli Harder]

Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,

Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;

Drum geb‘ ich gern ihm den Gesellen zu,

Der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen

(Goethes Faust, Prolog im Himmel)

Nach Goethe ist das Böse – anscheinend ohne sich darüber klar zu sein – im Auftrag des Guten unterwegs. Es wurde geschaffen, um das Gute zu mobilisieren und die Menschen durch einen ewigen Kampf mit der Versuchung von Gott zu emanzipieren und voranzubringen. Was aber, wenn sich das Böse dieser Manipulation bewusst wird? Müsste es dann nicht, um den grösstmöglichen Schaden anzurichten und Gottes Strategie zu unterlaufen,  ganz einfach nichts tun, abwesend werden, die Menschen ohne sein Zutun erschlaffen zu lassen? Oder ist Gottes Strategie mit dem Risiko verbunden, dass das Böse tatsächlich die Oberhand gewinnt und die Menschheit gegen sie selbst und gegen Gott lenken wird – wurde der Gegner unterschätzt?

Das Tempo anziehen?

In An Mich on Januar 26, 2009 at 11:04 pm

[Foto: eriwst]

Gesetzt ich hätte die Wahl und bräuchte täglich 4 Stunden weniger Schlaf, müsste die gewonnenen Stunden aber am Ende meines Lebens zurückzahlen. Also: jeden Tag 4 Stunden zusätzliche Zeit für Hobbies, eigene Projekte, für die Familie, für den nie begonnenen Roman, die Komposition des Avantgarde-Musical des 21. Jahrhunderts, für viele schwelende Träume und Ideen – und dafür 7-8 Jahre früher von der Erde verschwinden. Würde ich einschlagen? Ist das nicht verlockend, ein paar müde Jahre am Stock aufgeben gegen Jahre in der Blüte meiner Schaffenskraft? Wer möchte nicht „lieber verbrennen, als so’n leiser Furz zu sein“ (Westernhagen, Bar bezahlt)?

Für diesen Deal bräuchte ich nicht mal den Teufel, den könnte ich auch mit mir alleine abschliessen – viele Rock-Stars, Schauspieler, Unternehmer reissen sich einfach diese zusätzliche Zeit aus ihrem Körper, um an ihren Träumen zu schaffen, sie schlafen weniger, halten sich mit Drogen unter Strom, verzehren sich gesundheitlich und verbrennen dabei meist geräuschvoll. Und opfern weit mehr Jahre als in meiner kleinen Rechnung…

Aber ist es nicht auch reizvoll, ein bisschen danebenzustehen und zu schauen, abzuwarten, was das Leben neues bringt, was denn noch so kommt, sich ein bisschen umzuschauen, zu bummeln, seine Kräfte einzuteilen und einfach etwas länger zu bleiben?

Der Generator

In An Manche on Januar 25, 2009 at 2:31 am

Wieviele Hits lassen sich aus 4 Akkorden basteln?

(via Fudder)

Schatten meiner selbst

In An Manche on Januar 22, 2009 at 12:24 pm

Ein grippaler Infekt hat mich niedergelegt. Ich bin gerade nicht ich selbst. Zerschlagen, unkonzentriert, willensschwach, lustlos, freudlos. Bin ich also gerade ein Anderer, ein anderer Charakter? Aber wann bin ich eigentlich überhaupt ich selbst? Gibt es denn nicht ständig irgendwelche äusseren Umstände, die mich zu etwas anderem machen als ich glaube zu sein? Welchen Wert hat es, vom „ich selbst“ zu sprechen, wenn es lediglich Knet in den Händen meiner Umgebung ist, zufälliges Resultat des komplexen Zusammenspiels mit unzähligen, sichtbaren und unsichtbaren Kräften? Oder ist dieses „ich“ das, was immer gleich bleibt, das keine Grippe, kein Schicksalsschlag, aber auch keine Erkenntnis erschüttern kann (wer möchte so etwas?)?

Mein „ich“ ist womöglich mein gerade aktuelles, persönliches Idealbild von mir selbst, das sich unvermeidlich durch neue Erfahrungen, durch meine eigene Veränderung mitverändert – ich bin also tatsächlich der Schatten meines „ich selbst“, das wenige des Möglichen, was wirklich wurde. War ich unklar genug? Habe ich jetzt einen Begriff mit sich selbst erklärt?

[Foto: zen]

Next Generation

In An Alle on Januar 20, 2009 at 10:04 am

Gibt es irgendein Produkt, das als Next Generation beworben wurde und (trotzdem) erfolgreich war?

[Foto: venana]

Offene Fragen der Woche (35)

In An Manche on Januar 16, 2009 at 1:04 pm

Weisst du…?

In An Mich on Januar 15, 2009 at 12:43 am

[Foto: 30003019]

Eine Um-Frage voller Un-Fragen von Eurem Um-Fragezeichner:

[Idee]

Fragen früher, Fragen heute

In An Alle on Januar 13, 2009 at 9:13 am

Wohin gehen wir heute abend? Welches Spülmaschinen-Modell kaufen wir?

Fragen von früher und Fragen von heute: welche sind tiefgründiger?

Habe ich bei der kleinen Brünetten eine Chance? Wie sieht der nächste Karriere-Schritt aus?

Fragen von früher und Fragen von heute: stehen sie in einer Kontinuität oder gab es irgendwann mal einen Bruch?

Ist Revolution der einzige gangbare Weg zur Veränderung? Zahle ich zuviel Steuern?

Fragen von früher und Fragen von heute: kommen sie von innen oder von aussen?

Und die Fragen von morgen?

Kühler Pädagoge

In An Manche on Januar 8, 2009 at 9:40 am

[Foto: Alinalina]

Wenn ich mit meinem Söhnchen Schach spiele, gibt es schon mal blanke Wut, wenn seine Dame vorzeitig das Feld räumen muss, und tiefe Trauer, wenn sein König sich nicht mehr aus dem Schach befreien kann. Niederlagen hinzunehmen ist nicht einfach. Wenn er seine Felle schwinden sieht, mogelt sich plötzlich ein Turm in eine gute Position, gibt es ellenlange Diskussionen darüber, ob Bauern nicht doch auch nach hinten schlagen können und Läufer andere Figuren überspringen, und manchmal muss ich mich aus Gründen der Harmonie auf das Zurücknehmen von ganzen Zugkombinationen einlassen. Auch Stofftiere greifen manchmal brutal in das Spiel ein.

Seit kurzem spielt er auch immer mal gegen den Computer. Und siehe da: er verliert ohne Tränen, er akzeptiert die Regeln ohne zu schimpfen und Niederlagen mit der Motivation, das nächste Mal zu gewinnen. Der Computer scheint meinem Söhnchen die Gelassenheit, Niederlagen zu akzeptieren, besser beizubringen als ich. Kann ein Computer ein besserer Pädogoge sein als ein Mensch?