Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Tödliche Konsequenz

In An Manche on Juni 23, 2009 at 9:38 am

Der ostdeutsche Musiker Gerhard Gundermann arbeitete als Baggerfahrer im Kohlebau, später dann als Tischler, obwohl er es nicht musste, um seine Existenz zu sichern. Wikipedia schreibt: „Seine Maxime, nicht von der Kunst, sondern von „echter Arbeit“ zu leben, um eine kommerzielle Vermarktung seiner Lieder zu verhindern, führte zu einem übermäßig anstrengenden Lebenswandel mit extrem wenig Schlaf. Oftmals fuhr er von einem seiner dreistündigen Konzerte direkt zur Schicht oder umgekehrt, ohne sich eine Pause zu gönnen. Diese Umstände trugen wahrscheinlich maßgebend zu seinem frühen, plötzlichen Tod bei.

Ich glaube, Gundermann hatte recht, dass ein Leben für die Musik die Gefahr birgt, vom kommerziellen Erfolg korrumpiert zu werden, den Erwartungen der Produzenten und der zahlenden Kundschaft entsprechen zu müssen, aber auch den Kontakt zum Leben zu verlieren, in seine persönliche Umlaufbahn zu geraten, die sich um die eigene Grossartigkeit dreht und dann Lieder zu schreiben, die davon handeln, wie es sich so schwebt in dieser Umlaufbahn. Gute Lieder sind gute Geschichten – und die erlebt man nicht, wenn man nicht mit normalen Menschen zu tun hat. Auch gesellschaftliche Missstände gerinnen leicht zu blutleeren Klischees und ritualisierter Klage, wenn man sie nicht mehr am eigenen Leib spüren muss. Viele kommerziell erfolgreiche Musiker scheinen mir (Ferndiagnose) an chronischem Mangel von neuen Impulsen oder akkutem Verlust des Erdbodens zu leiden. Aber musste es so weit kommen, dass Gundermann für diese bewundernswerte Konsequenz sein Leben opfert? Gibt es keinen besseren Weg aus dem Dilemma als zwei Leben auf einmal zu führen?

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Das Tempo anziehen?

In An Mich on Januar 26, 2009 at 11:04 pm

[Foto: eriwst]

Gesetzt ich hätte die Wahl und bräuchte täglich 4 Stunden weniger Schlaf, müsste die gewonnenen Stunden aber am Ende meines Lebens zurückzahlen. Also: jeden Tag 4 Stunden zusätzliche Zeit für Hobbies, eigene Projekte, für die Familie, für den nie begonnenen Roman, die Komposition des Avantgarde-Musical des 21. Jahrhunderts, für viele schwelende Träume und Ideen – und dafür 7-8 Jahre früher von der Erde verschwinden. Würde ich einschlagen? Ist das nicht verlockend, ein paar müde Jahre am Stock aufgeben gegen Jahre in der Blüte meiner Schaffenskraft? Wer möchte nicht „lieber verbrennen, als so’n leiser Furz zu sein“ (Westernhagen, Bar bezahlt)?

Für diesen Deal bräuchte ich nicht mal den Teufel, den könnte ich auch mit mir alleine abschliessen – viele Rock-Stars, Schauspieler, Unternehmer reissen sich einfach diese zusätzliche Zeit aus ihrem Körper, um an ihren Träumen zu schaffen, sie schlafen weniger, halten sich mit Drogen unter Strom, verzehren sich gesundheitlich und verbrennen dabei meist geräuschvoll. Und opfern weit mehr Jahre als in meiner kleinen Rechnung…

Aber ist es nicht auch reizvoll, ein bisschen danebenzustehen und zu schauen, abzuwarten, was das Leben neues bringt, was denn noch so kommt, sich ein bisschen umzuschauen, zu bummeln, seine Kräfte einzuteilen und einfach etwas länger zu bleiben?

Konsequenz oder Dummheit?

In An Mich on Oktober 30, 2008 at 9:40 am

In Südfrankreich ist es auch Ende Oktober noch sonnig und mild. Gestern überholte ich auf dem Weg zur Arbeit bei leichtem Regen ein Cabrio. Der Fahrer hatte das Dach offen und machte keine Anstalten, es zu schliessen. Dummheit? Er hatte übrigens auch die Scheibenwischer nicht an. Konsequenz?