Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

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Silvester-Gedanken 2008/2009

In An Manche on Dezember 31, 2009 at 6:05 pm

Foto: Joachim S. Müller

Als ich mit meinen alten Freunden im Café unter lauter 20-25jährigen sass, fragte ich in die Runde, ob gerne noch mal jemand die Zeit zurückdrehen würde. Es fand sich niemand. Denn man müsste ja alles vergessen und verschwinden lassen, was in den letzten 20 Jahren passiert ist – Liebesleid, Prüfungsstress, Freundschaften, Ideen, Enttäuschungen, Familie, Erfahrungen, Wohlstand, Unabhängigkeit. Und dann wäre man ja wieder der Mensch von damals in in zwanzig Jahren der von heute. Sinnloses Unterfangen. Der Mensch bezahlt seine Entwicklung mit dem Leben. Geniales Konzept!

Während meines Zivildienstes betreute ich Nico, der als damals 20jähriger den körperlichen und geistigen Entwicklungsstand eines 12jährigen hatte. Mittlerweile ist er ein vierzigjähriger Zwölfjähriger. Keine Falten, keine neuen Interessen, kein Fortschritt. Alles, was an Wahrnehmungen und Erfahrungen ausserhalb der mentalen Aufnahmefähigkeit eines 12jährigen liegt, prallt ohne Wirkung an ihm ab. Man muss älter werden, um sich zu entwickeln. Das Gehirn ist kein Speicher, den man irgendwie füllen muss, um den Träger zu einer Persönlichkeit zu machen. Der Körper muss den Träger verändern, damit das Erfahrene auf fruchtbaren Boden fallen kann.

Wird es nicht von Jahr zu Jahr wichtiger zu filtern: immer weniger verbliebene Zeit, aber immer mehr Eindrücke, neue aber auch alte, hochgeschwemmte, die Aufmerksamkeit und Energie beanspruchen? Mehr Bekanntschaften, mehr Bücher im Regal, mehr Musik, mehr Erinnerungen – was davon sollte man entsorgen? Was ist wirklich essentiell? Mit was sollte man sich erst gar nicht beschäftigen?

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Das Musikalische Manifest des Fragezeichners

In Lieder on September 7, 2009 at 8:39 am

„Darauf noch ne Frage“ [Download]


Darauf noch ne Frage

Wenn man keine Antwort weiss – und das wissen schon die Kinder
bleibt man erstmal still und leis, redet keinen Scheiss‘, das ist viel gesünder
Wahrheit springt uns schon genug aus jedem zweiten Buch
mitten in unsere Visage, darauf noch ne Frage

Wer sorgsam Inzest treibt mit seinen Meinungsverwandten
sich im Vorurteil verbeisst, in seinem Datensilo kreist wie ein Selbstverbannter
Den verwickeln wir im Nu in seinen eigenen Schmus
indem wir gar nichts sagen, darauf noch ne Frage

Wenn der Lagerkoller schmerzt, zwischen all den alten Büchsen
die wie ein Ei dem anderen gleichend, aussen hart und innen weich sind, und sich gegenseitig stützen
Dann rollt doch mal ne Kugel, das gibt einen Trubel
dass der Zweifel an uns nage, darauf noch ne Frage

Manch ein Blick ist eingeengt auf ein ganz bestimmtes Muster
das der Betrachter sehr gut kennt, das er stolz „mein Weltbild“ nennt, andere nennen es „illuster“
Drum den Kopf mal kurz verdrehen und was Ungeschautes sehen
wechselt mal die Lage, darauf noch ne Frage

Antwort ist ein Wort mit Ant, viel zu kurz für ’nen Gedanken
was als Wahrheit uns erscheint, ist im Kleid der Einfachheit nur die Angst vor etwas anderem
Keine Dächer ohne Wände, kein Kratzen ohne Hände
kein Anfang ohne Ende, kein Fortschritt ohne Plage
keine Antwort ohne Frage, darauf noch ne Frage

(Text u. Musik: M.Jung)

Das Lied steht unter der folgenden Creativ-Commons-Lizenz. Bearbeitung und Verbreitung ausdrücklich erwünscht!

Dahingetwagt (10)

In An Manche on Juli 4, 2009 at 11:17 pm

Die letzten 3 Wochen auf Twitter:

  • Woher kommen eigentlich neue, originäre Ideen?
  • Wäre die Wirtschaft stabiler, wenn es keinen Aktien- oder Derivatehandel geben würde – also Spekulation im grossen Massstab nicht möglich?
  • Werden wir mit dem Alter materialistischer?
  • Gleichgewicht – wer kümmert sich drum? Oder kann es nur entstehen, wenn niemand sich drum kümmert?
  • Schade, dass man aus Blogs kein Pappmaché machen kann. Wie geht das heute eigentlich, wenn man keine Tageszeitung mehr abonniert hat?
  • These: Die Entsprechung des Gottesbegriffs in der Logik ist Rekursion
  • Logischer Schluss: Menschen können nur dann für ihre Taten verantwortlich gemacht werden, wenn sie sich selbst geschaffen haben. Einwände?
  • Ihr wollt keine Mitläufer? Sollen also alle vorneweglaufen? Oder hinterher?
  • Wenn wir alle einzigartig sind, sind wir denn dann noch was besonderes?
  • Gibt es eigentlich irgendeine Tätigkeit, die nicht irgendjemand anderem das Wasser abgräbt?
  • Ist die Zeit der Genies endgültig vorbei?
  • Würden sie einem ihrer Twitter-Kontake eine Niere spenden?
  • Wie lässt sich verhindern, dass der Lebensweg sich von einem Dschungelpfad in eine Autobahn verwandelt?

Dahingetwagt (9)

In An Manche on Juni 13, 2009 at 11:05 am

Diese Woche auf Twitter:

  • Wer erlebt den eigenen physischen Verfall näher und stärker als Menschen, die regelmässig Sport treiben?
  • Scheitern aufgrund vom Schicksal erzwungener Entscheidungen ist leichter zu ertragen als aufgrund eigener Entscheidungen. ??
  • Seit wann geben denn die Äusserungen von Politikern deren persönliche Meinung wieder?
  • Was wird da eigentlich so gelagert, im bürgerlichen oder im linken Lager? Alte Vorurteile mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum?
  • Gibt es etwas tragischeres als als „Urgestein“ zu enden, bevor man zur „Legende“ werden konnte?
  • Halte ich mir im Leben mehr Optionen offen, wenn ich eine beliebige nutze oder wenn ich sie besser verpasse?

Dahingetwagt (8)

In An Manche on Juni 6, 2009 at 3:04 pm

Diese Woche auf Twitter:

  • Wenn Entscheidungen im Laufe des Lebens immer weniger wichtig sind, sollte man sie dann zwecks Risikominimierung nicht auf ewig verschieben?
  • Können wir nicht einfach ein Foto von dem Ding machen zur Erinnerung und es dann wegschmeissen (das Ding)?
  • Apropos Generation #C64: wie geht es eigentlich Ernst Eiswürfel?
  • Zeigt sich in unseren kleinen Gesten auch der Geist unserer grossen Taten (wenn wir die Möglichkeit hätten, welche zu schaffen)? #fraktal
  • These: Menschen, die sich selbst als blöd bezeichnen, sind zwangsläufig lernunwillig
  • Kann ein Buch die Welt verändern? Oder zumindest ein Leben?
  • Sind Leute, die sich nichts vorzuwerfen haben, nicht automatisch verdächtig?
  • Warum scheint die grösste Befriedigung von Politikern darin, Pakete zu schnüren? Um diskret irgendwelchen Gesetzesschrott zu beseitigen?
  • Gibt’s auf der Erde mehr Menschen, die ich hätte sein wollen als die ich nicht hätte sein wollen?

Dahingetwagt (7)

In An Manche on Mai 31, 2009 at 6:01 pm

Die letzten zwei Wochen auf Twitter

  • Ob man wohl einen Sinn in seinem Leben gefunden haben muss, um anderen Leben einen Sinn zugestehen zu können?
  • „Du hast dich gar nicht verändert!“ – steht es so schlimm um mich oder will man mich nur aufziehen?
  • Sind die 5% in jeder Umfrage, die den Bundespräsidenten nicht kennen, Shakespeare für ne Getränkesorte halten usw – immer die gleichen?
  • Täusche ich mich oder trägst du dein Gehirn heute anders?
  • Ist „Fragen“ wirklich das gleiche wie „Wissen wollen“?
  • Wie hat sich eigentlich die maximale Lebenserwartung (nicht die durchschnittliche) in den letzten 500 Jahren verändert? Hat sie überhaupt?
  • Gerade mal nach „buddhistischer Terrorist“ gegoogelt. Nichts gefunden. Ist das überraschend?
  • Sind Sensible schüchterner? Sind Schüchterne sensibler?
  • Haben wir ein Recht auf Unglück und Leid? (aus Huxleys „Schöne Neue Welt“)
  • Warum gibt es eigentlich keinen Twitter-Account @liedermacher – gibt es keine Liedermacher mehr oder haben die alle keinen DSL-Anschluss?
  • Wenn Entscheidungen im Laufe des Lebens immer weniger wichtig sind, sollte man sie dann zwecks Risikominimierung nicht auf ewig verschieben?

Dahingetwagt (6)

In An Manche on Mai 17, 2009 at 3:00 pm
  • Ist zeitlose Kunst nicht eine, in der sich die gegenwärtige Vorstellung von Zeitlosigkeit spiegelt?
  • Gibt es heute überhaupt noch einen Unterschied in der Vermarktung von Musik, Software, Nachrichten oder auch der eigenen Persönlichkeit?
  • Lässt es sich verhindern, dass mein Blog sich ändert, jetzt wo meine Mutter es kennt? Oder beginnt jetzt die unbewusste Selbstzensur?
  • Wenn Teilen die Grundlage von Innovation ist, warum ist es dann in vielen Fällen illegal?
  • Reichen denn nicht ein paar Sport- und Filmstars? Müssen jetzt selbst Programmierer, Manager, Köche oder Friseure ihre Superstars haben?
  • Braucht ein erfolgreiches Startup ein Arschloch?


Dahingetwagt (5)

In An Manche on Mai 8, 2009 at 9:09 pm

Fragen, die mir in den letzten Wochen in den Sinn gekommen und dann bei Twitter gelandet sind:

  • Gibt es jemanden, der sich als 20jähriger vorstellen konnte, seinen Rasen zu mähen, weil seine Kollegen zum Grillfest kommen?
  • Bin ich der, der ich heute bin, weil ich es wollte?
  • Ob wohl mal jemand im Jahre 2051 das Leben von Dieter Bohlen verfilmt?
  • Lebt es sich nicht leichter, nichts zu besitzen? Was lässt sich nicht mieten?
  • Anonymität im Internet: wie sieht die Nutzen- und Schadensbilanz aus?
  • Wenn die Kindheit zu schön ist und damit falsche Erwartungen weckt, sollte man sie seinem Kind vielleicht besser nicht zumuten?
  • Wenn du schon nicht aus deinem Schatten heraus kannst, kannst du dann wenigstens über deine eigene Haut springen?
  • Jeder VW lässt sich besser individualisieren als medizinische Behandlungen…Sind Menschen Massenware?
  • Woher wissen wir, dass sich naturwissenschaftliche Gesetze nicht mehr ändern? Müssen wir das einfach glauben?
  • Je besser die Argumente, desto mehr verhärtet sich die Gegenseite. Wie ist Überzeugung überhaupt möglich?
  • Reicht ein Leben aus, um jemanden zu kennen? Oder tut es manchmal auch ein Augenblick?
  • Sollten Kinder noch Schreibschrift lernen?
  • Ob das Wort Mama wohl ursprünglich von Mach’ma‘ kommt?
  • Handeln wir aufgrund von Wissen? Oder wissen wir aufgrund von Handeln?
  • Einen ganzen Tag immer Ja antworten. Ob sich wohl dadurch neue Optionen ergeben?
  • Einen ganzen Tag immer Nein antworten. Ob sich dadurch wohl neue Optionen ergeben?
  • Wie lässt sich etwas beurteilen, das sich jedem Vergleich entzieht? Wie lässt sich überhaupt etwas neues beurteilen?
  • Und was, wenn mein ganzes Leben bisher eine Ausnahme war? Und nun der Normalfall eintritt?
  • Carpe diem: der Feind allen langfristigen und nachhaltigen Denkens und Handelns?
  • Gibt es Grenzen, die aus Linien bestehen – oder sind Grenzen nicht vielmehr graue Flächen?
  • „Gesundheit ist am wichtigsten!“ – Sicher. Wer würde das bestreiten? Hm. Wirklich? Für jeden und immer?
  • Gibt es ein besseres Zeugnis der Ohmacht als das Machtwort?

Dahingetwagt (4)

In An Manche on April 18, 2009 at 9:47 pm

Diese Woche hier. Man sieht, nach dem Schwung der Anfangswochen ist die Arbeitsleistung signifikant gesunken. Wie lange das wohl noch gutgeht?

  • Eine Frage erkennt man an der Einstellung, nicht am Satzzeichen
  • Suche ich eigentlich eher interessantes oder doch lieber relevantes?
  • Lügt es sich übers Internet besser als übers Telefon?
  • Sollten alle ausgewogen urteilen – oder besser die Aggregation aller einseitigen Urteile einer anderen Instanz überlassen?
  • Hat jemand Links oder Tipps für einen Familienurlaub auf Amrum?
  • Tiervergleiche haben einen schlechten Ruf. Aber wer will denn lieber mit einer Pflanze oder einem Mineral verglichen werden?
  • Warum schreiben lebendige Leute schon ihren Namen auf ihren Grabstein? Ungeduld oder Planungswut?
  • Steigt mit der Quantität des Erlebten das Bedürfnis es mitzuteilen?

Dahingetwagt (3)

In An Manche on April 11, 2009 at 2:20 pm

Diese Woche auf Twitter

  • Was ist von meiner Botschaft beim Empfänger noch übrig?
  • Ab wieviel Followern hat man eigentlich eine Verantwortung für das, was man twittert?
  • Interessiert man sich für mich eigentlich aus den richtigen Gründen?
  • Ist die Open-Source-Bewegung ohne Microsoft überhaupt denkbar? Oder wäre sie auch so unaufhaltsam gewesen?
  • Würden grosse Projekte ohne Selbstüberschätzung überhaupt jemals begonnen?
  • Gibt es irgendeine krude These, die nicht von einem griffigen Zitat eines grossen Mannes gestützt werden kann?
  • Wann kommt GMail eigentlich mal aus der Beta-Phase raus?
  • Verliert der seine Würde, der jeden Scheiss mitmacht oder der, der sein ganzes Leben darauf wartet, etwas seiner Grösse angemessenes zu tun?
  • Alle Journalisten sitzen in einem Boot. Vielleicht ist gerade das ihr Problem?
  • Ich würde gern nur noch denjenigen folgen, die mir nicht folgen würden, wenn ich ihnen nur folgen würde, weil sie mir folgen