Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Der Anführer

In An Manche on Dezember 3, 2009 at 10:59 am

Foto: PPCC Antifa

Nein, ein Anführer werde ich nicht sein. Anführer vertreten eine Sache kompromisslos und scharen Anhänger um sich. Zweifel spalten, Fragen zersetzen, Nachdenken schwächt die Sache. Das Frage-Blog ist im Prinzip ein Programm zur Selbstauflösung. Wer sollte sich hier zu Hause fühlen können, wenn jeden Tag das Dach wegfliegen könnte? Oder gibt es einen Stamm der Zweifler, die allein durch Zweifel zusammengehalten wird? Bevor diese Frage zu Ende gedacht ist, ist sie bereits als Paradox gestorben.

Damit ich in meinem Leben mal zum Anführer werde, muss die Sache bereits so einleuchtend, überzeugend und notwendig sein, dass sie eigentlich gar keinen Anführer braucht. Wozu bräuchte sie sonst jemanden, der sie gegen Zweifel und Fragen und Nachdenken schützt, der Spaltung, Zersetzung und Schwächung bekämpft?

Die meisten Menschen machen sich früher oder später eine Sache zu eigen.Das kann eine Musik- oder Modeerscheinung oder Haltung eines Schülers sein oder die Idee eines Wissenschaftlers, die diesem erst seine Unverwechselbarkeit, seine Identität verleiht. Es sind durchaus die Querdenker, die etwas neues schaffen, um dann zu Längsdenkern zu mutieren, deren Existenzberechtigung im Verteidigen des Geschaffenen gegen das Neue besteht. So bleiben sie dann irgendwann an ihrer Sache hängen, die kleinen und die grossen Anführer, blühen mit ihnen auf und gehen mit ihnen unter. Am ärmsten dran sind die Anführer, denen  – aus welchem Grunde auch immer –  die Falschen folgen. Man kann sich sein Gefolge halt nicht aussuchen.

Wer nach den Sternen greifen will, der muss sich vielleicht auf das Schild des Anführers stellen. Aber man kann die Sterne auch einfach nur betrachten, sich seinen Teil denken und weitergehen. Nein, ein Anführer werde ich nicht sein.

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by Fragezeichner, Frauke Watson. Frauke Watson said: Du SAGST es! RT @fragezeichner: Der Anführer: http://bit.ly/4sjp48 […]

  2. Zu spät, Du hast Nachwuchs. Bist also bereits eine Art Anführer 🙂

  3. 🙂

    Wie war das gleich bei den Incredibles? Was sagte Syndrome?:

    „Wenn erst einmal alle super sind, dann ist es keiner mehr!“

    Also machen wir einfach aus allen Anführer, dann brauchen wir keine Extra Anführer? So geht das nicht. Da können wir Sigmund und Jung fragen, oder? Ich meine das unsere Natur die des Zweifelns ist. Was auch nahezu vollkommen gut ist. Nur wer zweifelt entdeckt, nur wer in Frage stellt, erzwingt die Rechtfertigung.

    Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass einzig Fragende führen können. Gut. Es führen auch andere, aber die Betonung liegt hier eindeutig auf dem Artikelierten „Können“ 😉

    • Führen über das Fördern von Eigenverantwortung, ja, das gibt es durchaus und das gefällt mir. Aber ich fürchte, du bist ein bisschen zu idealistisch, wir reden hier von einer verschwindend kleinen Zahl von Ausnahmen…

  4. Führen ohne anführen – wie geht das und was braucht es von uns, damit das geht?

    Für mich liegt ein grundlegender Unterschied darin, inwieweit die eigenen Schattenthemen verantwortet – oder verschoben – werden. Ein Anführer stabilisiert seine Identität durch die Abwertung anderer. In der Führung geht es jedoch darum, seine Erfahrungen zu teilen und seine eigenen Gefühle zu verantworten.

    In diesem Zusammenhang bewirken Fragen für mich keine Selbstauflösung, sondern eher eine flüssige Identität, die sich mit veränderten Rahmenbedingenen flexibel bewegen kann – ohne sich zu verlieren.

    Fragen sind für mich unabdingbar, um eine Flüssigkeit der eigenen Identität zu finden, die es in der heutígen Zeit braucht.

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