Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Internetus – Cui Bono?

In An Manche on Oktober 1, 2009 at 10:16 am
Foto: photokayaker

Foto: photokayaker

David Golumbia (hier ein Interview mit ihm in der SZ) vertritt die These, dass die ohnehin schon mächtigen und grossen Organisationen in überproportionalem Masse von den neuen Kommunikationstechnologien profitieren. Online-Banking vereinfacht zwar das Leben eines Bankkunden, aber reduziert in dramatischer Weise den Verwaltungsaufwand und Personalbedarf der Banken. Soziale Netzwerke vereinfachen den Austausch und das Knüpfen von Kontakten, vor allem aber geben sie den Betreibern wertvolle Informationen in die Hand. Das Internet mag mehr Transparenz über Unternehmen schaffen können, zudem ermöglicht es weltweit agierenden Unternehmen wie Wallmart eine bisher nie dagewesene Kontrolle über Mitarbeiter bis in den kleinsten Winkel der Welt auszuüben. Unternehmen wie Google oder Apple gelingt es, Informationen über interne Prozesse weitgehend gemein zu halten, während ihre Kunden immer gläserner werden. Auch als Instrument gegen Diktaturen seien Tools wie Twitter oder Facebook völlig überschätzt. Welche Diktatur wurde durch das Internet gestürzt?

Er kritisiert den blinden Glauben an eine Verbesserung der Welt lediglich durch Technik und Algorithmen, der so weit geht, dass nicht nur das menschliche Gehirn fragwürdigerweise dauernd mit Computern verglichen wird, sondern gar das gesamte Universum.

Ich gebe zu, dass mich Golumbias Thesen auf dem falschen Fuss erwischen. Ist hier wieder mal ein gewöhnlicher Kulturpessimist am Werk oder haben seine Analysen ein solides Fundament? Was spricht dafür? Was spricht dagegen? Revolution von unten oder Verfestigung des Status quo? Internetus – Cui Bono?

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  1. Solche Leute bringen mich auf die Palme. Der Mann ist von seinem Geist viel zu schade für ein SZ-Interview, der sollte sich zu Hause ruhig in sein Kämmerlein setzen und den Band 4 von seinem Vorbild Marx schreiben (denn Jargon hat er schon fast perfekt drauf)- das würden dann, so hoffe ich, doch weniger lesen als die SZ – und das wiederrum wäre gut so.

    • Warum dieser Beiss-Reflex? Ich finde, er bietet einen interessanten und neuen Blick auf die neuen Technologien, über die es sich nachzudenken und zu diskutieren lohnt…

  2. Ich werfe mal meinen eigenen Pessimismus in die Runde – Teaser:

    „Wenn man Worte wie „Überwachungsstaat“ oder „Stasi 2.0″ im Munde führt, meint man die Attacken des Staates auf die Bürgerrechte – z.B. die ebenso locker wie zahlreich vom allseits beliebten Schily-Nachfolger geführten Versuche, die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre zu penetrieren.

    Die Attacken von Google & Co. fallen in diesem Zusammenhang fast immer unter den Tisch. Das geht so weit, daß datensammelnde Dienste wie google-analytics von Blogs verwendet werden, die stolz auf ihre kritische Haltung zu dem Thema sind.“

    http://www.michael-michaelis.de/htdocs/datenkraken

  3. Mit der aktuellen Art der Nutzung und des Verständnisses der IT verhält es sich ebenso wie noch 2004 mit den Finanzmärkten:

    Wenn Du auch nur den Hauch von Kritik an ihrer (der IT) Pracht und Herrlichkeit übst, giltst Du sofort als Spinner und wirst von nahezu allen Formen der Öffentlichkeit möglichst ausgeschlossen.

    So ist das halt, wenn man -in der Pubertät stecken gebliebenen- unreifen Menschen versucht zu erklären, dass nahezu ein jedes Ding, eine jede Sache auch Probleme mit sich bringt, für irgend wen, oder irgend was. Ein Bsp.:

    Als die Robotik (mit Hilfe der IT) Einzug in die Montagehallen hielt, kam niemand auf die Idee, dass die Tätigkeit eines Menschen, mit allen daran hängenden Konsequenzen, plötzlich wegfallen würde. Überall schrie man nur „Hurra, nun müssen Menschen weniger buckeln und leben länger!“. An und für sich ist dies ja auch wünschenswert, aaaaaaaaaber, was wird aus dem solchermaßen „Freigesetzten“? Wer wird sie oder ihn zukünftig versorgen? Die Sozialgemeinschaft? Offensichtlich nicht. Bzw., wenn HIV eben diese Art der Versorgung darstellt, ist sie erbärmlich. Auch die Unternehmen haben nicht spontan und freiwillig deutlich mehr Steuern bezahlt, um solcherlei Beschäftigungskahlschlag zu kompensieren. Was ja auch albern wäre, ging und geht es doch gerade diesen um die Rationalisierung zur Gewinnmaximierung. Das kann dann schon einmal heiter werden. Brüder, zwei Stück. Der eine ein Fließbandmonteur, der andere ein Angestellter im öffentlichen Dienst. Der Fließbandbruder wird von der Firma (dank Robotik und IT) freigesetzt, von der der Angestelltenbruder Aktien besitzt. Fließband ab auf HIV. Der Angestellte darf dann mehr Steuern bezahlen, auf die Erträge aus seinen Aktien und auf auf sein Einkommen, weil es nun ein Maul mehr zu stopfen gilt. Heilige Ökonomie! Ein Spiel für die ganze Gesellschaft…

    Wem an dieser Stelle Sprüche einfallen wie: „Dann soll er (der Fließbandbruder) sich halt fortbilden u./o. eine andere Beschäftigung annehmen.“, der hat schlicht nicht verstanden das eben dieser Protze in allen Teilen der Gesellschaft stattfinden. Man braucht auch weniger Sachbearbeiter, wenn die Steuererklärung elektronisch eingereicht wird. Und was lernt dann der angestellte Bruder? Monteur? Ahhh. Nein. Verstehe. Ich bin auf dem Holzweg. Der angestellte Bruder wird zum Sozialpädagogen umgeschult, damit er Leuten helfen kann die keine Erwerbsstelle mehr haben. Der Wahnsinn findet kein Ende, Hauptsache alle quälen einander mit Inbrunst…

    Ich hab mir den Artikel durchgelesen. Er enthält nahezu nichts, was ich nicht schon vor 20 Jahren verstanden hätte. Und er enthält auch nichts, was irgend etwas am Status Quo ändern wird.

    Die Finanzmärkte funktionieren ohne jede Form von Regeln einwandfrei, die IT, und natürlich die ach so hochgelobten sozialen Netzwerke, bringen die Lösung all unserer Probleme. Z.B. haben diese präzise vorhergesagt was schon 2004 für jeden halbwegs talentierten Sechsjährigen ersichtlich war:

    „Der Wert aller Häuser steigt nicht immer, immer, immer, immer…!“

    und:

    „Einen US Amerikaner schert es -unter dem kaufmännischen Doppelstrich- einen PIIIIEEEP, ob er bei einem „Kraut“ Schulden hat. Soll er doch pfänden kommen…!“

    Wenn das ALLES nicht derart zum Lachen wäre,…

  4. Das hast du treffend erkannt, Fragezeichner, ein Reflex. Hatte ich so noch gar nicht gesehen. Das Nachdenken darüber war jeder Buchstabe in dem beissenden Kommentar wert:)

    @Michael,ich habe deinen Beitrag zu den Datensammlungen gelesen, wobei ich in die Diskussion geben möchte, dass je mehr Daten vorhanden sind, jedes Auswerten schwieriger wird. Das Verknüpfen von Datenbanken ist die eine Fertigkeit, die bis ins undendliche gesteigert werden kann und dessen Ergebnisse man automatisch zurück ins Netz wird, wie bei Amazon.
    Aber können in diesen Datenmengen überhaupt noch Raster geschaffen werden, die ja irgendwann am Ende manuell bearbeitet und bewertet werden müssen, um eine treffende Aussage machen zu können?

  5. @Menachem: Aber können in diesen Datenmengen überhaupt noch Raster geschaffen werden, die ja irgendwann am Ende manuell bearbeitet und bewertet werden müssen, um eine treffende Aussage machen zu können?
    Für das Schaffen solcher Raster braucht es definitiv keiner manuellen Nachbearbeitung – zumindest so lange, wie kein Audio bzw. Video ins Spiel kommt. Überwachungskameras sind solange relativ harmlos, wie es keine Software zur zuverlässigen Gesichtererkennung gibt. Gleiches gilt für Telefonüberwachung, solange man die gesprochenen Texte nicht in ASCII verwandeln kann…
    Aber es hat ja durchaus Gründe, warum man z.B. hier in Hamburg bei Saturn die Postleitzahlen der Kunden an der Kasse abfragt, oder warum der Handel so versessen darauf ist, die PayBack-Kreditkarten unters Volk zu bringen. Das sind alles Daten, mit denen ein Programm prächtig klar kommt – und je mehr er davon hat, umso effektiver ist er.

    @Kostic: Wem an dieser Stelle Sprüche einfallen wie: „Dann soll er (der Fließbandbruder) sich halt fortbilden u./o. eine andere Beschäftigung annehmen.“, der hat schlicht nicht verstanden das eben dieser Protze in allen Teilen der Gesellschaft stattfinden.
    Full ACK. Was man bei der Entwicklung der Computertechnik sehen kann, ist ein wirtschaftlicher Aufschwung, der erstmalig ohne Erholung auf dem Arbeitsmarkt stattfindet. In den 80ern und 90ern stieg das Sozialprodukt, weil man Produkte auf den Mark warf, die die Produktivität in einem Maß steigerte, das selbst auf dem Höhepunkt des Aufschwungs noch Arbeit überflüssig machte.

    Ich zitiere mich nochmal selbst:
    „Der Zuwachs der durch die Computertechnik verursachten Produktivität der gesamten Wirtschaft übertraf sehr rasch den Wert aller neu benötigten Hardware und Infrastruktur (Fabriken, in denen Prozessoren hergestellt werden; Verlegen von Glasfaserkabeln etc.). Es wurden nicht nur weitaus mehr Arbeitsplätze in der „klassischen” Industrie vernichtet, als durch die Computerarbeit neu entstanden, sondern das Sinken der Profitrate durch die neu gewonnene Produktivität wurde in nur geringfügigem Maß durch das Entstehen neuer Märkte aufgefangen, in die man den neu gewonnenen Überschuß hätte verkaufen können.“
    http://www.michael-michaelis.de/htdocs/comment/0903041841_krit/der-taumelnde-globus-notizen-zur-finanzkrise

  6. Michael (M), das ist in der Tat eine Paradoxie, die mir ebenfalls Rätsel aufgibt. Man kommt der Überwachung durch Freiwilligkeit zuvor. Sascha Lobo hat das mal zu erklären versucht mit: im Klo einschliessen ist nicht das gleiche wie im Klo eingeschlossen werden, aber das mag zwar für ihn selber gelten, der ja von der Aufmerksamkeit sein Leben fristet, in den meisten Fällen scheint mir da verhängnisvolle Naivität am Werke (auf die ja auch Michael (K) mit seinem Kommentar zielt). Die triviale Weisheit, dass alle Medaillen zwei Seiten haben, scheint bei manchen Fortschritts-Enthusiasten nicht mehr zu gelten.

    Menachem, 🙂
    Deine Frage, ob man aus den gigantischen Datenmengen überhaupt sinnvolle Informationen aggregieren kann, würde ich mit ja beantworten. Es ist möglich, auch wenn es vielleicht niemand im grossen Massstab für eine bestimmte Person tut. In einer französischen Zeitung wurde das Leben eines Facebook/Twitter/Flickr/++ Benutzers bis ins kleinste Detail rekonstruiert, darunter ein vermutlicher Seitensprung, lediglich aus öffentlich zugänglichen Daten und Bildern. Dem portraitierten Benutzer wurde die Zeitung mit einem Brief zugestellt (nur der Name war im Portrait geändert). Angeblich zeigte er sich schockiert.

  7. @?: Ja uns (den westlichen Industrienationen) geht das aus was man früher „Arbeit“ nannte. Es gab einmal Zeiten, da wurde die Tätigkeit im Haushalt nicht als Arbeit angesehen. Interessanter Art und Weise wird die Aufzucht bzw. stetige Pflege von Sapiens aktuell auch nicht als Arbeit betrachtet. Auch wenn sie genau das ist.

  8. @? Sascha Lobo hat das mal zu erklären versucht mit: im Klo einschliessen ist nicht das gleiche wie im Klo eingeschlossen werden.
    Das ist m.E. kein Rätsel, sondern ein Verweis auf die prinzipielle Paradoxie von „Freiheit“. – Ich bekomme das nicht ins Kommentarformat, sorry für einen weiteren Verweis auf einen etwas ausführlicheren, gerade entstehenden Text in meinem Blog:
    http://www.michael-michaelis.de/htdocs/hiob-und-die-freiheit

  9. Das das machbar ist, Fragezeichner, da habe ich auch keine Zweifel, aber z.Zt. ist es doch noch mit erheblichen Aufwand verbunden, und, dieser Nachweis wäre auch ohne Internet zu erbringen gewesen, zwar, mit noch mehr Aufwand, aber das Ergebnis wäre gleich.
    Ich meine auch, wäre ich noch jünger, wäre ich vielleicht auch vorsichtiger im Netz, vielleicht.
    Das andere ist, um nochmal zu Golumbia zu kommen, der heutige Ist-Zustand lässt ggf. zukünftige Vermutungen zu, aber doch keine Proklamationen, was mal sein wird.

    Diese ganzen Datenmengen bringen ja nicht nur Negatives, sie sorgen auch für ein erhöhtes Mass an Sicherheit. Das hat nach meinem Dafürhalten immer zwei Seiten.

    Bei mir stand vor Jahren eines morgens die Steuerfahndung vor der Tür, machten sich breit und durchkämmten die Bücher. Grund war, das ein Nachbar über seinen Untermieter gesagt hatte, mit dem er zerstritten war, dieser würde schwarz bei mir arbeiten. Also suchten die Fahndung nach entsprechenden Belegen. Das dumme war, da sie nichts fanden, suchten sie immer weiter, und weiter, und weiter.
    Rufmord – sage ich dazu.
    Das sind die Unwägbarkeiten des Lebens, die uns jeden Tag vor irgendeine Herausforderung stellen können, und ich glaube zu meinen, dass in unserer jetzigen Welt wir uns von der gedanklichen Möglichkeit, dass so etwas und vieles andere einfach im Leben auftauchen kann, immer weiter in eine Kuschelwelt entfernen. Das ist ja auch sehr schön und erstrebenswert, dennoch können wir nicht jedes Lebensrisiko ausklammern oder eine Versicherung dagegen abschließen.

    In den vielen Negativ-Darstellungen fehlt meines Erachtens nach sehr oft auch das positive, wie z.b. der letzte Beitrag von Karrierebibel
    http://karrierebibel.de/ansteckungsgefahr-social-media-machen-uns-sozialer/

    Wir könnten doch allen pessimistischen Statements von Golumbia mit Sicherheit auch gute Seiten gegenüberstellen, und auch dann noch, bliebe alles ungreifbar.

    Ich denke vom Argumentationssystem z.b. daran, wieviele Mörder wurden mittels DNA Analyse überführt? Wieviele Unschludige blieben mittels DNA-Analyse zum Glück unschuldig und wären es vielleicht ohne diese heute nicht.

    Warum sollte ein Personaller dich nicht gerade aus dem Grund einstellen, weil er ein ungemein guten Artikel oder Beitrag von dir im Internet über Freiheit gelesen hat. Natürlich ist es unklug, unter diesen Artikel ein Bild von dir bei der Love parade mit Pfeifchen zu plazieren.

  10. Sorry, im letzten Abschnitt ist mir ein Schreib und Gedankenfehler unterlaufen, richtig muss es heißen:

    „Warum sollte ein Personaller MICH nicht gerade aus dem Grund einstellen, weil er ein ungemein guten Artikel oder Beitrag von MIR im Internet über Freiheit gelesen hat. Natürlich ist es unklug, unter diesen Artikel ein Bild von MIR bei der Love parade mit Pfeifchen zu plazieren“

  11. Hallo Noch mal,

    ich habe mir den Artikel auf den Menachem verweist noch durchgelesen und widerspreche diesem auf ganzer Linie. Zunächst einmal werden auch dort, wie so häufig, Äpfel mit Birnen verglichen. Epochen, Völker und Gesellschaftsschichten wild durcheinander gewürfelt. So geht das doch bitte nicht. Der Reihe nach die Bsp.:

    – Lachen und gute Laune stecken sicher an, können aber nicht an allen Stellen und überall praktiziert werden. Geht mal in ein englisches Hospital, also eines für das gemeine Volk, den Mob, den Dreck der Straße so zu sagen (ich war oft genug in England um den Niedergang erlebt zu haben). Da kann man dann sehen wieviel die noch zu lachen haben. Aber zurück zum Humor. Neu ist das nicht. Schon die alten spirituellen Schriften sagen uns genau dies und nichts anderes: Freut euch des Lebens, seit gut zueinander. Und? Wer bitte macht das? Egal ob real o. virtuell?

    – Das (mE nach lediglich herbeigeredete) Wohlfühlsyndrom hält keiner objektiven Überprüfung stand, bzw. existiert nur und einzig in einer nahezu sozial absolut entkoppelten (also asozialen/entsozialisierten) Gesellschaft. Bzw. könnte man auch von max. möglicher Oberflächlichkeit reden, die sich hier Bahn bricht. Das Problem ist die Aussage an und für sich. Ich bin Reich. Frau und Kindern geht es gut, wir leiden keinerlei Mangel wir lieben alle einander, unterstützen, hegen und pflegen uns. Alles ist schön. Ich färbe auf mein Umfeld ab, dem muss es dieser Theorie zufolge auch immer besser gehen, weil das ja Alle so machen. Pardon? Da bricht mir zu sehr Ein gewisser Herr Schäfer durch (in 7 Jahren zum Millionär), der in seinen Schriften schon mal zum Rechtsbruch aufruft, damit es uns allen besser geht…

    – Die 12.000 Erwachsenen in der US Studie. Keinen Cent auf diesen populistischen Mist. Ich werde nicht dafür bezahlt, mein Honorar ist zu hoch. Doch fände sich ein Verrückter der es zahlen würde, bräuchte ich keine 8 Stunden um den Nachweis zu erbringen welche Lobbygruppe diese Studie aus welchem Grund bei welchem (Ich werde für die Ergebnisse die meine Kunden wünschen) Wissenschaftler in Auftrag gegeben hat. Einfach absurd finde ich auch das hier nicht einmal verstanden wird, dass man US Amerikaner schon mal nicht als das, geschweige denn als Europäer betrachten kann. Na ihr Freunde der sozialen Netze. Wie viele Anreden gibt es in z.B. USA der BRD und Nippon? Kein Problem was? DU/SIE Ende. Und mehr Differenzen haben die Kulturkreise nicht. 6 Setzen, hat unser Lehrer zu derart viel Oberflächlichkeit gesagt…

    – Die Widerstandsfähigkeit. Also lassen wir einfach mal ganz weit Außen vor, dass hier wieder von Menschen die Rede ist, die, wenn ihr Leben ruiniert ist, einfach in ein anderes Bundesland umziehen und ganz real noch einmal ganz von vorne anfangen können. Bleibt festzustellen das man das mit dem tollen Gemeinschaftsgefühl den Deutschen ja wohl kaum erklären muss. Ein Blick auf die glücklichen Gesichter der Bevölkerung, als unsere Truppen in Paris einmarschierten genügt da wohl. Welch Erkenntnis! Das mit dem Erinnerungsvermögen stimmt aber nicht, nach WW II, konnte sich hier keiner mehr daran erinnern dabei gewesen zu sein…

    Der ganze Rest: Sicher bietet die Netzwerktechnologie gewaltige Chancen. Aber aktuell eben nur und einzig so Viele wie z.B. die Atomkraft auch. Das ist es was so geistige Spätzünder wie Herr Golumbia nun immer häufiger, mit Schrecken, Entdecken. Was für eine Überraschung.

    Kritik meine werten Netzwerkfreunde wird an beidem nicht wirklich geübt. Und ich meine das wie ich es Schreibe. Geübt im Sinne von, lasst es uns üben, es korrekt zu kritisieren. Das unterbleibt gänzlich. Ich kann heute, aber das will wohl niemand, einem jeden Deutschen mit Firma per Knopfdruck die Abteilung Fahndung und Strafsachen auf den Hals hetzen (die Finanzämter haben da noch Cobol zu laufen…). Es geht dabei nicht darum, dass dies auch ohne Technik möglich ist. Es geht darum, das es mit Technik zum einen offensichtlich immer häufiger unreflektiert/ungeprüft eingesetzt wird, weil es nun leichter ist und zum anderen nicht mehr sicher ist, dass dies nur noch von dazu autorisierten Personen angestoßen werden kann.

    Im übrigen könnt ihr euch alle gerne darüber streiten was werden wird, die Realität hat euch bereits überholt. Am Fraunhofer ist eine Software entwickelt worden, mit der biometrische Daten selbst auf billigsten Kameras wiederentdeckt werden. Personentracking in Kürze auch in ihrer Gemeinde. In Bayern verwendet die Staatsanwaltschaft München mittlerweile solche digitalen Bilder in Strafprozessen (da geht es um mehrere Jahre Gefängnis), in Berlin steigt Jahr für Jahr die Zahl der überwachten Telefongespräche, obwohl die Kriminalität nachweislich rückgängig ist (da hört dann schon mal der Polizist die Gespräche seiner Frau ab, um festzustellen ob sie fremd geht. oder der Untergebene seinen Vorgesetzten, um herauszufinden wie es um ihn steht/siehe einschlägige Presse). Derweil entwickeln die absurd oberflächlichen Amis eine Software mit deren Hilfe meine 8 jährige Tochter meine älteste Tochter aus einem Familienfilm herausschneiden kann, ohne das man das sieht (Das hat selbst mir noch ein „Wow!“ entlockt). Wie fröhlich werden wir uns alle fühlen, wenn wir endgültig entdecken, dass wir keinerlei Privatsphäre mehr haben? Wie witzig. Wie komisch. Selten so gelacht. Ja. Da fühl ich mich doch gleich richtig emphatisch. Davon konnte die Gestapo und die Stasi wirklich nur träumen…

    Es ist überfällig reichlich Kritik zu üben, wir haben nahezu 40 Jahre gänzlich darauf verzichtet (was zu einem gewissen Teil tatsächlich seine staatstragenden Gründe hatte (Siehe Joseph Weizenbaum in Rebel at Work)). Genau deshalb muss ausgerechnet ich meinen Kindern dieses Internet verbieten wo es nur geht. Jeden Millimeter müssen sie sich hart erkämpfen. Und das obwohl ich mir einmal geschworen habe sie machen zu lassen, weil man mir zu viel verbot. Was für ein Irrwitz.

    Oh. Stop. Das alles ist steigerungsfähig. Schon vor 5 Jahren gab es einen Artikel im Printmedium Der Spiegel (ich müsste mal in den Regalen buddeln, da liegt er noch rum). Darin beschrieb ein Technikjournalist was ihn bewog endgültig nur noch Bücher gegen den Technikwahn zu schreiben. Er hatte an einer VIP -was werden wir entwickeln- Konferenz mit US Militärs und Wissenschaftlern teilgenommen. Und auf dieser Konferenz haben sie beschlossen eine Schnittstelle zu entwickeln mit der man die Gedankenimpulse anderer „spüren“ kann. Die meinten und meinen das Tod ernst, sie arbeiten daran. Douglas Adams und sein Babelfisch lasen herzlich grüßen. Ich freue misch schon darauf all den Hass, Neid und Missgunst meines Umfeldes, meiner Zuarbeiter und politischen Vertreter auch noch spüren zu dürfen. Noch Fragen? Ich schon. Sehr, sehr, sehr viele. Und sie sind sehr, sehr, sehr kritisch 😉

    Eine habe ich ergebnislos der jüdischen Gemeinde zu Berlin gestellt: Wie werden wir RFID Implantaten umgehen?

    Wer braucht schon einer Tätowierung, wenn es auch mit IT geht?

  12. Und damit ersichtlich wird das auch mich die Realität immer häufiger zu überholen droht, setzt WikiLeaks gerade noch einen oben drauf:

    http://wikileaks.org/wiki/EU_social_network_spy_system_brief%2C_INDECT_Work_Package_4%2C_2009

    Da fällt einem echt nichts mehr zu ein…

  13. Und wir bündeln weiter:

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2110813_Datenbank-Elena-Wer-streikt-wird-erfasst.html

    Ich hätte nicht gedacht das ich noch den Tag des „gläsernen“ Bürgers erleben soll. Ein weiteres mal werden die KZ-Wächter behaupten „Ich habe doch nur Befehle ausgeführt!“, derweil sie die Datenbank einrichten welche Streikwillige und deren Kinder in die Armut der Erwerbslosigkeit verbannt. Was für ein Elend…

  14. Nachtrag:

    Bevor das hier falsch „rüber“ kommt, ein Gewehr kann nahezu ein jeder bedienen, aber Datenbanken können nur ganz wenige anlegen, einrichten, pflegen wie warten. Nur welcher Ethik folgen diese Wenigen?

  15. Meinst Du das Ethik ein „Auslaufmodell“ ist, oder man es reaktivieren kann?

    Letztlich lass ich das es in der Schweiz einen Lehrstuhl „Ethik in den Wirtschaftswissenschaften“ gibt. Die Bevölkerungsmenge vergleichend müsste es in Deutschland rund 10 solcher Lehrstühle geben…

    Ob es einen Lehrstuhl Ethik in der Informationstechnik gibt? Irgend wo auf diesem Planeten?

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