Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Es gibt immer einen guten Grund zu wählen

In An Alle on September 10, 2009 at 1:42 pm
Foto: Lobi

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Man solle sich auf seine Stärken konzentrieren, anstatt an seinen Schwächen herumzudoktern, sagen viele, die erfolgreich sind. Positiv denken, sagen andere. Also, dann mach ich doch jetzt einfach mal beides. Anstatt herumzunörgeln an unseren Parteien, ihnen ihre Schwächen unter die Nase zu halten und sie an gebrochene Versprechen zu erinnern, tue ich jetzt mal etwas ganz revolutionäres: ich spreche nur von den wichtigsten Gründen, die dafür sprechen, sie zu wählen. Eine einseitige Stärkenanalyse. Weiss ich dann auch besser, was ich wählen soll, als wenn ich eine Stärken-Schwächen-Analyse mache oder mir die Wahlprogramme durchzulesen oder mich von meiner Sympathie leiten lasse?

CDU/CSU

Das wichtigste Argument für die CDU/CSU ist für mich die Bundeskanzlerin selbst. Während ihre Vorgänger von Zeit zu Zeit auf den Tisch hauten, Basta riefen oder mächtige Machtwörter sprachen, um dem Volk ihre Führungsstärke zu demonstrieren, verweigert sich Angela Merkel diesen archaischen Ritualen ganz gelassen. Sie gleicht aus, löst Konflikte, wägt Interessen gegeneinander ab, deeskaliert und lässt die testosterongetränkten Stiere aus verschiedenen Richtungen ins Leere rennen. Und – wichtig für jeden Fragezeichner – sie vermittelt nicht den Eindruck, als einzige die Wahrheit zu kennen und Probleme mit fertige Lösungen erschlagen zu können, hört stattdessen zu und lässt Meinungen auf sich wirken. Das nenne ich modernen Führungsstil.

SPD

Die SPD hat eine lange und stolze Tradition, hat sich totalitären Ideologien stets unter eigenen Opfern verweigert und in den über 100 Jahren ihrer Existenz epochale und revolutionäre Errungenschaften wie das Rentensystem,  Unternehmensmitbestimmung, Ost-West-Annäherung oder Atomausstieg erfunden oder massgeblich mitgestaltet. Da Vergangenheit durchaus ein brauchbarer Indikator für die Zukunft sein kann, steht zu hoffen, dass sie auch ein weiteres Mal in der Lage sein wird, sich neu zu erfinden und den Deutschen weiterzuhelfen (z.B. als Partei, die das bedingungslose Grundeinkommen einführt).

Grüne

Die Grünen thematisieren die wichtigsten Probleme der nahen Zukunft und machen auch konkrete Vorschläge zu deren Lösung: Umweltschutz, alternative Energien, Bürgerrechte im digitalen Zeitalter, Zukunft der Arbeit. Sie diskutieren sehr engagiert, offen und vielfältig über Dinge, die andere ständig verdrängen, vor sich her oder zur Seite schieben – und sie machen den Eindruck zu wissen, wovon sie sprechen.

FDP

Die FDP ist am nächsten an einer Denkströmung, die ich persönlich sehr schätze, dem Liberalismus. Der wichtigste, der zentrale Begriff dieser Denkströmung ist die Freiheit. Wenn Vertreter des Liberalismus Lösungen von gesellschaftlichen Problemen suchen, dann orientieren sie sich daran, wie sehr die persönliche Freiheit jedes einzelnen Bürgers beeinträchtigt wird. Sie stellen sich zu jedem Moment die Frage: wie kann die Freiheit, die Entfaltungsmöglichkeiten und der Handlungsspielraum aller vergrössert werden? Und werden dort eingreifen, wo andere ihre Freiheit dazu nutzen, die Freiheit anderer zu beschränken.

Linke

Die Linke hat ihre Stimme gegen eine von einer Theorie zur Ideologie degenerierten ökonomischen Denkrichtung namens Neoliberalismus schon erhoben, als all die anderen noch vor sich hindämmerten und Sinn-Sprüche nachplapperten. Sie haben als einzige Partei die Glaubwürdigkeit, Massnahmen durchzusetzen, die eine Wiederholung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise verhindern würde. Und vertreten auch bei Sozial- und Rentenpolitik selbstbewusst Meinungen, die der Kaste von Lobbyisten und interessengeleiteten Politikberatern gar nicht schmecken.

Piraten

Die Piraten werden dafür sorgen, dass die Politik auf den neuesten Stand der Technik upgegraded wird. Möglicherweise haben sie sich in dem Moment, wo ihnen das gelingt, überflüssig gemacht. Aber das ist es wert.

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  1. Parteien und deren Amtsträger sind die politische Komponente der Bürger in der Verwaltungsstruktur. Dort sollen sie dort sie, stellvertretend für die breite Masse, allgemeine, allgegenwärtige Interessen vertreten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt jedoch sind alle Interessen gewahrt, allem allgegenwärtigen entsprochen.

    Die Parteien und ihre Aktivitäten sollten ein direktes Spiegelbild der Gesellschaft sein. Sind sie dies nicht mehr gibt es fließend offenen Unmut, Unruhen bis Aufstände (auch friedlich siehe DDR).

    Aktuell sind wir in Deutschland weit über den Unmut hinaus, auch wenn dies still und leise vor sich geht. Nach der „Wahl“ des geringen Übels, wird der BDI seinen temporären Deal mit der Regierung entsprechend, sein OK zur Flächenkündigung geben. Zumindest meinen Schätzungen zufolge (allgemeine Wirtschaftslage und Kreditkartenblase berücksichtigend), wird dies um die eine Million Arbeitsplätze kosten. Zzgl. all der Plätze die aktuelle „Aufstocker“ einnehmen (diese prekären Beschäftigungsverhältnisse werden auch aufgelöst, weil die Kommunen immer näher an die Zahlungsunfähigkeit geraten) von noch einmal rund 2 Mio..

    Ich schätze es ist egal wen man in Deutschland wählt. Das reisst erst einmal keiner mehr aus dem Mist.

    Nichts desto Trotz gehen wir natürlich wählen 🙂

  2. Ich finde deine Zusammenstellung gut und schätze, dass du damit leider zu einem verschwindent kleinen Prozentsatz gehörst. Briefwahl?

  3. Klasse!!! Wir sagen hier immer bei uns:
    „Sowas, das kann man nicht lernen“ :))

  4. Der Frust über die scheinbare politische Wirkungslosigkeit des Einzelnen vergessen wir wohl manchmal, wie viele Menschen (und vor allem Frauen) es gibt, die davon träumen, in ihrem Land irgendwann einmal eine Stimme zu haben und wählen zu dürfen…

    Die Dankbarkeit für die historische Errungenschaft der freien Wahl in unserem Land hat mich in diesem Jahr dazu motiviert, mich wieder mehr mit Politik zu beschäftigen und mich immer wieder einzumischen. In den letzten Jahren ist die Flexibilität der Wähler scheinbar gewachsen. Mich freut das sehr, denn es zeigt, dass die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und zur Selbstbestimmung beim Wählen wirksam wird. Damit werden die Prozesse der politischen Entscheidungsfindung so langsam wieder spannend und lebendig.

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