Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Erwiderung an den freundlichen Herrn (mit und ohne Messer)

In An Mich on August 7, 2009 at 5:37 pm

Wenn dir dieser freundliche, leicht verwirrt wirkende Herr aus dem Video gegenübersitzt, der ein paar seiner Freundinnen mit Messern und Pistolen in eine Villa geschickt hat, um dort alle Anwesenden zu töten und zu schänden (darunter eine Schwangere), und er dir auf die Frage, ob er Schuldgefühle oder Gewissensbisse habe, antwortet „Ich? Nach allem, was mir diese Gesellschaft angetan hat, soll ich Gewissensbisse haben? Habe ich nicht das gleiche Recht, euch anzutun, was ich für richtig halte? Was erwartet ihr wohl, was ich machen werde, wenn ich hier rauskomme, nachdem man mir mein ganzes Leben lang ins Gesicht gespuckt habt? Wenn ich überhaupt etwas bedaure, dann nicht das, was ich getan habe, sondern was ich nicht getan habe. Ja, wenn ich 300 Menschen getötet hätte, dann würde ich mich besser fühlen! Dann hätte ich das Gefühl, dieser Gesellschaft, etwas gegeben zu haben. Weisst du, wenn ich dich jetzt hier totschlagen könnte, ich würde mich nicht anders fühlen als beim Einkaufen.“, gibt es dann irgendeine Form der Erwiderung, die ihn überraschen könnte oder nachdenklich stimmen? 

Übrigens: würde die Erwiderung anders ausfallen, wenn der freundliche Herr ein Messer in der Hand hätte und keine sonstigen Personen, insbesondere Polizisten in dem Raum anwesend wären? Und woher kommt dieser Eindruck, dass er aus seiner Sicht vielleicht tatsächlich Recht hat mit seiner Auge-um-Auge-Theorie?

Und: wenn selbst ein Massenmörder glaubt, Gutes getan zu haben, wie kann man davon ausgehen, dass ein beliebiger, harmloser Mensch sich im Unrecht glauben könnte und Kritik an sich herankommen lässt?

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  1. Ich glaube nicht, dass es eine solche Erwiderung gibt. Ich glaube, dass das, was Manson getan hat und wie er darüber 40 Jahre lang gesprochen hat, nur zeigt, dass der menschliche „Verstand“ eine undurchschaubare Angelegenheit ist. Heute in der FAZ zum gleichen Thema: http://tinyurl.com/nwcdbz

  2. Ich glaube es gibt eine Antwort, die ihn überraschen könnte: „Ich mag dich trotzdem“.

    Wird natürlich niemand machen, weil sein Ziel, das er verfolgt ist ganz klar formuliert: Ich tue alles dafür nicht geliebt zu werden. das kennt er, das Muster will er beibehalten.

    • Patrick, ja, da könntest du recht haben. Ich nehme an, alle Journalisten, die ihn interviewen durften, stellten die Frage, ob er denn endlich bereue, und ermutigen ihn, den Verrückten zu mimen (was ihm ja auch nicht schwerfällt). Wie würde er wohl reagieren, wenn man ihm ernsthaftes Interesse entgegenbringt – zum Beispiel, indem man ihn fragt, welche Träume er als Kind hatte?

  3. Manson sieht sich im direkten Vergleich mit dem System, in dem er lebte. Man bedenke auch den historischen Kontext. Die USA befand sich nämlich selbst irgendwie in der Rolle eines Massenmörders: http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg

    Nur war diese Form des Mordens gesellschaftlich legitimiert, jedenfalls wurde das zum großen Teil in den Medien suggeriert.

    Das entschuldigt auf keinen Fall Mansons Handeln, aber es verwundert einen wesentlich weniger, wenn man sieht in welcher direkten Umgebung (sein Milieu, in dem er aufwuchs) und weitgefassten Umwelt (Staat, Medien, Historie) er lebte und agierte.

    Manson als Monster komplett von der Gesellschaft abgetrennt zu betrachten ist da viel zu einfach und geht in die falsche Richtung, wenn wir etwas daraus lernen wollen. Er ist aus dem System hervorgegangen und reagiert weiterhin so, wie es das System von ihm erwartet.

    Wenn man ihn fragen würde, welche Träume er als Kind hatte, so wird er sicherlich von Alpträumen berichten. Das ist ja der Knackpunkt.

    Ihm fehlt Liebe. Und das wird er bis zu seinem Ende nicht empfangen. Er ist und bleibt eine gigantische Hassprojektion.

  4. […] wirken die Mörderinnen im Gegensatz zum Anstifter wieder völlig vernünftig – sie haben sich mit ihren Taten auseinandergesetzt und den faulen […]

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