Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Ungewissheit als Wahlversprechen

In An Manche on August 5, 2009 at 9:48 am
Foto: cliff1066

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Als Kind hat mich eine Donald-Duck-Geschichte beeindruckt. Donald wird in irgendeiner Stadt im wilden Westen aus welchen Gründen auch immer gegen seinen Willen als Kandidat für den Posten des Sheriffs vorgeschlagen. Um auf Nummer Sicher zu gehen und seine Wahl auf jeden Fall zu verhindern, hält er eine öffentliche Rede vor den Bürgern und sagt sinngemäss:  „Ich habe so etwas noch nie gemacht, ich habe keine Ahnung, keinen Schimmer von der Aufgabe – ich bin unfähig, wählt den anderen!“

Die Reaktion der Bürger war überraschend. Endlich jemand, der zugibt, dass er keine Ahnung hat. Endlich jemand, der uns nicht mit durchsichtigen Lügen und falschen Versprechungen um den Finger wickeln will. Endlich ein normaler Mensch. Den wählen wir! Und Donald wurde mit überwältigender Mehrheit zum Sheriff gewählt (ich weiss allerdings nicht mehr, wie die Geschichte endete – wenn jemand sie ebenfalls kennt oder sie im Web zugänglich ist, bitte sagen!)

Ich frage mich, ob die Reaktion der Deutschen auf einen Kanzlerkandidaten, der zugibt, nicht mehr zu wissen, als die, die auch nicht viel mehr wissen, weil nunmal niemand in die Zukunft schauen kann, vielleicht ebenso positiv wäre. Ehrlichkeit als Wahlprogramm – kann das funktionieren? Hat es schonmal jemand mit Ehrlichkeit probiert? Und ist schon mal jemand für Ungewissheit als Wahlversprechen gewählt worden?

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  1. Nunja, auch wenn ich kein Fan der CDU bin – im letzten Wahlkampf hat man es ja mit Ehrlichkeit probiert (Kirchhof 2005) und wurde mit Falschinformation der Presse und Leichtgläubigkeit der Leser recht deutlich abgestraft.

    Es ist wie es immer ist : Der Wähler hat doch gar kein interesse an einer Änderung, wenn dabei vielleicht ein Euro draufgezahlt werden muss. Wenn der Wähler jedoch einen Euro bekommt, stimmt er fast immer zu und ist glücklich.

    • Ja, das war tatsächlich schon etwas konkreter und ehrlicher, was Kirchhof vertrat. Aber wir werden wohl nie erfahren, ob er es wirklich hätte durchsetzen können (auch in der eigenen Partei) und ausserdem arbeitete er ebenfalls mit grossen Versprechungen und erschien als jemand, der die Wahrheit gepachtet hatte. Mir schwebt eher der iterative Typ vor…

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