Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Auf dünnem Eis

In An Manche on Juni 18, 2009 at 4:44 am
Foto: feverblue

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Man geht unbeschwert durchs Leben, vertraut seiner Intuition, hat eine gewisse Orientierung, Stützpfeiler, die das Gedankengebäude zumindest eine zeitlang tragen, man geht auf festem Boden, bildet sich ein Urteil und noch eines, eine Menschenkenntnis, formt Ziele, die ja nichts anderes sind als Projektionen in die Zukunft, man erobert sich den Platz, den man uns gelassen hat, findet möglicherweise sogar ein Leitmotiv in seinem Leben, nickt zufrieden, wenn man recht gehabt hat, vertieft mit jeder Ausnahme den Glauben an die Regeln, man bastelt sich eine Welt, in der man zuhause ist, und wenn alles gut geht, hat man nicht einmal gemerkt, dass das ganze Leben auf einer Reihe von teils durchaus kühnen Annahmen aufgebaut ist, die teils richtig, teils aus den falschen Gründen richtig, teils durch puren Zufall richtig waren.

Als angehender Unternehmer habe ich mir letztens mal eine Liste von Annahmen gemacht, die eintreffen müssen, damit die Unternehmung erfolgreich ist. Die einzelnen Punkte betreffen eigene Fähigkeiten, die ich bei mir selbst noch nicht abrufen musste, die Entwicklung des Marktes, also der Verhaltensweisen von Kunden, die ich noch gar nicht genauer kenne, die Reaktion und Kompetenz von Wettbewerbern, deren Zahl ich sehr wahrscheinlich noch gar nicht vollständig erfasst habe, den Erfolg von sozialen Medien als Marketing-Instrument und noch viele andere Dinge, die eines gemeinsam haben: ein grosses Fragezeichen. Wahrscheinlich ist die Liste nicht mal komplett. Aber sie hilft mir, mir bewusst zu werden, worauf ich vertrauen muss und sie könnte mir als Warnsystem dienen. Und ich vertraue auch darauf, dass mir das Glück zur Seite steht.

Und dann dachte ich: vielleicht sollte ich auch mal eine solche Liste für mein privates Leben aufstellen? Ich habe es nicht gemacht. Wer weiss, ob ich mir dabei nicht bewusst würde, wie dünn das Eis ist, auf dem ich durchs Leben stampfe. Reicht ja, es zu merken, wenn man erstmal im kalten Wasser zappelt. Oder?

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  1. Ich glaube, dass zuviel Nachdenken in diesem Fall wenig bringt. Wenn man eine gewisse Sicherheit in sich spürt, sollte man seine Projekte angehen. Wenn das „Bauchgefühl“ dagegen aufmuckt, dieses ernsthaft überprüfen. Ansonsten produziert eine allzu tiefgehende Analyse nur eine trügerische Sicherheit, denn es ist eben nicht alles planbar und kontrollierbar, und wer meint Unwägbarkeiten durch ein vorher-alles-durchdenken besser steuern zu können baut sich eine Rigidität auf, die ihn im „Ernstfall“ eher daran hindert, mit unvorhergesehenen Problemen flexibel umzugehen.

    Oder anders, um mal ein paar berühmte Zeitgenossen zu zitieren „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ (W. Busch), „Life is what happens while you are making other plans“ (J. Lennon), „Ja, mach nur einen Plan / Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan / Geh‘ n tun sie beide nicht.“ (B. Brecht).

    Wenn Du Dich ernsthafter mit diesem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich Literatur aus der systemtheoretischen Ecke. Für die Unternehmens-, vor allem Menschenführung systemische Managementliteratur. Ein Paradigma z.B. lautet „Menschen sind nicht instruierbar“, und da ist sehr viel Wahres dran. Leseproben und Literaturempfehlungen findet man u.a. auf http://www.systemagazin.de.

    • Liebe Leserin, vielen Dank für deinen Kommentar und den Link. Ich sehe das mit der Planbarkeit so wie du…ein wenig Risikomanagement kann dennoch nicht schaden, denke ich.

  2. Sowas nennt man „Urvertrauen“ – bestimmte Annahmen als Fakt vorauszusetzen und davon auszugehen.
    Wenn auch wenig Logik drin steckt, so ist ein Mensch ohne Urvertrauen doch unfähig, sein Leben zu führen, ich kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn man es verliert.
    Du solltest da also nicht zuviel drüber nachdenken, am besten garnicht, sondern davon ausgehen, dass, wenn nur Deine Ziele klar und gut sind, Du Deine Basis schon bekommen wirst.

    LG vivi

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