Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Charismatiker unentbehrlich?

In An Manche on Juni 9, 2009 at 9:09 am

[Foto: salimfadhley]

Apple hat seinen. Oracle hat einen. Microsoft hat seit ein paar Jahren auch einen. Googles Largei-Serry ist zwar öffentlichkeitsscheu, aber anscheinend durchaus beeindruckend im direkten Kontakt. Und der FC Bayern hatte bekanntlich Oliver Kahn.

Ich hatte letztens die Möglichkeit, mit dieser Gründerin hier zu sprechen und war beeindruckt von ihrer Energie, ihrem Ehrgeiz, ihrer Eloquenz, aber auch ihrer Kompromisslosigkeit, ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Art, Gespräche an sich zu reissen und zu lenken, von ihrem – ja, jetzt ist es raus – von ihrem Charisma. Da ich in ein paar Monaten selbst ein Startup gründen möchte, mein Partner ein eher ruhiger, ernsthafter Vertreter ist, und ich selbst schon häufiger als mundfaul beschrieben wurde, stellt sich die Frage, ob in unserer Mannschaft nicht eine Lücke klafft, die uns zum Verhängnis werden kann und die geschlossen werden sollte.

Braucht ein erfolgreiches Startup-Unternehmen einen charismatischen Gründer? Oder wenigstens jemanden, der keine Probleme damit hat, als Arschloch wahrgenommen zu werden und keine Skrupel besitzt, auf einer Konferenz die Leute so lange mit seiner Idee zu belästigen, bis sie ihm ihre Visitenkarte geben? Der vorne schon wieder zu Tür hereinschaut, während sein Hintern noch vom Fusstritt des Rauswurfs schmerzt? Der einem Unternehmen ein einzigartiges und sofort erkennbares Gesicht gibt? Braucht es so jemanden – oder ist das nur ein medialer Mythos und geht es auch ohne? Oder wächst man vielleicht sogar ganz automatisch in eine solche Rolle hinein? Welche Unternehmen wurden mit lauter freundlichen, zurückhaltenden, höflichen Menschen erfolgreich?

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  1. Wahrscheinlich kennst Du die 4 P’s des Marketing Mix (manchmal sind’s auch 5) Ich glaube in diesem Post geht’s um das Promotion P das für viele das zweitwichtigste P nach dem Produkt P ist und noch vor dem Preis P kommt.

    Die Promotion muss zum Mix passen. Wenn ihr von außen ein Arschloch nur zur Promotion einfliegt dann funktioniert das nur, wenn das Produkt unabhängig von euren Personen ist. Nach meiner bisher gemachten Lebenserfahrung ist Promotion extrem schwierig und heikel – und darum teuer. Leider.

    • Detlef, es geht eigentlich weniger um Promotion, sondern darum, ob eine bestimmte Führungspersönlichkeit nötig ist – nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen – um erfolgreich zu sein. Also nicht nur ein Gesicht (wie Beckenbauer bei Erdinger Weissbier), sondern eine Seele. Steve Jobs ist kein klassischer Promoter, aber er steht wie wahrscheinlich kein anderer für den Erfolg seines Unternehmens.

  2. Charisma doesn’t make you a leader, leading gives you charisma.
    The Seth Godin Interview: How to Become a Leader bei Copyblogger
    Ich empfehle die (meisten) Bücher von Seth Godin, gibt’s glaube ich auch auf deutsch. Ansonsten sein Blog lesen.

    • Hannelore, ich bin auch ein Seth-Godin-Leser, aber dieses Zitat kenne ich nicht. Danke dafür – das passt mir sehr gut in den Kram 😉

  3. 🙂

    Zwei Dinge mit auf den Weg zu diesem Thema, von jemanden der PR bei den eifrigsten Schülern dessen erlernt und in dessen Mutterland noch immer betreibt:

    1.) Du sollst keine Götter haben neben dir.
    2.) Vergiss Ratgeber, ausser sie stehen dir o. deinem Projekt rechtlich verbindlich bedingungslosen loyal ergeben gegenüber. Alles andere sind lediglich Produkte.
    3.) Wenn dein Produkt/deine Leistung Mist ist, ist dein Produkt Mist. Ein schöner, aufdringlicher, nerviger Effekt, macht es nur zu schönerem, aufdringlicherem oder eben nervigen Mist.
    4.) Miete dir einen professionellen Kritiker, der dir nicht den Hintern küsst. Je besser Du diesen bezahlst, desto besser sollte die Kritik sein.
    5.) Du kannst niemanden ins Gehirn, in die Tasche oder aufs Konto blicken.
    6.) Vertraue keinen Belegen, vertraue der Tat.
    7.) Verstehe Verträge. Lass dir Zeit mit Verträgen, immer.
    8.) Lege genauso viel Wert auf die Philosophie deines Lebens, wie auf die Philosophie deiner Unternehmung.
    9.) Mach nichts von dem Du nichts verstehst. Lass nicht zu das Mitstreiter Dinge tun, von denen sie nichts verstehen.
    10.) Behalte immer alle drei Märkte im Auge. Die Politik, die Kunden, die Mitbewerber.

    Und der wichtigste Rat:

    Verbiege dich nicht, achte darauf das die um dich herum sich nicht für dich verbiegen. Dadurch entsteht immer Energie die nicht beherrscht werden kann. Immer, IMmer, IMMer, IMMEr, IMMER. Es gibt keine Ausnahmen…

    • Danke Michael, mit den Ratschlägen kann ich mich ausnahmslos anfreunden. Den professionellen Kritiker werden wir uns nicht leisten können, da müssen wir wohl auf mehrere unbezahlte ausweichen.

  4. Ich glaube Unternehmenskultur ist etwas anderes als PR. Ich glaube auch nicht, dass sich die PR aus der Unternehmenskultur ergibt. Bei den Personen, die hier in den Kommentaren als Beispiele angeführt werden sehen wir alle nur deren „Benutzeroberfläche“. Und die ist das Ergebnis sehr sorgfältiger PR-Arbeit – davon gehe ich jedenfalls aus. Wie diese Personen im inneren ihrer Unternehmen ihre Ziele erreichen – das zeigen sie uns nur in ihrer PR-Arbeit – also eigentlich gar nicht.

    • Ja, mir ging es eigentlich nicht um PR. Aber wenn ich meinen Artikel nochmal lese, geht es schon auch irgendwie darum. Und tatsächlich ist das Werben/Verkaufen/Aufmerksamkeit Erringen natürlich ein so essentieller Aspekt eines Unternehmens, dass er sich gar nicht so recht von all dem Rest trennen lässt. Du hast mir neue Denkanstösse gegeben. Danke!

  5. Passt jetzt gerade zum Stichwort PR, was ich Dir eigentlich twittern wollte. Also, PR-Vorschlag:

    Ein Bot grast die Twitter-Bios nach für Euer Geschäftsfeld relevanten Keywords ab und folgt den entsprechenden Leuten. Der Bot hat einen Tweet-Fundus von 100 „Zitaten“ die irgendwie fürs Geschäftsfeld relevant sind oder schöne Lebensweisheiten wiedergeben und 10 direkte Aufrufe, Eure Website zu besuchen. Das twittert der Bot alle 30 Sekunden, 24/7. Wenn er mit dem letzen Tweet fertig ist, fängt er mit dem ersten wieder an. Mehrere solche Bots sind natürlich noch besser.

    Fragen könnte man natürlich auch stellen und ein Gespäch anfangen. Du kennst ja ELIZA.

    Ich glaub, ich gründe ein PR-Unternehmen 😉

    • Detlef, ich glaube nicht, dass das funktioniert. Vor allem deshalb, weil die meisten in Twitter selbst werben wollen (also sich mitteilen anstatt zuzuhören) und nicht belabert werden wollen. Ausserdem ist es der klassischen Werbung (Berieselung) näher als dem Dialog mit dem Kunden…Da finde ich das Betreiben eines guten Blogs, das Auftreten in Fachkonferenzen oder das Publizieren in entsprechenden Zeitschrifen einen besseren Ansatz.

  6. Klar: mein Vorschlag war ironisch gemeint. Ob er nicht funktioniert – das möchte ich mal dahingestellt sein lassen. Praktiziert wird er jedenfalls schon. Und ich weiß nicht, mit wie vielen Bots ich schon ein munteres Frage/ Antwort Spiel gespielt habe. Spiel?

    • Meine Ironie-Sensoren haben nur leicht ausgeschlagen 😉 Interessant, das das zumindest schon versucht wird. Abgesehen von dieser subtilen Art des Spammens (selbst gewöhnlicher E-Mail-Spam scheint ja für manche Produkte zu funktionieren) würde ich aber generell nicht allzuviel Hoffnung auf Twitter in Sachen Selbstvermarktung setzen, weil ich glaube, dass es nur eine gewisse Art von Leuten anspricht und der Grossteil der Follower selbst in Sachen Selbstvermarktung unterwegs sind…

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