Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Ich seh‘ etwas, was du nicht siehst

In An Niemanden on März 24, 2009 at 8:28 am

[Foto: h.koppelaney]

Wir sehen Drachen in Wolken. Wir sehen Liebe in Augen. Wir sehen Verschwörungen im Fernsehen. Wir sehen, dass sich alles zusammenfügt. Wir sehen eine logische Entwicklung. Wir sehen einen Sinn in allem. Wir sehen die Folgen von einschneidenden Ereignissen. Wir sehen die Gründe offenliegen. Wir sehen den Wink des Schicksals in einem aufgeschlagenen Buch. Wir sehen immer wieder kehrende Zahlen. Wir sehen Seelenverwandte. Wir sehen lächelnde Autos. Wir sehen das Wirken einer höheren Macht. Wir sehen nachtragende Katzen. Wir sehen uns in unseren Kindern. Wir sehen Wut in den Himmel geschrieben. Wir sehen, dass es so und nicht anders kommen musste. Wir sehen die Schönheit in unseren Dingen. Wir sehen die Fehler der anderen. Wir sehen, was nicht nicht geschehen durfte.

Sehen wir nur? Oder erschaffen wir? Und wie können wir den Unterschied erkennen?

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  1. Wenn ich sehe, dass andere erkennen können, was ich nicht einmal wahrnehme, dann ist die Tür für neue Sichtweisen offen… Sie beginnen mit dem Du beginne und machen Befruchtung möglich.

    Jeder von uns verfügt über ein anderes Repertoire von Brillen.
    Jeder hat gelernt, seine Aufmerksam auf andere Gefühle und erfahrungen zu lenken. Auf diese Weise gewinnen sie Bedeutung und Wirkung.

    Ich bin froh, dass ich nicht alle Brillen einsetzen muß…
    Ich und Du und Wir sind sicherlich ein gutes Team – wenn es um den Austausch von Sichtweisen geht.

    • Detlef, also ist Identität auch wie wir die Welt sehen?

      Christiane, wenn wir beim Austausch auch alle unsere Brillen tragen, reden wir dann nicht notgedrungen aneinander vorbei? Müssen wir nicht auch lernen, die Brillen manchmal absetzen zu können?

  2. Ich glaube, wir sehen zu einem großen Teil immer uns selber. Wir sehen uns in die Welt hinein. (Nein, hier ist nicht die buddhistische ELIZA).
    Können wir einen Laptop oder ein bekanntes Betriebssystem mit den Augen eines Menschen aus den 60gern sehen? Können wir eine rote Ampel sehen, ohne gleichzeitig deren Bedeutung für uns zu erfassen? Ich glaube: nein. Wir können von unserem erlernten Wissen nicht abstrahieren. Es ist Teil unserer Identität geworden.
    Da sind wir wieder bei unserer Twitter – Diskussion über Identität von neulich, lieber Fragezeichner.

  3. Ja, ich glaube wer wir sind bestimmt das, was wir sehen. Und darum können wir die Brille auch nicht willentlich manchmal absetzen – weil wir die Brille sind. Da brauchen wir Fachleute, die uns dabei helfen die Brille so einzurichten, dass sie uns nicht behindert oder ungerecht urteilen lässt.

  4. Ich „sehe“ es anders 😉

    Nein! Ja! Indem wir es akzeptierend erkennen wollen resp. fast schon automatisch durch Nachwuchs!

    Letzteres birgt mE nach das ersichtlichste Konfliktpotential mit sich. Welche Generation hat nicht der vorherigen Dinge vorgeworfen, welche diese so nicht sah?

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