Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Mit verbundenen Augen

In An Manche on März 3, 2009 at 8:03 am

[Foto: cranberries]

Ist gibt eine Theorie, vermutlich stammt sie von einem Verhaltensforscher wie Desmond Morris, die sagt, dass das Benutzen von Parfums den menschlichen Geruchssinn in einer Weise vernebelt, dass wir uns in der Wahl ihrer Partner irren. Früher konnten wir den idealen Partner am Geruch erkennen. Heute müssen wir uns auf weit ungenauere Dinge verlassen (im schlechtesten Fall Fotos oder Informationen aus Datenbanken). Verbot von Parfums = Senken der Scheidungquote? Wie lange soll das wohl hergewesen sein und warum hat jemand dann überhaupt das Parfum erfunden und begonnen, sich zu parfümieren (können ja eigentlich nur die Stinker gewesen sein, die niemand riechen mochte)? Heute könnte man auch einfach nach der Wahl der Parfummarke entscheiden. Armani-Kennenlern-Parties – ob das wohl für stabilere Paare sorgt? Und es muss doch auch gute Gründe geben, dass unser Geruchssinn verglichen mit den meisten Tieren extrem unterentwickelt ist?

Und: wenn man Blog -Artikel riechen könnte, fände man dann schneller heraus, ob einem der Autor liegt? Hat denn der Geist auch einen Geruch?

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  1. Dieser Herr Morris ist nach meinem Geschmack 🙂

    Derweil. Das mit dem Geruchssinn ist schwierig. Versuch mal 3 Tage nur je einen Liter Wasser pro Tag zu dir zu nehmen. Mich hat diese Erfahrung total überwältigt. Ganz enorm wie stark wir plötzlich unsere Umwelt wahrnehmen. Das gilt auch für die Augen und die Ohren. Bezogen auf die Beziehungsfrage denke ich das die Biologie schlussendlich siegt (Speichelaustausch). Der berühmte erste Kuss!

    Und was den geistigen Geruch angeht. Nun ja. Meine Lebenserfahrung sagt ja, aber ich beobachte zunehmend Menschen die miteinander Umgang pfegen, obwohl sie wenig bis nichts gemein haben…

  2. Michael, verstehe das nicht, mit dem Wasser. Ich trinke jeden Tag etwa 1.5 Liter, ohne den Eindruck zu haben, dass meine Wahrnehmung dadurch beeinflusst wurde…

  3. 🙂 Nur das Wasser, sonst nichts…

  4. @Michael, das mit dem Wasser muss ich mal versuchen. Hört sich gut an.

    Ich habe mal vor über 20 jahren von meiner geschiedenen Frau ein Eau de Toilette geschenkt bekommen und war so überrascht, wie auserwählt es roch und wie gut es mir gefiel, vor allem, das sie meinen Geschmack aus der Auswahl 100 er Duftmöglichkeiten so gut wählte. Ich dachte so, sie kennt mich sehr gut.
    Heute schaue ich mir die Menschen zu den Parfüms an, die sie mir schenken. Ich kann mich kaum erinnern, dass mir mal eins nicht gefiel, aber jedes meine ich immer, sagt etwas über den Menschen, der es mir gibt. Es kommt ja nicht so oft vor, dass Männer Parfüms geschenkt bekommen, aber ich finde es immer fast schon spannend, was mir das über den Menschen sagt – immer was anderes, aber bis jetzt hat es immer angenehm sympathisch gepasst.

  5. Heute morgen klingelt in aller Frühe das Telefon – und ich erfahre, dass jemand aus meiner Familie gestorben ist. Plötzlich bleibt die Zeit stehen und ich spüre, dass ich – mit jedem Atemzug – neben mir den Duft meines Mannes wahrnehme und geniesse.

    Fotos können wir sammeln und aufbewahren, aber der Geruch eines Menschen ist vergänglich. Das macht für mich jeden Augenblick der Nähe mit ihm unsagbar wertvoll…

    Mit jeder Zelle meines Körpers weiß ich, dass ich mich damals in seinen Geruch verliebt habe und dass sein Duft mich – trotz wiederkehrender Sprachlosigkeiten – immer wieder zu ihm trägt.

    Kein Parfüm der Welt könnte das ändern, übertünchen oder verfälschen.

    • Menachem, was kann ein Parfum denn über einen Menschen sagen? Lassen sich denn da überhaupt irgendwelche Schlüsse ziehen, die ausserhalb der Geruchswelt Sinn haben?

      Christiane, interessant, was du sagst. Bei Parfums lassen sich die Formeln notieren, der Geruch eines Menschen ist in der Tat einzigartig und meines Wissens auch nicht reproduzierbar oder speicherbar (obwohl: wenn er in einem menschlichen Hirn gespeichert werden kann, sollte nicht auch ein Computer ihn eines Tages speichern können?). Erstaunlich auch, dass wir keine Sprache haben für die Welt der Gerüche. Ich lese gerade mal wieder Patrick Süsskind und sehe ihn gezwungen, mit Analogien zu visuellen und akkustischen Wahrnehmungen hantieren: geruchliche Stille, geruchliche Harmonie, geruchliches Farbenspiel, geruchliche Bässe und Höhen, …

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