Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Offene Fragen der Woche (38)

In An Manche on Februar 14, 2009 at 5:39 pm
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  1. Hallo und danke, lieber Fragezeichner, dass Du den Zusammenhang zwischen den beiden Posts herstellst.

    Denn wenn es richtig ist, dass wir tot sind, wenn wir nicht leben, dann sind wir die meiste Zeit tot, das Leben nur ein kurzer urlaub vom Tod.

    Ist dann der Weg richtig, auf dem wir westlichen Menschen seit der Renaissance sind, all unsere Anstrengungen auf dieses Leben zu richten und nicht auf einen größeren Zusammenhang, in dem wir uns befinden?

    Oder können wir uns durch RSS und Co gemeinsam des größeren Zusammenhangs versichern anstatt von Interessantheit zu Interessantheit zu hoppeln?

    • Detlef, den Zusammenhang zwischen den beiden Beiträgen habe ich gar nicht gesehen. Das Web scheint mir mit seiner Fokussierung auf Tagesaktualität, Informationshäppchen und Techniklastigkeit nicht das ideale Werkzeug, um grössere Zusammenhänge erkennen zu können. Für mich liefert es den Rohstoff Information, aus dem ich mir dann selbst etwas Sinnvolles formen muss. Und manchmal wird soviel geliefert, dass das meiste in meinem Kopf vergammelt und schlimmer noch eine Menge Platz für wertvolleres wegnimmt 😉

  2. Für mich ist das Web ein Platz, wo man miteinander spricht, wo man Ideen vorstellen kann und sieht was andere Menschen empfinden. Insofern schon ein philosphisches Medium im besten Sinn – im Gegensatz zu den alten Medien, die einerseits mit Macht reindrängen in Netz, andererseits keine Gelegenheit auslassen, es schlecht zu reden/ schreiben.

    • Ja, als Kommunikationsinstrument ist das Internet sogar noch stärker denn als Informationsinstrument. Aber das Deuten, das Sinnfinden, Zusammenhänge zu erkennen – das kann man/tut man besser off-line. Jedenfalls geht es mir so. Das war „früher“ bei Tageszeitung/Fernsehen natürlich ganz genauso. Durch das Internet ist aber eine Beschleunigung des Informationsdurchsatzes entstanden, der die Gefahr in sich birgt, dass man nur noch um der Kommunikation willen kommuniziert, keinen Abstand mehr gewinnt und sich dabei in Nichtigkeiten verliert – dass man eben nicht einen Schritt zurücktritt und die eigenen Nutzung des Mediums hinterfragt. Natürlich hängen solche Effekte vor allem vom Indiviuum ab, aber das Internet ist extrem fesselnd…

  3. „Kommunizieren um der Kommunikation willen“ – da hast Du recht, das ist eine Gefahr. Man muss den Buzz aufrecht erhalten, wenn man im Gespräch bleiben will. Und es macht ja auch tatsächlich süchtig.

    Aber zur Herstellung von Zusammenhängen ist das Internet genau richtig, finde ich: durch Links, Tagging, Metacontent. Wie ja auch Dein Post für mich einen Zusammenhang hergestellt hat.

  4. @Detlef, noch schöner wäre die Herstellung von Zusammenhängen für mich auf deutsch. Schade, konnte deinen interessanten Beiträgen nicht folgen, denn bei aller Liebe zum Internet, die Übersetzungscomputer sind immer noch mehr als beschei… 😉

  5. Menachem, ich schliesse mich deiner Petition an 😉

  6. Ich glaube, rein theoretisch kann das Internet Zusammenhänge aufzeigen. Und tut es durch die Vernetzung auch. Aber wenn es um größere Zusammenhänge geht, geschichtliche oder kulturelle zum Beispiel, um Hintergründe etc., dann sehe ich da ein Problem. Unzählige kleine Happen werden uns online vorgesetzt. Vielleicht mit vielen Links. Und wenn wir die alle lesen, werden uns die Hintergründe klar. Nur: Wer liest einen langen Text UND all die weiterführenden, erklärenden Links im Internet? Es geht wie schon gesagt wurde um Aktualität, aber auch darum, dass wir schnell an die gesuchten Infos kommen wollen. Geht das nicht schnell, verlangt ein Text von mir, dass ich lange dabei bleibe und obendrein noch etliche Links lese (jedes Mal Gewöhnung an ein neues Layout, einen anderen Schreibstil, vielleicht führt er wieder zu einem langen Text mit Links oder zu lange ladenden Videos), surfe ich möglicher Weise weiter und nehme nur das nötigste an Infos mit. Lesen am Monitor nervt. Da können die Inhalte noch so lesenswert sein.
    Mich dagegen auf die Couch zu legen, eine Zeitung oder Zeitschrift aufzumachen, es mir bequem zu machen und mich 20 Minuten lang in einen sehr, sehr langen Text vertiefen, das geht ganz gut, weil es irgendwie eine ganz andere Handlung ist und aus einer anderen Motivation heraus entsteht. Und weil die Inhalte entsprechend aufgemacht sind.

    Ich glaube, und ich hoffe das als angehende Schreiberin, dass hier eine Chance für den Printbereich liegt.

    • Muschelschubserin, ich sehe das ähnlich. Das Problem der klassischen Medien scheint mir eher in der Qualität zu liegen, in der mangelnden Unterscheidbarkeit untereinander und in der zunehmenden Verschnipselung. So unterschiedliche Zeitschriften wie CT oder Brandeins haben Erfolg, weil sie Artikel schreiben, die eben nicht jeder Blogger mal so eben rausrotzen kann – und für die die Leser durchaus zu zahlen bereit sind (ich z.B. habe beide abonniert). Wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen, wird es auch weiter sehr erfolgreiche Printmedien geben (wenn auch vielleicht nicht erfolgreiche Tageszeitungen).

  7. Ja, das sehe ich genau so. Ich hab zB die GEO im Abo, aus eben diesen Gründen. Und eine Unterwasser-Zeitschrift, aber ich hab das Gefühl, die les ich nur noch aus beruflichem Interesse. Nach über 10 Jahren Abo wiederholen sich die Inhalte einfach nur noch…

  8. Menachem, Fragezeichner, vielen Dank für die Petition. Ich bin ganz gerührt.

    Lieber Fragezeichner, ich habe nicht den Eindruck, dass Du Deinen Blog-Content „mal eben so rausrotzt“. Den Eindruck habe ich bei der kostenlosen New York Times, oder bei Spiegel-Online auch nicht.

    Es gibt diesen Gegensatz einfach nicht: Hier das Husch-Husch Internet und da die Qualitätsmedien. In der Buchhandlung kann man auch Schund kaufen.

    Liebe Muscheschubserin, wenn Du ein Print-Medium brauchst, um 20 Minuten einen Text zu lesen, dann stimmt etwas nicht mit Deinem Monitor. Und den Laptop kannst Du auch aufs Sofa mitnehmen 😉

  9. Ich habe gar keinen Laptop. Wenn ich mich stinkereich geschrieben habe, dann kauf ich mir aber einen. Oder wander aus. 😀
    Ich lese jedenfalls so lange Texte fast ausschließlich im Print und nur höchst selten online. Und ich fände es vermutlich eine Zumutung, wenn ein Web-Autor verlagen würde, dass ich so einen langen Text (wo man also wirklich 20 Minuten zum lesen braucht) online lese. Die gibt’s ja auch genau aus diesem Grund nicht gerade haufenweise online. Und ich hoffe eigentlich auch, dass das so bleibt. Ich mag das Husch-Husch-Internet, zumindest solange man sich bewusst macht, dass es nicht das A und O der Information ist. 🙂

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