Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Zuspruch

In An Alle on Februar 10, 2009 at 10:08 am

[Foto: kurafire]

Kann es sein, dass wir nicht glücklich sind mit dem, was wir machen, bis wir es anderen zeigen können und dafür gelobt werden?

Kann man sich einen Musiker vorstellen, der sich damit zufrieden gibt, ohne Publikum alleine im Kämmerlein zu spielen, einen Sportler, der irgendetwas besser kann als alle anderen, der sich aber nicht mit ihnen misst, einen Schriftsteller, dessen Manuscripte nie sein Arbeitszimmer verlassen haben, ein Erfinder, der als einziger seine geniale Erfindung nutzt, der Angestellte, der auch  ohne Lob und Rückmeldung durch den Chef hochmotiviert ist?

Aber wie kommt das? Sind wir vielleicht nicht ganz sicher, dass es wirklich gut ist, was wir machen, dass wir unserem eigenen Urteil nicht wirklich trauen? Sind die anderen sozusagen eine Art Schutzschild für unsere Fehler – verschaffte uns diese Rückversicherung  evolutionäre Vorteile oder sind sie nur Nebenprodukt von banaler Geselligkeit? Hat das schon jemand bei Tieren beobachtet – zeigen kleine Kätzchen ihrer Mutter stolz die erste selbstgefangene Maus? Und wieviel Menschen mag es wohl geben, die keinen Zuspruch brauchen, die sich über das Bedürfnis des Lobes und des Zuspruchs erheben können?

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  1. Tiere: Katzen zeigen dem Hausaffen (Mensch) gefangene Mäuse und freuen sich über Lob. Macht man das, schleppen die einem ganze Mäusehaufen an (Zustand variabel von lebend, über zuckend bis…).

    Menschen: Du brauchst Zuspruch das Du deine Frau geehelicht hast? Dein Sohn offensichtlich nach dir kommt? Du bestimmte Eigenschaften eben hast?

    Freude über Zuspruch: Er entspringt dem „Belohnungssystem“. Hierdurch lernt unser Geist Teil seiner gegebenen Umwelt zu sein. Dinge die in seiner Umwelt positiv wirken gelten als Belohnung, gegenteiliges als Strafe.

    Vater/Mutter zu 24 Monate jungen Kind das mit Stift auf Papier herumkritzelt: „Das hast Du aber schön gemalt!“ (zzgl. Namensnennung)

    Das Bild ist (sachlich betrachtet) keines, die Eltern strahlen das Kind regelrecht an, positive glückliche Gefühle werden ausgestrahlt wie natürlich im Kind ausgelöst. Lachen ist schön. Ein gutes positives Gefühl. Ergo, Geist des Kindes = „Es ist positiv Linien zu malen.“.

    Dann kommt die Differenzierung: Malen auf Papier = gut, auf der Tapete = schlecht

    Etc.

    Eine Frage hierzu meinerseits: Ist es schlimm (oder schwer) mit der Erkenntnis zu leben, dass es zwingend auf alle Fragen Antworten gibt, wir jedoch ebenso nicht zwingend alle Antworten erkennen können?

    😉

    • Michael, ich finde es zumindest verblüffend, dass die gleiche Tätigkeit oder Leistung nicht die gleiche Bedeutung für Menschen hat, nicht die gleiche Freude bereitet, wenn sie nicht von anderen wertgeschätzt wird. Das gefällt mir nicht.

      Zu deiner Frage. Ich kann sehr gut damit leben, dass ich nur auf die wenigsten Fragen Antworten finde, ich finde es sogar in gewisser Weise tröstend. Antworten, die wir nie finden können – aufgrund einer Komplixität, die den menschlichen Geist übersteigt – gibt es die denn wirklich, sind die nicht praktisch in-existent?

  2. Ja das mit der Leistung, den Tätigkeiten und deren differenten Bewertung ist schon sehr interessant. Als Erwachsener lernt man da noch viel von Kindern (wenn man aufmerksam genug ist).

    Es gibt Kinder die erledigen alle Aufgaben mit der selben Gleichmut, Abscheu oder Freude. Wieder andere hadern an einigen Aufgaben herum und akzeptieren andere ohne Widerspruch. Selbst in ein und der gleichen Familie gibt es da deutliche Differenzen. Meinem Ältesten ist es tatsächlich mittlerweile absolut egal welchen Teil der Hausarbeit er erledigt. Sein Motto: „Es muss eh erledigt werden, warum daran herum hadern.“. Meine Älteste hingegen hat kein Problem damit mal eben die ganze Hütte durch zu Staubsaugen, aber den Müll hinausbringen findet sie „eckelig!“. Gleiche Eltern, soz. Umfeld und Erziehung. Merkwürdig was?

    Komplexität = 42 😉

    • Ja, ich habe auch den Eindruck, dass sowohl Vererbung als auch Erziehung als Erklärungsmodelle für Verhalten völlig überschätzt sind…

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