Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Schatten meiner selbst

In An Manche on Januar 22, 2009 at 12:24 pm

Ein grippaler Infekt hat mich niedergelegt. Ich bin gerade nicht ich selbst. Zerschlagen, unkonzentriert, willensschwach, lustlos, freudlos. Bin ich also gerade ein Anderer, ein anderer Charakter? Aber wann bin ich eigentlich überhaupt ich selbst? Gibt es denn nicht ständig irgendwelche äusseren Umstände, die mich zu etwas anderem machen als ich glaube zu sein? Welchen Wert hat es, vom „ich selbst“ zu sprechen, wenn es lediglich Knet in den Händen meiner Umgebung ist, zufälliges Resultat des komplexen Zusammenspiels mit unzähligen, sichtbaren und unsichtbaren Kräften? Oder ist dieses „ich“ das, was immer gleich bleibt, das keine Grippe, kein Schicksalsschlag, aber auch keine Erkenntnis erschüttern kann (wer möchte so etwas?)?

Mein „ich“ ist womöglich mein gerade aktuelles, persönliches Idealbild von mir selbst, das sich unvermeidlich durch neue Erfahrungen, durch meine eigene Veränderung mitverändert – ich bin also tatsächlich der Schatten meines „ich selbst“, das wenige des Möglichen, was wirklich wurde. War ich unklar genug? Habe ich jetzt einen Begriff mit sich selbst erklärt?

[Foto: zen]

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  1. Vor dem weiteren nachdenken über das was du schreibst:
    GUTE BESSERUNG !!!!1

  2. Das wird von manchen „Bewusstseinszustand“ genannt – vom glasklaren präsent sein (wie nach einem Schreck etwa) bis zum Träumen. Krankheiten zwingen dich mehr oder weniger zur Selbstbetrachtung, bei Grippe will man einfach seine Ruhe haben. Sie kommt überwiegend zur dunklen Jahreszeit, die eher Besinnlichkeit nahelegt (die Natur schläft), während der Sommer zu Aktivität und Extrovertiertheit einlädt (die Natur wächst).

    • Menachem, danke für die Wünsche, es geht in der Tat schon viel besser.

      Hannelore, komisch, dass es oft Krankheiten oder anderer unerwarteter Ereignisse bedarf, um einen Schritt zurückzutreten und den Blick zu schärfen… Was deine Bemerkung zu den Jahreszeiten angeht, die sind hier in Süd-Frankreich weit weniger ausgeprägt, nur ein Teil der Natur legt sich schlafen und auch die Sonne zeigt sich selbst im Dezember oder Januar oft frühlingshaft mild (was für mich Lebensqualität bedeutet).

  3. Kann deine Situation sehr gut verstehen. Liege bereits seit 1,5 Wochen im Bett dank eines Bänderrisses. Erst wenn es einem richtig schlecht geht, weiß man wie gut es einem vorher ging.
    Wenn es mir oder dir besser geht, wissen wir es nicht mehr zu schätzen. Wollen wir wetten?

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