Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Hm

In An Mich on Dezember 2, 2008 at 9:22 am

Mir ist bisher noch kein pessimistisches Kind begegnet. Es scheint keine oder sehr wenige zu geben. Scheint logisch, sie wissen ja auch einfach noch nicht genug, um pessimistisch sein zu können. Oder wissen sie etwa im Gegenteil (noch) viel mehr als wir?

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  1. Viele Kinder haben schon als Säuglinge die Welt als einen Ort kennen gelernt, wo auf NICHTS Verlass ist. Und es werden immer mehr.

    Es gibt viele ängstliche Kinder. Es gibt immer mehr Kinder, die unter Phobien leiden. Ist Angst Pessimismus? Wer Angst hat erwartet jedenfalls nichts Gutes.

  2. Sowohl Pessimismus als auch Optimismus sind Erwartungen an die Zukunft. Kinder leben aber im jetzt, deswegen machen diese Kategorien keinen Sinn bei Kindern.

  3. Benni, so pauschal kann man das nicht sagen. Aktuell wünschen sich viele Kinder in Hamburg Schnee. Manche glauben, dass Schnee kommt, wenn sie „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ singen. Andere glauben das Singen bringt nichts. Sind das nicht Pessimisten?

  4. Hätte ja nicht gedacht das es hier mal ein paar Überschneidungen gibt, aber Benni liegt tatsächlich ziemlich richtig.

    Allerdings ist beides nicht nur Erwartungshaltung sondern die Summe aller erfüllten bzw. nicht erfüllten Wünsche des Individuums. Da Kinder ja oft noch nicht derart viele solcher Erfahrungen aufweisen können, ist auch wenig richtungsweisende Struktur sichtbar.

    Wenig insofern als das es natürlich auch viele Kinder gibt die, wie Detlef es so richtig feststellt, permanent nur enttäuscht werden/deren Wünsche sich so gut wie nie erfüllen (seien sie auch noch so winzig…)

  5. Hectors Reise: „Zu einem lächelnden Kind ist man freundlicher“

  6. Aber es gibt kritische Geister unter ihnen – mein kleiner Alien kann schon ganz schön skeptisch schauen, wenn etwas nicht zu passen scheint …

  7. Hm, klingt ja alles sehr überzeugend hier. Zu überzeugend. Das macht mich dann doch etwas stutzig. Als Verfechter der Mem-Theorie gehe ich mal davon aus, dass die Sicht wie wir die Welt sehen und unsere Meinung bilden, nicht auf unserem eigenen Mist gewachsen ist. Deshalb wohl ist „Pessimismus“ bei uns – unter dem Einfluss der aktuellen „Positiv – Denken – du schaffst es – Kultur“ vorn vorne herein negativ besetzt. Und die Überzeugung, dass Kinder erst durch Erziehung zu optimistisch oder pessimistisch denkenden Menschen heranwachsen, scheint mir stark von Rousseau beeinflusst.

    Ist es aber nicht vielleicht so, dass „Pessimismus“ und „Optimismus“ einfach nur zwei evolutionäre Strategien sind – beide mit dem gleichen Ziel und Zweck, möglichst gut durchs Leben zu kommen? Einfach mal ganz neutral und sachlich betrachtet.

    Und könnte es nicht so sein, dass beide Lebensstrategien grundsätzlich von Natur aus ziemlich gleich verteilt in der Bevölkerung vorkommen? Ein Kind, zumindest als Anlage, halt von Anfang an entweder zu der einen oder anderen Strategie neigt?

    Pessimismus steht bei uns in dem Ruf, eher leistungshemmend zu sein. Ich habe allerdings einmal in einer Sendung im Radio gehört, dass die, die z.B. in Prüfungen bewusst ihre Erwartungen niedrig gehalten haben, unter dem Strich dann mindestens genauso erfolgreich abgeschnitten hatten. Und mir ist es auch selbst passiert, dass ich immer wieder auf das pessimistische Gezeter von Kommilitonen „hereingefallen“ bin, die dann aber viel bessere Noten hatten. 😉 Sachlich betrachtet scheint es also einfach eine Strategie zu sein, die eben für den einen besser und für den anderen schlechter geeignet ist. Erst unser kultureller Blick wertet „pessimistisch“ = „negativ“ und „optimistisch“ = „positiv“.

    Persönlich bin ich aber natürlich auch ein Anhänger des angesagten „Tschaka – du schaffst es“. Leider schaffe ich es aber nicht einmal, mich lange genug davon zu überzeugen. Was freilich die doofste Strategie ist 😉

  8. Ja, manchmal stellt sich die Frage, wer (er)zieht wen?

  9. Tja. Und schon geht die Begriffsdefinition los. Ich gebe mal den Einstand:

    Pessimismus:

    Zwischen absolut und tendenziell schwankende negativ bestimmte Sicht auf die Welt u./o. die Dinge im Allgemeinen bzw. u./o. im Speziellen in ihr/um sie herum.

    Optimismus:

    Zwischen absolut und tendenziell schwankende positiv bestimmte Sicht auf die Welt u./o. die Dinge im Allgemeinen bzw. u./o. im Speziellen in ihr/um sie herum.

    Ignoranz:

    Den Umstand missachtend das alle Sachverhalte und Individuen extrem komplex sind, eine Urteilsfindung zu diesen stets einzig aus dem eigenen Blickwinkel vom Maß/der Menge an zugänglichen geprüften wie ungeprüften Informationen hierzu abhängig sein muss. Etc. pp. usw. usf.! Also sind Individuen welche eine der genannten Lebenseinstellungen ausleben, grundsätzlich zur Vorverurteilung neigende Ignoranten.

    Die Welt wie sie ist…

    Einzig durch die Möglichkeit sich wiederholende Ereignisse in einem stets zugänglichen Speicher ähnlichen Ereignissen zuordnen zu können, wird Lernen generiert. Anders geht es nun einmal nicht. Oder besser noch. Anders kann es nicht gehen. Wenn ich die Dinge die mir zustoßen tatsächlich dauerhaft vergesse -sie nicht einmal irgendwo speichere-, dann kann ich daraus schlicht nichts generieren. Einzig dadurch ist es uns möglich einen Apfel zu schälen ohne uns andauernd in die Finger zu schneiden. Ab und an ja, aber nicht stets. Das Gedächtnis sowie dessen Nutzung, spielt also die fundamentale Rolle. Natürlich ist es dann auch relevant inwiefern ich dieses Gedächtnis nutze, ob ich verstehe was es ist, wie es funktioniert, was es mir alles ermöglicht. Diese Spezies verdankt alles was sie bisher getan, erreicht oder bewegt hat, einzig den Gedächtnissen der Individuen in ihr. Kein Buch der Welt trägt für einen IQ von 180 einen Wert in sich, wenn dieser IQ sich den Inhalt der Aussagen des Buches nicht, bzw. dessen Schlussfolgerungen nicht verarbeitend merken kann. Schon in der Zeit in der ihr dies gelesen habt, könnte ich euch fragen wie viele Leute inkl. mir hier kommentiert haben. Waren es nun 7 oder 9? Ach. Und worum ging es in der Ursprünglichen Frage des virtuellen Hausherrn gerade noch?

    Das schlimme an der sog. Moderne ist der Umstand das die Menschen zusehends (man kann teilweise wirklich zusehen) ihr Gedächtnis verlieren. Womit es dann auch irgendwann kaum noch Optimisten oder Pessimisten geben wird. Übrigens ergibt sich hierdurch auch der logische Umkehrschluss zur Gedächtnisleistung insgesamt. Welches 6 jährige Kind kann einem noch erzählen welches vor 365 Tagen sein liebstes oder blödestes Spielzeug war? Da wird dann viel geraten, aber wenig gewusst 🙂

  10. Wenn ich mir Eure Kommentare durchlese und all die verschiedenen Aspekte der Bemerkungen auf die kleine Frage durch den Kopf gehen lasse, dann bin ich wirklich stolz, dass dieses Blog so interessante Leser (oder besser: Co-Autoren) hat. Danke!

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