Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Immer wieder, aber irgendwie anders

In An Niemanden on November 27, 2008 at 9:56 am

[Foto: ersatzspeiche]

Wenn ich das nur gewusst hätte als ich jung war… Mit meinem Schwiegervater hatte ich eine Diskussion darüber, ob Kinder von den Erfahrungen ihrer Eltern lernen sollten oder die gleichen Fehler selbst begehen sollten, um wirklich daraus zu lernen. Können Worte eine Erkenntnis weitergeben? Oder gelangt man nur über eigene Erfahrung zur Erkenntnis? Aber hiesse das nicht, dass die Menschheit immer wieder die gleichen Fehler wiederholen muss?

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  1. Über Erfahrung zu den Fehlern zu gelangen, ist ja eine 50:50 Chance.
    Ich habe einmal bei Norbert sinngemass gelesen: Menschen ihre eigenen Erfahrungen nicht machen zu lassen ist, wie sie des Lebens zu berauben.
    Es mag sein, dass im Zusammenhang des gesamten Beitrages mich das so beeindruckt hat. Seitdem versuche ich so zu handeln und denk: Schei..drauf, jeder hat ein Recht auf seine eigenen Erfahrungen, und ich: auch!

  2. Menachem, aus der eigenen Perspektive ist es leichter, das zu bejahen, als aus der des Vaters 😉 Aber ich habe da als Vater wahrscheinlich gar keine Wahl. Denn in der Tat sind es die Erfahrungen, aus denen das Leben gebaut wird – und wer will schon das Leben anderer nachleben? Allerdings hat das Ganze natürlich den Nachteil – ich habe es in der Frage oben angedeutet – dass es damit schwierig wird, aus den Fehlern anderer zu lernen.

  3. Ich glaube, ich verstehe deine Frage und ich meine es auch empfinden zu können, wie Eltern in dieser Frage zwischen den Stühlen steh`n, sich zu entscheiden. Meine Große hat mich in diesen Dingen nie gefordert. Sie kam Schwerstbehindert auf die Welt, und ist heute 34. Meine Kleine ist bald 30, und so gut ich es konnte, habe ich versucht, ihr meine Fehler zu zeigen, und ebenso, wie ich versucht habe, sie wieder zu korrigieren.
    Dann denk ich im stillen, au ja, sie könnte es verstanden haben. Und nach vielen Jahren, kein Mensch denkt mehr daran. Plumps – liegt sie drin.
    Was mir in diesen Momenten leid getan hat, ist, dass sie diese Erfahrung nicht schon früher machen durfte – weil ich…
    Vielleicht möchten wir das gerne unseren Kinder ersparen, weil wir erfahren haben, wie weh es tun kann. Doch bleibt auch, das man das Anfassen einer heißen Herdplatte erklären kann, aber das Gefühl dafür…
    Fast werde ich senitmental bei diesem Thema. Resignation?

  4. Ich glaube, es ist noch aus anderen Gründen unmöglich, aus den Erfahrungen anderer Menschen/Völker/Nationen zu lernen – schlicht weil sie sich nicht genau so wiederholen, weil sie in anderen lebengeschichtlichen/kulturellen/historischen Zusammenhängen gemacht werden. Das heißt nicht, dass wir nicht die Biografien und die Geschichte kennen sollten – nur wenn wir sie kennen, können wir die Erfahrungen einbeziehen und unsere Entscheidungen treffen – so wie wir sie heute für richtig halten. Dabei werden wir wieder Fehler machen – sind aber nicht blind für die Erfahrungen/Leiden der Menschen, die uns voraus gegangen sind.

  5. Ach wie bin ich froh das Du diese Frage mit dieser Technik gestellt hast.

    Sie gäbe es nämlich nicht, müssten wir wieder und wieder die Dinge neu erkennen.

    Was Du oben beschreibst ist die enorme Glaubwürdigkeitsbarriere welche wir unserem Nachwuchs gegenüber aufbauen. Wir hier haben dies vor fast 10 Jahren erkannt und arbeiten daher kontinuierlich am Abbau dieser, bzw. sind stark dafür sensibilisiert nicht wieder neue entstehen zu lassen. Das hilft derart gut, dass unsere Brut uns soweit vertraut und bestimmte Erfahrungen nicht, sowie einige vorsätzlich macht. Ich denke das es genau so sein sollte. Gemeinschaftlich ein Gespür dafür zu entwickeln welche Erfahrungen man durchaus vermeiden kann (weil schon er-/gelebt) und welche man auf jeden Fall selber machen muss (weil es eben nur so geht).

    Eltern wollen im allgemeinen nicht das sich ihr Kind verletzt (Ausnahmen/Regel – Bla). Ergo lassen sie es nicht auf Herdplatten greifen. Wir haben sie alle genommen und ihre kleinen Hände ganz vorsichtig an die Backofenklappe herangeführt (so kurz nach dem Krabbeln lernen und kurz vor aufrechtem Gang. Also da wo die ersten „Stehexperimente“ beginnen). Ab einem bestimmten Punkt ziehen die Kleinen im Allgemeinen immer ihre Hand zurück. Tada! Eine Erkenntnis. Und ohne Schaden, muss man halt ab und an wiederholen, aber in immer größeren Abständen. Geht doch…

    Geht man mit denen in die Schule schreibt man sich halt in den Terminkalender: Bei Zeiten mit dem Kind einen Film mit gut sichtbaren (hübsch blutigen) Verkehrsunfall schauen (wie oben anfänglich häufiger, später seltener Wiederholen). Gibt zwar vor dem TV ein paar Tränen, hört sich grausam an, ist es auch irgendwie, aber lässt die kleinen Racker den Straßenverkehr mit dem nötigen Respekt betrachten. Ich hatte bei der Direktorin einer Grundschule sogar angeregt einen solchen Unfall mit Hilfe einer Puppe zu simulieren, aber das wurde nach bösen Blicken abgelehnt…

    Wir müssen halt bei derart viel Wissen in der Welt lernen dieses zu differieren, lernen das nicht jede Form Wissen mit den selben, gleichen, oder ähnlichen Methoden vermittelt werden kann/sollte. Dies so/So dieses, Jenes anders/Anders jenes…

    Alles ist lernen, erfahren, erneuern. Steter Wandel den man sieht, hört, riecht und spürt. Das Leben ist das Bewegte. Der Tod ist der Stillstand, auch der im Geist. So gesehen wandeln reichlich viele Tote durch unsere Welt 😉

  6. Menachem, auch wenn ich nicht erklären kann, warum, gibt es keinen Grund für Resignation. Vielleicht tun unseren Kindern manches nicht so weh wie uns? Vielleicht bringt sie manchmal auch gerade der Schmerz den entscheidenden Schritt nach vorne?

    Christine, die Erfahrungen anderer in Büchern oder Filmen nach-erleben zu können, könnte durchaus ein Weg sein, auch ohne eigene Schmerzen zu lernen und im entscheidenden Augenblick Erfahrungen anderer in die eigenen Entscheidungen einfliessen lassen zu können. Habe ich ein Beispiel dafür? Leider nein, aber ich denke, das geschieht unbewusst. Aber ich bin mir sicher, dass es geschieht.

    Michael, ja, das ist durchaus eine Methode, die ich auch selbst anwende. Eine Art praktischen Impfens: die Wirkung einer Erfahrung erahnen zu lassen (von einem kleinen Baum auf eine Wiese fallen), ohne die schlimmen Folgen (von einem grossen Baum auf den Asphalt fallen und sich das Bein brechen). Und ich gebe dir Recht, dass es sehr vielfältige Methoden des Lernen und Erfahrens gibt und geben muss.

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