Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Der Fulgurator

In An Mich on November 18, 2008 at 9:36 am

Der Fulgurator ist ein Gerät, das beliebige Motive auf Fotos projeziert, genau in dem Moment, in dem sie geschossen werden. Die Projektion wird mithilfe eines Sensors für Blitzlicht ausgelöst und ist für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar. Julius von Bismarck, der diesen Apparat erfunden und patentiert hat, benutzt ihn, um symbolische Botschaften zu projezieren, zum Beispiel Friedenstauben auf ein Porträt Mao-Ze-Tuns am Platz des himmlischen Friedens oder um auf das Schild „You are entering the American Sector“ den Zusatz „Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border“ zu „schreiben“.

Ein faszinierendes Teil. Was manipuliert der Fulgurator da eigentlich: die Fotos oder die Realität oder die Köpfe der Menschen, die ihre Fotos anschauen und beginnen nachzudenken? Und: macht das eigentlich einen Unterschied? Haben Fotografen das Recht auf ein unbeflecktes Foto? Wenn mir das passieren würde und ich fände auf meinen Urlaubsfotos versteckte Botschaften – was würde mir da durch den Kopf gehen?

Ist das letztlich nicht lediglich eine besondere Form der Werbung? Tatsächlich haben angeblich schon einige Marketing-Agenturen angefragt (die Bismarck mit den Worten „Ich mag Werbung nicht. Gute Werbung noch weniger als schlechte“ zurückwies).

Aber was, wenn nun Botschaften wie Hakenkreuze an jüdische Gedenkstätten projeziert werden? Ist das juristisch überhaupt zu fassen?

[durch Kulturzeit]

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  1. Ja. Das ist eine echt lustige Idee. Nur patentieren wird er sie nicht können. Ist ja in Summe nicht wirklich neu. Auch wenn es erst einmal so aussieht. Ausserdem muss er tatsächlich verdammt aufpassen, nicht den falschen Leuten auf den Fuss zu treten 😉

  2. Michael, soweit ich das verstanden habe, hat er bereits das Patent und will damit den Fulgurator gegen Missbrauch schützen (zumindest ein paar Jahre). Aber ich gebe dir Recht: der Mann spielt mit dem Feuer – aber mit voller Absicht und er hat viel Spass dabei…

  3. Hey. Ich erhebe keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit!

    Ich meine aber aus meiner Erfahrung mit dem Patentrecht und dem gelesenen „The Image Fulgurator is patented. The patent is pending since 2007“ das er das Patent zwar angemeldet hat, dies ihm aber noch nicht erteilt wurde (siehe keine Patentnummer…). Was mich wie gesagt insofern nicht wundert, als das die Technik an und für sich im patentrechtlichen Sinn nicht geschützt werden kann, ohne andere Patente einzuschränken bzw. zu verletzen.

    Er muss halt zusehen das er über eine gute Vermarktung sein Geschäft als „Erster“ macht 😉

  4. Michael, ich gebe dir Recht. In der Kulturzeit kam das anders rüber.
    Aber Patent oder nicht – die Erfindung ist da und damit auch alle Möglichkeiten, sie zu missbrauchen.

  5. Welche Sorte Missbrauch meinst Du? Die Sache mit Mao oder die mit Wowie?

    Anwendungsgebiete zur Ertragsgenerierung fallen mir spontan eine ganze Menge ein. Problematisch wird es jedoch auf jeden Fall, wenn er (oder wer auch immer) durch den Einsatz von dem Ding -primär am Objekt u./o. sekundär am Konsumenten- Schaden verursacht.

  6. Werbung…
    Aber auch, was ich oben angedeutet hatte, Beleidigungen, Hakenkreuze, etc.

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