Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Relativierungsfreiheit

In An Manche on November 11, 2008 at 11:12 am

Ich bin mal auf ein Blog gestossen (Joel on Software), das keine Kommentare von Lesern zulässt und dies explizit und ernsthaft begründet. Ein Blog gäbe jedem eine Stimme. Doch Kommentare verrauschten diese Stimme, relativierten die Botschaft, nämen ihr an Kraft. Wer Stellung nehmen will, könne dies auf seinem Blog tun, aber nicht hier bei ihm. Er stelle Thesen auf, sei aber kein Diskussionsmoderator.

Ist da etwas dran? Kommentare in Blogs: Ausdruck der Meinungsfreiheit oder im Gegenteil: Unterlaufen der Meinungsfreiheit? Gibt es auch eine Relativierungsfreiheit, eine Korrekturfreiheit?

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  1. Eigentlich hatte ich grad einen langen Kommentar geschrieben… aber dann dachte ich mir:ne, ich verrausche mal lieber nicht Deine Frage durch den Versuch einer Antwort.

  2. Ich denke, das kommt auf den Zweck meines Blogs an. Will ich eine Community, die meine Gedanken ergänzt und auf diese Weise „zurück-inspiriert“, dann brauche ich die Kommentarfunktion. Bei einem professionellen/kommerziellen Blog ist das unerlässlich.

    Will ich Monologe halten ohne Rückmeldung, tja, da kann ich mich nicht hineinversetzen.

    Andererseits schätze ich es, wenn längere Texte nicht als Kommentar, sondern auf dem eigenen Blog und mit trackback gepostet werden. Ich selbst mache das häufig, denn dann habe ich die Freiheit, soweit vom Thema abzuschweifen (den Originaltext zu relativieren und zu verrauschen), wie ich will.

    Und noch was: ein Kommentar gehört nicht unbedingt zur Thematik meines Blogs, also muss ich ihn vor Ort schreiben (können).

  3. Irgendwie hat das Wort rauschen einen starken Eindruck hinterlassen. Ist auch eine passende Assoziation: wer will, dass seine Signale klar und unverändert empfangen werden, fürchtet nichts mehr als Rauschen.

    Hannelore, ich sehe das so wie du, für mich ist es gerade der Witz bei der Sache. Ohne Kommentare hätte ich das Bloggen schon längst beendet oder vielleicht auch gar nicht erst angefangen. Allerdings mag das auch von der Grösse des Blogs abhängen, ob Kommentare bereichernd sind.
    Es gibt aber auch eine Reihe von Bloggern, die eigentlich nur Jubel-Rufe für ihre Darbietungen erwarten (also Empfangsverstärker brauchen, um bei dem Bild zu bleiben) und sich gerne in ihrer Meinung bestätigt sehen wollen. Logischerweise empfinden sie kritische Einwände dann als Anmassungen, die auch schnell mal gelöscht werden. Dann lieber die Kommentare ganz abschalten.

  4. Ich fühle mich beim Kommentieren als Gast in einem Blog und versuche, mich so zu verhalten. Manche Blogger, wie Du, Fragezeichner, machen es ihren Gästen angenehm, sich wohl zu fühlen und auch mal zu scherzen.
    Es gibt allerdings Situationen, da kann der beste Gastgeber keine Gäste brauchen. Da kann man ja die Kommentare/ Türe schließen.

  5. @Hannelore, @Detlef: So sehe ich das auch.

  6. @Detlev „Da kann man ja die Kommentare/ Türe schließen.“

    Oder moderieren. Ich sehe es als mein Hausrecht an, Bestimmtes nicht zu publizieren, eben auch einzelne Kommentare nicht. Ein Besucher kann oft nicht überblicken, in welche Richtung die Botschaft der Bloggerin zielt, und was die message ‚verrauschen‘ würde.

    Gutes Wort, dieses verrauschen… 🙂

  7. @Hannelore: Ich kenne viele Blogs, die komplett ihre Kommentare auf „freischalten lassen“ gestellt haben. Eigentlich ist es ja schon Zensur, wenn ich meine Meinung nicht frei äußern kann. Andersherum natürlich, gibt es zu viele „Idioten“, die ihre unpassenden, u.U. abwertenden Kommentare suchtvoll loswerden wollen.

    @Detlef: So sehe ich das auch. Wenn es wirklich Postings gibt, wo externe Kommentare unerwünscht sind, schalt ich die Kommentarfunktion ab. Wer dann wirklich was dazu sagen will, wird es entsprechend wahrscheinlich auf seinem eigenen Blog tun und rück verlinken.

    Um ehrlich zu sein, ein Blog dessen sämtliche Einträge von vorne herein keine Kommentare zulassen, besuch ich nicht wieder. Wozu auch? Ein Blog lebt und stirbt mit dem hin und her interessierter Kommentatoren.
    Eine Verlinkung auf solch einen Blog würde „vorher“ nur in Frage kommen, wenn es vielleicht passend von der Grundinformation wäre, sicherlich nicht, weil mein Posting eine Antwort wäre, die ich dort nicht loswerden konnte. Diese Antwort bliebe eben ungesagt.

    Hab ich jetzt irgendwie ordentlich „gerauscht“? 😉

  8. Spannende Frage.

    Dadurch, dass theoretisch jeder ein Blog schreiben kann und somit auf seine Beiträge verlinkt und trackbacked, kann man ja frei seine Meinung äußern. Also hat er eigentlich recht.

    Was bei vielen Kommentaren, vor allem wenn sie zur „Trolligkeit“ neigen, passiert ist eine Zermürbung des Autors, ein Abrutsch in eine Off-Topic-Diskussion, die am Ende sicherlich den Haupteintrag blasser machen. Ich erlebe es immer und immer wieder, dass gar nicht über den Kern des Eintrages geredet wird sondern oft nur über Fragmente.

    Wenn man Blogs als rein subjektiv begreift, so sind Kommentare, die zur Objektivität ermahnen natürlich irgendwie überflüssig.

    Letztendlich muss es jeder selbst entscheiden. Da gleich Zensur zu rufen, finde ich übertrieben. Jeder kann in seinem Wohnzimmer machen was er will. Ich persönlich ziehe freies Kommentieren auf meinen Blogs vor.

  9. @Patrick: Nach „Zensur“ hab ich nicht gerufen. 😉 Wenn es besser klingt, kann man auch sagen „Kontrolle“. Ohne Kontrolle keine Kommentare 😉
    Bei den Blogs, wo von vorne herein schon die Kommentarfunktion abgeschaltet ist, erübrigt sich eh eine Kontrolle/zensur, wie auch immer.

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