Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Was kostet die Welt?

In An Alle on Oktober 21, 2008 at 8:16 am

…fragt sich mancher 20jährige und denkt sich wohl insgeheim: nichts! Aber hätte man ihn sich nicht schon viel früher mit der Frage auseinandersetzen lassen sollen: was kostet das Spielzeug? Was kostet das Brot? Was kostet die Fahrt zum Fussball-Platz? Der Begriff Kosten scheint nur angehenden Kaufleuten oder Volkswirten vermittelt zu werden (und zudem noch auf knochentrockene Weise) – dabei ist er doch ein elementarer Begriff unseres täglichen Lebens. Ist ein Kostenbewusstsein nicht gerade unabdinglich, um Kindern ein soziales und ökologisches Bewusstsein zu vermitteln, um ihnen die Arbeit, Mühen und Ressourcen zu verdeutlichen, die in jedem Gegenstand stecken, der ihm durch die Hand geht? Warum wird ein Kostenbewusstsein nicht schon spielerisch in frühen Jahren vermittelt? Hat man Angst, eine Generation von Buchhaltern heranzuziehen?

Kostenrechnung in der Grundschule – Meinungen?

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  1. Bei uns in der Schule kriegen alle Kinder (und die sind bei uns schon ab 3 Jahren) einen Euro Taschengeld pro Tag. Da lernen die das ganz schnell.

  2. Benni, das ist nicht dasselbe. Mit der Methode lernen sie mit Geld umzugehen, aber nicht unbedingt, welche Kosten und Mühen in Gegenständen oder Handlungen stecken.

  3. Kosten schon, Mühen nicht. Aber das gilt auch für Deinen Vorschlag mit der Kostenrechnung. Eine Mühenrechnung gibts ja aber zum Glück noch nicht auch wenn so mancher Wirtschaftswissenschaftler das anders sieht.

  4. Die Begriffe „Kosten“ und „Nutzen“ müssen viel weiter gefasst werden, sodass sie sich nicht nur auf Geldbeträge beziehen. War in diesem Blog nicht einmal von der „Währung Aufmerksamkeit“ die Rede? Hinzu kommen solche „Währungen“ wie Macht, Wissen, Glück.

    Derrida hatte einen sehr weiten Begriff von Ökonomie. Ich habe den Text leider gerade nicht da, wo mir das begnet ist, aber ich suche das in den nächsten tagen mal raus.

  5. Jörg, ich gebe dir recht, aber muss man nicht erstmal mit dem normalen Begriff beginnen, bevor man ihn erweitert? Ich wollte eigentlich auch Geld erst mal aussen vor lassen…

  6. @Jörg: Man sollte solche Begriffe wie „Kosten“, „Nutzen“ und „Währung“ nicht beliebig ausweiten und damit auch deren innewohnende Logiken in Bereiche in denen sie nix zu suchen haben.

  7. Kosten und Nutzen sind ja wesentlich weiter gefasst als nur auf Geld bezogen, und dass man Entscheidungen, die auf Kosten-Nutzen-Abwägungen gründen, als ökonomische ansieht, ist auch nicht so neu. Bleibt der Begriff der „Währung“ – klar, der ist ein Spezialbegriff der mit Geld verbunden ist. Aber was ist ein guter Begriff für ein Maß, in dem man Kosten und Nutzen qualtifizieren kann?

  8. Lieber Fragezeichner, ich stelle auch immer wieder bei mir fest, dass ich in andere projeziere. Das ist schade, weil das nur der halbe Weg ist. Der ganze Weg ist, wenn es reflektiert, die Frage also zu mir zurückkommt und ich sie dann auch noch erkenne. Miestens brauche ich aber auch etwas Unterstützung dabei, weil ich es einfach nicht sehen kann.
    So, als ich inder Schule an der Tafel eine Gleichung lösen sollte, und sie einfach nicht stimmen wollte. Der Lehrer immer wieder: Schau doch noch mal hin. Und ich konnte noch so konzentriert versuchen den Fehler zu entdecken, ich habe nicht gesehen, das anstatt eines „+“ ein „-“ von mir hingeschrieben wurde.
    Und so verstehe ich auch eher deine Frage: „Aber hätte man ihn sich nicht schon viel früher mit der Frage auseinandersetzen lassen sollen“. Das ist alleine deine Frage und deine Antwort.
    Aber bei aller Mühe sehe ich auch in meinem Umfeld, das es Jungs scheinbar einfach nicht gegeben ist, mit Geld umzugeh`n. Ich würde sogar behaupten, die, die es können, sind nicht normal. Gut, diese Satz hat einen halben Similie verdient, aber nicht mehr.
    LG, Menachem

  9. Menachem, das ist nicht nur meine Frage, das ist durchaus eine Gesellschaftsfrage: sollte man wirtschaftliche Fragen nicht in unser Bildungssystem aufnehmen? Kostenrechnung ist ein Aspekt dabei, es gibt aber auch noch viele andere. Heute morgen habe ich im Radio gehört, dass in Amerika eine Organisation grossen Zulauf bekommt, die Menschen erklärt, wie Kredite funktionieren, wie man verhindert, sich über das Ohr hauen zu lassen, wie man sich als gebeutelter Hausbesitzer gegen seine Bank wehren kann, etc. All das geht in die gleiche Richtung: wir leben in einer Marktwirtschaft, aber viele Menschen sind damit überfordert, weil sie die einfachsten Dinge und Zusammenhänge nicht verstehen. Sie bleiben passiv, fühlen sich isoliert und betrogen und gehen der Gesellschaft verloren. Richtige Bildung könnte das ändern. Ein anderer Aspekt ist (gerade bei der Vermittlung von Kosten), dass es einen Mangel an Bewusstsein für Zusammenhänge und sozialen Einfluss des eigenen Kosumverhaltens gibt.
    Und ja: es ist scheinbar normal, dass die meisten nicht mit Geld umgehen können. Aber lässt sich das nicht ändern? Ist es nicht wünschenswert, dies zu ändern?

  10. Doch, es ist absolut wünschenswert, das sich das ändert. Nur, was ich sagen wollte, ist, das an diesem Dilemma nicht die Schuld sind, die nicht mit Geld umgehen können, sondern, die, die es ihnen nicht beigebracht haben, die Eltern. Dabei sind es auch wieder nicht sie schuld, denn sie geben auch nur weiter, was sie gelernt haben. Wie unterbricht man diesen Kreis?
    Was ich bei mir nur feststellen kann, ist, das auch ich ein sehr laxes Verhältniss zu Geld habe. Ob es ein gutes oder schlechtes Verhältnis ist, müsste ich erst intensiv drüber nachdenken. Seinen Ursprung, über den ich oft nachgedacht habe, war vielleicht der, das ich schon als 4.-Klässer immer über mehr Geld verfügte, als ich ausgeben konnte. Ich habe es mir zwar erarbeitet, aber damals war Arbeit noch nicht Arbeit in dem Sinne von heute, ich habe es mit Spaß gemacht.
    Trotzdem stelle ich auch fest, das meine Tochter z.B. sehr gut mit Geld umgehen kann. Ich weiß nicht, von wem sie das hat. Alles in allem aber bestimmt ein Thema, was einen respektvolleren Umgang als mein Kommentar verdient hat.

  11. Mein lieber Menachem, aus all deinen Worten spricht Respekt, mach dir da mal keine Sorgen.
    Interessant übrigens, dass es auch im Bereich Kostenverständnis/Umgang mit dem Geld ein gewisses angeborenes Interesse oder Fähigkeiten zu geben scheint.

  12. Zeichen und Wunder, oder gebotener Opportunismus?:

    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,7514757,00.html

    Und nun die Quizfrage: „Wer hat hier von wem abgeschrieben?“

  13. 🙂 Es dürfen ruhig noch ein paar Orte mehr sein.

    Wenn mir mal wer begegnet der gut schreiben kann, dann geb ich dem genug Texte für 10 Bücher zu dem Thema. Meine Sache ist das wohl nicht…

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