Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Fragen aus der Vergangenheit

In An Manche on September 25, 2008 at 8:15 am

Der kleine Mats schrieb am 15.Mai 1991:

Ich finde, es ist eine wahrhaft frustrierende Aussicht, sich zu verlieben, weil es nur eine Sache von kurzer Dauer sein wird, wobei „kurz“ durchaus 20 Jahre sein können, aber halt nicht ewig. Selbst wenn ich für eine Frau meine Geilheit, mein Verlangen, meine Faszination über Jahrzehnte aufrechterhalten könnte, was wäre mit ihr? Es ist frustrierender, nicht geliebt zu werden, als nicht zu lieben. Wie sieht es mit Sex aus, welche Rolle spielt er für einen 60jährigen? Wen interessieren eigentlich überhaupt noch 60jährige? Ausser als Oma oder Opa, die für 50 DM Taschengeld gerade gut genug sind, deren scheinbar antiquierte Denkweise man nur belächeln kann, anstatt aus ihr zu lernen?
Man müsste eine Frau haben, die die Kinder grosszieht und eine Geliebte, eine Frau, die man liebt, zu der man einen heisse Liebe verbindet, die man einmal die Woche sieht und liebt, total intensiv. Der Alltag tötet nämlich jede Liebe, irgendwann sieht man seine Frau nur noch als Neutrum, als geschlechtsloses Inventar, das nun mal da ist, an das man sich halt gewöhnen musste, die eigentlich nicht weiter stört, die aber fehlen würde, wäre sie nicht da. Vielleicht braucht man sie ja tatsächlich, ungefähr so wie „Dallas“ am Dienstag Abend oder wie ein Glas Wasser nach einem Besäufnis. Aber ist das Liebe? Mitnichten, vernichtet durch all die gemeinsamen Erlebnisse, durch Details, durch Gewohnheit, ihre Lockenwickler, ihre Zahnpasta, ihre Nase, ihre Brüste, ihre Scheide, alles schon dagewesen, nichts neues, nichts erregendes, sie steht nackt neben dir im Bad, dich bewegt es ungefähr so wie das Zahnputzglas, mit dem sie sich mit Wasser gefüllt den Mund ausspült. Sie zieht an deinem Schwanz, es ist das gleiche Gefühl, als hättest du dich hinterm Ohr gekratzt oder dir die Füsse massiert. Alles schon mal dagewesen, nichts neues, nichts erregendes, ihre Brüste so aufregend wie die deiner Mutter, als sie 55 war. Was bleibt? Respekt, Freundschaft, zweimal Sex im Jahr, gemeinsame Erfahrungen, die verbinden, Höhen und Tiefen, die man gemeinsam durchgemacht hat, gemeinsame Kinder, gemeinsame Wohnung – alles Gemeinsamkeiten. Soviele Gemeinsamkeiten, wie du sie auch mit deiner Schwester hattest. Du suchst nach einer anderen Frau? Keine wird dir je so vertraut, keine wirst du so lieben wie deine eigene! Liebst du sie denn? Anscheinend! Erst wenn sie nicht in deiner Nähe ist, brauchst du sie. Sie fehlt dir, du weisst nicht wie, sie weiss nicht warum. Jede andere erregt dich mehr, doch nie mehr als dich deine eigene damals erregt hat. Was kann denn noch kommen? Was kann nach deiner Frau noch kommen? Nichts! Nichts, was du nicht schon kennst! Leidenschaft, Liebe, Sex! Aber alles eine Nummer kleiner als damals, du verschlechterst dich nur. Ausserdem fehlt der Respekt, die Freundschaft, das Vertrauen, die verbindenden Erfahrungen, die Höhen, die Tiefen, der Sex, bei dem du weisst, dass du dich nicht blamierst, wo du nie versagst, wo du dir sicher bist, das richtige zu tun, auch wenn es nur zweimal im Jahr ist.
Kann ich eine Frau heiraten, von der ich weiss, dass sie das perfekte Gegenstück zu mir ist, obwohl ich eine andere kenne, die ich demütig liebe, obwohl sie mich belächelt?
Es gibt nichts dümmeres als aus Liebe zu heiraten, aber nichts menschenverachtenderes als aus Verstand zu heiraten! Vielleicht sollte ich niemals heiraten, obwohl ich weiss, dass es irgendwann geschehen wird, vielleicht nur aus einer Laune, aber es wird ewig halten. Was ist das Ideal? Viele Frauen verkehren mit vielen Männern, keiner ist eifersüchtig, ich bumse mit vielen, die wiederum von vielen gebumst werden, doch ist das Liebe? Ist das eines Menschen würdig? Begebe ich mich nicht vielmehr auf die Ebene eines Tieres? Ist es überhaupt dem Menschen typisch? Ist es nicht vielmehr entgegen der menschlichen Mentalität, widerspricht es nicht jedem reinen Gefühl? Vielleicht ist Monogamie ein Produkt jahrtausenderlanger Erziehung! Aber egal ob Natur oder Umwelt, egal ob genuin oder anerzogen, ist alles das gleiche. Für die Konsequenzen spielt es keine Rolle, ob ein Mensch ein Produkt seiner Gene oder seiner Erziehung ist! Interessant ist vielmehr die Frage, könnte ich mit einem Mädchen befreundet sein, es lieben, wenn ich wüsste, dass sie zwar auch mich, aber noch einen oder mehrere andere liebt, mit ihnen schläft, das gleiche empfindet wie für mich. Käme ich mir nicht vor wie ein Massenprodukt? Wäre ich eifersüchtig oder würde es mir reichen, zu wissen, dass sie mich liebt, egal, wen sie sonst noch so liebt? Wie wäre es umgekehrt? Hätte ich Verlangen nach anderen Frauen, wenn ich eine bestimmte lieben würde? Viele Fragen, keine Antworten. Ich sollte die Fragen auch mal anderen stellen, respektive weiblichen Mitmenschen, vielleicht sind Antworten dabei, vielleicht ist auch die ein oder andere Antwort für mich dabei?

Was würde ich mir heute wohl antworten?

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