Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

„Wenn ich nur ein einziges Mal…“

In An Mich on September 23, 2008 at 8:05 am

… fangen viele Wünsche und Träume an. Aber was ist denn einmal, ein Mal, überhaupt wert?

„Einmal ist keinmal“, sagt der Volksmund. Also am Ende vielleicht gar nichts? Ein Mal berühmt sein. Ein Mal am Erfolg schnuppern. Ein Mal nach Australien. Was bleibt von diesem einen Mal übrig? Ein Mal „Ich liebe dich“ sagen. Ein Mal einem Mitmenschen helfen. Einmal über sein Leben nachdenken. Einmal ist Zufall, eine Laune, eine Illusion. Nur was man immer wieder hat, tut, ist, hat eine Bedeutung, gehört zu mir, ist wirklich existent.

Ein Fotograf hat das wundervoll dargestellt (leider weiss ich den Namen nicht mehr): er hat eine Fotokamera mit einjähriger Belichtungszeit aufgestellt und den Alexanderplatz in Berlin fotografiert. Auf dem Foto sieht man natürlich die Gebäude, aber auch die täglichen Laufwege der Menschen. Man sieht das umso klarer und schärfer, was oft geschah. Das Einmalige hat keine Form, es verschwindet im Wiederkehrenden.

[Foto: jackdornothing]
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  1. Interessante Ansicht. Es gab, zumindest in meinem Leben, sehr viele Einmaligkeiten, die tiefgreifend prägend waren – ihr Licht ist zwar nicht mehr sichtbar, wohl aber spürbar.

  2. Ich würde meinen, es gibt das „einmal nur“, das sich aus fremden Vorstellungen in einen selbst hineinschleicht, und sich als eigener Wunsch getarnt, zur Erfüllung drängt. „Einmal nur“ den Jaguar-Schlüssel dem Adlon-Portier zuschmeissen und nichts als die Zimmer Nr. sagen – für die Koffer. Das hat einen hohen Preis – den ich für dieses „einmal nur“ nicht mehr bezahlen würde. Davon bin ich geheilt.
    Aber das andere „einmal nur“ – die große Liebe….. Das, was aus einem selbst entsteht, scheint mühelos zu sein und doch scheint auch das, wie du schon leider schreibst, im Wiederkehrenden zu verschwinden. Vielleicht liegt im Wissen des Entschwinden unser geliebter Hang zum Festhalten mit begründet.

  3. Jeme, auch wenn ich in dem zugespitzten Blog-Eintrag übertreibe. Einmaligkeiten werden überschätzt. Es gibt natürlich Schlüsselereignisse, die einem Leben eine Wendung geben. Aber ich halte es für gefährlich zu glauben, man könne seinem Leben durch eine einzige Tat eine Wendung geben.

    Menachem, ich glaube auch, dass ein Festhalten an der Vergangenheit in der täglichen Veränderung begründet liegt. Wenn nichts entschwindet, braucht man sich auch nicht daran erinnern.

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