Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Free-Jazz, Videospiele und Blogs

In An Mich on Juni 5, 2008 at 7:31 am

WoW

[Foto: ghz]

In dem Manifest der Digitalen Bohème „Wir nennen es Arbeit“ stehen ein paar Seiten über die zunehmende Bedeutung von Videospielen in der Alltagskultur. Mittlerweile gäbe es in Deutschland mehr WoW-Spieler als Handballer.

Trotzdem schaue ich mir im Fernsehen lieber ein Handball-Spiel an als dass ich anderen beim WoW-Spielen zuschaue. Und ich nehme an, ich bin da keine Ausnahme. Videospiele sind nichts zum Angucken, sondern zum Mitmachen. Auch bei Brettspielen ist das meist so (Ausnahme: Schach, aber da scheinen auch alle Zuschauer Schachexperten zu sein und ständig mitzudenken). Bei Sport ist das anders, da kann beides Spass machen: spielen und zugucken.

Und jetzt zurück zur Frage in der Überschrift: gilt das nicht auch sinngemäss für Blogs (schreiben macht mehr Spass als lesen)? Und natürlich auch für Free-Jazz (Krach machen ist lustiger als ihn sich anzuhören)?

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  1. Also was den free-jazz betrifft, ein uneingeschränktes „Ja“ zum selber Krach machen. Beim Schreiben und Lesen von blogs ist das für mich schon etwas anders. Nicht immer fällt es mir leicht, die Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Manchmal sprudelt es, manchmal quält sich ein Wort hinter das andere.
    Auch ist ja ein Beitrag nur ein Kerngedanke, der sich erst so richtig entfalten kann, wenn ihn andere lesen und dann auch kommentieren.
    Und aus eigenem Lesen und eigenem Kommentar dazu, erfahre ich manchmal in wenigen zeilen mehr, als in langen selbst geschriebenen Beiträgen.
    Ich find beides gut – Schreiben und Lesen
    LG, Menachem

  2. Menachem, ich gebe dir Recht, Bloggen lebt vor allem von der Kommunikaton – weit stärker als die anderen beiden Tätigkeiten (obwohl deren Afficinados es vielleicht anders sehen). Mir scheint, dass es (bei Bloggern, aber wahrscheinlich bei allen Menschen) aber mehr Bedarf gibt, sich auszudrücken, als jemand anderem zuzuhören.

  3. Das mitteilen, so empfinde ich es auch, ist auch mir immer wieder ein großes Bedürfniss. Aber auch das zuhören. Im zuhören mögen, einem innerlichen Wunsch folgend. drückt sich etwas besonders für den Mitmenschen aus, ich weiß nicht, ob Liebe dazu das richtige Wort ist. Aber seit Jahren beschäftigt mich das Bild von Hesse`s Siddharta, in welchem die zwei alten Männer zuhören, sich – und dem Fluß. Vielleicht ist Mitteilen so lange ein Bedürfniss bis man das Gefühl hat, verstanden zu sein.
    Das sind keine ausreichenden Erklärungen, aber ich fühle mich im beiden doch oft Zwischendrin.

  4. Ich habe aus Zeitgründen in den letzten Wochen weder gebloggt noch blogs gelesen noch kommentiert. Nun habe ich zuerst wieder mit dem Bloggen angefangen, dann ein wenig wieder mit dem Lesen, das Kommentieren kommt immer noch zu kurz. Das zeigt, dass du zumindest in meinem Falle Recht hast – allerding kommt etwas dazu, was deine Betrachtung gar nicht berücksichtigt: Wenn ich schreibe hoffe ich auf Leser, und wenn ich dann selbst nicht lese und kommentiere, hab ich ein schlechtes Gewissen. Bloggen ohne das Lesen anderer Blogs und ohne kommentieren anderer Blogs ist irgendwie wie reden ohne bereit zu sein, auch zuzuhören – auf Dauer nicht freundlich.

  5. Jörg, mir geht es ähnlich. Das bedeutete aber auch: das Schreiben von Blogs lässt sich vom Lesen von Blogs nicht trennen, es sind in gewisser Weise zwei Aspekte der gleichen Tätigkeit. Und das könnte auch erklären, warum Blogs eine so geringe Reichweite ausserhalb der Blogosphäre haben – es ist etwas für Eingeweihte. Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für Twitter oder Facebook oder Friendfeed.
    Und noch etwas: diese Art der Kommunikation, im technischen Bereich auch Multicasting genannt, hat grosse Skalierungsprobleme. Wenn die meisten eigenen Leser auch selbst Blogger sind, denen man sich verpflichtet fühlt, wächst der Aufwand für das Bloggen linear mit der Zahl der Leser 😉

  6. In Asien ist bei-Computerspielen-zugucken sehr populär, da gibt es Spieler mit Popstar-Status. Das zeigt, dass es vor allem eine Sache der Umstände ist, was Spaß macht und was nicht. Beim-Fußball-zugucken ist ja im Grunde – mal ganz nüchtern betrachtet – auch eher albern. Aber trotzdem machen alle mit. Das führt dann zu vielen weiteren spannenden Fragen, zB: wie entsteht eigentlich Identifizierung?

    Ich persönlich gucke im übrigen tatsächlich lieber bei WoW zu, als dass ich beim Handball zugucke 😉

  7. @Benni, Mist, wieder eine These ruiniert 😉

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