Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Werbung – Angebot und Nachfrage

In An Manche on Juni 3, 2008 at 8:16 am

Ist Werbung ein Geschäftsmodell für die Zukunft? Ein paar Überlegungen. Während der Internet-Blase im Jahr 2000 wurde viel geworben. Geld, das Investoren in Startups pumpten, wurde oft für Werbung genutzt. Die Werbeplätze wurden von anderen Startups zur Verfügung gestellt. Investoren schafften also sowohl das Angebot als auch die Nachfrage für Werbung – allerdings keine nachhaltige. Das Platzen der Blase führte dazu, dass sowohl Werbeplätze als auch Werbung zurückgingen.

Heute scheint es, dass viele Startups zwar werbefinanzierte Geschäftsmodelle haben, aber ohne grosse Werbebudgets. Teils finanzieren sie sich ganz ohne Investoren und versuchen über Mundpropaganda ihre Bekannheit zu steigern. Wenn man noch die Vielzahl von etablierten und neu entstehenden Blogs dazunimmt, darf man wohl behaupten: es werden viele neue Werbeplätze geschaffen. Allerdings wachsen nicht notwendigerweise die Werbebudgets. Wird Werbung also billiger?

Es gibt eine Tendenz zur Umschichtung hin von Print-Medien und Fernsehen ins Internet. Internet-User sind aber zunehmend werbeblind. Werbung wird ignoriert oder sogar mithilfe von technischen Hilfen weggeschaltet. Das heisst, die Benutzer zerstören in gewisser Weise die neuen Werbeplätze. Machen sie Werbung damit wieder teurer?

Die Werbeplätze, die noch existieren, das heisst, die sich Benutzer gefallen lassen, sollten viel wertvoller werden. Allerdings könnte es sein, dass es viel schwieriger wird festzustellen, wo Werbung noch funktioniert und unter welchen Voraussetzungen. Es könnte also passieren, dass immer grössere Teile von Werbebudgets erfolglos verpulvert werden und letztlich nur noch an wenige sichere Werbeplätze geht. Also wieder zurück vom Long-Tail zu den Hits?

Es könne durchaus auch passieren, dass Werbung in seiner existierenden Form verschwindet und Platz macht für eine offene Kommunikation mit Kunden. Aber das wäre ja zu schön, um wahr zu sein. Eher wird man versuchen, die Werbeblindheit der Internet-Benutzer zu kurieren, indem man Werbung in den Content einbettet. Und wenn sich das die Benutzer auch nicht gefallen lassen?

[Inspiration: SimpleEntrepreneur, ReadWriteWeb]

Advertisements
  1. Hallo,

    ich denke mal das I-Netz und die Möglichkeiten die es offeriert, werden über kurz oder lang die klassische Werbung negieren.

    Man darf hierbei ja nicht vergessen wofür Werbung primär benötigt wird. Sie soll den Kunden für das Produkt interessieren (u.U. den Konsumwunsch wecken).

    Durch die weiterhin zunehmende Privat-Vernetzung werden „Produktstimmungsbilder“ zunehmend bedeutender. Vermutlich wird man dann dazu übergehen den Betreibern/Betreuern der Kommunikationsknotenpunkte, einen Obolus für die positive Erwähnung des Produktes zukommen zu lassen. Anfänglich vermutlich in der sehr subtilen Art, wie bei „The Truman Show“. Derweil werden immer mal wieder ein paar Schlauköpfe versuchen solche Knotenpunkte künstlich zu generieren. Sprich, Leute dafür bezahlen das sie so tun als ob sie privat schwätzen, um darin -wiederum mehr oder weniger subtil- die Produktwerbung einfließen zu lassen.

    Sinnvoll wäre es ohne Zweifel Methoden und Techniken zu entwickeln um mit dem Produkt dann „am Kunden“ zu sein, wenn dieser es wünscht. Aber wie Du schon feststelltest hast, wird man sich eher darüber wundern das trotz enormer Werbepräsenz die Absätze stagnieren bzw. rückläufig sind. Danach werden die ach so weisen Entscheidungsverdränger versuchen die Werbung in andere Inhalte einzubetten 😉

    Gruß

  2. Ja, in vielen Filmen werden die Produkte ja schon direkt eingebaut. Aber das wäre ja ein echtes Schreckenszenario, wenn man sich vorstellt, dass Steve McQueen plötzlich ein BMW-Lenkrad in den Händen hält oder Humphrey Bogarts Whisky-Marke in den Film eingebaut wird.
    Ich frage mich, ob es nicht möglich wäre, Werbung zum Nutzen der Konsumenten einzusetzen. Es gibt durchaus Situationen, wo ich etwas kaufen möchte und mir einen Überblick über Produkte und Preise verschaffe und auch empfänglich wäre für Werbung.

  3. „Ich frage mich, ob es nicht möglich wäre, Werbung zum Nutzen der Konsumenten einzusetzen.“

    Ich denke das ist nur möglich wenn der Konsument sehr viel von sich selbst preisgibt. Was ja wie immer zum Problem werden wir.

    Alternativ könnte man auch noch einmal über das Modell Vertrauenspartner nachdenken. In diesem wenden sich Hersteller von Produkten und Konsumenten an einen Mittelsmann welcher sich bemüht die richtige Ware, zur richtigen Zeit dem richtigen Konsumenten zu präsentieren. Im Prinzip so ein wenig wie die alten Tante-Emma Läden. Denen haben die Konsumenten wie auch die Produzenten vertraut.

  4. Ja, es funktioniert recht gut mit Amazon, dessen Empfehlungssystem recht effizient ist und auch gar nicht als Werbung empfunden wird – aber natürlich um den Preis, dass Amazon mehr über mich weiss als mir lieb sein sollte. Die Vertrauenspartner sind wohl vor allem die Freunde. Verkäufern vertraue ich eigentlich so gut wie gar nicht. Ich frage mich, ob eine Werbe-Suchmaschine funktionieren könnte: also im Prinzip so wie Google, aber es werden nur Werbe-Links, -Banner und Angebote eingeblendet, die zu den Suchbegriffen oder verwandten Suchbegriffen passen. Werbung on-demand also.

  5. Ups, da haben wir uns aber aber stark missverstanden 🙂

    Amazone ist weder effizient, effektiv noch vertrauenswürdig.

    Mein Beispiel mit dem „Tante-Emma-Laden“ war durchaus ernst gemeint. Diese Läden waren (sind es in mach abgelegen Gebieten noch immer) integraler Bestandteil der ökonomischen Kultur ihres Umfeldes. Die Betreiber solcher Geschäfte konnten es sich nicht erlauben, ihre Kunden einzig auf Grund von kurzfristigen Gewinnsteigerungen zu verprellen. Hierdurch wird das notwendige Vertrauensverhältnis generiert, auf das wir gerne zurückgreifen wenn wir wirklich ein Produkt suchen.

    Ein Vertrauenspartner in diesem Sinn ist jemand der durch sein Geschäftsmodell -für die Konsumenten klar ersichtlich- exakt in dieser Art vom Urteil der Konsumenten abhängig ist.

    So etwas gibt es übrigens in mancher Nische schon heute. Z.B. Land’s End, stellt sich nicht nur dem Urteil des Konsumenten, sondern lässt sich durch dessen Wünsche und Bedürfnisse stark beeinflussen. Und siehe da, es funktioniert. Die Konsumenten bezahlen für diesen Effekt offensichtlich auch gerne einen höheren Preis 🙂

    Gruß

  6. Hatte Amazon auch nicht auf das Vertrauenspartner-Modell bezogen, sondern auf das Modell, wo der Kunde alles von sich preis geben muss. Möchte dir aber widersprechen, dass es nicht effizient oder effektiv ist: die Empfehlungen, die ja letztlich nichts anderes als Werbung sind, sind zumindest für mich meist nützlich (hängt natürlich auch davon ab, wieviel man bei Amazon kauft, ich kaufe eine Menge, da ich hier in Frankreich keine deutschen Bücher bekomme). Ich stosse durchaus auf interessante Dinge, die ich dann auch kaufe.
    Bei dem Vertrauenspartner-Modell frage ich mich, wie dieser inherente Interessenskonflikt zwischen Verkäufer und Kunde aufgelöst werden soll. Klar, je besser ein Unternehmen dem Kunden zuhört, je mehr es versucht, dessen Interessen gerecht zu werden, desto glaubwürdiger werden seine Empfehlungen. Aber letztlich will ein Unternehmen ja vor allem umsetzen und Profite machen.

  7. Also Amazone ist wahrlich ein Thema für sich. Ich schätze mal in Sachen Menge nehmen wir uns da nicht viel (Ihr seid 3? Nun wir sind 7…). Doch bei uns versagt das System, weil es immer nur von einer Einzelperson auszugehen scheint. Die sind da nicht fit genug anhand der bestellten Artikel ein „Konsumprofil“ zu erstellen, dass auf mehrere Personen zutrifft 😉

    Eines finde ich sehr interessant:

    „Aber letztlich will ein Unternehmen ja vor allem umsetzen und Profite machen.“

    Und was ist daran so anrüchig? Will das nicht ein Jeder? Wenn Du deine Familie als Unternehmung betrachtest ergibt sich daraus, dass auch ihr umsetzt und Profite erzielen wollt…

    Im oben erwähnten Fall des Tante-Emma Ladens steht dies für das Publikum ja auch gänzlich ausser Frage. Es ist tatsächlich nicht einmal der Erwähnung wert. Es geht eben primär darum eine Unternehmung in die soziale Landschaft einzubetten, anstatt einfach nur dem Kommerz die höchst Priorität einzuräumen. Ein Unternehmen welches einzig im Interesse seiner Kunden handelt hat tatsächlich gleich mehrere Marktvorteile.

    – Die Kunden neiden nicht den Erfolg
    – Sehr starke Kundenbindung
    – Kai Zen an allen Ecken und Kanten
    – Maximale Anpassung am Markt
    – Kaum Konfliktpotenzial von beiden Seiten

    Gruß

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: