Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Nestor über Schüchternheit

In An Mich on April 30, 2008 at 8:42 am

Schüchtern

[Foto: _boris]

Mein Freund Nestor sagte: stehe zu deiner Schüchternheit. Wenn du deine Schüchternheit zu bekämpfen versuchst, beraubst du dich deiner Stärke. Schlimmer, du entfernst dich von dir selbst. Und du wirst nicht die Freunde und Frauen finden, die zu dir passen, die sich durch deine Schüchternheit angezogen fühlen.

Das ist zwölf Jahre her. Und ich weiss immer noch nicht, was ich davon halten soll.

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  1. „bekämpfen“ ist sicherlich Unsinn. Aber einfach mal ausprobieren, wie es ist, nicht schüchtern zu sein ist vielleicht eine Lösung? Dann kannst Du ja immer noch entscheiden was Dir besser gefällt.

  2. Wenn man denn mal so kurz von heute auf morgen seinen Charakter ändern könnte…

  3. Ich denke Du hast mit Deinem Kommentar doch genau den Kern erkannt. Man kann und soll sich nicht um 180° ändern und deshalb ist es das einfachste und besste wenn man eine Eigenschaft die einen kennzeichnet akzeptiert und nicht verdrängt. Denn diese Eigenschaft wird man immer besitzen, auch wenn man natürlich an Schüchternheit arbeiten kann aber im Grundsatz wird man dann wohl eher nie ein Mensch sein der überhaupt nicht mehr schüchtern ist. Denn verstellt man sich dann lernt man Menschen kennen die mit der tatsächlichen Person, die eben auch die Schüchternheit erfasst, vielleicht gar nicht umzugehen wissen. Steht man zu seiner Schüchternheit trifft man auf Menschen die diese Eigenschaft mögen oder einfach akzeptieren und die Schüchternheit der betreffenden Person beginnt sich zu legen weil sie ja weiß das die anderen ihn so akzeptieren. Daher verstehe ich die Aussage Deines Freundes. Es ist immer besser mit etwas zu leben das man nicht grundlegend ändern kann als es zu bekämpfen, denn dann bekämpft man doch letzten Endes sich selbst.

  4. Schüchternheit führt dazu, dass man vieles im Leben verpasst und im nachhinein bereut. Deshalb vertrat ich immer den Standpunkt, man solle seine Schüchternheit überwinden, das heisst, langfristig an ihr arbeiten. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Schüchternheit wirklich zum Charakter eines Menschen gehört oder eher eine in der Kindheit erworbene schlechte Gewohnheit ist.

  5. Ich denke nicht das es sich um eine in der Kindheit erworbene schlechte Gewohnheit handelt. Sonst könnte man auch sagen das das extreme Gegenteil nämlich das manche Menschen stets im Mittelpunkt stehen müssen eine schlechte Angewohnheit ist. Was wäre denn dann eine Charaktereigenschaft? Vielleicht nicht die Schüchternheit aber die zurückhaltendere Art? Ich weiß nicht so genau. Ich denke eher das man dies schon als Chraktereingeschaft sehen kann. Aber ob das auch tatsächlich so ist weiß ich natürlich auch nicht.

  6. Vielleicht wäre hier ein goldener Mittelweg das Beste? Ein wenig daran arbeiten, wohlwissend das man die Schüchternheit nie 100%ig wird ablegen können!?

  7. Das ist ja schon seltsam. Gestern abend habe ich über ähnliches nachgedacht und geschrieben, aber nicht ins Netz gestellt. Das mache ich mal jetzt. „Selbstwert“

  8. Auch ich möchte mich nochmals zum Thema einklinken, weil das akzeptieren von z.b. Schüchternheit, oder was immer es ist, dringt auch in das Thema „authentisches Leben“. Ich glaube, wenn man sein Leben, so gut wie man es kann, aufrichtig authentisch lebt, nichts als Schwäche oder Stärke gesehen wird. Die Umwelt nimmt einen so, wie man ist. Sie sucht nicht nach Fehlern oder Schwächen, weil sie spütrt, das ich nicht schauspiele und nichts verberge. Wenn ich im nachhinein Momente betrachte, in denen ich wirklich so war wie ich bin, authentisch, war ich unverletztbar oder man hat mich nicht verletzt. Ich weiß nicht, wie rum es wirklich war – aber so war es.
    Und, so weiter meine Meinung, man darf auch ruhig mal mit seinen Schwächen etwas koketieren, ich finde das charmant und macht mir den Gegenüber sehr syhmpatisch. Dann hat er den ersten Schritt gemacht, und es fällt mir dann auch leichter, etwas von meinen Schwächen zuzugeben. Und das tut auch mir dann gut.
    so, wie du diesen Beitrag mit einer kleinen vermeitlichen Schwäche eingestellt habe, du siehst, ich habe sofort reagiert. – und auch von mir etwas zugegeben.
    Dennoch bleibt für dich der Lorberr: den ersten Schritt hast du gemacht.

  9. @Silke: ok, nennen wir es eine Charaktereigenschaft. Und trotzdem bleibt die Frage, ob man sich mit seinem Charakter abfinden muss, wenn man damit nicht zufrieden ist. Einen Jähzornigen, der vor hat, mit autogenem Training seinen Jähzorn in den Griff zu bekommen, würde man auf jeden Fall dazu ermutigen – um sein Leben und das der Mitmenschen erträglicher zu gestalten. Warum sollte nicht auch ein Schüchterner etwas ändern?

    @Roman: darauf ist es letztlich hinausgelaufen. Und in der Tat ist Schüchternheit auch situationsbedingt. Schüchternheit verschwindet langsam, wenn man einfach bestimmten Situationen ausgesetzt ist und nichts anderes übrig bleibt als sie zu meistern. Beweis, dass man etwas ändern kann.

    @Menachem: die Cruz mit der Schüchternheit ist nicht, dass man keine Freunde hätte, vielleicht sogar im Gegenteil. Die Umwelt ist oft durchaus toleranter gegenüber dem Individuum, als das Individuum mit sich selbst.
    Aber vieles dauert einfach viel länger und manchmal muss man seinen Mut zusammennehmen, weil es manche Chancen im Leben nur einmal gibt. Ich habe mal einen Vortrag von Helmut Schmidt in Mannheim gehört. Danach konnte man ihm Fragen stellen. Ich hatte eine Frage auf den Lippen, bin zum Mikrofon gegangen und bin auf halbem Weg wieder umgekehrt. Ich fühlte mich danach beschissen und auch heute noch ein bisschen, wenn ich daran denke 😉 Könnte Seiten füllen mit verpassten Gelegenheiten…

  10. @Fragezeichner, dass kann ich mitfühlen. Manche Dinge brauchen doch einen längeren Dialog, um ins verstehen zu kommen.

  11. @Fragezeichner; Natürlich sollte man an etwas arbeiten mit dem man selbst nicht zufrieden ist. Das finde ic h auch wirklich gut. Solange man es um seiner selbst Willen und nicht für andere macht!

  12. Besteht nicht der ganze Charakter aus An-Gewohnheiten?

    Was bitte ist Schüchternheit? Der Begriff beschreibt ja wohl eher eine Außensicht, eine Wirkung, keine Ursache. Das, was wir von außen als Schüchternheit wahrnehmen, kann tausend Charaktereigenschaften als Ursache haben, von Arroganz bis Feigheit.

    Vielleicht kann man sagen: Schüchternheit ist die Unfähigkeit, das zu tun, wovon man annimmt, dass man es tun sollte, um Freude zu haben?

    Wenn das so ist, sollte man tatsächlich an seiner Schüchternheit arbeiten, dann wäre „akzeptieren“ doch so etwas wie „aufgeben“.

  13. Jörg, eine interessante Sicht, dass Schüchternheit lediglich eine Summe anderer Charaktereigenschaften ist, wahrscheinlich hast du Recht. Und womöglich liegt hier auch die Lösung: denn man kann daran arbeiten, seine Kontaktscheu zu überwinden, sich aber gleichzeitig seine Zurückhaltung, den Respekt vor anderen, die konstruktiven Zweifel an sich selbst zu bewahren.
    Deine Definition (Unfähigkeit, das zu tun, wovon man annimmt, dass man es tun sollte, um Freude zu haben) reduziert Schüchternheit allerdings auf einen einzigen negativen Aspekt. Die kann ich nicht unterschreiben.

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