Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Vertrauen oder Skepsis

In An Alle on April 8, 2008 at 8:01 am

Ort der Skepsis. Wirklich?

[Foto: Kruemi]

Sollte man seinem Kind eher Vertrauen oder kritische Skepsis vermitteln?

Für das Vertrauen spräche, dass man im Leben oft in Situationen gerät, die man nicht beurteilen kann und sich deshalb auf das Urteil eines anderen verlassen muss. Chronisches Misstrauen ist auch äusserst kostspielig, denn der Misstrauende muss ständig prüfen. Zudem scheint mir Vertrauen in andere auch ein Vertrauen in sich selbst verauszusetzen.

Für die Skepsis spräche, dass wir in einer Welt voller Halbwahrheiten nur durch Skepsis und gesundes Misstrauen bestehen und uns vor Manipulationen schützen können. In einer Wissensgesellschaft sind falsche Informationen besonders schwerwiegend.

Gibt es noch bessere Gründe für das eine oder das andere?

Ich glaube, beides ist wichtig. Aber auch gleich wichtig? Und wie kann man beides gleichzeitig vermitteln – ist das nicht ein unauflösbarer Konflikt? Wann ist Vertrauen, wann Skepsis nötig? Jedes zu seiner Zeit – also abhängig vom Reifegrad und der persönlichen Entwicklung des Kindes? Welche Erfolgsgeschichten von Skeptikern gibt es? Welche Erfolgsgeschichten von Vertrauern, Vertrauenden, … (komisch: es gibt da gar kein wirkliches Wort für)?

Advertisements
  1. Interessante Frage. Aber sinnvoll diskutieren kann man die wohl nur, wenn man fragt in wen oder was man denn vertrauen soll. Bei grundsätzlichen Fragen ist Vertrauen absolut wichtig. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, darin, das man nicht alleine ist, solche Sachen. Wenn es dann um konkrete einzelne Fragen geht, wie z.B. ob der freundliche Mann am Telefon nicht vielleicht doch Recht hat, der mir eine Lebensversicherung andrehen will, ist dann wohl eher Skepsis gefragt.

  2. Hallo,

    ich habe das ganze Prozedere wie folgt abgekürzt und vermittle es nun schon 7 Jahre sehr erfolgreich:

    Skepsis:

    „Du weisst sicher das Du nichts weisst, solange Du dem anderen nicht selbst unbeobachtet auf‘s Konto und/oder in‘s Privatleben schauen kannst!“

    Resultat…

    Vertrauen:

    „Vertraue in letzter Konsequenz nur den Informationen die Du persönlich sehen, fühlen, riechen und/oder schmecken kannst. Alles andere ist reine Spekulation!“

    Ergo:

    Es wird Informationsgebern nur in dem Ausmaß Vertrauen entgegengebracht, in welchem diese dir Zugang zu sensiblen Informationen gewähren.

    Gruß

  3. @Michael, ich kann dir nicht ganz folgen. Vertrauen oder Skepsis sind doch mehr als nur das Result eines Abwägens des Umfangs und der Qualität von Informationen. Es ist in gewisser Weise doch eine Eigenschaft, Vertrauen zu können, aber auch, sich aus Automatismen lösen und einen skeptischen Blick aufbringen zu können.
    Letztlich muss man doch auch seiner eigenen Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit vertrauen können, um überhaupt Vertrauen aber auch Skepsis gegenüber anderen entwickeln zu können, oder?

    @Benni: ich gebe dir Recht, aber lässt sich das immer so einfach entscheiden, ob man jetzt skeptisch oder vertrauensvoll sein muss? Ist nicht das Unterbewusstsein die letzte Instanz, das weitgehend von Erfahrungen und der Erziehungen geprägt ist?

  4. @?: klar. Aber damit als Mensch nicht 100% Herr seines freien Willens zu sein muß man ja irgendwie umgehen. Man nähert sich halt in der Praxis immer mehr an und hält sich dabei an das was in der Vergangenheit funktioniert hat oder von dem man gehört hat, dass es funktionieren könnte. Wobei schon kleine Kinder oder Babys ganz unterschiedliche Vertrauensschwellen haben.

  5. @Benni: ja, ich glaube auch, dass es (wie bei fast allem) auch eine genetische Disposition für Vertrauensfähigkeit gibt, die durch Erfahrungen gestärkt oder relativiert werden kann. Dann sollte ich die Frage vielleicht so stellen: sollte man sein Kind in Situationen bringen, in denen Vertrauen positives und Skepsis negatives Feedback bringt – oder umgekehrt?
    Und da scheint mir die erste Antwort: hängt wohl vom Kind ab…

  6. Hallo,

    hier vermutlich das erste mal ein klares:

    Nein.

    Deine Vorstellung ist romantisch. Aber wie sicher auch Du weisst ist „die Romantik“ eine Stilblüte von gut situierten Persönlichkeiten, die sich lediglich wünscht die Welt und die Lebewesen in ihr seien besser als sie es de facto sind.

    „…Letztlich muss man doch auch seiner eigenen Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit vertrauen können, um überhaupt Vertrauen aber auch Skepsis gegenüber anderen entwickeln zu können, oder?“

    Wie Du weisst trage ich die Verantwortung für fünf Kinder.

    Alle wurden in der Grundschule und dem Gymnasium von Lehrern, Eltern und sonstigen belogen, betrogen und vor allem nach allen Regeln der Kunst fehlinformiert. Stichpunkt Kuschel-Pädagogik marke: „Der Leistungsdruck kommt doch noch früh genug. Jetzt musst Du noch nicht so derart viel vorarbeiten. Usw. unf.!“

    Hätte ich nicht schon sehr früh interveniert und gefragt:

    „Warum erzählt euch jemand so etwas? Welche Motive verfolgen sie? Woher nehmen diese Menschen ihre Erfahrungswerte? Was erwartet vermutlich ein späterer Arbeitgeber von euch? Was würdet ihr von euren Mitarbeitern erwarten? Etc. pp.“

    Dann würden sie noch immer all diesen Aussagen ein vollkommen unreflektiertes Vertrauen entgegenbringen, und sich damit zukünftig nicht am Leistungsmarkt behaupten können…

    In einer Welt in der schon viel zu viele Menschen nach Prämissen leben wie:

    „Wenn jeder an sich selber denkt, ist auch an jeden gedacht!“
    „Was geht das geht, die Konsequenzen sind irrelevant!“

    Ist es regelrecht fahrlässig dem eigenen Nachwuchs nicht schon sehr frühzeitig das informationsbasierte Verstehen zu vermitteln. Mit Vertrauen und/oder Urteilsfähigkeit hat dies nur eines zu tun:

    „Man erlernt es erst durch den bewussten aktiven Umgang mit Information!“

    Gruß

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: