Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Beamte nach Leistung bezahlen

In An Jemanden on März 16, 2008 at 10:35 pm
[Foto: Leberwurstfotograf]

Frankreichs Präsident Sarkozy plant, Beamte nach Leistung zu bezahlen. Da auch in Frankreich Beamte dafür berüchtigt sind, nichts zu leisten, erfreut sich der Vorschlag durchaus einer gewissen Popularität. Ausser bei den Beamten. Die sprechen von Krieg und wollen streiken. Zufälligerweise kommt das Thema jetzt auch in Deutschland auf den Tisch. Zeit für ein paar Fragen:

  • Nach welchen Kriterien soll Leistung gemessen werden? Arbeitsstunden pro Woche? Kundenzufriedenheit? Rentabilität?
  • Wie soll ein Zugführer seine Leistung steigern? Reicht es nicht, wenn er jeden Tag pünktlich seinen Zug dahin fährt, wo man ihn erwartet?
  • Wie wird man beim Aufstellen der Kriterien den spezifischen Berufsgruppen gerecht: Lehrer, Zugführer, Sachbearbeiter, Museumswärter, Schalterbeamter, …?
  • Werden die gleichen Kriterien auf nationaler Ebene angewendet? Oder versucht man, lokalen Besonderheiten gerecht zu werden?
  • Wer setzt diese Kriterien pro Berufsgruppe fest? Und wer wertet sie aus? Wie kann dabei Missbrauch verhindert werden?
  • Soll jeder einzelne Beamte bewertet werden? Oder eine ganze Abteilung?
  • Wieviel kostet es, für jeden einzelnen Beamten Leistungsziele oder -bewertungen festzulegen?
  • Wie kann verhindert werden, dass die Produktivität auf der Strecke bleibt, weil nur noch für die Kriterien optimiert gearbeitet wird?
  • Da Leistung in grossem Masse von der Motivation abhängt und Motivation von einer interessanten Tätigkeit, Eigenverantwortlichkeit und einem guten Arbeitsklima: hat man schon mal daran gedacht, an diesen Stellschrauben zu drehen?
  • Wie will man die Probleme lösen, die viele Firmen beim Einsatz von Belohnungssystemen erleben?

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  1. Hallo,

    interessant hieran ist in meinen Augen, dass die meisten Protagonisten nichts aus den Folgen der Automation in der Industrie zu lernen scheinen. Effizienz alleine hilft doch nicht, wenn es darum geht 83 Mio. Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Was wird geschehen wenn auch in der Verwaltung alles nach den o.g. Prämissen rationalisiert/automatisiert wird? Werden noch einmal 100.000 Stellen in Deutschland frei, oder gar 1 Mio.? Wer zahlt die Zeche?

    Wie immer werden nicht die gefragt die hier aktiv tätig sind. Die welche Auskunft über die irrwitzigen Folgen all dessen geben könnten. Ein Freund von mir ist z.B. im Finanzamt tätig. Er weiss zu berichten, dass schon heute dem Staat Einnahmen durch z.B. Fristablauf verloren gehen können bzw. ganz sicher schon verloren gingen, weil gerade bei den Sachbearbeitern Einsparungen vorgenommen wurden. Gerade in Zeiten von Zumwinkel und Co., sollte man dazu übergehen, hier noch mehr Stellen zu schaffen, anstatt sie weiterhin abzubauen.

    Mir drängt sich da immer die Frage auf:

    „Wem nutzt es wirklich?“

    oder

    „Was sind die Konsequenzen?“

    Gruß

  2. Ich kann und will das nicht bewerten. Es mag durchaus Bereiche geben, in denen Leute sich den ganzen Tag den Hinter plattsitzen. Im Bereich der Bildung gibt es mit Sicherheit eher Personalmangel. Wenn solche Reformen mit Fingerspitzengefühl und guter, langfristiger Planung durchgesetzt werden, warum nicht? Allerdings wittere ich hier Populismus mit bewusster Ignoranz der Details…

  3. Ja, so etwas wittere ich nicht nur, dass habe ich schon in Farbe, Live und in Bunt miterlebt. Kaum zu ertragen, die Kurzsichtigkeit einiger Protagonisten.

    Ich hatte das schon mal an anderer Stelle geschrieben:

    Ich bin tief und fest davon überzeugt, dass selbst wenn es einen Gott geben würde, der Hirn vom Himmel regnen Lassen könnte. Es immer einige Leute gibt die in diesem Moment ihren Regenschirm aufspannen 🙂

    Gruß

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