Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Rote oder blaue Pille?

In An Alle on Februar 28, 2008 at 9:58 am

Warum nimmt Neo in Matrix die rote Pille? Warum will Truman in Truman Show nicht in seiner perfekten Scheinwelt bleiben? Warum tauscht David in Vanilla Sky seinen möglichen Glückszustand gegen die grausame Realität?

Warum sind Wahrheit und Freiheit wichtiger als subjektives Wohlbefinden?

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  1. Interessanter Spiegel-Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,627576,00.html

    Demnach messen wir nur dem Glück eine Bedeutung zu, die in Erkenntnis und Wahrheit eingebettet ist. Wir müssen sicher sein, dass wir nicht getäuscht werden, um Glück empfinden zu können.

  2. Thomas Metzinger im oben verlinkten Artikel:

    > Wir wünschen uns mit anderen Worten, dass unsere Glückseligkeit gerechtfertigt ist. Wir wollen keine in einem Wahn gefangenen Glückseligkeitsmaschinen sein, sondern bewusste Subjekte, die aus einem Grund glücklich sind und die deswegen ihre eigene Existenz als etwas Erstrebenswertes erleben.

    Da wird einmal mehr die Debatte über „Sinn“ geführt – irgendwie führt das aber m.E. nicht wirklich weiter. Ein „sinnvolles“ Leben scheint mehr wert zu sein als eines, das pures „Glück“ mit sich bringt – das ist nicht neu, sondern wärmt all die alten Debatten über Moral und Ethik nur ein weiteres Mal auf.

    Wesentlich spannender finde ich ja momentan die Frage, wie etwas wie „Sinn“ überhaupt entsteht, und welche Funktion das hat.

    Danke für den Link – der Begriff der „Glückseligkeitsmaschine“ kommt mir gerade gut gelegen.

    • Ich habe letztens Watzlawicks „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ gelesen. Darin wird beschrieben, wie Menschen in all ihren Wahrnehmungen Zusammenhänge und Muster erkennen wollen und müssen, selbst dort, wo es gar keine gibt. Zum Beispiel gibt es Menschen, die selbst in einer Reihe von Zufallszahlen Zahlenreihen oder Prinzipien zu erkennen glauben. Diese menschliche Fähigkeit (oder sollte man es Drang nennen?), Muster zu erkennen, ist möglicherweise auch die Grundlage des Sinnsuchens. Sinn wäre dann ein Muster auf einer höheren Ebene, Sinnsuchen ein Ordnen und auch Vereinfachen von Wahrnehmungen und Gedanken (was ja auch deiner Beschreibung im letzten Absatz entsprechen würde).

  3. > Darin wird beschrieben, wie Menschen in all ihren Wahrnehmungen Zusammenhänge und Muster erkennen wollen und müssen, selbst dort, wo es gar keine gibt.

    Genau das ist momentan mein Thema.

    Sinnzusammenhänge werden selbst dann unterstellt, wenn sie gar nicht existieren – im Zweifelsfall konstruiert man sie, indem man Muster unterstellt, Zusammenhänge vereinfacht, von der konkreten Realität abstrahiert.

    Der Sinnsucher ist ein Vereinfacher – das ist doch eigentlich eine schockierende Erkenntnis?

    • Hm, damit kann ich leben, das entspricht sogar meiner Intuition. Was ich schockierend finde ist, dass man sich gar nicht sicher sein kann, ob der Sinn, den man in den Dingen zu erkennen glaubt, nicht ein schlichtes Hirngespinst des eigenen ständig ratternden Mustererkennungsapparates ist. Aber das interessante ist, dass das Gehirn diese Erkenntnis in gewisser Weise gar nicht vertieft, sondern gleich wieder in einem neuen Sinnfindungsprozess verwertet. In gewisser Weise betrügt man sich permanent selbst und kann nur durch äusserste Konzentration und innere Distanz zu gelegentlichen Momenten der vermeintlichen Klarheit gelangen. Ich hoffe, du kannst mir noch folgen 😉

  4. > Ich hoffe, du kannst mir noch folgen.

    Na klar: das ist der Beobachter, der sich selber beobachtet, und eingestehen muß, daß seine Rolle als Beobachter dadurch definiert ist, daß er an dem Prozess selber beteiligt ist, den er beobachtet (und diesen durch sein Beobachten voran treibt oder gar erst ermöglicht).

    Wir reden hier über Rekursion, und zwar ohne Abbruchbedingung, wie das in jedem ordentlichen Computerprogramm realisiert sein muß.

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