Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Flat = platt?

In An Jemanden on Februar 13, 2008 at 11:09 am

[Photo: Malingering]

Bedeuten Flat-Rates nicht Ineffizienz, Ressourcenverschwendung, falsche Anreize, Aushebeln des Marktes, Preisspiralen nach unten, Verdrängungskämpfe? Müsste nicht jeder Betriebswirtschaftler und sogar Volkswirtschaftler von Flat-Rates dringend abraten?

Wie konnte es dazu kommen, dass die Idee einer Flat-Rate sich auf breiter Basis durchsetzen konnte? Dass mittlerweile sogar Kneipen („Flat-Rate-Saufen“) das Konzept aufgreifen?

Wird das denn so bleiben oder ist es denkbar, dass Flat-Rates eines Tages wieder durch nutzungsabhängige Preissysteme ersetzt werden?

Und: wieviele Internet-Nutzer gäbe es heute ohne Flat-Rates?

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  1. Hallo,

    da jedes „System“ dem absoluten Ruhezustand zustrebt, sind sog. Flat Rates nur Mittel zum Zweck. Einzig durch sie erreichst Du zeitliche, materielle, finanzielle und personelle Planungssicherheit.

    Einzig Spekulanten (Spielernaturen) argumentieren hier different. Wobei gerade hier berücksichtigt werden muss, dass jede erfolgreiche Spekulation, durch min. eine erfolglose Spekulation kompensiert wird. Was unter dem berühmten kaufmännischen Doppelstrich bedeutet, dass das System wieder auf Null hinausläuft. Des Einen (X) Gewinn, ist des Anderen (Y) Verlust. Nur ein wenig komplexer und emotionaler, strebt aber auch dieses System (in seiner Gesamtheit) den absoluten Ruhezustand an.

    Gruß

  2. Ich verstehe nicht, warum durch Flat-Rates mehr Planungssicherheit entstehen soll? Es gibt ja durchaus Risiken, sowohl was die Zahl der Benutzer angeht als auch die Menge des Verbrauchs.
    Im übrigen halte ich auch deine These für gewagt, dass jedes System dem absoluten Ruhezustand zustrebt. Das hätte ich gern etwas genauer.

  3. Hallo,

    sein mir bitte nicht böse, wenn ich hier nicht ordentlich auf deine Gegenfrage eingehe. Alle drei Themengebiete Ökonomie/Technik/Physik sind in sich und ihrer Koppelung miteinander, diesen Sachverhalt betreffend, wirklich etwas arg komplex. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich deinen Hintergrund nicht kenne, ich also nicht einschätzen kann welchen Sprachfilter ich benutzen sollte um es ordentlich zu erklären 🙂

    Gruß

  4. Betrachte es doch einfach als pädagogische Herausforderung und erkläre es, wie du es einem Kind erklären würdest, ohne Fachbegriffe, dafür mit Beispielen und einfachen Modellen.
    Will dich jetzt aber nicht nötigen…;)
    Wenn du einen interessanten Link zu dem Thema hast, der ist natürlich auch willkommen!

  5. „Will dich jetzt aber nicht nötigen…;)“

    Doch willst Du 🙂

    Ich schau mal ob ich das mit meinem eigenen Anspruch hinbekomme…

    Gruß

  6. Hallo,

    hier die Erklärung wie gewünscht:

    Irgendwann einmal haben ein paar findige Leute herausgefunden, dass sich dieser mathematische Effekt, auch auf das Konsumverhalten von Menschen anwenden lässt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Normalverteilung

    Diesen Effekt kann man stark vereinfacht mit min. zwei sechsseitigen Spielwürfeln nachvollziehen. Man notiert hierzu auf einem Blatt Papier die Werte 2.3.4.5.6.7.8.9.10,11 und 12. Dann beginnt man mit beiden Würfeln zu würfeln und notiert jedes mal das Ergebnis durch einen Strich bei der gewürfelten Zahl, wodurch eine Tabelle entsteht. Durch häufiges werfen der Würfel (ca. 1000+) wird ersichtlich, dass die Werte 2 und 12 am seltensten und der Wert 7 am häufigsten vorkommt (Dies ergibt sich durch die Kombinationsmöglichkeiten des Würfelpaares (Anzahl und Augenzahl)). Die so entstehende Tabelle wird eine von links nach rechts verlaufende Bogenlinie darstellen, dessen Spitze die Zahl 7 einnimmt und nach den Zahlen 2 und 12 flach ausläuft. Es ergibt sich also ein sog. max. Häufigkeitswert (in unserem Fall die 7) und zwei sog. min. Häufigkeitswerte (die 2 und die 12). Wie oft kann die Zahl 2 mit zwei solcher Würfel dargestellt werden? Wie oft die 3 und so weiter (Je größer die Menge der Kombinationsmöglichkeiten ist, desto häufiger wird dieses Ergebnis gewürfelt.).

    Ersetzt man hier die Würfel durch Menschen und die Augenzahl der Würfel mit verschiedenen Arten der Nachfrage von Produkten/Leistungen, kommt man zum selben Ergebnis wie in unserem kleinen Beispiel. Das und wie gut dies normaler Weise funktioniert, kann man auch sehr schön bei Versicherungsunternehmen beobachten, die fast ausschließlich mit diesem Modell wirtschaften. Selbst redend funktioniert das auch mit den besagten Flat-Rates. Als Anbieter von Produkten/Leistungen erlange ich über die Funktion der Flat-Rate also besagte Planungssicherheit, weil ich so sehr konkret vorhersagen kann wie hoch meine Einahmen sein werden. Temporäre Marktschwankungen betreffen mich nicht. Der einzige „Unsicherheitsfaktor“ sind hier die Mitbewerber, welche u.U. die gleiche oder eine sehr ähnliche Leistung zu einem tieferen Preis an den Markt stellen.

    Bezüglich der Ruhezustände von Systemen:

    Die Verwendung des Wortes „zustreben(d)“ ist ein wenig irreführend (mein Fehler), da hierdurch ein Wille impliziert wird, der so nicht gegeben ist. Dennoch lässt sich nach wie vor beobachten das Systeme, insofern sie nicht mit anderen Systemen interagieren, früher oder später, einen sich selbst ausgleichenden Ruhezustand annehmen. Dem sollte auch so sein, weil sich sonst dies hier ergäbe:

    Perpetuum Mobile siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Perpetuum_Mobile

    Wobei hierzu anzumerken ist, das ein System in diesem Sinn, tatsächlich wie sich selbst erhaltend wirken kann, es aber in Summe nicht ist (Wahrnehmungsdefizit).

    Auch interessant hierzu Systemtheorie: http://de.wikipedia.org/wiki/Systemtheorie

    Gruß

  7. Es gibt aber Indizien, dass eine Flat-Rate die Verteilung sehr massiv beeinflussen kann, da sie Anreize gibt, mehr zu konsumieren, wenn Kunden das Gefühl bekommen, sie müssten jetzt ihr Abonnement ausreizen, damit es sich lohnt. Dann würde die Planungssicherheit zerstört.
    Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass Flat-Rates vor allem Marketing-Instrument sind, um Kunden zu gewinnen, und eines Tages, wenn der Markt gesättigt ist, wieder durch kompliziertere Preissysteme ersetzt werden.

  8. Hallo,

    „Es gibt aber Indizien, dass eine Flat-Rate die Verteilung sehr massiv beeinflussen kann, da sie Anreize gibt, mehr zu konsumieren, wenn Kunden das Gefühl bekommen, sie müssten jetzt ihr Abonnement ausreizen, damit es sich lohnt. Dann würde die Planungssicherheit zerstört.“

    Das sind nicht nur Indizien, dass sind durch umfangreiche Studien belegte Fakten.

    Doch dieser „Run-Effekt“ hält, je nach Produkt/Leistung, immer nur recht kurz an. Ab einem bestimmbaren Zeitpunkt, setzt dann die „normale“ errechenbare Nutzungsart ein. Die Rückkehr in den Gebührendschungel wollen die Betreiber meist selbst nicht, weil sich daraus auch für sie häufig nur Personalkosten ergeben (Service, Vertrieb, etc.).

    Gruß

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