Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Unnatürlich

In An Manche on Februar 4, 2008 at 10:08 am

Akzeptieren, was der Chef sagt, nur weil er der Chef ist. Obwohl er eigentlich nicht mehr weiss, keine besseren Ideen hat, keine besseren Entscheidungen trifft. Einfach nur weil er Chef ist. Druck auszuhalten, weil irgendein Mensch irgendetwas Sinnloses von dir will, das er nicht mal richtig begründen kann – und muss. Nur weil er zufällig der Chef ist. Weil ihr euch im Jahr X zufällig in diesen künstlichen Rollen wiedergefunden habt. Er der Chef, weil er irgendwie früher da war oder sich mit irgendjemanden, der irgendwie früher da war, gut verstanden hat. Disziplinieren lassen von einem undisziplinierten Menschen, nur weil er dein Chef ist. Weil auf irgendeinem Zettel steht, dass er das darf. Freundlich sein zu einem Menschen, der dir zutiefst zuwider ist, dem du im richtigen Leben nicht mal die Hand geben würdest, geschweige denn ein Bier trinken. Er der Chef, er darf dich kritisieren, erziehen, Ziele festlegen, dich kontrollieren, dich loben. Er der strenge Vater, du das Kind, das nicht frech sein darf, das gehorchen muss, das um Aufmerksamkeit betteln muss.

Kann das auf Dauer gesund sein?

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  1. Hallo Fragezeichner, dieser Beitrag klingt ein bisschen nach einer rethorischen Frage 😉
    Allerdings hast du nicht ganz Unrecht. Auch solche Chefs gibt es und hat bestimmt auch schon jeder einmal erlebt. Auf der anderen Seite sind in deiner Frage sehr viele Prämissen enthalten („zufällig der Chef“, „undisziplinierter Mensch“, „unsymphatischer Typ“ u.s.w.), die darauf hindeuten sollen, dass es häufig keinen sachlich/fachlichen Grund für die Ernennung zum Chef gäbe. In bestimmten Fällen ist das auch bestimmt so, aber in der Mehrzahl der Fälle?
    Oft fehlt es weniger an der Fachkompetenz als an der Fähigkeit in dieser Position mit anderen Menschen richtig umzugehen. Also z.B. zugeben zu können, etwas nicht so gut zu können, wie ein Mitarbeiter, ohne das Gefühl zu bekommen, an Autorität zu verlieren. Dies ist aber alles nicht ganz einfach, weil hier oft angelernte Verhaltensweisen mit reinspielen, die einem erst bewusst werden, wenn man in der Rolle „Chef“ ist (spreche aus eigener Erfahrung).
    Interessant ist für dich vielleicht in dem Zusammenhang eine aktuelle Studie der australischen Bond University, die ich auch in einem meiner Beiträge schon mal erwähnt hatte. Nach dieser schneiden die deutschen Chefs im internationalen Vergleich in Bezug auf das soziale Verhalten leider besonders schlecht ab. Es würde nach dieser Studie in Deutschland viel stärker als in anderen Ländern toleriert, wenn sich Vorgesetzte sozial inkompetent verhalten.
    Dabei machen sich diese Manager gar nicht klar, wie sehr sie mit so einem Verhalten auch der eigenen Firma schaden. Denn die Folgen sind oft häufigerer Personalwechsel, höherer Krankenstand und eine geringere Leistungsfähigkeit auf Seiten der frustrierten Mitarbeiter.

  2. Stimmt, du hast mich durchschaut, das war eine verkappte Meinung 😉
    Aber unabhängig davon, ob jemand als Chef gut oder schlecht ist – das ist ja sehr subjektiv – finde ich es irgendwie unnatürlich, ja fast absurd, dass er nur aufgrund seiner Rolle innerhalb eines Unternehmens weitgehende Rechte über andere Menschen bekommt. Natürlich fällt es als Arbeitnehmer leichter, wenn der Chef durch seine Leistung, seine Kompetenz, seine Erfahrung seine Rolle rechtfertigt. Aber es fehlt dennoch eine wirkliche (demokratische?) Legitimation.

  3. Hallo,

    also das von dir beschriebene kann definitiv nicht auf Dauer gut gehen. Tut es ja auch nicht. Siehe diese deutsche Dokumentation namens „Stromberg“. Wo da die Satire anfängt und wo sie aufhört, ist teilweise schwer zu erklären. Die Aussage von Aki Arik kann ich leider nur bestätigen (auch ohne Aussi-Studie). Aber auch hier wird im Lauf der Zeit eine gewisse Selektion stattfinden. Unternehmen mit einer von allen Mitarbeitern unterstützten bzw. gelebten Eigenkultur, werden auf Dauer ihren rein hierarchisch organisierten Mitbewerbern gegenüber überlegen sein.

    Zu deinem Nachtrag:

    Im „Normalfall“ sollte der Chef die Verantwortung für seine Mitarbeiter übernehmen. Wiewohl die meisten Mitarbeiter es gerne sehen, wenn Positionen innerhalb einer Organisation demokratisch legitimiert werden, ruhen sie sich doch sehr gern darauf aus, dass die Verantwortung für Taten und/oder Unterlassungen auf diktatorisch bestimmte Personen abgewälzt wird.

    Gruß

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