Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Das Leben der Anderen

In An Alle on Januar 21, 2008 at 8:44 pm

Auch wenn die Geschichte im „Das Leben der Anderen“ erfunden ist und in der geschilderten Weise nie stattgefunden hat, ist es nicht geradezu wahrscheinlich, dass es eine Menge Abhörer gab, die mit den Angehörten sympathisierten und bestimmte kompromittierende Fakten wegliessen, schönten, herunterspielten?

Ist dies bereits eine Heldentat? Ein Akt der Sabotage, der den Niedergang des Systems mitbefördert hat? Oder hätte ein eindeutiges Nein nicht mehr geholfen? Ist die Verstrickung in die Machenschaften einer Diktatur bereits ein Verbrechen oder ein erster Schritt dahin? Kann man da überhaupt wieder raus, wenn man erst mal angefangen hat? Sinkt man nicht zwangsläufig ein in den Sumpf des Misstrauens, der Lüge, der Fehlinformation, der Erpressung, der Korrumpierung?

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  1. Hallo,

    was mir bei solchen Dingen immer wieder auffällt ist die Parallele zu der Aussage:
    „Ich habe doch nur einen Befehl, eine Anweisung ausgeführt.“

    Es ist leider nicht nur der Versuch sich aus der Verantwortung für eine vollzogene Tat zu Schleichen, von der der Tätige sehr wohl wusste, dass sie falsch war. Von der Angst beseelt für unsere eigenen Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen zu werden, erlauben wir nur allzu oft den Tätern mit dieser Argumentation davon zu kommen.

    Siehe die Vorratsdatenspeicherung. Wenn die in und um die IT Tätigen Fachkräfte sich diesem Wahnsinn verweigern würden, wäre er nicht umsetzbar. Wenn später die ersten Opfer dessen zu beklagen sind wird es wieder einmal heissen: „Was hätte ich denn tun sollen? Ich habe doch nur Anweisungen ausgeführt.“.

    Faszinierend hieran ist für mich das wir das erste mal seit Jahrhunderten in Europa politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben, die es uns tatsächlich ermöglichen laut und deutlich „NEIN“ zu etwas zu sagen. Bzw. es uns als Bürger erlauben können bestimmte Dinge einfach mal nicht „MIT“ zu machen. Niemand muss hier verhungern, nur weil er sich nicht am Verrat einer ganzen Nation beteiligen will. Niemand wird dafür eigesperrt, niemand misshandelt. Und dennoch machen (fast) alle mit.

    „Es ist halt mein Beruf!“. „Ich kann doch nichts anderes!“. „Wenn ich mich weigere, werde ich rausgeworfen und ein anderer machts!“

    Der ehrenwerte Herr Joseph Weizenbaum hat hierzu einmal etwas sehr bemerkenswertes von sich gegeben:
    (Nicht wortgetreu, aus „Weizenbaum, Rebel at Work“)

    „Ich bin mir sicher das hier in Berlin oder Brandenburg, im Monat Nov. oder Dez. eine Frau vergewaltigt wird. Und wenn ich es nicht mache, dann macht es ein Anderer! Was für ein Argument ist das?“

    Gruß

  2. Deine erste Frage ist mit einem klaren Ja zu beantworten. Da gibt es keinen Zweifel, auch wenn die betroffenen nicht viel darüber reden.

    Der Film zeigte die DDR exakt so, wie sie war.

  3. @Jörg, das war ja auch die einfachste Frage 😉

  4. Ist dies bereits eine Heldentat? Nein, es hat mit Heldentum nichts zu tun, sondern mit dem ohnmächtigen Versuch, ein Mensch zu bleiben.
    Ein Akt der Sabotage, der den Niedergang des Systems mitbefördert hat? In gewissem Umfang schon, da es die Opposition unterstützt hat. Subjektiv war das aber nicht das Ziel derer, die es taten.
    Oder hätte ein eindeutiges Nein nicht mehr geholfen? Ein eindeutiges Nein hätte nur in der Masse mehr geholfen, nicht im Einzelfall. Und jeder sieht nur seinen Einzelfall.
    Ist die Verstrickung in die Machenschaften einer Diktatur bereits ein Verbrechen oder ein erster Schritt dahin? Klar.
    Kann man da überhaupt wieder raus, wenn man erst mal angefangen hat? Theoretisch kann man immer aufhören, praktisch fast nie. Weil man eben kein Held ist.
    Sinkt man nicht zwangsläufig ein in den Sumpf des Misstrauens, der Lüge, der Fehlinformation, der Erpressung, der Korrumpierung? Natürlich.

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