Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Anerkennung

In An Mich on Januar 15, 2008 at 11:17 am

Puzzle

[Foto: INTVGene]

Meine Frau beglückt mich quasi jede Woche mit einer neuen Geschichte über ein Kind, von dem sie geherzt, geküsst, gedrückt wurde. An Weihnachten bekommt sie Briefe mit Liebeserklärungen und Zeichnungen und selbstgebastelte Geschenke von ihren Schülern. Als Lehrerin (zumindest in der Grundschule) bekommt man regelmässig Anerkennung für die professionellen Mühen, die man auf sich nimmt. Das hilft, den Sinn der eigenen Tätigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber wer gibt uns Informatikern eigentlich die Anerkennung? Man programmiert etwas, das in ein Produkt eingeht, das dann von Menschen benutzt wird, die man nicht kennt, das vielleicht sogar dazu führt, dass Menschen ihre Arbeit verlieren, die man nicht kennt…

Wer also: das Programm selbst, das ich gecodet habe, nämlich dann wenn es funktioniert, wie es geplant ist – oder einfach elegant programmiert ist? Mein Chef, indem er mich für meinen Einsatz lobt? Der Kunde, indem er das Programm kauft und benutzt? Der Gehaltscheck am Ende des Monats? Alles sehr abstrakt. Reicht das auf Dauer wirklich aus? Muss ich diese Aufgabe, mir Anerkennung zukommen zu lassen, besser selbst übernehmen?

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  1. Ich denke schon.

    Die Informationstechnik ist auf einem sehr hohen Nivea angelangt, und wird vermutlich nicht stehenbleiben.
    Bis auf eine handvoll Menschen, weiß eigentlich keiner, WIE das alles im Computer von statten geht.

    Informatik ist auch eine Wissenschaft. Es verstehen nur wenige. Wer versteht schon die Relativitätstheorie? Aber jeder hat ein Navigationsgerät, oder könnte eines bedienen.
    Vielleicht weiß die Gesellschaft noch nicht so ganz, ob uns die Technik (Informatik) mehr Nutzen oder mehr Schaden gebracht hat / bringen wird. Zuminest gibt es noch viele, die auf einen Computer notfalls verzichten könnten (natürlich auf Privatanwender bezogen).

    mfg

  2. Na, der Chef, derdich für den Einsatz lobt, ist genauso konkret wie die Schüler deiner Frau (denke ich, der ich Chef einer Software-Firma bin)

  3. Jörg, der Chef macht vor allem eine Leistungsbewertung und lobt den Mitarbeiter auch, um seine Motivation zu steigern, das ist aber nichts gegen die aus dem Herzen kommenden Komplimente von Schülern und deren Eltern. Will mich darüber auch nicht beschweren, das gilt wohl für die Grosszahl aller Beschäftigten, die nicht Dienst am Menschen leisten und die hinter einem grossen Ganzen verschwinden.

  4. Ein sehr interessanter, wenn auch fusskranker Vergleich, den Du hier angeführt hast.

    Die Anerkennung und Zuneigung von der Du in Bezug auf deine Frau schreibst, erlangt sie ja vor allem auf der zwischenmenschlich emotionalen Ebene. Sie erhält hier direkt das Ergebnis ihrer emotionalen Investition (zwischenmenschliches Engagement). In wie fern Sie durch die ihr vorgesetzte Dienststelle Anerkennung erlangt, steht sicher auf einem anderen Blatt. (Wir hier haben z.B. letztens für einen sehr engagierten Lehrer eine kleine Feier ausgerichtet. Nach 40 Jahren Dienst hatte er noch nicht einmal eine nette Grußkarte vom Schulamt, oder einen Händedruck/Schulterklopfen der Kollegen erhalten. Ausser von der Direktorin, die ihm und seiner Frau -auf eigene Kosten- Theaterkarten spendierte.)

    Emotionale Anerkennung auf rationaler Ebene zu Erringen ist denke ich nur möglich, wenn man von begeisterungsfähigen Menschen umgeben ist, die sich auch privat umeinander kümmern. Die dir nahe genug stehen um zu „erkennen“, dass Du dich wirklich in Diesem und Jenem stark bemüht hast um z.B. ein Problem zu lösen. Doch diese emotionale Ebene schließen wir ja nur allzu gern aus unserem Arbeitsumfeld auf. Wir trennen Arbeit und Privat sehr häufig strikt voneinander. Und hier schließt sich dann der Kreis zu dem Verhalten der engagierten Lehrkräfte.

    Versuch dir mal vorzustellen wie sehr deine Frau darunter leiden würde, wenn es ihr (warum auch immer) verboten wäre die emotionale Komponente ihrer Tätigkeit in ihr Privatleben zu transferieren…

  5. Michael, du hast natürlich Recht. Mir ist dieser fundamentale Unterschied in der emotionellen Bedeutung unserere Tätigkeiten nie bewusst gewesen. Und ehrlich gesagt, ist es mir auch recht so. Ich lasse die Emotionen ganz gerne zu Hause, die positiven wie die negativen (denn die gibt’s ja auch). Und freue mich an der Anerkennung, die meine Frau erfährt.

  6. Hallo,

    etwas spät aber besser als nie, mal eine Gegenfrage:

    „Hast Du dich mal gefragt warum wir diese beiden Welten trennen?“

    Ich meine, deine Frau hat ja offensichtlich kein Problem damit, ihre Arbeit (hoffentlich nur im Kopf) auch mal mit nach hause zu nehmen. Wir hingegen tuen uns da doch deutlich schwerer. Reine Männersache, oder gar typisch für Berufe in denen mit IT gearbeitet wird?

    Gruß

  7. Gute Frage. Ich kenne männliche ITler (ein Pleonasmus?), die Arbeit und Privatleben nicht trennen. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit der Identifikation mit der Tätigkeit zu tun hat. Oder mit dem individuellen Charakter.

  8. Meinst Du es hat ewas mit den MotoS zu tun? Bzw. dem Umstand das diese sich mit Technologie ganz anders auseinander setzen?

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