Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Gibt es moralische Autorenrechte?

In An Mich on Januar 9, 2008 at 8:53 am

Das Urheberrecht räumt Autoren sehr weitgehende und verbriefte Rechte an ihren Werken ein. Geld mag in dem seit vielen Jahren schwelenden und von seit zu Zeit eskalierenden Konflikt der Musikindustrie mit Internet-Musikhörern der massgebliche Grund für die aggressive Rechtedurchsetzung der Rechteinhaber sein, es könnte aber auch noch andere Gründe geben, die durchaus ehrenvoller sind.

Eine kleine Geschichte: ich wollte zum neuen Jahr den Abba-Song „Happy New Year“ aufnehmen, nur ich selbst am Klavier, das Video bei YouTube einstellen und den Link Freunden und Bekannten schicken. Ich schrieb eine Mail an die GEMA, um herauszufinden, ob ich das darf, beziehungsweise was ich unternehmen muss, um es dürfen. Die GEMA antwortete mir, ich müsse mich direkt an Universal Music in Berlin wenden und gab mir die Telefonnummer eines gewissen Herrn Häusler (nicht zu verwechseln mit dem hier). Ich rief also an und stellte die gleiche Frage. Die Antwort lautete: „Vergessen sie’s, die Rechte bekommen sie nicht.“ Der Herr war sehr freundlich, aber auch sehr bestimmt: „ABBA vergibt Cover- und Bearbeitungsrechte nur in Ausnahmefällen. Die letzte, die sie bekam, war Madonna, aber selbst das war nicht einfach.“ Und was, wenn ich es trotzdem tue? „Dann sind wir verpflichtet, gegen sie gerichtlich vorzugehen.“ Selbst wenn ich den Link nur Freunden schicke? „Wir empfehlen ihnen nachdrücklich, es nicht zu tun.“

Ich war erst mal sauer und fragte mich, was Madonna wohl haben könnte, was ich nicht habe. Was ist das für eine Auffassung von Musik, wenn man verhindern will, dass die eigenen Lieder auch nur gesungen werden? Wer verliert denn dabei?

In einer zweiten Reflektionsphase dachte ich mir: immerhin geht es hier nicht um Geld, sondern um mehr. Um eine Vorstellung der Komponisten, wie die eigene Musik klingen muss, wie das eigene Werk interpretiert werden muss, dass die eigenen Ideen nicht von anderen verraten oder lächerlich gemacht werden. Es geht um moralische Autorenrechte. Dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Diese Vorstellung hat mich ein wenig versöhnt.

Aus gutem Grund?


Siehe auch: Lawrence Lessig über CC

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  1. Hi,

    mal ne anderen Autorenrechtsfrage. Sonst wird diese Frage oft in Verbindung mit den Tauschbörsen oder Radio-Aufnahmen gestellt 😉 .

    Ich denke, sie haben durchaus das Recht, ihren Song oder ihre Melodie vor Missbrauch zu schützen. Dazu gehört für mich zum Beispiel, kommerzielle Nutzung , oder wie du schon sagtest Belustigung in der breiten Öffentlichkeit.

    Aber, dass es für private Zwecke (und you-tube gehört für mich fast schon dazu) gänzlich verboten ist, und wahrscheinlich auch noch hohe Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden dürfen, finde ich schon ziemlich hmm… würde schon fast sagen unverschämt. Naja, vielleicht ein bisschen übertrieben.

    Aber was wäre denn, wenn ich den Song mal vor mich her pfeifen würde, und Abba stünde mit seinen Anwälten zufällig neben mir…. Oje, gar nicht auszudenken 😉

  2. Dein Beispiel ist sehr interessant und zeigt, wie sehr durch die Internet-Möglichkeiten die Grenzen zwischen privat und öffentlich verschwimmen. Man stelle sich folgendes vor: Ein Kind lernt im Klavierunterricht (mit offiziell erworbenen Noten) ein Abba-Stück, der Vater macht ein Video und stellt es (für Oma und Tante) bei YouTube ein. Kann das eine Urheberrechtsverletzung sein?

  3. Es ist eine Urheberrechtsverletzung (es sei denn, der Autor oder die GEMA räumt die Rechte ein). In meinem Gespräch mit dem Universal-Mann wurde mir gesagt, dass YouTube öffentlich ist – immer, ohne Ausnahme, egal wieviele Leute sich das angucken. Ausserdem meinte er, ich solle es doch direkt meinen Freunden vorspielen, das wäre doch viel schöner und persönlicher 🙂

  4. Man braucht also die Erlaubniss /Rechte auch, wenn es nicht kommerziell ist, man mit der Aufnahme / der Ausstrahlung kein Geld verdienen will? Dass die Künstler (über die Gema) an eventuellen Einnahmen, die man mit dem fremden Song erzielen würde, beteiligt werden, war für mich immer auch vollkommen klar. Aber wenn man doch selbst gar keine Einnahmen mit der Music erzielen will? Bei dem Beispiel von Jörg Friedich hätte ich vor deinem Beitrag auch gedacht, dass es keine Urheberrechtsverletzung wäre. Weil – es sind doch viele Videos auf Youtube bei denen einfach Music im Hintergrund läuft. Warum werden die dann bei Youtube nicht gelöscht?

  5. In der Regel juckt es in der Tat keinen Menschen und deshalb werden die Dinger weder wahrgenommen, noch gelöscht. Die meisten Künstler scheinen die Rechte auch grosszügiger zu vergeben als ABBA – oder gar als Werbung für sich selbst zu begreifen. Die alten Schweden sind halt old school 😉

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