Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Aufmerksamkeit statt Geld?

In An Manche on Dezember 11, 2007 at 11:37 am

Die Feudalherren des späten Mittelalters verschliefen die Geldwirtschaft. Die Währung des Erfolgs und des Reichtums hiess Macht. Ihr Ziel hiess: zu Adligen werden. Der Systemwechsel von der Feudal- zur Marktwirtschaft ist ihnen schlecht bekommen. Denn nun war Geld die Währung des Erfolgs. Und Macht liess sich nicht so leicht in Geld umwandeln wie Geld in Macht. Der Adel verarmte.

Sind wir gerade in einem Übergang zu einer neuen Ökonomie von der Marktwirtschaft zur Aufmerksamkeitsökonomie? Dieser Frage und ihren Implikationen widmete sich bereits vor 10 Jahren Michael Goldhaber in einem bemerkenswerten Essay:

  • Heisst die neue Währung des Erfolgs bald Aufmerksamkeit statt Geld?
  • Ist Darstellen, nicht Produzieren der künftige Weg zum Erfolg?
  • Ist das Preisgeben geistigen Eigentums und auch eines grossen Teils der Privatsphäre Grundbedingung für Erfolg in der Aufmerksamkeitsökonomie?
  • Lässt sich Aufmerksamkeit leichter in Geld umwandeln als Geld in Aufmerksamkeit?
  • Werden finanzielle Transaktionen auf Kosten von Aufmerksamkeitstransaktionen an Bedeutung verlieren?

Sind wir der Aufmerksamkeitsökonomie in den letzten 10 Jahren ein deutliches Stück näher gekommen?

Wenn man das mal weiterzudenken versucht, leben wir dann irgendwann in einer Welt, in der folgendes gilt?

  • Menschen führen Aufmerksamkeitskonten, die ausweisen, wieviel Aufmerksamkeit sie besitzen?
  • Es gibt standardisierte Mechanismen um Aufmerksamkeit zu transferieren, also um damit reelle Güter und Dienstleistungen zu bezahlen?
  • Unternehmen werden an einer Aufmerksamkeitsbörse notiert, die angibt, wieviel Aufmerksamkeit das Unternehmen besitzt?
  • Es gibt Aufmerksamkeitsräuber, die es schaffen, mit Aufmerksamkeit gesegneten Menschen, Aufmerksamkeit zu entziehen und sich selbst anzueignen?
  • Wenn mehr Aufmerksamkeit erzeugt wird als echte Werte produziert werden, gibt es Aufmerksamkeitsinflation?
  • Eine zentrale europäische Behörde regelt Aufmerksamkeitsparameter – wie zum Beispiel den Aufmerksamkeitszins (was immer das sein mag, da fehlt mir die Phantasie)?
  • Ein Ratgeberbuch namens „Aufmerksamkeit macht nicht glücklich!“ steht seit Jahren auf der Aufmerksamkeitsliste ganz oben?
  • Ein geflügeltes Wort heisst: „Aufmerksamkeit stinkt nicht!“?
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  1. Die Aufmerksamkeitskonten führen wir doch schon, das sind unsere Blogs. Bei manchem siehst du sofort, wieviele Leser er heute schon hatte (Kontostand), wieviele gerade online sind (Bargeld), und die Trackbacks – das sind die Kredite, die uns andere geben.

  2. Ja, das kann man im kleinen so sehen. Aber wird es irgendwann so kommen, dass Aufmerksamkeit wichtiger wird als Geld? Heute kann man sich mit Geld alles (ausser Liebe) und vor allem auch Aufmerksamkeit erkaufen (Werbung). Werden Menschen irgendwann für Geld keine Aufmerksamkeit mehr bekommen – sondern müssen selbst Aufmerksamkeit dafür abgeben? Müssen Unternehmen ihre Energien in Aufmerksamkeitsproduktion stecken, weil sie Aufmerksamkeit nicht mehr kaufen können und anders ihre Produkte nicht loswerden können?

    Und: löst Robert Basic dann die Aldi-Brüder als „reichster“ (weil am meisten Aufmerksamkeit generierender) Deutscher ab? 😉

  3. […] Aufmerksamkeit dabei, Geld als Währung der Wirtschaft abzulösen? Vor ein paar Monaten hatte ich dazu schon einige Fragen gestellt. Hier ein paar […]

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