Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Phänomen der offenen Türen

In An Manche on November 28, 2007 at 7:55 pm

Offene Tür

[Foto: HelenaN]

Ein paar Thesen:

  • jeder hört nur dem zu, der ausspricht, was er ohnehin schon denkt
  • wir lassen in einer informationsflut daten vorfiltern von leuten, die uns nahestehen, oder von algorithmen, die wir mit unseren vorlieben füttern
  • damit bekommen wir nur das, was wir schon wissen, was wir schon mögen, was wir schon kennen
  • und wir lernen leute kennen, die immer in das gleiche raster passen. wir bilden ghettos mit gleichgesinnten und verkrusten zusammen und bestärken uns in unseren überzeugungen

Stimmt das?

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  1. Über weite Strecken unserer Kommunikation, wie man sie auch gerade in Blogs beobachten kann, ist es genauso, wie du schreibst. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht beständig gegen diesen „inneren Schweinehund“ ankämfen sollte…

  2. Das scheint (leider?) tatsächlich so zu sein! Mein ehemaliger Deutschlehrer hat mal zu uns gesagt: die Menschen nehmen immer nur das wahr (in doppeltem Wortsinn), was ihre bestehende Meinung (oder Vorurteil?) bestätigt. Ich halte das aber erst mal für völlig normal und legitim und würde das niemandem zum Vorwurf machen. Weil dies, glaube ich, für die Aufrechterhaltung der eigenen Identität grundsätzlich wichtig ist. Aber – in vielen Situationen ist es halt schon wichtig, seine Meinung auch mal überdenken zu können. Vielleicht eine Frage des Selbstbewusstsein und der Offenheit?

  3. Da aus Unterschieden und Gegensätzen ja oft erst neues entsteht, wäre es doch wünschenswert, Leute mit unterschiedlichen Ansichten in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Aber wie? Gerade im Web sollte es doch möglich sein, diese Cluster aufzubrechen…

  4. Viele wollen andere Meinungen gar nicht hören. Bleiben unbeirrt bei ihrer einmal gefundenen Sicht. Aber da bleibt noch die Frage offen: ist das überhaupt schon immer eine „eigene“ Meinung?
    Denn das zu denken, was in der eigenen Gruppe „politisch korrekt“ ist, ist viel weniger aufreibend und „bestärkt uns in unseren Überzeugungen“ (Zitat von dir). Zu einer eigenen Anschauung und individuellen Überzeugung zu finden ist schwer – und wenn man eine gefunden hat, macht man sich meist was vor, weil’s eben nur so scheint, als ob. Nicht mehr den „Zeitgeist“ zu vertreten, sondern “mein eigenes Geschöpf” zu sein, ist anstrengend. Aufklärung hingegen, würde bedeuten, sich seine eigene Meinung zu bilden. Nicht mehr den Zwängen von Werbung oder eines Zeitgeistes unterworfen zu sein, sondern sein Leben und Denken selbst zu bestimmen. Oder wie Jörg Friedrich in einem Kommentar (http://www.spiegelfechter.com/wordpress/242/annapolis#comment-10456) schreibt: „Wie wäre es, nur einmal probeweise den Standpunkt des anderen einzunehmen, seinen Argumenten und Schlussfolgerungen ohne Vorurteil nachzugehen? Wäre das nicht interessanter als das schnelle Wegsortieren in gut etikettierte Schubladen?“
    Sozialer Gruppendruck oder auch Bequemlichkeit hindern viele, sich zu fragen: “Was ist eigentlich meine Meinung dazu?” Und je fundamentalistischer eine Anschauung vorgebracht wird, desto weniger ist sie meist auf eigenem Mist gewachsen.
    Vielleicht ist es ja so, dass man sich dann umso fester an sein „Vorurteil“ klammert und „nur dem zu hört, der ausspricht, was man ohnehin schon denkt“ (Zitat von dir), wenn man keine eigene, sondern eine von anderen übernommene Meinung hat.

  5. Aki Arik, du hast mich gerade in meinen Überzeugungen bestärkt 😉

  6. […] Rennen wir doch nur offene Türen ein? […]

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