Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Entartung

In An Jemanden on September 16, 2007 at 9:34 pm

Pyre

Kardinal Meisner hat Kultur als „entartet“ bezeichnet, die „von der Gottesverehrung abgekoppelt wird“.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das Wort „entartet“ noch nie benutzt habe und kenne auch persönlich niemanden, der es im Munde führt. Das Wort wird zwar auch als Fachbegriff in der Physik und Mathematik gebraucht, ist aber kein Teil des aktiven Wortschatzes. Im Kontext von Kunst und Kultur wurde es von den Nazis geprägt für Kunst, die sich nicht in die Vorstellungen ihrer Ideologie einfügte, und meines Wissens weder vorher noch nachher (ausser von Neo-Nazis) benutzt.

Wie also gerät dieses so seltsame und auffällige Wort jetzt in eine Rede eines Kardinals im Kölner Dom?

Wurde es in Meisners Familie oder Freundeskreis häufig benutzt, so dass es ihm gar nicht auffiel, es ihm sozusagen herausrutschte? Und was sagte uns das über seine Familie oder seinen Freundeskreis?

Sucht Meisner zu provozieren? Und wenn ja, wen und warum?

Wäre die öffentliche Reaktion ähnlich gewesen, wenn er statt „entartet“ „mies“ oder „nutzlos“ oder „hässlich“ gewählt hätte?

Warum stolpern immer und immer wieder bekannte Persönlichkeiten – von Jenninger über Walser bis Eva Herman – über Vergleiche und Assoziationen mit dem Nazi-Reich? Was macht die Faszination eines Nazi-Vergleichs aus? Will man die Öffentlichkeit immer mal wieder testen? Oder ist das so eine Art Mutprobe? Oder das Bedürfnis ein Tabu zu brechen? Oder eine subtile Form des Schreiens?

Und: sind sie dann überrascht, wenn sie den Arsch versohlt bekommen?

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