Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Rationalität von Märkten

In An Manche on September 14, 2007 at 8:44 am

Rational

Sind Märkte rational? Sind ihre Entscheidungen also vernünftig und nachvollziehbar?

Da Märkte ja nichts anderes als Menschen mit Bedürfnissen sind: handeln einzelne Marktteilnehmer rational?

Oder anders gefragt: verfolgen einzelne Marktteilnehmer mit ihrem Handeln einen Zweck, den sie begründen können und den andere nachvollziehen können? Und wieviele braucht es davon für einen rationalen Markt?

Kann die Summe von irrationalen Einzelentscheidungen ein rationales Resultat hervorbringen?

Was sind die Grundvoraussetzungen, damit ein Markt überhaupt rational sein kann?

Was sind die Vorteile von rationalen Märkten? Gibt es auch Nachteile?

Gibt es Möglichkeiten, Märkte zu „rationalisieren“, Massnahmen, um sie rationaler zu machen?

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  1. Gegenfragen:

    Wie kann ein Markt irrational sein, bzw. widersprüchlich zu einem Ziel handeln? Was ist das Ziel? Das Ziel von wem?

    Wann handelt ein Marktteilnehmers irrational? Gibt es Marktteilnehmer, die freiwillig ihren Werten entsprechend Verlust bringende Geschäfte machen? Warum sollten sie dies tun?

    Was ist ein rationales Resultat?

    Wodurch wird freiwilliger also rationaler Handel verhindert?

  2. @Arnd: Eigentlich wollte ich hier die Fragen stellen 😉

    Wir könnten ja mal ein Beispiel nehmen und deine Fragen darauf anwenden: das Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000.
    Handelten die Käufer von Aktien rational, deren Unternehmen an der Börse mit dem zehntausendfachen des Jahresumsatzes bewertet waren?
    Hatte jeder einzelne dieser Käufer ein Ziel? Ich würde sagen, ja, nämlich sein Geld zu vermehren. War die Entscheidung ein Widerspruch zum Ziel? Nicht notwendigerweise, zumindest wenn er es im Wissen um den Hype tat und mit der Absicht, kurzfristige Gewinne einzustreichen und schnell wieder zu verkaufen. Niemand handelte also freiwillig gegen sein Ziel. Aber das Endergebnis scheint mir ein klarer Fall von Marktversagen zu sein, weil der Markt daran gescheitert ist, einen vernünftigen, den Erfahrungen entsprechenden Wert des Unternehmens zu finden.
    Was wäre ein rationales Resultat gewesen? Dass der Markt eine extreme Überbewertung erst gar nicht zugelassen hätte!
    Wodurch wurde das verhindert? Ich weiss es nicht, aber ich vermute gewöhnliche menschliche Schwächen verschiedenster Ausprägung. Wie wäre es z.B. mit: Selbstbetrug, Gier, blindem Vertrauen, Unerfahrenheit, Leichtsinn, Massenpsychose, …?

  3. Guten Tag,

    den Ansatz, nicht einfach Wahrheiten zu verkünden, sondern Fragen aufzuwerfen (oder ggf. auch verkündete „Wahrheiten“ zu hinterfragen) finde ich gut.
    Im Einzelfall habe ich selbst mal etwas Ähnliches versucht („UNSYSTEMATISCHE FRAGEN UND NOTIZEN ZUR BILDUNG (UND ZUM ZERFALL) VON GESELLSCHAFT(EN) oder KANN MAN SOZIALE DYNAMIK(EN) ABSTRAKT BESCHREIBEN UND VERSTEHEN?“ – http://beltwild.blogspot.com/2005/11/unsystematische-fragen-und-notizen-zur.html).
    Und das Thema „Rationalität“ treibt mich hintergründig schon lange um (vgl. z. B. „Der Deutsche Wald: jenseits von Gut und Böse?“ – http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm#Der_deutsche_Wald oder „Nur die totale Entfesselung des Kapitalismus rettet unsere Umwelt!“ – http://www.beltwild.de/drusenreich_vier.htm#Entfesselung_Kapitalismus).

    Derzeit versuche ich, den Rationalitätsbegriff irgendwie mehr direkt ins Visier zu nehmen, z. B. im Zusammenhang mit „rationaler Steuerung von Gesellschaft“. Und ganz konkret anhand eines literarischen Beispiels, nämlich der von Alessandro Manzoni in seinem Roman „Die Verloten“ (auch: „Die Brautleute“) geschilderten Reaktionen auf bzw. versuchten Bekämpfung von eine(r) Hungersnot im Mailand des Jahres 1630. Dazu später mehr; zunächst zu Ihrer Fragestellung „Sind Märkte rational?“.

    Ihre „offizielle“ Frage ist leicht beantwortet: „Nein“!
    Märkte sind nicht rational. Wobei die Betonung aber auf „sind“ liegt, nicht auf „rational“. Denn Märkte sind auch nicht irrational.
    Anders gesagt: Die Zuschreibung des Begriffs „rational“ als (mögliche) Eigenschaft „des Marktes“ ist verfehlt.

    Menschen „haben“ Rationalität, im Gegensatz zu Tieren (die Aussage, dass Tiere keine Rationalität haben, ist natürlich nur im Kern wahr, über Abgrenzungsprobleme – intelligente Kommunikation, Werkzeuggebrauch, Werkzeugherstellung – bei Tieren kann man hingebungsvoll streiten).
    Menschen können auch rational handeln: im Gegensatz zu traditionsgeleitetem oder triebgesteuerten Handeln.

    „Der Markt“ trifft auch keine Entscheidungen, oder anders gesagt: ich halte einen derartigen Sprachgebrauch nicht für Erkenntnis fördernd.

    Marktprozesse können bestimmte Ergebnisse haben, und in diese Marktprozesse kann rationales und nicht-rationales Denken + Handeln eingeflossen sein.

    „Vernünftig“ ist auch nicht gleichbedeutend mit „nachvollziehbar“.
    Schon der Begriff „vernünftig“ verlangt nach einer jeweils konkreten Zielvorstellung bzw. Beobachterposition, ohne deren Kenntnis der aussagelos ist.
    War es z. B. vernünftig, in der DDR den Brotpreis so festzulegen, dass es billiger war, die Hühner mit Brot statt mit Getreide zu füttern?
    a) Ja. In der Vorstellung der Herrschenden war ein niedriger Brotpreis ein „Beweis“ für den Erfolg, zumindest aber für die Volksfreundlichkeit, des Sozialismus – einerseits. Andererseits (Rationalität!) hofften sie zweifellos, durch diesen (und andere) administrativ verzerrte Preisfestsetzungen eine politische Zustimmung (vielleicht gar Liebe) der Bürger zum sozialistischen System zu generieren (in anderer Dimension betrachtet: ihre Herrschaft zufestigen).
    b) Nein. Der von den Gestehungskosten abgelöste Brotpreis setzte falsche Anreize und führte zu Ressourcenverschwendung oder anders: verhinderte eine optimale oder jedenfalls bessere Ressourcenallokation.

    Märkte „sind“ auch nicht identisch mit „Menschen mit Bedürfnissen“.
    Ich stelle mal die These in den Raum, dass der Markt gar nichts „ist“. Dass er uns etwas real Existierendes erscheint, ist vielleicht nur vor dem Hintergrund verständlich, dass schon in vormodernen Gesellschaften administrierte Preise weit verbreitet (oder gar die Regel?) waren.
    Der Markt „ist“ die Abwesenheit von administrierten, tradierten und (im Idealfalle) auch von vermachteten (Kartelle!) Preismechanismen.

    Selbstverständlich „verfolgen einzelne Marktteilnehmer mit ihrem Handeln einen Zweck, den sie begründen können“. Nur wird nicht selten die Begründung eine „Rationalisierung“ im psychologischen Sinne sein: z. B. ein vorgeschobener Grund für ein Handeln, das in Wirklichkeit auf emotionalen oder traditionale Präferenzen beruht.

    Gibt es überhaupt „die Rationalität“?

    Beispiel Manzon, Hungersnot in Mailand 1630. Der Mangel an Nahrungsmitteln (Getreide) führt auf dem Markt (d. h. in Abwesenheit administrativer Preisfestsetzungen) zu Preissteigerungen. Der (spanische) Großkanzler reagiert, indem er die Preise festsetzt. Allerdings nicht den Getreide-, sondern den Brotpreis. Das führt (immer in der Darstellung Manzonis; ob diese den historischen Gegebenheiten entspricht, ist hier völlig gleichgültig, sicherlich hat sich Vergleichbares vielfältig in der Geschichte abgespielt und kommt auch zu unserer Zeit noch vor) dazu, dass die Bäcker mit Verlust arbeiten, was auf die Dauer natürlich nicht funktionieren kann.
    Ein Gremium mailandischer Adliger verfügt dann die Preisvorgabe mit der Folge, dass es zu Plünderungen kommt und sich der Volkszorn gegen die vermeitlichen „Ausbeuter“ richtet.

    Was lässt sich in diesem Zusammenhang über „Rationalität“ sagen?
    Zunächst einmal ist bereits die Frage, was (hier) rational „ist“, falsch formuliert. „Rationalität“ ist, wie oben ausgeführt, keine existentielle Realität, sondern eine Qualität von Handlungen. Wir können uns lediglich fragen, wer hier rational gehandelt hat.
    Und kommen, wie schon oben am Beispiel der DDR, zu erstaunlichen Ergebnissen. Während Manzoni, glühender Anhänger des freien Marktes, die Preisfestsetzung zweifellos als irrational ansieht, sehen wir bei genauerem Hinsehen, dass es erst innerhalb eines expliziten oder impliziten Bezugsrahmen möglich wird, die Handlungen der Beteiligten als rational, irrational oder nicht-rational zu qualifizieren.

    Insoweit kann man die Preisfestsetzung durch den Großkanzler durchaus „rational“ finden, denn seine Maßnahme sicherte ihm die Zustimmung des Volkes. Die negativen Folgen dann von anderen (dem Mailänder Adelsgremium) ausbaden zu lassen, war erst recht (politsch) rational. Dieses Spiel treiben heute Regierung und Oppostion in gleicher Weise. Ob Ferrer selbst durch rationale Überlegung zu der Preisfestsetzung gekommen ist, oder ob er diese „Lösung“ in seinem Gedächtnisrepertoire als Vorgehen in anderen Gemeinwesen gespeichert hatte, können wir nicht wissen. Insoweit können wir auch nur sagen, dass man seine Handlung rational begründen kann, nicht, dass sie rational begründet war.
    [Man könnte Ferrers Handeln sogar für zynisch halten: „Ich sichere mir die Zuneigung des Volkes, indem ich die Preise festsetze, obwohl ich genau weiß, dass das nicht funktionieren kann. Dann wälze ich die Schuld auf andere ab.“ Die Darstellung – man könnte sagen: die „Versuchsanordnung“ bei Manzoni schließt einen solchen Zynismus für Ferrer aus; allerdings ist er heutigen und früheren Politikern sicher nicht immer fremd.]

    Allerdings konnte sie das Problem nur verschärfen; insoweit erscheint sie uns irrational.
    Mit dieser Kategorisierung führen wir allerdings die Zeitdimension ein, und in dieser wiederum kann jeder eigene Präferenzen einbringen.
    Ferrer hat nicht zwangsläufig irrational gehandelt, wenn er nur die kurzfristigen Folgen („nun können sich die Menschen wieder Brot leisten“) bedacht hat. Denn die länger- und (hypotehtisch) „längstfristigen“ Folgen unserer Handlungen können wir genau so wenig vorausberechnen wie die Wirkungen des berühmten „Flügelschlag eines Schmetterlings“ in chaotischen System des Wetters.
    Wollten wir Ferrer Irrationalität vorwerfen, weil er nicht bedacht hat, dass die Bäcker nicht auf Dauer drauflegen können, könnten wir abstrahierend sagen, dass wir unter „Rationalität“ (auch) die Fähigkeit und vor allem die Bereitschaft verstehen wollen, die zeitlich und räumlich weiter entfernt liegenden Folgen unseres Handelns in unsere vorherigen Überlegungen einzubeziehen und dafür Verantwortung zu übernehmen, d. h. im Rahmen unserer Möglichkeiten „vernetzt“ zu denken (wie z. B. Frederic Vester gefordert hat).
    Teilweise tun wir das (wie aber früher die Menschen), sehr häufig jedoch noch immer nicht. Ich habe diese Thematik in verschiedenen Blog-Einträgen untersucht; vgl. z. B. „terreur des sommes“ – http://beltwild.blogspot.com/search?q=staudamm oder „STROMPREISE: DIE VERBRAUCHER PROTESTIEREN – DIE VERBRAUCHER PENNEN oder LANDSCHAFT, LANDSCHAFT ÜBER ALLES!“ – http://beltwild.blogspot.com/2007/10/strompreise-die-verbraucher.html sowie – aus meiner Sicht ein eklatanter und lebensgefährlicher Fall zeitgenössischer Denkfaulheit-: „Hungerskandal in Wuppertal: Porsche-Fahrer frisst Rentner-Oma die Polenta vom Teller!“ – http://beltwild.blogspot.com/2006/03/hungerskandal-in-wuppertal-porsche.html.

    Wir kommen aber damit in Bereiche, wo sich die Vorstellung von „gut“ und „rational“ unauflöslich vermischen. Diese Vermischung erscheint mir irrational; nicht so sehr zwar für das praktische Leben, wohl aber dann, wenn sie sich in den intellektuellen Diskurs einschleicht.
    Dass „rationales“ Handeln nicht zwangsläufig „gute“ Folgen hat (und umgekehrt) habe ich z. B. in der konstruierten (aber nicht realitätsfremden) Geschichte vom „Deutschen Wald“ aufgezeigt.

    „Das“ rationale Resultat von Marktprozessen kann es also nicht geben; es ist für uns auch völlig gleichgültig, ob die Märkte oder die Preisfindung durch Märkte rational sind oder nicht. Uns kann nur interessieren, ob das Ergebnis „gut“ oder „schlecht“ ist, und insoweit kann man nur sagen, dass eine (mehr oder weniger) „freie“ Marktwirtschaft im Durchschnitt zu einer besseren Versorgung der (meisten) Menschen mit Dienstleistungen und Gütern führt, als eine Zentralverwaltungswirtschaft.

    Obwohl man die letztere durchaus als „rationaler“ bezeichnen könnte, wenn man unter „rational“ den Versuch der Menschen verstehen will, die Gesellschaft insgesamt „von oben“ planend zu lenken.

    Wenn ich aber unter „rational“ den vorurteilslosen Vergleich verstehen will, was besser funktioniert, muss ich „rein rational“ dem „eigentlich irrationalen“ Marktsystem den Vorzug geben.

    Das tat auch Manzoni, hatte aber dabei übersehen, dass die Märkte nicht in jeder Situation optimal funktionieren. Zum einen bleiben „Externalitäten“ unberücksichtigt: Faktoren, für die es nicht ausdrücklich einen Preis gibt. (Allerdings haben die Planwirtschaften noch weitaus wüster in ihren Umwelten gehaust als jede Marktwirtschaft!)

    Vor allem werfe ich Manzoni aber vor, dass er nicht „rational“ die Konsequenzen analysiert hat, die eine Preisfreigabe gehabt hätte. Auch die Reichen hätten sich zwar bei höheren Getreidepreisen einschränken müssen (z. B. einige Juwelenkolliers weniger kaufen können), sie hätten aber immer noch genügend Geld gehabt, um sogar ihre Kutschpferde zu füttern – während die Armen massenhaft verhungern mussten.
    Man kann sogar das aus rational oder vernünftig bezeichnen: sofern man von der Vorstellung ausgeht, dass sich die Lebensmittelknappheit längerfristig nicht verbessert oder sogar verschärft, wenn man möglichst viele Esser „durchschleppt“.
    Gebe ich dagegen als Zielvorstellung die Erhaltung von möglichst vielen Menschenleben vor (evtl. verbunden mit der Erwartung einer besseren Ernte im nächsten Jahr), müsste ich als Politiker das tun (und als Intellektueller das fordern), was man in modernen Staatswesen tatsächlich durchgeführt hat, nämlich die Lebensmittel rationieren. (Vgl. für Deutschland z. B. den „Steckrübenwinter“ 1916/1917 im 1. Weltkrieg oder das Zuteilungssystem nach dem 2. Weltkrieg).
    Die Frage ist natürlich, ob das in einer frühneuzeitlichen Gesellschaft mit ihrer recht rudimentären Administration (verglichen mit unserer heutigen) überhaupt möglich gewesen wäre.
    Aber das ist wiederum selbst eine Fragestellung, über die man rational (oder auch emotional) debattieren kann.

    Im Gegensatz zur „offiziellen“ Frage scheint mir das wirkliche Anliegen des (?) Blog-Meisters das optimale Funktionieren der Märkte in unserem Sinne zu sein.
    Insoweit denke ich schon, dass sie in der Summe und im historischen Vergleich derzeit noch recht gut arbeiten.
    Da ich allerdings ein ausgesprochener Ressourcenpessimist bin (http://beltwild.blogspot.com/search/label/Ressourcenverknappung) glaube ich nicht, dass dass auf Dauer so bleiben wird. Dann werden sich die Wirtschaftssysteme sehr schnell von einer Güterverteilung und Preisfestsetzung im organisatorischen Rahmen „des Marktes“ verabschieden; und (schon aufgrund ihrer demokratischen Verfassung) wahrscheinlich als erste jene Länder, bei denen heute der Markt (scheinbar) besonders groß geschrieben wird.

    Cangrande

  4. Im Nachgang zu meinem gestrigen Eintrag hier noch einige Links, die von Interesse sein könnten.

    Die Wikipedia bietet natürlich auch das Stichwort „Rationalität“. Besonders interessant dürften im vorliegenden Zusammenhang aber die Ausführungen zu „Rationalitätenfalle“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Rationalit%C3%A4tenfalle) sein. Dort geht es um das Verhältnis von individueller zu ‚kollektiver‘ Rationalität, und das ist ja wohl auch die zentrale Problemstellung hinter der Eingangsfrage: (wie) ist es möglich, dass ein bloß von individueller Rationalität gesteuertes Handeln kollektiven Nutzen bringt?

    Und zwei Texte von Max Weber zu :

    – „Rationalität der Geldwirtschaft“ (http://www.textlog.de/7342.html?print) sowie zur Definition seines dort verwendeten Rationalitätsbegriffs
    – „Formale und materiale Rationalität der Wirtschaft“ (http://www.textlog.de/7328.html).

    (Mit der Vorstellung einer „materialen Rationalität“ habe ich allerdings meine Schwierigkeiten. Zwar wird der Begriff in der Tat häufig so verwendet, diese Bedeutung ist nicht Webers Erfindung. Ich frage mich aber, ob wir damit nicht Verwirrung stiften und ob wir nicht die ‚Bezeichnung „Rationalität“ auf eine wie auch immer definierte Verfahrensbeschreibung -frei von jeglicher Bewertung- beschränken sollten.)

    Im übrigen möchte ich meine Antwort auf die Frage nach der „Rationalität des Marktes“ noch einmal zuspitzen:
    Der Markt ist nicht rational, aber wir Menschen handeln, unter den derzeitigen Umständen, in der Regel rational, wenn wir den wirtschaftlichen Austausch im Großen und Ganzen in Form eines Marktes organisieren.

    Cangrande

  5. @cangrande, danke für die interessanten Informationen und Links!

  6. Rationalität ist, wenn man: die anderen böllern lässt und selber zuschaut!

    Prosit Neues Jahr!

    Cangrande

  7. Ich will mich absichtlich weder philosophisch auslassen über Rationalität oder Irrationalität, noch will ich mein Wissen über die millionenfache Literatur hier preisgeben. Hegel muss wohl gesagt haben, dass alles was ist, auch vernünftig ist (in dem Sinne, dass es von der Vernunft des Menschen erzeugt wurde – und es dürfte auch sehr vernünftig sein in diesem Sinn, Kriege zu führen und Menschen zu töten. Es wäre auch vernünftig, sie nicht zu töten, weil lebende Menschen die Welt vielleicht besser gestalten können als tote oder als die, die den Krieg dem Frieden vorziehen)

    Ich gehe einfach davon aus, dass jeder, der denkt und eine Handlung auf dieses Denken zurückführen kann, wohl rational ist – gleichgültig, wie andere sein Handeln beurteilen wollen. Jeder von uns Menschen verfügt über ein Wissen – es wäre zu fragen, ob dieses Wissen denn ausreicht, einen Markt zu betreten, dessen Teilnehmer auch nur über Wissen verfügen und ob dieses Wissen vor allem ausreicht, Einfluss auf den Markt nehmen zu können, der von Menschen geprägt ist, die eben über unterschiedliches Wissen verfügen. Das große Problem der Märkte ist aber nicht das Wissen, das eine Teilnahme am Markt rechtfertigen will, sondern das unbekannte Wissen, das auf den Märkten aufeinander trifft. Das einzige, was mir zunächst bekannt ist, ist das Produkt und sein Preis, vorausgesetzt, ich verfüge über ein sehr umfassendes Wissen über die am Markt aufeinander treffenden Produkte. Ich würde mich freundlich bei denen bedanken, die mein Verhalten, mir ein Containerschiff zu kaufen oder eine Luxusyacht, als irrationales Verhalten zu testieren, nur weil sie der Auffassung sind, es sei Verschwendung von Ressourcen, solche Gegenstände besitzen zu wollen oder sie gar als Waren einzusetzen.
    Von welchem Standpunkt aus will man denn ein Handeln als rationales oder irrationales Handeln beurteilen, wenn jeder nur das Produkt zu einem Preis haben will, den er bereit ist zu bezahlen. Und will ich es wagen, jemanden als irrational zu qualifizieren, der sich z. B., eine Uhr kauft zu einem Preis von 1000 €, die weder geht noch je gangbar gemacht werden kann? Welcher Marktteilnehmer fragt schon, weshalb sich jemand ein Produkt kauft – gleichgültig, zu welchem Preis.
    Anders wird es sich wohl verhalten, wenn man das Verhalten der Marktteilnehmer vor dem Hintergrund eines vorhandenen Begriffs von Rationalität beurteilt. Dann hätte der Besitzer dieses Begriffs freilich seine Unterscheidung – aber nur für sich oder bestenfalls teilt er sie mit denen, die sich mit seiner Vorstellung von Rationalität identisch wissen. Das ist wohl der Hintergrund der Diskussion, dass man immer wieder versucht, allgemeingültige Definitionen zu erfinden, um einen an sich ganz normalen Vorgang nach seinen Vorstellungen selektieren oder bewerten zu können.

    Dieser Absicht muss wohl selbst eine Absicht zu Grunde liegen – etwa die, dass man schlauer war als der Konkurrent in Bezug auf eine den Konkurrenten gleich werte Ware. Dann liegt die Rationalität eben bei der Schlauheit und die meinen wohl viele Marktteilnehmer zu haben (wie viele Menchen fahren ein sehr hohes Tempo auf den Straßen und geeben vor, besser zusein als die, die langsamer fahren) . Und nur die, die mit Geld auf die Bühne kommen, um es zu vermehren, meinen von sich, dass ihr Verhalten rationaler sei als das derer, die mit weniger Geld auftreten oder gar nicht erst auf die Idee kommen (oder es ganz einfach gar nicht können), es zu vermeheren. Die alte Leier, so lange es Märkte gibt. Und selbst die Verhaltensweisen, die sich auf den Märkten so zeigen, werden als rationale hingestellt – das meint auch das bewusste Ruinieren eines Konkurrenten sowie das bewusste Vernichten von Werten und eventuell Menschen. Das dürfte wohl die ganze „Wahrheit“ sein, wenn man ein Verhalten eines Marktteilnehers einteilen will in ein rationales und/oder ein irrationales.

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