Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Archiv für die Kategorie ‘An Niemanden’

Entscheidend freier

In An Niemanden on September 24, 2009 at 8:33
Foto: Neubie

Foto: Neubie

Geht der Journalismus nicht gerade den Weg, den die Eheschliessung vor vielen Jahren gehen musste?

Aus der Vielzahl von Ehemännern hat der Papa früher den seiner Meinung nach besten ausgewählt. Heute nimmt das Töchterchen die Sache selbst in die Hand.

Aus der Vielzahl von Nachrichten wählen Redakteure die ihrer Meinung nach interessantesten aus. Einige Leser nehmen diese Sache bereits selbst in die Hand.

Das Ergebnis mag in beiden Fällen zwar nicht unbedingt besser sein, aber es ist immerhin das Ergebnis einer freien Entscheidung. Warum ist uns das so wichtig?

Balance

In An Niemanden on Juni 30, 2009 at 7:01
Foto: wooody

Foto: wooody

Ein Tischtennisball auf einem Tischtennisschläger in einer menschlichen Hand. Der Ball rollt ein wenig nach links, die Hand kippt den Schläger leicht nach rechts, der Ball rollt ein wenig nach oben, die Hand kippt den Schläger nach hinten, der Boll rollt ein wenig nach rechts, die Hand bewegt den Schläger leicht nach links. Ziel des Spiels: eine Balance zu erreichen und zu verhindern, dass der Ball auf den Boden fällt. Ein Betrachter, der dem Spiel nur wenige Sekunden zuschaut, der beobachtet, wie das Kippen nach Links den Ball vor dem Herunterfallen rettet, der könnte den falschen Schluss ziehen, dass Linkskippen ein probates Mittel gegen das Herunterfallen ist. Ein anderer Beobachter, der zu einem anderen Zeitpunkt schaut, könnte den gegenteiligen Schluss ziehen, nämlich dass Rechtskippen die Lösung aller Probleme ist.

Ob in der Erziehung, in der Politik, in der Wirtschaft oder im Lösen von Konflikten – sind wir nicht alle versucht, Probleme durch eine Patent-Lösung aus der Welt schaffen zu wollen, ohne zu merken, dass die eigentliche Lösung darin besteht, eine perfekte Balance zu finden? Dass minimale aber permanente Anpassungen abhängig von der jeweiligen Situation nötig sind? Woher kommt unsere Vorliebe für starre Lösungen, was verleitet uns zu der trügerischen Sicherheit, dass es eine richtige und eine falsche Seite gibt? Und wie entsteht bei so vielen Patentlösern und Lagerdenkern trotzdem manchmal die perfekte Balance?

Information und Deutung

In An Niemanden on Mai 28, 2009 at 9:05

[Foto: Eldersign]

Menschen produzieren Informationen und deuten sie. Die einen (Wissenschafler z.B.) arbeiten mehr an der Beschaffung. Andere eher an der Deutung (Künstler z.B.). Wobei ja jede Deutung auch wieder eine Information sein kann und zusammen mit anderen Informationen in eine neue Deutung eingehen kann. In Zeiten der Informationsmangelgesellschaft blieben Informationen selten ungedeutet. Es gab relativ wenig öffentliche Informationen, also auch weniger Deutungsmöglichkeiten. Zudem gab es professionelle Deuter (Journalisten), die recht exklusiven Zugang zur Information hatten, und deren Deutungen die möglichen persönlichen Deutungen des Individuums dominierte. In der Informationsüberflussgesellschaft beginnt sich der Informationszugang, vor allen Dingen aber die Deutungshoheit des Einzelnen zu demokratisieren. Nicht nur gibt es mehr Informationen als professionelle Deuter verarbeiten können, es ergeben sich auch viel mehr Deutungsmöglichkeiten. Da jeder seine eigene Deutung in den öffentlichen Diskurs einschleusen kann, kompliziert sich der Zugang zu allgemein akzeptierten Deutungen weiter.

Was hat das für Folgen? Ich würde behaupten, Menschen ist die Deutung viel wichtiger als die Information. Sie wollen einen Sinn erkennen in den Informationen, die sie bekommen, Zusammenhänge finden, Konsequenzen für ihre persönliche Situation herausfinden. Stattdessen bekommen sie einerseits immer mehr nackte Informationen, die sie nicht durchdringen können, und gleichzeitig eine Vielzahl von widersprüchlichen Deutungen, die sie nicht weiterbringen. Sie werden immer weniger Zeit haben, ein Weltbild aufzubauen und zu stabilisieren, weil der ständige Informationsfluss das Fundament schon beim Aufbau erodiert. Die Generation meiner Eltern hat sich ein Weltbild errichtet, das unerschütterlich ist und an dem jede widersprüchliche Information abprallt – die Deutung der Welt ist definitiv, weil sie keine neuen Informationen heranlassen. Meine Generation ist zwar offen für neue Informationen, bewegt sich aber in recht statischen Deutungsrahmen, benutzt also „ererbte“ Deutungsschablonen, um die Flut der Informationen zu kanalisieren und erzeugt auch vorsichtig ein paar neue Schablonen. Ich frage mich, wie die Generation meiner Söhnchens die Deutung von Informationen bewerkstelligen wird. Die Deutungsschablonen ihrer Eltern werden nicht mehr taugen. Werden sie sich neue schaffen können, während sie gleichzeitig immer mehr Informationen bewältigen müssen? Vergleichbar mit einem Töpfer, dem der Ton ständig unter den Händen wegschmilzt? Werden sie sich in einer fragmentierten Informationswelt verlieren und Zusammenhänge aus den Augen verlieren, resignieren und am Sinn zweifeln – oder werden die professionellen Deuter dann wieder wichtiger?

Wer sagt es am schönsten?

In An Niemanden on Mai 2, 2009 at 6:56

(Foto: shinnfean)

  • 14600 Tage?
  • 350400 Stunden? 
  • 40 Frühling, 39 Sommer? 
  • Knapp über 50%?
  • Im Zenit?
  • 28 Hex?
  • 34 im Land der 12fingrigen?
  • Dreieinhalb Dutzend Kerzen?
  • 12.73π ?
  • Acht handvoll?
  • Zum zweiten Mal Zwanzig?
  • Zum zehnten Mal die 30 feiern?

Ich seh’ etwas, was du nicht siehst

In An Niemanden on März 24, 2009 at 8:28

[Foto: h.koppelaney]

Wir sehen Drachen in Wolken. Wir sehen Liebe in Augen. Wir sehen Verschwörungen im Fernsehen. Wir sehen, dass sich alles zusammenfügt. Wir sehen eine logische Entwicklung. Wir sehen einen Sinn in allem. Wir sehen die Folgen von einschneidenden Ereignissen. Wir sehen die Gründe offenliegen. Wir sehen den Wink des Schicksals in einem aufgeschlagenen Buch. Wir sehen immer wieder kehrende Zahlen. Wir sehen Seelenverwandte. Wir sehen lächelnde Autos. Wir sehen das Wirken einer höheren Macht. Wir sehen nachtragende Katzen. Wir sehen uns in unseren Kindern. Wir sehen Wut in den Himmel geschrieben. Wir sehen, dass es so und nicht anders kommen musste. Wir sehen die Schönheit in unseren Dingen. Wir sehen die Fehler der anderen. Wir sehen, was nicht nicht geschehen durfte.

Sehen wir nur? Oder erschaffen wir? Und wie können wir den Unterschied erkennen?

Das Böse im Auftrag des Guten

In An Niemanden on Januar 29, 2009 at 10:20

[Foto: Uli Harder]

Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,

Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;

Drum geb’ ich gern ihm den Gesellen zu,

Der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen

(Goethes Faust, Prolog im Himmel)

Nach Goethe ist das Böse – anscheinend ohne sich darüber klar zu sein – im Auftrag des Guten unterwegs. Es wurde geschaffen, um das Gute zu mobilisieren und die Menschen durch einen ewigen Kampf mit der Versuchung von Gott zu emanzipieren und voranzubringen. Was aber, wenn sich das Böse dieser Manipulation bewusst wird? Müsste es dann nicht, um den grösstmöglichen Schaden anzurichten und Gottes Strategie zu unterlaufen,  ganz einfach nichts tun, abwesend werden, die Menschen ohne sein Zutun erschlaffen zu lassen? Oder ist Gottes Strategie mit dem Risiko verbunden, dass das Böse tatsächlich die Oberhand gewinnt und die Menschheit gegen sie selbst und gegen Gott lenken wird – wurde der Gegner unterschätzt?

Wer, wie, was

In An Mich, An Niemanden on Dezember 9, 2008 at 9:37

[Foto: shinfean]

Irgendwann als kleines Kind habe ich gelernt, dass es wichtig ist, was man macht. Erst später habe ich gelernt, dass es mindestens genauso wichtig ist, wie man etwas macht. Und noch viel später erst – es war eine sehr überraschende Erkenntnis – habe ich gelernt, dass es auch wichtig ist, wann man etwas macht. Was mag ich wohl als nächstes lernen? Und ob wohl auch irgendwann das warum geklärt wird? Ist die Reihenfolge der Erkenntnis bei allen gleich, gibt es sozusagen ein Naturgesetz der unterschiedlichen Dichte und Gewichte von Fragewörtern?

Immer wieder, aber irgendwie anders

In An Niemanden on November 27, 2008 at 9:56

[Foto: ersatzspeiche]

Wenn ich das nur gewusst hätte als ich jung war… Mit meinem Schwiegervater hatte ich eine Diskussion darüber, ob Kinder von den Erfahrungen ihrer Eltern lernen sollten oder die gleichen Fehler selbst begehen sollten, um wirklich daraus zu lernen. Können Worte eine Erkenntnis weitergeben? Oder gelangt man nur über eigene Erfahrung zur Erkenntnis? Aber hiesse das nicht, dass die Menschheit immer wieder die gleichen Fehler wiederholen muss?

Fördern und Fordern

In An Niemanden on November 20, 2008 at 10:23

Fördern und Fordern. Man liest das immer häufiger, was einst als eine Art Werbe-Spruch für die Hartz IV-Gesetze ersonnen wurde: von Erziehungsberatern, Kulturpolitikern, Sportlern, Fussball-Trainern, Managern, Energie-Experten, IT-Beratern oder Blog-Theoretikern. Anscheinend wurde da ein Nerv getroffen. Ist das nicht seltsam? Ein simpler Stabreim wird zum Motto der Deutschen im 21.Jahrhundert. Wie kommt das? Fast hat man den Eindruck, dass hier eine tiefe, Jahrhunderte alte Wahrheit schlummerte, die dann Anfang des Jahrhunderts wachgeküsst wurde. Und die dann ihrer Schönheit und Klarheit wegen (und natürlich auch wegen der beiden F) fast zwangsläufig den Staatssekretären und Juristen im Arbeitsministerium den Stift beim Schreiben der Hartz-Gesetze führte. Und nun mit ihrem unschlagbaren Charme auch andere Teile der Gesellschaft erobert. Auch wenn die Hartz-IV-Gesetze sehr umstritten waren, das Fördern und Fordern hat meines Wissens niemand infrage gestellt.

Was wäre aus der Agenda 2010 geworden, wenn kein so griffiges Label gefunden worden wäre? Kämen die Erziehungsberater und Fussball-Trainer auch ohne Motto zurecht oder hätten sie sich ihr eigenes ausgedacht? Hat man kurzzeitig auch mal daran gedacht, das Wort Fordern an die erste Stelle zu setzen? Ist der Slogan exportierbar: französisch „aider et exiger“ oder englisch: „help and demand“?

Zielchen

In An Niemanden on Oktober 14, 2008 at 8:26

[Foto: bas:il]

Die vielen kleinen Zielchen – ob die sich wohl mal zu einem grossen Ziel zusammenschliessen?

Idéauxtisch

In An Niemanden on September 11, 2008 at 9:53

Im Französischen klingen Ideale (Idéaux) wie Idioten (Idiots). Zufall?

Kinderfragen: Flaschengeist

In An Niemanden on September 4, 2008 at 7:50

[Foto: Seb Przd]

Als Kind fragte ich mich, warum Sindbad, vom Flaschengeist gerade mit drei freien Wünsche ausgestattet, nicht gleich mit seinem ersten Wunsch die Zahl der Wünsche ins unendliche erhöht. Das hätte ihm auch die spätere Sorge erspart, aus seiner Wut heraus einen Freund ans Ende der Welt zu wünschen und ihm dann nachreisen zu müssen. Erst viele Jahre später, mit über 20, las ich  Hofstadters „Gödel Escher Bach“ und erfuhr, was der Geist mir geantwortet hätte.

Sommerpause

In An Niemanden on Juli 23, 2008 at 5:32

[Foto: _dorothy_]

Was wird wohl passieren, wenn drei Wochen nichts passiert? Am 18. August geht’s weiter. Bis dahin!

Jung sein!

In An Niemanden on Mai 13, 2008 at 8:06

Da man mit zunehmendem Alter Gefahr läuft, seltsame Gewohnheiten anzunehmen (z.B. knipse ich seit ein paar Jahren Fotos, eine Eigenart, die ich früher nie hatte), lese ich alle paar Jahre die Worte von General MacArthur über das Jungsein. Ob das hilft, die schlimmsten geistigen Verkrustungen zu verhindern?

Jung sein!
Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung:
Sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.
Man wird nicht alt,
weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat:
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.

Die Jahre zeichnen zwar die Haut –
Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns schon vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist,
wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt:
Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie euer Glaube.

So alt wie eure Zweifel.
So jung wie euer Selbstvertrauen.
So jung wie eure Hoffnung.
So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben,
so lange ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich für’s Schöne. Gute und Große;
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfasslichen.

Sollte eines Tages
euer Herz geätzt werden von Pessimismus.
zernagt von Zynismus,
dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele –
der Seele eines Greises.

(Douglas Mac Arthur, 1945)

Klassentreffen – Antworten?

In An Niemanden on Mai 6, 2008 at 8:30

Ich komme gerade aus Deutschland zurück, wo ich am Abi-Treffen zum zwanzigjährigen Jubiläum teilnahm. Leider kamen nur etwa 30 Leute (von den 150 unseres Jahrgangs). Warum kommt jemand? Warum nicht? Was erwartet jemand von einem solchen Treffen? Ich kann die Fragen selbst für mich nicht recht beantworten. Neugier trifft die Sache wohl am besten. Einen Grossteil der Abwesenden würde ich mal schlechter Organisation zuschreiben – zu kurzfristig, zu halbherzig. Es mag aber wohl auch Leute geben, die mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben wollen, einen Anfall von Melancholie befürchten oder sich für ihr bisheriges Leben nicht rechtfertigen wollen (die FR hat letztens übrigens einen Artikel über die Psychologie von Klassentreffen veröffentlicht).

Was also hat das Treffen mir persönlich gebracht? Einen lustigen Abend, viele kurzweilige Gespräche und die Ahnung, dass es tatsächlich etwas gibt, was unsere Generation verbindet. Wir sind eine Generation zwischen den Idealisten der Siebziger und den Pragmatikern der Neunziger. Aufgewachsen in den letzten Zügen eines grenzenlosen und sorgenlosen Optimismus, ohne grosse Träume, Ziele und Pläne, aber mit Vertrauen darauf, dass alles irgendwie gut geht. Den zunehmenden Materialismus und das Karriere- und Elitedenken erfüllt uns mit einer gewissen Abscheu. Aber die Kraft, dem etwas entgegenzustellen, die haben wir nie entwickelt.  Grosses kann man mit uns nicht bewegen. Und so ist auch aus niemandem etwas Grosses geworden. Aber grosse Theorien bei einem Glas Bier um drei Uhr morgens, dafür reicht es immer noch, auch zwanzig Jahre nach dem Abi.

Google und das Böse

In An Niemanden on April 15, 2008 at 10:25

Sauron's Eye

[Foto: AmUnivers]

Wenn Google es nicht schafft, nicht böse sein zu können, wer soll es dann schaffen?

April 2004. Die beiden Gründer sind aufgeschlossene und intelligente Menschen mit Visionen, die ihr Ideal vom kreativen und innovativen Arbeiten auf die Unternehmenskultur übertragen haben. Ihr Such-Dienst hat das Internet auch für Nicht-Techniker zugänglich gemacht, schadet weder der Umwelt, noch beutet er Menschen aus. Das Produkt ist so überzeugend, dass Google gar keine Werbung dafür schalten und auch keine fiesen Tricks gegen Konkurrenten einsetzen muss. Ihre Art, auf der Suchseite mit Werbung Geld zu verdienen, ist sehr diskret und unaufdringlich und hat die Werbung im Internet gerade für kleine Unternehmen revolutioniert. Das Unternehmen behandelt seine Mitarbeiter wie Könige und wird von der web-affininen Tech-Szene geradezu kultartig verehrt. Mit dem Motto „Sei nicht böse“ präsentiert sich das Unternehmen geradezu als weisser Ritter und in scharfem Kontrast zum rücksichtslosen Monopolisten Microsoft.

April 2008. Googles Produktmanagerin Melissa Mayer findet (sinngemäss, siehe Zitate im TechCrunch-Artikel), das Motto „Sei nicht böse“ war gar nicht so ernst gemeint wie manche meinen und  wird ständig zitiert, um Google zu kritisieren. Was ist also schiefgelaufen? Irrationen um Werbung, die sich ans persönlichen E-Mails orientiert, Zensur von Inhalten in China, unnötig umfangreiche und langlebige Speicherung von persönlichen Daten, der umstrittene Kauf vom Banner-Werber DoubleClick, Auseinandersetzungen mit Content-Anbietern über Urheberrechtsverletzungen, …

Ist das alles schon böse oder noch nicht? Auslegungssache! Auslegungssuche? Frau Mayer findet es nicht böse. Ich finde es bereits böse, allerdings nicht böser als die Konkurrenz.

Wenn es also selbst Google mit den allerbesten Voraussetzungen nicht schafft, ohne fragwürdige Züge im Wettbewerb zu bestehen, dann heisst das ja wohl, es ist schlicht und einfach nicht möglich. Es geht wohl einfach nicht ohne Politik, ohne Lobbying, ohne Abschottung, ohne Patent-Poker, ohne das Verschieben der Grenze des Akzeptablen, ohne Verdrängung, ohne kleine oder auch mal grössere Schweinereien. Google hat seine Aufgabe erfüllt und Microsoft zum Wanken gebracht. Aber jetzt muss Google selbst zum Wanken gebracht werden. Und einem jungen sympathischen Startup wird es eines Tages gelingen und es wird dafür gefeiert werden und es wird sich selbst wieder in das Böse verwandeln müssen.

Zitate (1)

In An Niemanden on April 1, 2008 at 6:49

„Wer fragt, ist ein Narr für fünf Minuten. Wer nicht fragt, bleibt ein Narr für immer.“

aus China

[via]


Mehr Zitate: hier.

Privatdopen

In An Niemanden on April 1, 2008 at 8:47

Das Phänomen des Dopens zur Leistungssteigerung hat schon lange vom Sport auf andere Berufe übergegriffen. Türsteher stählen sich mit Anabolika, Werbe-Leute schnupfen Kokain, Politiker nehmen je nach Tageszeit Amphetamine oder Schlaftabletten, Konzertmusiker bekämpfen Lampenfieber mit Beta-Blockern, Hostessen benutzen Ephedrin zur schnelleren Fettverbrennung, Studenten nehmen Mittel zur Beruhigung der Nerven, Lehrer Anti-Depressiva, finanzschwächere Kreative stimulieren sich mit Uhu zur nächsten durchschlagenden Idee. Wahrscheinlich trinken sich sogar Gefängniswärter Mut an, Beamte nehmen wahrscheinlich Mittel zur Enthemmung und Ärzte sitzen ohnehin an der Quelle.

Warum wird geduldet, was im Sport verboten ist? Ist es jetzt Zeit für wirksame umfassende Kontrollen?

Urinproben nachts um 3? Grenzkontrollen mit Schweinen, die Uhu erschnüffeln können? Disqualifikation von überführten Geigern? Löschen von Diplomanten aus den Ergebnislisten? Streichen von Gesetzen, die nur unter Doping-Missbrauch möglich waren? Sollten Werbe-Leute lebenslang gesperrt werden, wenn sie zwei Mal erwischt wurden? Kollektive Bestrafung des gesamten Lehrerzimmers?

Zum Tode von Joseph Weizenbaum

In An Niemanden on März 7, 2008 at 2:27

„Heute glauben alle, sie müssten nur googeln, um an relevante Informationen zu gelangen. Dabei muss man erstmal lernen, richtige Fragen zu stellen. Gute Fragen sind wie ein wissenschaftliches Experiment.“ (Joseph Weizenbaum)

[via][via]

Die Macht der richtigen Fragen

In An Niemanden on März 7, 2008 at 12:15

… ist es, denen die Linke ihren gegenwärtigen Erfolg verdankt. Nicht ihren Antworten darauf. Mit ihren Fragen zwingt sie die anderen Parteien Antworten zu geben, die diese eigentlich gar nicht haben – weil sie sich manche Fragen gar nicht mehr stellen. Unangenehm!

Können oder Müssen?

In An Niemanden on Februar 29, 2008 at 8:32

Können oder Müssen?

[Foto:  DASKAjA]

Nur eine Hupe

In An Niemanden on Februar 21, 2008 at 12:27

Hupe

[Foto: kosare]

Es ist erstaunlich, zu welchen Höhen sich die menschliche Sprache mitunter aufschwingt.

Bei manchen Menschen hat man leider den Eindruck, dass statt eines Sprachzentrums in ihrem Gehirn lediglich eine Hupe sitzt. Verbringen die zuviel Zeit im Auto?

10x richtig = falsch?

In An Niemanden on Dezember 26, 2007 at 2:02

Nach unten

[Foto: ReRod]

Wie ist das möglich: über 20 Jahre lang jede einzelne Entscheidung abgewogen und mit Bedacht getroffen, auch im Rückblick nicht einen einzigen gravierenden Fehler begangen, im jeweiligen Kontext das beste erreicht zu haben, von der Überzeugung durchdrungen, alles wieder genauso zu machen – und dennoch ganz woanders zu sein, als vor 20 Jahren erhofft und erwartet? Was lief falsch?

Muss Musik Emotionen wecken?

In An Niemanden on Dezember 17, 2007 at 9:32

Emotionen aus zweiter Hand

[Foto: ztephen]

Strawinsky wurde von Kritikern vorgeworfen, dass seine Musik keine Emotionen transportiert.

Aber ist das denn überhaupt ein Vorwurf? In welchem Regelbuch steht, dass Musik Emotionen transportieren muss? Muss denn auch Literatur Emotionen transportieren oder die Malerei?

Ist mit Musik Emotionen zu wecken nicht überhaupt das Allereinfachste und gelingt täglich hunderten von Songs? Ist es nicht viel schwieriger und deshalb bewundernswerter, wenn Musik Erkenntnis beschert? Wenn sie uns eine Ahnung vermittelt, von der Grösse unserer eigenen Fähigkeiten, von der Schönheit der Natur, von einer unvergänglichen Wahrheit, von einem Zusammenhang zwischen unserem Leben und dem der anderen Menschen? Wenn sie neue Formen zu erprobt und neue Ideen umzusetzt wie es den Werken Strawinskys und anderen moderne Komponisten gelang? Oder auch nur längst vergangene, polyphone Musik aus den Vorzeiten Bachs wieder ans Tageslicht bringt?

Was ist dagegen das bisschen Hass, Schadenfreude und wohlige Gemütlichkeit, die uns Radio/Fernsehen/Internet täglich einführt?

Das November-Scrabble

In An Niemanden on Dezember 3, 2007 at 1:02

Wiederholungstäter

In An Niemanden on November 22, 2007 at 7:50

Rückblick: Fragwürdiges im Oktober

In An Niemanden on Oktober 31, 2007 at 7:59

Harry Potter und das Silicon Valley

In An Niemanden on Oktober 29, 2007 at 7:43

Harry Potter

Ich weiss auch nicht, warum ich Harry-Potter-Bände verschlinge. Danach fühle ich mich jedesmal, als hätte ich eine zu grosse Tüte Gummibärchen gegessen. Man isst sie zu schnell, sie sind zu süss, man fühlt sich danach nicht besonders und hat einen Heisshunger auf etwas Herzhaftes. Dieses Mal hatte ich für einen kurzen Moment den Eindruck, eine grosse Parabel auf das Silicon Valley gelesen zu haben. Ich versuche den Moment einzufangen:

  • Könnte es sein, dass Albert Dumbledore mit seiner Geheimniskrämerei, Arroganz, Verschlossenheit und seinem Glauben an die eigene Unentbehrlichkeit das archetypische Unternehmen des 20. Jahrhunderts darstellen soll? Sagen wir, Sun?
  • Ist Lord Voldemort eine Anspielung auf Steve Ballmer? Gleiche Schule wie Dumbledore, nur in böse?
  • Ist Harry Potter dann der Gegenentwurf – das Web 2.0-Startup, Repräsentant des Mitmach-Netzes, das sich das Einbeziehen von Meinungen, Delegieren und Outsourcen, sowie offene Kommunikation auf die Fahnen geschrieben hat? Sagen wir, Facebook?
  • Sind Ron und Hermine die User, die mittels Kommentarfunktion ihre ungefilterte partielle Wahrheit mitteilen, sich ohne Gegenleistung für ihren Harry aufopfern, ihn zurechtweisen, anpingen und wenn es sein muss, ihm tapfer zur Seite springen? Also, Facebook-User?
  • Und Snape, diese einzig tragische Person in der ganzen Serie, der Gutes tut, aber so tun muss, als sei er böse, von den Guten gehasst wird und vom Bösen getötet, ohne dass das Böse jemals merkt, dass er eigentlich Gutes tut – das kann eigentlich nur Google sein, oder?
  • Und in den Nebenrollen: der träge Riese Hagrid (Yahoo?) und das Schlossgespenst Der Fast Kopflose Nick (IBM?)

Wenn aber Facebook mithilfe seiner User Sun gegen Microsoft rächt und Google dabei auf der Strecke bleibt, was macht dann Apple? Gibt es ein Happy-End?

Wie gesagt, es war ein kurzer Moment. Ich habe jetzt Heisshunger auf etwas Herzhaftes.

Politisches Paradox

In An Niemanden on Oktober 25, 2007 at 9:56

Wahl

[Foto: Telegehirn]

Einen Politiker, der sich an Umfragen orientiert, schimpft man gerne mal als einen, der dem Stimmvieh nachrennt und keine eigenen Vorstellungen und Werte entwickelt. Stichwort: Umfragedemokratie.

Einem Politiker, der seine Vorstellungen und Werte in Politik umsetzen will, hält man vor, er lebe in seiner eigenen Welt und sei vom Volk entfernt.

Was hielte man von einem Politiker, der im Wahlkampf seine Vorstellungen und Werte vertritt, und später jedes wichtige Gesetzesvorhaben einem Volksentscheid aussetzte? Würde man dem nicht Feigheit, politische Dummheit oder Mangel an Selbstvertrauen vorwerfen?

Wo kommen die Dicken her?

In An Niemanden on Oktober 22, 2007 at 8:48
Ham
[Foto: Vanessa Pike-Russell]

Beim Betrachten eines schwitzenden Drei-Zentner-Menschens, der sich spürbar anstrengen musste, um seinen massigen Körper vorwärts zu bewegen, kam mir diese Frage in den Sinn: wer täglich soviel Gewicht mit sich herumschleppen muss, der muss doch eigentlich auch Unmengen an Kalorien verbrennen? Wieso nimmt er nicht unter seiner eigenen Last dutzende von Kilogramm ab? Warum pendelt sich das Gewicht nicht dort ein, wo sich Kalorienbedarf und -verbrennung neutralisieren?

siehe auch [BigBerta]

Wespen im Herbst

In An Niemanden on Oktober 19, 2007 at 8:45

Ich habe schon mehrfach gehört, dass Wespen im Herbst aggressiver sind, weil sie ohnehin bald sterben müssen.

Wenn das so ist und sie wissen, dass sie sterben müssen: sind sie dann aggressiver, weil sie über ihren bevorstehenden Tod frustriert sind? Oder weil sie nichts mehr zu verlieren haben und jetzt ihrer im Sommer (aus Gründen der Vernunft?) zurückgehaltenen Aggressivität freien Lauf lassen können?

Können Wespen also frustriert oder vernünftig sein?

Free Burma

In An Niemanden on Oktober 4, 2007 at 9:08


Free Burma!

Die Selbstmordkrieger des Hochleistungssports

In An Niemanden on Oktober 3, 2007 at 8:10
Muscles
[Foto: Varne]

Sport wird von Verhaltensforschern ja gerne als Ersatz für Kriegshandlungen bezeichnet.

Wenn also Sportler verhinderte Krieger sind, sind dann die dopenden Radfahrer, Gewichtheber oder Leichtathleten, die so ehrenhafter- wie sinnloserweise ihre Körper für ihren Sport opfern, sind die dann sozusagen die verhinderten Selbstmordkrieger unserer Gesellschaft?

Siehe auch
Doping für das Volk
Free Doping
Digitales Doping

Der erste Monat als Scrabble

In An Niemanden on September 30, 2007 at 6:43

September-Scrabble

Horizontal

Vertikal:

Warum unterstützt WordPress keine Image Maps?

Einen Artikel habe ich nicht im Scrabble untergekriegt. Ein paar mal musste ich schummeln. Da das Scrabble eine französische Ausgabe ist, sei mir verziehen.

Was hat Deutschland mit Bhutan, Nepal, Uganda und Tibet gemein?

In An Niemanden on September 26, 2007 at 8:13

Es sind die einzigen 5 Länder der Erde ohne generelle Geschwindigkeitsbegrenzung.

Siehe [Innovativ.in][SPON].

Der Paris-Hilton-Effekt

In An Niemanden on September 25, 2007 at 8:42

Wo ist sie?

Haben Blog-Posts, die den Namen von Paris Hilton in der Überschrift tragen, einen signifikanten Einfluss auf Zugriffs-Statistiken eines Blogs?

Die Frage bleibt

In An Niemanden on September 25, 2007 at 8:25

Halte dich still, halte dich stumm,
Nur nicht forschen, warum, warum ?

Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.

Wie’s dich auch aufzuhorchen treibt,
Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

Theodor Fontane (1819-1898)

[via]

Freunde und Bücher – welche Reihenfolge?

In An Niemanden on September 20, 2007 at 11:22

Book Sculpture

[Foto: gwENvision]

Gibt es wichtigeres im Leben als gute Freunde und gute Bücher?

Wie kommt man an gute Freunde und gute Bücher?

Methode 1 (Real Life):
1. Lerne Leute kennen
2. Lass dir von deinen Freunden Bücher empfehlen

Method 2 (Web 2.0):
1. Lese Bücher
2. Mache die Leute zu deinen Freunden, die die gleichen Bücher lesen

Frage: welche Methode liefert mir a) bessere Freunde und b) bessere Bücher?

Die Leistung des Herrn von Gravenreuth

In An Niemanden on September 14, 2007 at 2:36

Ist es nicht denkbar, dass Rechtsanwalt von Gravenreuth in den letzten fünfundzwanzig Jahren seiner Tätigkeit lediglich auf die Missstände im Bereich Urheber- und Markenrecht aufmerksam machen wollte, dass er mit spektakulären Aktionen die Absurdität der Gesetzeslage entlarven wollte, dass er die Öffentlichkeit aufrütteln wollte, und schliesslich gestern – unter ehrenvollem Einsatz seines persönlichen Rufes- sein Lebenswerk einen vorläufigen Gipfelpunkt erreicht hat?