Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Archiv für die Kategorie ‘An Mich’

Das Internet lehrt Demut

In An Mich on Oktober 15, 2009 at 10:53
Foto: alles-schlumpf

Foto: alles-schlumpf

Das Internet lehrt Demut. Demut vor der Vielzahl kreativer Ideen, Demut vor der Vielzahl faszinierender Persönlichkeiten, Demut vor der Vielzahl origineller Meinungen, Demut vor der Vielzahl von Erfolgsgeschichten. Demut vor der menschlichen Leistungsfähigkeit, deren Breite und Vielfalt man früher nicht erkunden konnte.

Das Internet erlaubt einen Blick in die Weite, in die Unendlichkeit der Möglichkeiten und der unzähligen Wege durch das Leben. Es zeigt uns das, was wir verpasst haben. Es zeigt uns das, was wir hätten werden können. Und es relativiert unsere eigene überzogene Meinung von uns selbst. Alle regionalen Champions (mit einer einzigen Ausnahme) finden ihren Meister, wenn sie sich auf höherer Ebene messen. Es gibt an allen 40000 Schulen in Deutschland einen Besten. Es gibt unzählige Bezirksmeister, Vorstadt-Casanovas und Seewiesen-Maradonas. Was vorher durch eine abstrakte statistische Hochrechnung hätte herausgefunden werden können, bietet sich nun in anschaulichen Geschichten dar: ich bin nirgendwo der beste. Nicht mal der Coolste unter den Besten oder der Beste unter den Coolsten.

Die Illusion, etwas Besonderes zu sein, kann eigentlich nur bewahrt werden, wenn wir unsere Welt klein halten, wenn wir den Tellerrand mit Sichtblenden umzäunen, wenn wir unseren Freundeskreis überschaubar halten, wenn wir eine Distanz zum Fernen behalten können, wenn wir unsere Königreiche einmauern.

Und die, die das nicht tun, die daran arbeiten, die Dunbar-Nummer nach oben zu schrauben, die sich der Ferne aussetzen und der Kälte der unfassbar grossen Zahlen – wie halten die sich warm?

„Die Wahrheit ist das beste Bild“

In An Mich on September 16, 2009 at 9:34

…sagte Robert Capa. Sein Bild vom fallenden Soldaten aus dem spanischen Bürgerkriegs wurde zur Ikone der Kriegsfotografie und begründete Capas Karriere als Fotograf. Nun hat ein spanischer Wissenschaftler herausgefunden, dass das berühmte Bild höchstwahrscheinlich inszeniert wurde – weit weg vom Kriegsgeschehen mit einem auch nach dem Schuss (mit der Kamera) quicklebendigen Soldatendarsteller. Zu Francos Zeiten wäre die Entlarvung ein Sprengsatz gewesen – und kontraproduktiv für die republikanische Sache. Und heute? Was soll man damit jetzt anfangen? Ändert sich was an unserem Blick auf den Krieg – oder auf den Fotografen? Wenn die Wahrheit zu spät kommt, wird sie mit Irrelevanz bestraft (wie auch der Mord an Benno Ohnesorg durch einen Stasi-Mann). Vielleicht sollte man sich durch solche Beispiele auch einfach nur bewusst werden, dass die Geschichtsschreibung ein dynamischer, niemals endender Prozess ist, der sich der Wahrheit bestenfalls kreisend nähern kann und oft genug auf Umwege gerät?

Erwiderung an den freundlichen Herrn (mit und ohne Messer)

In An Mich on August 7, 2009 at 5:37

Wenn dir dieser freundliche, leicht verwirrt wirkende Herr aus dem Video gegenübersitzt, der ein paar seiner Freundinnen mit Messern und Pistolen in eine Villa geschickt hat, um dort alle Anwesenden zu töten und zu schänden (darunter eine Schwangere), und er dir auf die Frage, ob er Schuldgefühle oder Gewissensbisse habe, antwortet „Ich? Nach allem, was mir diese Gesellschaft angetan hat, soll ich Gewissensbisse haben? Habe ich nicht das gleiche Recht, euch anzutun, was ich für richtig halte? Was erwartet ihr wohl, was ich machen werde, wenn ich hier rauskomme, nachdem man mir mein ganzes Leben lang ins Gesicht gespuckt habt? Wenn ich überhaupt etwas bedaure, dann nicht das, was ich getan habe, sondern was ich nicht getan habe. Ja, wenn ich 300 Menschen getötet hätte, dann würde ich mich besser fühlen! Dann hätte ich das Gefühl, dieser Gesellschaft, etwas gegeben zu haben. Weisst du, wenn ich dich jetzt hier totschlagen könnte, ich würde mich nicht anders fühlen als beim Einkaufen.“, gibt es dann irgendeine Form der Erwiderung, die ihn überraschen könnte oder nachdenklich stimmen? 

Übrigens: würde die Erwiderung anders ausfallen, wenn der freundliche Herr ein Messer in der Hand hätte und keine sonstigen Personen, insbesondere Polizisten in dem Raum anwesend wären? Und woher kommt dieser Eindruck, dass er aus seiner Sicht vielleicht tatsächlich Recht hat mit seiner Auge-um-Auge-Theorie?

Und: wenn selbst ein Massenmörder glaubt, Gutes getan zu haben, wie kann man davon ausgehen, dass ein beliebiger, harmloser Mensch sich im Unrecht glauben könnte und Kritik an sich herankommen lässt?

Wir singen uns die Welt schön

In An Mich on Juni 25, 2009 at 9:08
Foto: wortmeer

Foto: wortmeer

Erich Kästner bezeichnete Kurt Tucholsky als „kleinen dicken Berliner, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte„. Kann die Musik das, was Tucholsky nicht geschafft hat – kann Musik die Welt verändern? Ich meine dabei nicht die Welt der Musik, sondern Veränderungen, die auf auf Politik und Gesellschaft wirken. Oder kann sie im besten Fall lediglich die Veränderungen begleiten, beschreiben, musikalisch verewigen? Oder Veränderungen eine Stimme verleihen?

Gibt es wenigstens ein einziges Lied oder Stück, das die Welt mal verändert hat? Hat Biermanns „Lass dich nicht verhärten“ zum Zusammenbruch der DDR beigetragen? Hat Bob Dylans Version von „Blowing in the Wind“ den Vietnam-Krieg zu verkürzen geholfen? Haben Bachs Kantaten, Mozarts Opern oder Beethovens Symphonien die Menschen in einer Weise sensibilisiert, inspiriert, befriedet, dass die Gesellschaft davon besser wurde? Haben Hanns Eislers Protestlieder die Arbeiterbewegung gestärkt? Lässt sich das überhaupt irgendwie beurteilen? Haben die Zuschauer des Westernhagen-Konzerts, die aus vollen Kehlen „Freiheit“ sangen, auf dem Rückweg zum Parkplatz noch den Schimmer der Bedeutung des Freiheitsbegriffes?

Aber warum nicht mal bei mir anfangen: gibt es ein Lied, das mich verändert hat? Gibt es eine Akkordfolge oder musikalische Struktur, die mich zum umdenken gebracht hat? Gibt es eine Melodie, die mir die Augen geöffnet hat? Hat sich ein Text dadurch bei mir eingebrannt, dass er gesungen wurde? Hat ein Musikstück jemals eine neue Lebensphase eingeläutet? Die Musik, die die stärksten Erinnerungen hinterlassen hat, war Tröster, Aufputscher, Spiegel oder auch zufälliger Zeuge von emotionalen Ausnahmezuständen – aber nie Mitwirkende im harmlosen Drama meines Lebens. Die Musik, die mir ans Herz gewachsen ist in den Jahren, ist dies aus den verschiedensten meist unergründeten Gründen, aber zu einem anderen Menschen hat sie mich sicher nicht gemacht. Bin ich da eine Ausnahme?

Oder gehört Selbstüberschätzung nunmal zum Rüstzeug der Liedermacher, Grössenwahn zu jeder Rockband, träumerische Illusion zu jedem Poeten und die Legende, dass die Welt durch einfach und schöne Dinge verändert werden kann, zum Mythenschatz der Menschheit? Und zur Beruhigung kann man sich immer noch diese CD kaufen…

Wie sag ich’s meinem Kinde?

In An Mich on Juni 11, 2009 at 5:55
Foto: Photos8.com

Foto: Photos8.com

Ok. Schau deinem Kind in die Augen und sag ihm ins Gesicht, dass du nicht stolz auf es bist, nicht sein kannst, weil du Stolz negativ assoziierst, weil Stolz eine unangenehme Eigenschaft ist, die abgrenzt und überhöht, die dem Egoismus des Menschen huldigt und sogar zu den sogenannten sieben Todsünden gehört, und zudem noch vollkommen unsinnig ist, weil ja es, das Kind, selbst für seine Leistungen verantwortlich ist (wenn in dieser deterministischen Welt überhaupt jemand für irgendetwas verantwortlich ist) und du, das Elternteil, ja nur in geringem Masse, im Rahmen deiner beschränkten Möglichkeiten, als ein Faktor unter vielen zu seiner Entwicklung beigetragen hast. Oder sagst du dann doch lieber: „Ja, natürlich bin ich stolz auf dich!“?

Und wenn es dich fragt, warum der Grossvater tot ist, warum Menschen sterben können, und was mit ihnen passiert, wenn sie sterben, und ob du auch bald sterben könntest oder es selbst, und wie traurig es ist, dass der Grossvater jetzt in der Erde von den Würmern zerfressen wird, dann nimmst du deinen Mut zusammen und erinnerst dich daran, dass du der Wahrheit verpflichtet bist, und erzählst von der Evolution und von egoistischen Genen und dem Nichts, in dem alles verschwinden wird. Und du sagst NICHT im Brustton der Überzeugung (wo soll die auch herkommen?), dass wir uns alle im Himmel wiedersehen werden, dass Grossvater jetzt ein Engel ist, der seine schützende Hand über uns hält, und dass unsere Seelen weiterleben. Oder etwa doch?

Inspiriert durch das Gedicht „Wie sag ich’s meinem Kinde?“ der wunderbaren und doch leider immer mehr in Vergessenheit geratenden Mascha Kaléko.

Es war nicht pädagogisch,
Vom Fortbestand der Seelen,
Und viel zu theologisch,
Vom Himmel zu erzählen.

Doch mangels akkuraten
Berichts aus jenen Sphären,
Erschien es mir geraten,
Zu trösten statt zu lehren.



Unternehmerträume

In An Mich on Mai 19, 2009 at 12:11

[Foto: CmdrFire]

Ich fuhr zur Arbeit, komischerweise nachts, extrem schlechte Sicht, Nebel, ich wurde müde, schlief ein, sagte mir, ich dürfe nicht am Steuer einschlafen, aber ich war ja gar nicht am Steuer, ich sass jetzt auf dem Beifahrersitz, das Auto fuhr weiter durch den Nebel, niemand sass hinter dem Steuer, ich wurde wieder müde, ich hätte abbiegen müssen, stattdessen fuhr ich viel zu weit, wurde gefahren, landete in einer Villa auf dem Land, ein verlassenes Hotel.

Das habe ich diese Tage geträumt. Sieht so ein Gleichnis für den Weg in die Selbständigkeit aus? Haben andere angehende Unternehmer ähnliche Träume? Oder träumen die lieber davon, was sie mit der ganzen Kohle anfangen werden, die sie verdienen, wenn Google sie in 2 Jahren kauft?

Die Mutter aller Fragen

In An Mich on April 2, 2009 at 7:52

[Foto: loop_oh]

Kinder fragen gern Warum und auf die Antwort wieder Warum und dann noch mal Warum. Irgendwann durchbricht dann der Papa die Kette mit einem unwirschen Darum. Kommt das Darum eigentlich immer an derselben Stelle? Ist es immer die gleiche Frage, die ich mich zu beantworten verweigere? Führen die Beobachtung „Das Chamäleon kann sein Farbe verändern“, die Behauptung „In Süd-Frankreich fällt im Winter kein Schnee“ und die Ausrede „Papa kann jetzt nicht Fussball spielen, der muss ins Büro“ alle zu der gleichen ewig lebenden und sich jeder Antwort entziehenden Ur-Frage, der Mutter aller Fragen? Oder gibt es mehrere Ur-Fragen – wieviele substantiell verschiedene mögen es sein? Gab es vor 100 Jahren noch ein paar mehr davon – oder gar weniger?

Dabeisein ist alles

In An Mich on März 31, 2009 at 8:57

[Foto: pittigliani2005]

Ein Weltuntergang ist ein einzigartiges Ereignis. Zwar gehen täglich Millionen Welten unter, aber es gehen ja auch immer wieder Millionen Welten auf. Und es geht nicht die Welt aller gleichzeitig unter. Man sagt den Menschen immer mal wieder eine gewisse Lust am Untergang nach, gerade jetzt in der Finanzkrise scheint es in Mode gekommen zu sein, sich gegenseitig mit negativen Prognosen und Untergangsszenarien übertreffen zu wollen. Aber was sind diese kastrierten Phantasien von gescheiterten Wirtschaftsforschern und unbeirrten Apologeten des Niedergangs des Kapitalismus, was ist selbst der Untergang Roms gegen einen echten, endgültigen Weltuntergang, der alles, alles ohne Ausnahme, unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft vernichtet, jedes kleinste Indiz unserer Existenz auslöscht, vielleicht sogar die Zeit an sich verschluckt?

Und bei solch einzigartigen Ereignissen, nun ja, da sollte man doch eigentlich nicht fehlen. Selbst wenn man es in diesem Fall dann niemandem mehr erzählen kann. Wann sieht man schon mal die Erde auseinanderbrechen oder Wassermassen Millionenstädte verschlingen oder Feuerbälle in Sekundenschnelle den gesamten Regenwald in Asche legen, während einem der Geruch von Pech und Schwefel in der Nase liegt und ein paar Engel die Posaune anstimmen? Also: wer wäre gern dabei bei diesem einzigartigen Ereignis? Wer würde es vorziehen, wenn es noch in den nächsten 10-20 Jahren eintreffen würde – und wer hätte es lieber nach seinem Tod? Irgendwann geschieht es doch auf jeden Fall! Warum Millionen Jahre warten? Warum das Ganze nicht gleich hinter sich bringen und ein letztes Mal ein bisschen Spass dabei haben?

Verräterische Hemden

In An Mich on März 26, 2009 at 7:59

[Foto: josepina]

Mein Erdkunde-Lehrer Herr D., Junggeselle, trug Mitte der Achziger Jahre grelle Hemden mit weiten Kragen und Mustern wie man sie zu der Zeit nur noch auf alten Tapeten oder verblassten Pril-Aufklebern in der Küche fand. Auch wenig modebewusste Menschen konnten erkennen, dass Herr D. seine Hemden ganz offensichtlich in den Siebzigern gekauft und noch nicht gemerkt hatte, dass sich die Mode mittlerweile signifikant verändert hatte. Zehn Jahre genügten, um einen modischen Mitläufer in einen weltfremden Kauz zu verwandeln, der seinen Anspruch auf Autorität ein für alle mal verloren hatte ohne jemals zu begreifen warum. Weitere zehn Jahre hätten ihn vielleicht zu einem Vorkämpfer der Schwulen-Bewegung gemacht oder zu einem coolen Retro-Avantgardisten. Aber solange haben die Hemden nicht gehalten. Und auch Herr D. hat es nicht mehr lange an der Schule ausgehalten.

Ich habe vor kurzem ein Foto von mir betrachtet, auf dem ich das gleiche Hemd trage wie ich es auch beim Betrachten trug. Das Foto ist knapp zehn Jahre alt. Und da musste ich an meinen alten Lehrer, Herr D. denken, wie wir immer für Erdkunde nach unten in den ranzig-muffigen Keller in den Film-Raum gingen und im Dunkeln die Endmoränen vorüberdämmern sahen, die aber nie ein Ende nehmen wollten. Und ich fragte mich, ob man meinen Hemden ansieht, dass sie aus dem letzten Jahrhundert stammen, und ob diejenigen, die das erkennen, das gleiche über mich denken wie wir damals über Herrn D.

Ich habe das Hemd meinem Schwiegervater gegeben. Der zieht es jetzt zur Gartenarbeit an.


Randnotiz: die Mode der 70er scheint mich irgendwie zu beschäftigen: Zeitgeist.

Um wen trauern wir?

In An Mich on Februar 24, 2009 at 8:08

[Foto: withoutfield]

Um wen trauern wir wirklich? Um den geliebten Menschen, der uns verlassen hat? Oder um unsere eigene Welt, die wieder ein Stückchen abgebröckelt ist, und deren Vergänglichkeit uns wieder einmal deutlich gemacht wurde?

Pausenhofgespräche

In An Mich on Februar 17, 2009 at 9:41

[Foto: Stefan Weiss]

Wie zwei ältere Herren, nur ohne Stock und Hut, schritten wir gemeinsam durch den Schulhof. Während die anderen fangen spielten oder mit Murmeln oder auf dem Rücken eines Kameraden die anderen Reiter vom Pferd zu stossen versuchten, steckten wir unsere Köpfe zusammen und führten unsere Gespräche. Wir waren das Alter Ego des Anderen. Vier Jahre lang, in jeder Pause und auch noch ein Stück auf dem Nachhauseweg, bis man uns nach irgendwelchen sicher gut begründeten Kriterien in andere Klassen steckte und so den Zauber brach.

Über was unterhalten sich so kleine Burschen mit einer Ernsthaftigkeit und Intensivität, die an Philosophen erinnert oder Thomas-Mann-Romane? Kein einziges dieser Gespräche ist mir mehr in Erinnerung. Wie kommt das, liegt das nur an mir? Und: was war das, das uns gegenseitig so stark anzog, dass wir die Welt um uns herum vergassen? Wo ist dieses etwas hin, was hat es zerstört? Warum habe ich das damals nicht bemerkt und beklagt?

Geschmack

In An Mich on Februar 5, 2009 at 9:32

[Foto: insk0r]

Spinat, Sauerkraut, Kartoffelpürree, Linseneintopf – die Liste der Gerichte, die ich als Kind verabscheute, ist ziemlich lang. Heute ist diese Liste fast leer. Ich mag fast alles – und Linseneintopf gehört zu meinen Lieblingsgerichten. Ist das ein Indiz für die Verfeinerung meines Gaumens – oder vielmehr Folge eines unaufhörlichen Prozesses der Abstumpfung der Geschmacksnerven?

Das Leben ein Roman

In An Mich on Februar 3, 2009 at 9:29

Komponiere ich mein Leben dadurch, dass ich alle Zusammenhänge, die mir kunstvoll genug erscheinen, dankbar aufgreife und in mir leben lasse? Bin ich gierig auf der Suche nach Zufällen, die nicht als solche erscheinen, sondern mein Leben vermeintlich nach Gesetzen des Schicksals lenken? Sauge ich Situationen auf, die sich mir kompositorisch angeordnet darbieten, die sich eignen, Parallelen zu bilden, Zusammenhänge aufzuzeigen, Motive zu verknüpfen? Versuche ich nicht ständig, mein Leben in einen Film oder in einen Roman zu verwandeln, indem ich die Protagonisten, meine Mitmenschen, unter den Gesichtspunkten der ästhetischen und dramaturgischen Eignung für mein Stück betrachte? Ziehe ich vielleicht ständig falsche Schlüsse, überbiete mich in Fehlinterpretationen und Überbewertung? Strahle ich immer nur das an, was mir wichtig erscheint und lasse den Rest damit völlig in der Dunkelheit verschwinden? Verblasst dadurch die Wahrheit, verstelle ich mir selbst den Blick auf Dinge, die mir viel mehr verraten könnten, als die, die meinen sonderbaren artifiziellen Kriterien standgehalten und für würdig befunden wurden, in meinen Roman als tragendes Element aufgenommen zu werden? Oder ist nur das, was in meinen Roman hineinpasst, was mein Leithema unterstützt die Wahrheit, meine einzige Wahrheit?

[Foto: Logotip]

Das Tempo anziehen?

In An Mich on Januar 26, 2009 at 11:04

[Foto: eriwst]

Gesetzt ich hätte die Wahl und bräuchte täglich 4 Stunden weniger Schlaf, müsste die gewonnenen Stunden aber am Ende meines Lebens zurückzahlen. Also: jeden Tag 4 Stunden zusätzliche Zeit für Hobbies, eigene Projekte, für die Familie, für den nie begonnenen Roman, die Komposition des Avantgarde-Musical des 21. Jahrhunderts, für viele schwelende Träume und Ideen – und dafür 7-8 Jahre früher von der Erde verschwinden. Würde ich einschlagen? Ist das nicht verlockend, ein paar müde Jahre am Stock aufgeben gegen Jahre in der Blüte meiner Schaffenskraft? Wer möchte nicht „lieber verbrennen, als so’n leiser Furz zu sein“ (Westernhagen, Bar bezahlt)?

Für diesen Deal bräuchte ich nicht mal den Teufel, den könnte ich auch mit mir alleine abschliessen – viele Rock-Stars, Schauspieler, Unternehmer reissen sich einfach diese zusätzliche Zeit aus ihrem Körper, um an ihren Träumen zu schaffen, sie schlafen weniger, halten sich mit Drogen unter Strom, verzehren sich gesundheitlich und verbrennen dabei meist geräuschvoll. Und opfern weit mehr Jahre als in meiner kleinen Rechnung…

Aber ist es nicht auch reizvoll, ein bisschen danebenzustehen und zu schauen, abzuwarten, was das Leben neues bringt, was denn noch so kommt, sich ein bisschen umzuschauen, zu bummeln, seine Kräfte einzuteilen und einfach etwas länger zu bleiben?

Weisst du…?

In An Mich on Januar 15, 2009 at 12:43

[Foto: 30003019]

Eine Um-Frage voller Un-Fragen von Eurem Um-Fragezeichner:

[Idee]

Tour de Blog

In An Mich on Dezember 18, 2008 at 10:34

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Traum, in dem sich erstmals Erfahrungen aus meinem Blog mit denen meines „wirklichen“ Lebens vermischten. Das brachte mich auf den Gedanken, was passieren würde, wenn ich all meinen treuen Blog-Lesern, die in ganz Deutschland verstreut sind, wenn ich all diesen Menschen, die sich dafür zu interessieren scheinen, was ich so denke und schreibe, wenn ich all den Besitzern dieser Namen, die unter den witzigen, klugen und anregenden Kommentaren stehen, einfach mal einen Besuch abstatten würde. Eine Tour de Blog durch Deutschland (und natürlich auch Österreich): Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Münster, Hamburg, Hannover, Berlin, Leipzig, Nürnberg (fühlt sich jemand an- oder übergangen?).

Wie weit würde mein Bild von jedem einzelnen der Wirklichkeit nahekommen? Würde ich neue Freunde besuchen? Oder wäre ich enttäuscht? Würde ich überhaupt empfangen? Über was würden wir uns unterhalten? Wieviel verrät das, was wir in Blogs schreiben, wirklich über den Menschen? Mitunter mehr als eine Begegnung – oder weniger – oder anderes?

Wer, wie, was

In An Mich, An Niemanden on Dezember 9, 2008 at 9:37

[Foto: shinfean]

Irgendwann als kleines Kind habe ich gelernt, dass es wichtig ist, was man macht. Erst später habe ich gelernt, dass es mindestens genauso wichtig ist, wie man etwas macht. Und noch viel später erst – es war eine sehr überraschende Erkenntnis – habe ich gelernt, dass es auch wichtig ist, wann man etwas macht. Was mag ich wohl als nächstes lernen? Und ob wohl auch irgendwann das warum geklärt wird? Ist die Reihenfolge der Erkenntnis bei allen gleich, gibt es sozusagen ein Naturgesetz der unterschiedlichen Dichte und Gewichte von Fragewörtern?

Hm

In An Mich on Dezember 2, 2008 at 9:22

Mir ist bisher noch kein pessimistisches Kind begegnet. Es scheint keine oder sehr wenige zu geben. Scheint logisch, sie wissen ja auch einfach noch nicht genug, um pessimistisch sein zu können. Oder wissen sie etwa im Gegenteil (noch) viel mehr als wir?

Der Fulgurator

In An Mich on November 18, 2008 at 9:36

Der Fulgurator ist ein Gerät, das beliebige Motive auf Fotos projeziert, genau in dem Moment, in dem sie geschossen werden. Die Projektion wird mithilfe eines Sensors für Blitzlicht ausgelöst und ist für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar. Julius von Bismarck, der diesen Apparat erfunden und patentiert hat, benutzt ihn, um symbolische Botschaften zu projezieren, zum Beispiel Friedenstauben auf ein Porträt Mao-Ze-Tuns am Platz des himmlischen Friedens oder um auf das Schild „You are entering the American Sector“ den Zusatz „Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border“ zu „schreiben“.

Ein faszinierendes Teil. Was manipuliert der Fulgurator da eigentlich: die Fotos oder die Realität oder die Köpfe der Menschen, die ihre Fotos anschauen und beginnen nachzudenken? Und: macht das eigentlich einen Unterschied? Haben Fotografen das Recht auf ein unbeflecktes Foto? Wenn mir das passieren würde und ich fände auf meinen Urlaubsfotos versteckte Botschaften – was würde mir da durch den Kopf gehen?

Ist das letztlich nicht lediglich eine besondere Form der Werbung? Tatsächlich haben angeblich schon einige Marketing-Agenturen angefragt (die Bismarck mit den Worten „Ich mag Werbung nicht. Gute Werbung noch weniger als schlechte“ zurückwies).

Aber was, wenn nun Botschaften wie Hakenkreuze an jüdische Gedenkstätten projeziert werden? Ist das juristisch überhaupt zu fassen?

[durch Kulturzeit]

Mal kurz ausblenden bitte!

In An Mich on November 6, 2008 at 9:20
"...eine Wahrheit läßt sich immer nur aussprechen und in Worte
hüllen, wenn sie einseitig ist.  Einseitig ist alles, was mit Gedanken
gedacht und mit Worten gesagt werden kann, alles einseitig, alles halb,
alles entbehrt der Ganzheit, des Runden, der Einheit."

(aus Hermann Hesses Siddharta)

Wer kommt weiter, höher, tiefer?

In An Mich on November 4, 2008 at 9:52

[Foto: Joachim S. Müller]

Welche Strategie ist die erfolgreichere im Leben: die des Spezialisten oder die des Allrounders? Die Zehnkämpfer oder die Sprinter? Die Dirigenten oder die ersten Geiger? Die Interdisziplinär-Wissenschaftler oder die Nischen-Forscher?

Als vielseitig interessierter Typ liegt meine Sympathie bei den Allroundern. Und es gab mal eine Sendung mit Frank Elstner, in der Nobelpreisträger vorgestellt wurden, die eigentlich alle ein Klavier, eine grosse Bibliothek und eine Reihe ausgefallener Hobbies hatten. Das beruhigte mich. Es zeigt: man kann grosses schaffen, ohne zum Fachidiot zu verkümmern.

Aber seit ich ein kleines Büchlein von Seth Godin gelesen habe („The Dip„), nagt der Zweifel in mir. Wäre es nicht besser, sich auf eine Sache voll zu konzentrieren, sie für eine gewisse (längere, lange, sehr lange) Zeit mit aller Energie und ausschliesslich zu machen, anstatt von allem ein bisschen und zwischen den verschiedenen Interessen umherzuspringen. Grosse Erfolge sind meist Resultat von extremem Spezialistentum, sowohl in der Forschung, in der Wirtschaft, im Sport als auch in der Kunst. Es sind meist die von einer Sache besessenen, die wirklich weit kommen – aber natürlich auch einen Preis dafür bezahlen müssen, den Preis des Verzichts und des Risikos alles auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Es gibt wahrscheinlich auch genügend Nischen, damit jeder irgendwo der Beste sein kann. Und in einer Gesellschaft, wo der zweite Platz nicht viel zählt, sollte der Spezialist eigentlich erfolgreicher sein.

Aber mal weg vom Erfolg, es geht ja im Leben auch um Erkenntnis: lerne ich mehr, wenn ich sagen wir 3 verschiedene Dinge zu 80% mache als eine Sache zu 100%? Die letzen 20% sind die schwierigsten, die mühseligsten, da geht es am steilsten nach oben, weil die Motivation dahindampft und schon viele Kráfte verbraucht sind. Aber bringt diese Durststrecke mehr Erkenntnis, Erfahrung, Fähigkeiten, Einsichten als die Alternative, in der Zwischenzeit lieber zwei andere, frische Projekte zu beginnen. Oder reicht es vielleicht aus, zumindest ein einziges Mal im Leben, eine Sache zum Ende zu bringen?

Konsequenz oder Dummheit?

In An Mich on Oktober 30, 2008 at 9:40

In Südfrankreich ist es auch Ende Oktober noch sonnig und mild. Gestern überholte ich auf dem Weg zur Arbeit bei leichtem Regen ein Cabrio. Der Fahrer hatte das Dach offen und machte keine Anstalten, es zu schliessen. Dummheit? Er hatte übrigens auch die Scheibenwischer nicht an. Konsequenz?

Musik lernen

In An Mich on Oktober 28, 2008 at 9:50

[Foto: Honma]

Eltern wollen, dass ihre Kinder ein Instrument lernen. Aber Kinder wollen viel lieber am Computer spielen. „Das ist doch eine perfekte Konstellation für ein Startup“, meinte ein alter Bekannter. „Du baust einfach ein Computerspiel, mit dessen Hilfe man ein Instrument lernt. Da ist der Erfolg programmiert. Alle sind happy!“ (Musikehrer mal ausgenommen).

Komischerweise musste ich nicht lange nachdenken, um sicher zu sein, dass das nicht möglich ist. Man kann bestimmt Musiktheorie, Notenlesen, Quintenzirkel in Form einer interaktiven Software spielerisch unterstützen und Kindern auf witzigere Weise näherbringen als das oft sehr altbackene Lehrer tun. Warum also nicht auch ein Instrument? Erst mal, weil man ein Instrument dazu braucht. Und ein besseres User-Interface als eine Klarinette, eine Geige oder ein Klavier selbst gibt es nicht. Und weniger ist schlicht nicht genug.

Aber ich glaube, es gibt noch einen zweiten Grund, bei dem ich mir allerdings nicht ganz so sicher bin: ist es nicht eine Illusion zu glauben, man könnte alles spielerisch vermitteln, dass Spiele an sich immer das bessere pädagogische Konzept sind? Gehört nicht auch Arbeit, Überwindung und Selbstdisziplin dazu – sind diese nicht auch nötig, um auf das Erreichte stolz zu sein? Bringt das Lernen eines Musikinstruments nicht gerade deshalb so viel für die Charakterbildung eines Kindes, weil es ihm zeigt, dass es sich lohnt, schwieriges Phasen zu überstehen, weil man daraus gestärkt hervorgeht? Sendet man an Kinder nicht ein falsches Signal, dass das Leben nur ein Spiel ist?

Alle Steine bitte ins Wasser!

In An Mich on Oktober 16, 2008 at 8:54

[Foto: GunnarInInstanbul]

Mein Söhnchen wirft am Strand ununterbrochen Steine ins Meer. Aber er ist nicht der einzige: fast alle männlichen Zeitgenossen um mich herum, vor allem die kleinen, aber auch die grossen, lassen Steine hüpfen, plumpsen, fliegen (siehe Foto). Ich gebe zu, auch ich lasse mich manchmal dazu hinreissen.

Aber warum? Warum gehören alle Steine ins Wasser? Warum macht das so einen Spass? Und warum fast nur Jungs? Was hat uns die Evolution da wieder untergejubelt?

„Wenn ich nur ein einziges Mal…“

In An Mich on September 23, 2008 at 8:05

… fangen viele Wünsche und Träume an. Aber was ist denn einmal, ein Mal, überhaupt wert?

„Einmal ist keinmal“, sagt der Volksmund. Also am Ende vielleicht gar nichts? Ein Mal berühmt sein. Ein Mal am Erfolg schnuppern. Ein Mal nach Australien. Was bleibt von diesem einen Mal übrig? Ein Mal „Ich liebe dich“ sagen. Ein Mal einem Mitmenschen helfen. Einmal über sein Leben nachdenken. Einmal ist Zufall, eine Laune, eine Illusion. Nur was man immer wieder hat, tut, ist, hat eine Bedeutung, gehört zu mir, ist wirklich existent.

Ein Fotograf hat das wundervoll dargestellt (leider weiss ich den Namen nicht mehr): er hat eine Fotokamera mit einjähriger Belichtungszeit aufgestellt und den Alexanderplatz in Berlin fotografiert. Auf dem Foto sieht man natürlich die Gebäude, aber auch die täglichen Laufwege der Menschen. Man sieht das umso klarer und schärfer, was oft geschah. Das Einmalige hat keine Form, es verschwindet im Wiederkehrenden.

[Foto: jackdornothing]

Mal ganz offen?

In An Mich on September 5, 2008 at 10:54

Ob Google für seinen neuen Browser wohl Add-Ons akzeptieren wird, die Werbung blocken?

Das ganze noch mal ohne Emotionen, bitte!

In An Mich on August 28, 2008 at 8:57
immobilien für menschen mit emotionen
[Foto: me Maja]

Ein Aktionskünstler names Francis Aly hat in Mexico City in einem Waffenladen eine Feuerwaffe samt Munition gekauft, die Waffe geladen und entsichert, einen Reporter mit versteckter Kamera bestellt und ist dann mit der für jedermann sichtbaren Waffe in der Hand nervös durch die Stadt getigert, bis er nach etwa 12 Minuten vom mehreren Polizisten mit Pistole im Anschlag gestellt und verhaftet wurde.

Mit einer Genehmigung, einer nicht geladenen Waffe und dem gleichen Reporter ist er exakt den gleichen Weg noch einmal gegangen. DIe beiden Filme hat er nebeneinander geschnitten. Sie sind praktisch identisch. Und dennoch zeigen sie so unterschiedliche Vorgänge, die von so unterschiedlichen Emotionen begleitet waren.

Was genau ist also der Unterschied? Zeigen wirklich beide das gleiche? Kann der Zuschauer diesen Unterschied entdecken? Welcher der beiden FIlme ist wahrer als der andere? Machen die echten Emotionen den ersten Film wahrer?

Ist die Zukunft gleichmässig verteilt?

In An Mich on August 20, 2008 at 8:33

[Foto: Alexander Drachmann]

Gar nicht so einfach, nach drei Wochen Pause wieder zu bloggen. Ich muss mich erst mal wieder fragen, warum ich überhaupt damit angefangen habe. Und dann, ob ich diesem Warum irgendwie näher gekommen bin. Und schliesslich auch, ob es sich lohnt, weiter zu machen.

Wie war das also nochmal, warum blogge ich? Ach ja, ich wollte der Frage mehr Gewicht geben, dem Zweifel, der Ungewissheit in einer Gesellschaft, in der mit Meinungen scharfgeschossen wird, in der so viele in ihrer Selbstgefälligkeit das Banner ihrer Wahrheit in die Höhe halten und die Welt aus genau einer – ihrer – Perspektive kommentieren, als gäbe es keine zweite oder dritte oder hundertste. In der sich lauter Einäugige über vermeintlich Blinde lustig machen. Was ist denn so besonderes an einer eigenen Meinung? Hat denn nicht jeder eine? Ist es denn nicht viel schwieriger, mal keine Meinung zu haben? Eine Distanz zu meinen eigenen Vorurteilen zu finden und sie somit zu entlarven, ja, das war auch ein Motiv.

Und? Bin ich dem Ziel näher gekommen? Lohnt es sich wirklich, dafür Zeit, Mühe und Energie zu investieren? Lohnt es sich weiterzumachen? Diese Fragen verdränge ich jetzt einfach mal und versuche der Frage nach dem Sinn dieses Blogs mit einer Ausweich-Frage zu begegnen: Ist die Zukunft gleichmässig verteilt?

Spiegel

In An Mich on Juli 21, 2008 at 6:16

Was nützt es, Menschen den Spiegel vorzuhalten, wenn sie in diesem Spiegel doch nur das sehen, was sie sehen wollen?

Langsamkeit

In An Mich on Juli 3, 2008 at 8:19

Loriot hat sich letztens über den Verlust der Langsamkeit in der heutigen Fernsehwelt beklagt.

Die Menschen haben keine Zeit zu verlieren. Das war vor dreissig Jahren wahrscheinlich auch schon so. Aber heute haben sie die Mittel, sich nicht mehr die Zeit stehlen zu lassen: Sie haben nicht nur mehr alternative Kanäle, sondern auch eine Fernbedienung,  DVD-Spieler, das Internet oder intelligente Aufnahmegeräte.

Die Hemmschwelle, eine Sendung wegzudrücken oder abzuschalten, ist niedriger geworden. Die Zeit, die der Zuschauer einer Sendung gibt, um ihn zu interessieren, ist kürzer geworden. Muss darunter auch die Qualität leiden, weil komplexere und raffiniertere Geschichten eine längere Anlaufzeit brauchen, die ihnen nicht mehr zugestanden wird? Oder leidet gar die Vielfalt, weil sich Sendungen dem Zuschauerverhalten anpassen müssen?

Andererseits: ist es nicht auch eine Tugend, sich kurz zu halten? Steigt nicht auch der Druck, pointierter und schärfer zu werden, sinnvoller mit der wenigen Zeit umzugehen?

Würden man einem jungen Loriot heute noch einen Sendeplatz einräumen? Hätte er heute noch Erfolg mit seinen Sketchen? Ist diese Frage überhaupt sinnvoll – wie lässt sich Loriot aus seinem zeitlichen Kontext reissen?

Geschichten

In An Mich on Juni 26, 2008 at 10:18

Ganz Ohr

[Foto: Svenwerk]

Geschichten simulieren das Leben und helfen zu lernen, sich weiterzuentwickeln, neue Ideen zu verarbeiten, von Erfahrungen anderer zu profitieren. Sie sind die nächstbeste Sache neben dem Leben selbst und viel effektiver als jede Art von Instruktion oder Belehrung. Das steht in dem ungeheuer interessanten und durchaus inspirierendem Buch von den Heath-Brüdern namens „Made To Stick„.

Und warum gibt es Menschen, denen man nur ungern zuhört (will jetzt mal keine Namen nennen)? Weil man das Gefühl hat, nichts lernen zu können? Oder weil man einfach nur schlecht unterhalten wird?

Grösse der Welt und Grösse von Vorurteilen

In An Mich on Juni 24, 2008 at 7:42

Indem die Technik mehr und mehr die Natur sich unterwerfe, durch die Verbindungen, welche sie schaffe, den Ausbau der Straßennetze und Telegraphen, die klimatischen Unterschiede besiege, erweise sie sich als das verlässigste Mittel, die Völker einander näher zu bringen, ihre gegenseitige Bekanntschaft zu fördern, menschlichen Ausgleich zwischen ihnen anzubahnen, ihre Vorurteile zu zerstören und endlich ihre allgemeine Vereinigung herbeizuführen.“ (Thomas Mann, Der Zauberberg – wenn ich mich nicht irre).

Verkehrsinfrastruktur und Kommunikationstechnologien haben die Welt kleiner gemacht. Haben sie auch Vorurteile kleiner gemacht?

Berufswahl: „Do what you love!“?

In An Mich on Juni 12, 2008 at 7:33

Tun, was man liebt oder tun, was man kann? Steve Jobs plädiert in seiner fesselnden Rede vor Studenten für ersteres, ein Wissenschaftler auf Brandeins für letzteres. Im Idealfall fällt natürlich beides zusammen. Aber die Liebe ist ein flatterhaftes Wesen. Und was man kann, weiss man manchmal erst, wenn man es versucht hat.

Es gibt auch so pathologische Fälle wie mich, der damals glaubte, alles zu können, aber nichts zu mögen (ich hoffte damals ernsthaft, dass der Kelch des Arbeitslebens irgendwie an mir vorüberziehen würde).

Was würde ich heute jemandem raten, der mir die Frage stellt? Die Rede von Steve Jobs nahelegen? Vielleicht sollte ich ihm diese Frage stellen: womit könntest du dich den ganzen Tag beschäftigen, ohne dich zu langweilen? Oder noch besser: was würdest du den ganzen Tag tun, wenn du keinen Zwang hättest, Geld zu verdienen?

(Hätte mir damals übrigens auch nicht weitergeholfen: der optimale Tag bestand für mich in einem bisschen von allem ;) )

Free-Jazz, Videospiele und Blogs

In An Mich on Juni 5, 2008 at 7:31

WoW

[Foto: ghz]

In dem Manifest der Digitalen Bohème „Wir nennen es Arbeit“ stehen ein paar Seiten über die zunehmende Bedeutung von Videospielen in der Alltagskultur. Mittlerweile gäbe es in Deutschland mehr WoW-Spieler als Handballer.

Trotzdem schaue ich mir im Fernsehen lieber ein Handball-Spiel an als dass ich anderen beim WoW-Spielen zuschaue. Und ich nehme an, ich bin da keine Ausnahme. Videospiele sind nichts zum Angucken, sondern zum Mitmachen. Auch bei Brettspielen ist das meist so (Ausnahme: Schach, aber da scheinen auch alle Zuschauer Schachexperten zu sein und ständig mitzudenken). Bei Sport ist das anders, da kann beides Spass machen: spielen und zugucken.

Und jetzt zurück zur Frage in der Überschrift: gilt das nicht auch sinngemäss für Blogs (schreiben macht mehr Spass als lesen)? Und natürlich auch für Free-Jazz (Krach machen ist lustiger als ihn sich anzuhören)?

Nachleben

In An Mich on Mai 15, 2008 at 8:00

Plagiate

[Foto: Ela2007]

Ein Experiment: über einen gewissen Zeitraum- einen Tag, eine Woche, ein Jahr – sein Leben bis ins kleinste Detail dokumentieren: die aufgerufenen Web-Seiten, die gehörte Musik, die gelesenen Bücher, die Mahlzeiten und die Treffen mit anderen Menschen, selbst die Gedanken und Ideen. Und dann nach einiger Zeit – einem Jahr, fünf Jahren, zehn Jahren – diese Tage, Wochen oder Monate nachleben, wiederleben, im Detail dem Protokoll der Vergangenheit folgen, die gleichen News-Seiten lesen, die gleiche Musik auf sich wirken lassen, mit den gleichen Menschen sprechen wie damals.

Was wird dann passieren, was wird man erleben, welche Erkenntnisse gewinnen? Werden Erinnerungen hochgeschwemmt, die sich schon lange im Unterbewusstsein abgesetzt hatten und von anderen Erinnerungen überwuchert waren? Wird man sich an seiner eigenen Vergangenheit langweilen? Wird man den Plan, den die Vergangenheit diktiert, als Einschränkung seiner Freiheit der Gegenwart empfinden? Wird man spüren, wie man sich oder wie die Welt sich verändert hat? Wird man den Geist einer Lebensphase wieder lebendig machen können oder nur ein Gespenst der Vergangenheit zum Spuken bringen?

Nestor über Schüchternheit

In An Mich on April 30, 2008 at 8:42

Schüchtern

[Foto: _boris]

Mein Freund Nestor sagte: stehe zu deiner Schüchternheit. Wenn du deine Schüchternheit zu bekämpfen versuchst, beraubst du dich deiner Stärke. Schlimmer, du entfernst dich von dir selbst. Und du wirst nicht die Freunde und Frauen finden, die zu dir passen, die sich durch deine Schüchternheit angezogen fühlen.

Das ist zwölf Jahre her. Und ich weiss immer noch nicht, was ich davon halten soll.

Hirnige Vergleiche

In An Mich on April 22, 2008 at 7:52

http://www.flickr.com/photos/qny/179121065/

[Foto: qny 2.0]

Ich habe mir mein Gehirn früher immer als eine Art Eimer vorgestellt. Es hat nur eine begrenzte Aufnahmekapazität. Wenn man mehr WasserWissen reintut als reinpasst, dann läuft es über.

Oft wird es auch mit einem Computer verglichen, der rechnet, speichert, Informationen verarbeitet, verschiebt und ständig vor sich hinrattert.

Beliebt ist es auch, das Gehrin als einen Muskel zu sehen, den man trainieren kann, um ihn leistungsfähiger zu machen.

Mit etwas Phantasie kann man sich auch neue Modelle ausdenken: ein Regal mit Schubladen, ein verschneites Feld, in das die Erfahrungen ihre Wege trampeln, ein dezentrales Netz aus unabhängigen Lebewesen oder auch der Fahrer eines LKWs (genannt Körper).

Jedes der Modelle mag in bestimmten Kontexten sinnvoll sein. Aber: täuschen sie nicht alle über die Tatsache hinweg, dass wir weit davon entfernt sind, ein Modell zu finden, dass dem Gehirn gerecht wird?

Todsicher

In An Mich on April 17, 2008 at 7:45

Sensenmann

[Foto: helico]

Gibt es etwas, dessen ich mir wirklich sicher bin? Ohne jede Einschränkung, ohne jeden Zweifel, ohne zeitliche Begrenzung? Ist das dann auch begründet – oder nur eine Form von Glauben?

Der Tod!

Der Tod? Könnte es nicht sein, dass auch der Tod eines Tages überwunden wird? Könnte es nicht sein, dass gerade Du der allererste sein wird, den der Tod vergessen wird?

Scheidung nach der Flugzeugentführung

In An Mich on April 11, 2008 at 8:37

Sturm im Wasserglas?

[Foto: NiceBastard]

Im Flugzeug, das 1977 nach Mogadischu entführt wurde, sass ein Ehepaar nebeneinander, das schon 20 Jahre verheiratet war. Zu ihrem Entsetzen musste die Frau feststellen, dass ihr Gatte, als sie auf der Toilette war, das wenige Wasser, das ihr zugeteilt war, rücksichtslos weggetrunken hatte. Zurück in Deutschland reichte die Frau sofort die Scheidung ein.

Ich frage mich, wer über diesen Ausbruch von Charakterlosigkeit in dieser Ausnahmesituation überraschter war – sie oder er?

Rationale Entscheidungen

In An Mich on April 10, 2008 at 7:53

Du hast eine neue Arbeitsstelle, ziehst in einen neuen Ort und suchst eine Wohnung Dir bleibt nicht viel Zeit und hast die Wahl zwischen den folgenden drei, die alle genausoviel kosten:

  • Nummer 1: 75qm, aber etwa 25km vom Arbeitsplatz entfernt
  • Nummer 2: 42qm, etwa 11km vom Arbeitsplatz entfernt
  • Nummer 3: 32qm, etwa 16km vom Arbeitsplatz entfernt

Für welche Wohnung entscheidest du dich?

Warum die meisten Menschen Nummer 2 wählen, warum das irrational ist und was das mit Multi-Tasking zu tun hat, findet sich in diesem Newsweek-Artikel.

Wieviel Ich ist eigentlich nötig?

In An Mich on April 4, 2008 at 7:55

Ein Kern?

[Foto: Esprit_de_sel]

Wieviel Ich ist nötig um

  • ein Auto zu fahren?
  • einen Computer zu bedienen?
  • ein Telefongespräch zu führen?
  • einem Kind eine Geschichte zu erzählen?
  • ein Atomkraftwerk zu überwachen?
  • ein Buch zu lesen?
  • ein Buch zu schreiben?
  • zuzuhören?

Und wieviel Ich ist möglich? Und wieviel Ich ist schädlich?

Charakterübung – Neugier

In An Mich on März 27, 2008 at 8:48

Neugier

[Foto: thost]

Einen Film, vorzugsweise einen Krimi, bis etwa eine Viertelstunde vor Schluss anschauen, dann Abschalten, Vergessen, an anderes denken. Kann man so seine Neugier auf Unbedeutendes bekämpfen? Oder killt man dann auch nebenbei und unbeabsichtigt seine gesunde Neugier auf das Leben?


Siehe auch:

Sollte ich die Rechtschreibfehler in Kommentaren korrigieren?

In An Mich on März 20, 2008 at 8:34

Sollte ich die Rechtschreibfehler in Kommentaten meines Blogs korrigieren?

Sollte ich die Grammatikfehler in Kommentaten meines Blogs korrigieren?

Sollte ich die stilistischen Fehler in Kommentaren meines Blogs korrigieren?

Sollte ich die inhaltlichen Fehler in Kommentaren meines Blogs korrigieren?

Sollte ich die Kommentare nicht einfach selbst schreiben?

Eine Frage an Frauen

In An Manche, An Mich on März 12, 2008 at 8:33

Lächeln

[Foto: zen]

Warum lächeln mir so viele Frauen zu, wenn ich mit meinem kleinen Söhnchen Rollschuh laufe? Und nur dann!? Welche mir unbekannten Instinkte werden durch welche mir unbekannten Assoziationen erweckt? Kann man diese Instinkte auch auf weniger anstrengende Weise direkt ansprechen? Oder leide ich an verzerrter Wahrnehmung?

Musik verbindet?

In An Mich on März 11, 2008 at 8:33

Schubladendenken

[Foto: striatic]

„Musik verbindet“, sagte einer der Teilnehmer der Vorausscheidung zum European Song Contest letzte Woche, etwa eine halbe Stunde, bevor er ausschied. Diese Phrase wird immer wieder gerne gedroschen. Aber wen verbindet Musik denn? Verbindet sie länger als drei Minuten? Verbindet sie überhaupt?

Ist Musik nicht – im Gegenteil – ein wirksames Instrument der Abgrenzung oder sogar der Ausgrenzung gewesen – E-Musik gegen U-Musik, Rock gegen Schlager, Ska gegen Pop oder sogar Stifter tödlicher Feindschaften zwischen Hip-Hop-Clans?

Musik mag Gruppen formen und diesen Identitäten verleihen. Musik mag sogar in emotionalen Momenten eine Masse von Konzertbesuchern emotional gleichschalten. Aber kann Musik dauerhaftes Verständnis und Toleranz für Andersdenkene fördern, ein Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen über Rassen-, Klassen-, Religions, – was-weiss-ich-für-Schranken hinweg? Kann Musik das besser als andere Medien? Ist Musik mehr als ein Medium?

Charakterübung

In An Mich on März 10, 2008 at 8:51

Cool und ohne Rückgrat

[Foto: Doug Wildman]

Jeden Morgen warte ich brav etwa 10 Minuten in einer Schlange vor einer Ampel. Ich könnte es so machen wie ein paar andere, an der Schlange vorbeifahren und kurz vor der Ampel einscheren. Stattdessen warte ich, ärgere mich über die Vordrängler und bekämpfe sie prophylaktisch, indem ich mich an meinen Vordermann klebe und nicht die kleinste Lücke lasse. Eine emotional recht aufreibende Tätigkeit ohne wirklichen Nutzen (wenn man den potentiellen Gewinn maximal einer Ampelphase vernachlässigt).

Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Vordrängler bewusst hineinzulassen, ihnen freundlich zuzunicken und meinen Ärger mit aller Kraft in Toleranz zu verwandeln. Indem ich mir zum Beispiel vorstelle, dass der Vordrängler einen wirklich wichtigen Grund hat, es eilig zu haben. Schaffe ich das? Bringt mich das weiter? Ob sich die dadurch erworbenen Fähigkeiten auch in anderen – bedeutenderen – Kontexten anwenden lassen?

Tönendes Nichts

In An Mich on März 7, 2008 at 8:34

Warum ist es eigentlich so schwierig, mal fünf Minuten an gar nichts zu denken? Was sind für Gedanken, Bilder und Stimmen, die sich dann so penetrant in den Vordergrund drängeln? Die den Hausherren überrumpeln und ihn volllabern? Wer ist eigentlich der Hausherr – bin wirklich ich das?

Berührung mit dem Nichts

[Foto:  fscklog]

Buchtipp: Ian McEwan – Am Strand

In An Mich on März 4, 2008 at 8:30

Ian McEwan - Am Strand

Wer sich gerade die folgenden Fragen stellt, wird bei Ian McEwans „Am Strand“ zwar nicht unbedingt Antworten finden, aber bestimmt bereichert und angeregt zum Weiterdenken:

  • Wie liebten sich Jugendliche zu Zeit meiner Eltern?
  • Welche Vorteile bietet Sex vor der Ehe?
  • Was motivierte die 68er, die Gesellschaft zu verändern?
  • Kann einmaliges Schweigen nie wieder rückgängig gemacht werden?
  • Sind Komik und Tragik zwei untrennbare Schwestern?

Wie lange kann eigentlich die Überschrift eines Blogeintrags werden? Endet das wie bei Software üblich irgendwo bei 255 Wörtern oder bei 65535? Oder hat WordPress das mal willkürlich auf eine runde Zahl festgelegt? Oder auf ein Vielfaches seines ersten selbstverdienten Geldes? Oder gibt es gar überhaupt keine Grenze? Da unsere Welt endlich ist, wird es also auch eine Grenze geben. Aber ist diese Grenze eine menschlich sauber gezogene oder so etwas wie der Beginn eines Minenfelds, d.h. wenn die Grenze überschritten wird, knallt es irgendwo? Wo würde es dann knallen – in WordPress, im Browser, im Betriebssystem? Verprelle ich mit einem solchen Eintrag meine wenigen treuen Leser? Oder provoziere ich sie gar dazu, die Grenzen der Kommentarlänge auszutesten? Einige Fragen werden sich vielleicht beantworten, wenn ich jetzt einfach mal auf den Button „Veröffentlichen“ klicke? 10,9,8,7,6,5,4,3,2,1,?

In An Mich on Februar 21, 2008 at 11:33

Das Alter entscheidet?

In An Mich on Februar 11, 2008 at 9:39

Kann es sein, dass Entscheidungen mit dem Alter schwieriger werden? Woran könnte das liegen? Schleppt man mit zunehmendem Alter mehr Informationen mit sich herum, hat also mehr Parameter und Entscheidungskriterien, die man berücksichtigen muss? Oder wird man durch das Wissen um mehr Alternativen gelähmt? Oder hat man einfach mehr zu verlieren und will deshalb das Risiko einer Fehlentscheidung minimieren?

Ist nicht die Ignoranz die Mutter aller Abenteuer?

Einzigartig normal

In An Mich on Januar 31, 2008 at 9:31

Palm

[Foto: nat_olly]

Einzigartig: (Gute) Eltern halten ihre eigenen Kinder für etwas Besonderes. Sie sind stolz, wenn ihre Kinder irgendwo die besten sind. Sie freuen sich, wenn sie sich von der Masse abheben. Sie preisen ihre einzigartigen Talente, die sie von anderen Kindern unterscheidet.

Normal: Andererseits sind sie sehr besorgt, wenn ihre Kinder auffällig sind, anders als andere Kinder, wenn sie sich nicht gut einfügen können, zu schüchtern sind, zu aggressiv, zu laut. Sorgsam wachen sie über die Normalität.

Täusche ich mich oder habe ich da eine kleine Alltagsschizophrenie entdeckt?

Bücher und Lachen

In An Mich on Januar 17, 2008 at 10:06

…sind die häufigsten Suchbegriffe, die Leser auf das Frage-Blog führen. Eine Aufforderung, mehr über Bücher zu schreiben? Oder mehr über sich selbst zu lachen?

Anerkennung

In An Mich on Januar 15, 2008 at 11:17

Puzzle

[Foto: INTVGene]

Meine Frau beglückt mich quasi jede Woche mit einer neuen Geschichte über ein Kind, von dem sie geherzt, geküsst, gedrückt wurde. An Weihnachten bekommt sie Briefe mit Liebeserklärungen und Zeichnungen und selbstgebastelte Geschenke von ihren Schülern. Als Lehrerin (zumindest in der Grundschule) bekommt man regelmässig Anerkennung für die professionellen Mühen, die man auf sich nimmt. Das hilft, den Sinn der eigenen Tätigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber wer gibt uns Informatikern eigentlich die Anerkennung? Man programmiert etwas, das in ein Produkt eingeht, das dann von Menschen benutzt wird, die man nicht kennt, das vielleicht sogar dazu führt, dass Menschen ihre Arbeit verlieren, die man nicht kennt…

Wer also: das Programm selbst, das ich gecodet habe, nämlich dann wenn es funktioniert, wie es geplant ist – oder einfach elegant programmiert ist? Mein Chef, indem er mich für meinen Einsatz lobt? Der Kunde, indem er das Programm kauft und benutzt? Der Gehaltscheck am Ende des Monats? Alles sehr abstrakt. Reicht das auf Dauer wirklich aus? Muss ich diese Aufgabe, mir Anerkennung zukommen zu lassen, besser selbst übernehmen?

Alte Musik

In An Mich on Januar 11, 2008 at 9:58

Vor ein paar Jahren geriet ich versehentlich auf eine Party, auf der nur ältere Leute – also so rund um die 60 – waren. Die Stimmung war gut, die Leute tanzten, es gab Live-Musik – ausschliesslich Rock n’Roll der Anfangszeit, die typische Musik der 50er-Jahre, die Musik, die diese Leute sozialisiert hat. Ich bin nicht lange geblieben.Aber ich bin mit einer Vision nach Hause gegangen: meine Freunde und ich als Sechzigjährige, eine Party mit uns coolen Alten, die Stimmung ist gut, wir tanzen, es gibt Live-Musik – ausschliesslich Pop-Musik der 80er Jahre, die Musik, die uns sozialisiert hat.

Wir sind zwar noch keine 40, sind aber musikalisch und party-technisch in den 80ern stehengeblieben. Ist diese Vision also bereits Wirklichkeit geworden? Und warum gefällt sie mir nicht? War die Musik der 80er tatsächlich die beste?

Alte Leute, die noch mal jung sein wollen

[Photo: Zeitfixierer]

Bin ich Rassist?

In An Mich on Januar 10, 2008 at 9:30
Verdrahtet [Foto:Artwerk]

Ich habe gerade etwas schlimmes über mich herausgefunden. Ich bin Rassist. Oder wie dieser Implizite Assoziationstest hier es ausdrückt: ich bevorzuge Menschen mit weisser Hautfarbe gegenüber Menschen schwarzer Hautfarbe. Ich bin auf diesen Test in Malcolm Gladwells Buch „Blink“ gestossen und war auf das Ergebnis schon vorbereitet. Insofern sind die folgenden eher rhetorische Fragen:

Sagen diese Tests mehr über mich oder über die Gesellschaft, in der wir leben?

Oder einfach nur, dass wir viel weniger Herr über uns selbst sind als wir glauben?

Aber: kann man den Test bei entsprechender Vorbereitung überlisten? Kann man die im Hirn gespeicherten Assoziationen zumindest vorübergehend aufbrechen, indem man sich die einzigartigen Qualitäten dunkelhäutiger Idole wie Martin Luther King, Muhammed Ali oder Toni Morrison vor Augen hält? Oder den Vormittag mit seinem netten dunkelhäutigen Kollegen verbringt?

Kann man durch langfristige Arbeit an sich selbst sein Gehirn umpolen? Oder ist es dafür zu spät und ich muss damit leben, das mein Verstand und mein Unterbewusstsein in Widerspruch leben, dass ich also einen kleinen Feind meiner eigenen Überzeugungen tief im inneren herumtragen muss?

Gibt es moralische Autorenrechte?

In An Mich on Januar 9, 2008 at 8:53

Das Urheberrecht räumt Autoren sehr weitgehende und verbriefte Rechte an ihren Werken ein. Geld mag in dem seit vielen Jahren schwelenden und von seit zu Zeit eskalierenden Konflikt der Musikindustrie mit Internet-Musikhörern der massgebliche Grund für die aggressive Rechtedurchsetzung der Rechteinhaber sein, es könnte aber auch noch andere Gründe geben, die durchaus ehrenvoller sind.

Eine kleine Geschichte: ich wollte zum neuen Jahr den Abba-Song „Happy New Year“ aufnehmen, nur ich selbst am Klavier, das Video bei YouTube einstellen und den Link Freunden und Bekannten schicken. Ich schrieb eine Mail an die GEMA, um herauszufinden, ob ich das darf, beziehungsweise was ich unternehmen muss, um es dürfen. Die GEMA antwortete mir, ich müsse mich direkt an Universal Music in Berlin wenden und gab mir die Telefonnummer eines gewissen Herrn Häusler (nicht zu verwechseln mit dem hier). Ich rief also an und stellte die gleiche Frage. Die Antwort lautete: „Vergessen sie’s, die Rechte bekommen sie nicht.“ Der Herr war sehr freundlich, aber auch sehr bestimmt: „ABBA vergibt Cover- und Bearbeitungsrechte nur in Ausnahmefällen. Die letzte, die sie bekam, war Madonna, aber selbst das war nicht einfach.“ Und was, wenn ich es trotzdem tue? „Dann sind wir verpflichtet, gegen sie gerichtlich vorzugehen.“ Selbst wenn ich den Link nur Freunden schicke? „Wir empfehlen ihnen nachdrücklich, es nicht zu tun.“

Ich war erst mal sauer und fragte mich, was Madonna wohl haben könnte, was ich nicht habe. Was ist das für eine Auffassung von Musik, wenn man verhindern will, dass die eigenen Lieder auch nur gesungen werden? Wer verliert denn dabei?

In einer zweiten Reflektionsphase dachte ich mir: immerhin geht es hier nicht um Geld, sondern um mehr. Um eine Vorstellung der Komponisten, wie die eigene Musik klingen muss, wie das eigene Werk interpretiert werden muss, dass die eigenen Ideen nicht von anderen verraten oder lächerlich gemacht werden. Es geht um moralische Autorenrechte. Dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Diese Vorstellung hat mich ein wenig versöhnt.

Aus gutem Grund?


Siehe auch: Lawrence Lessig über CC

Analoge Freundschaften

In An Mich on Januar 8, 2008 at 8:52

Freundschaft

[Foto: dvux]

Lesen meine besten Freunde die gleichen Bücher wie ich?

Nein.

Hören meine besten Freunde die gleiche Musik wie ich?

Nein.

Haben meine besten Freunde die gleichen Hobbies wie ich?

Nein.

Haben meine besten Freunde den gleichen Beruf wie ich?

Nein.

Kann ich bitte erklären, was mich mit meinen besten Freunden verbindet?

Schwierig. In jedem Fall anders. Hat was mit Vertrauen, gleicher Wellenlänge, gemeinsamen Erlebnissen zu tun.

Habe ich vielleicht die falschen Freunde? Bin ich eine Ausnahme? Bin ich ein Überbleibsel des analogen Zeitalters? Oder wird digitale Vernetzung (ausserhalb des beruflichen Bereichs) einfach völlig überschätzt?

Neugier und Wissen

In An Mich on Januar 7, 2008 at 11:43

Stimmt das: je mehr man weiss, desto neugieriger wird man?

Die Kinder und das Böse

In An Mich on Januar 4, 2008 at 11:14

Mein Söhnchen war letztens das erste Mal in seinem Leben im Kino – Ratatouille. Die grosse Leinwand und der gewaltige Klangteppich beeindruckten ihn sehr. Er hatte grosse Angst vor dem bösen Skimmer.

Erstaunlich eigentlich, dass die Identifikation mit dem Guten und die Ablehnung des Bösen immer wieder so schnell gelingt. Woran liegt das? Was genau ist es, dass die Identifikation ausmacht? Woran erkennt ein Kind das Böse? Eigentlich können es ja nur oberflächliche Merkmale sein, also Vorurteile – und die können doch nur durch die Erziehung kommen, oder? Oder sind es gewisse Verhaltensmuster, die ein fünfjähriger bereits erkennt und ablehnt?

Und was, wenn mein Söhnchen mit Skimmer gezittert hätte – müsste ich mir dann grosse Sorgen um seine Entwicklung machen?

Vorsätze und Quartalsberichte

In An Mich on Januar 2, 2008 at 11:28

Mikroskopisch

[Foto: Pål Berge]

Ich frage mich, ob Vorsätze für das neue Jahr nicht genauso kontraproduktiv sind wie Quartalsberichte von grossen Unternehmen. Sie lenken den Blick auf Details und verstellen gleichzeitig den Blick auf das Wesentliche und Langfristige. Sie fördern Feinplanung statt Visionen. Lassen das Tagesgeschäft wichtiger werden als Ziele.

Sollte ich also statt irgendwelcher guter Vorsätze nicht besser das Ziel meines Lebens fixieren, mir täglich vor Augen halten und es gegen all meine kleinen und grösseren Entscheidungen abgleichen? Vorausgesetzt, ich kenne es…

Musik nah und fern

In An Mich on Dezember 28, 2007 at 3:24

Unzählbar

[Photo: _Lev_]

Immer wieder fasziniert mich die Fähigkeit meines Freundes Lars, stilsicher Nischenströmungen der House-Musik der späten 80er-Jahre zu erkennen und mir ihre Besonderheiten zu erklären. Für mich klingt alles gleich. Ich blicke von ganz weit oben, von ganz weit weg auf diese Musik. Lars lebte in ihr.

Ich frage mich, ob Musikhörer in 100 Jahren einen Unterschied zwischen der Pop-Musik der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts und der Pop-Musik dieses Jahrzehnts festzustellen in der Lage sind. Sind die Unterschiede wirklich signifikant? Oder sind wir einfach zu nah dran?

Wird man ein Lied wie „Hey Jude“ von den Beatles irgendwann mal als „irgendwann aus dem 20. Jahrhundert“ betiteln? Oder wird man es sogar längst vergessen haben?

Weihnachtslügen?

In An Mich on Dezember 25, 2007 at 1:08

[Foto: Herbstkind]

Ist die folgende Aussage eine Lüge?

Die Geschenke bringt das Christkind

Und diese hier (auf die Frage, warum das Playmobil-Haus im gleichen Geschenkpapier verpackt wurde, das in der Küche herumfliegt und auch schon für Omas Massagegerät benutzt wurde)?

Das Christkind war so überarbeitet, dass es mich gebeten hat, die Geschenke selbst einzupacken.

Warum mache ich es dann nicht?

In An Mich on Dezember 19, 2007 at 10:22

Jeden Morgen kalt duschen verhindert Erkältungskrankheiten.

Warum mache ich es dann nicht?

Jeden Tag 10 Minuten Meditieren fördert Konzentration und Ausgeglichenheit.

Warum mache ich es dann nicht?

Jeden Tag 15 Minuten Spanisch lernen und in einem Jahr kann ich in Madrider Cafés parlieren.

Warum mache ich es dann nicht?

Ich könnte die Liste noch endlos weiterführen. Aber ich habe eine noch erschreckendere Frage: ist die Antwort auf all die obigen Fragen vielleicht immer die gleiche?

Machen uns Werkzeuge dümmer oder stärker?

In An Mich on Dezember 16, 2007 at 8:15

Hammer

[Foto: Muslima2006]

So wie viele unserer Rücken heute auf den Bürostühlen verkümmern, weil ein Grossteil der Arbeit, die früher manuell heute von Maschinen erledigt wird, darf man sich fragen, ob die Maschinen – die Computer und das Internet – auch unsere Gehirne verkümmern lassen, indem sie uns einen Grossteil der Denkarbeit abnehmen. Wenn das stimmen würde, wäre es durchaus möglich, dass wir irgendwann einfach zu blöd sind, die komplexe Technik im Fall eines Fehlers noch zu beherrschen und als Folge unsere Zivilisation hilflos zusammenbrechen sehen.

Aber nehmen uns Computer wirklich Denkarbeit ab? Oder befreien sie uns nicht vielmehr von lästigen Tätigkeiten – wie Rechnungen zu addieren, Akten abzulegen, zu duplizieren, zu suchen, Informationen nachzuschlagen, langfristig nutzlose Dinge kurzfristig zu memorisieren – die viel unseres kreativen Potentials binden?

Oder ist mal wieder beides richtig?


Fragen zu ähnlichen Themen:

Die 80/20-Regel

In An Mich on Dezember 13, 2007 at 11:50

Ein universelles Phänomen: die 80/20-Regel (auch Pareto-Prinzip genannt)

  • 20% der Menschen besitzen 80% des Volksvermögens
  • 20% Aufwand bringen 80% Ergebnis
  • 20% aller möglichen Ursachen sind für 80% meiner Probleme verantwortlich
  • 20% aller Autofahrer verurachen 80% aller Unfälle
  • Ich trage zu 80% meiner Zeit 20% meiner Klamotten
  • 20% meiner CDs tragen zu 80% meiner Musik-Konsums bei
  • 20% der Blogs sind für 80% des Traffics verantwortlich

Was ich mich frage: ist das jetzt ein unumstössliches Naturgesetz oder kann man daran etwas ändern? Ist das Auftreten der 80/20-Regel eine Art Krankheitssymptom oder ein natürliches Gleichgewicht?

Sollte ich mich also z.B. zwingen, jeden Tag etwas anderes anzuziehen und somit eine lineare Verteilung zu erreichen?

Oder im Gegenteil die 80% meiner Klamotten zu identifizieren, die ich nur zu 20% trage, und sie einfach wegzuschmeissen? Wenn ich das tue, kann ich dann sicher sein, dass sich meine restlichen Klamotten nicht ebenfalls nach dem Pareto-Prinzip verteilen? Und dass ich, wenn ich konsequent weiter optimiere, am Ende mit genau einem Hemd und einer Hose ende?

Unterschiede oder Gemeinsamkeiten

In An Mich on Dezember 7, 2007 at 9:44

Wie ein Ei dem anderen

[Foto: adactio]

Ist es wichtiger zwischen zwei Sachverhalten den Unterschied aufzuzeigen oder die Gemeinsamkeiten?

Gibt es nicht einen gravierenden prinzipiellen Unterschied zwischen diesen beiden Ansätzen? Hängt das vom Charakter eines Menschen ab? Oder einfach nur vom Thema, der Situation, dem Datenmaterial?

Sind es die Wissenschaftler, die auf der Suche nach den Unterschieden sind, während die Politiker gerne Vergleiche in den Mund nehmen? Könnte es sein, dass Politiker dies tun, um die Wahrheit zu verwischen und in der Grauzone aus Wahrheit und Lüge grösseren Spielraum zu haben?

Ist das Hervorheben von Gemeinsamkeiten nicht eine Form der Vereinfachung, der Relativierung, ja vielleicht sogar der Manipulation – und produziert Sätze wie „Bücher lesen ist in gewisser Weise auch nichts anderes als Fernsehgucken!“ oder „Pop-Musik hören ist so schädlich wie Zigarettenrauchen und gehört deshalb verboten!“ oder auch (vom mir geschätzten Spiegelfechter) „Putin ist nicht weniger Demokrat als Adenauer es war„?

Sind nicht die Unterschiede genau deshalb so entscheidend, weil die Gemeinsamkeiten meist überwiegen (99% des menschlichen Erbguts gleicht Schimpansen)? Kann man überhaupt Erkenntnis gewinnen, wenn man die Unterschiede ignoriert?

Erinnern

In An Mich on Dezember 6, 2007 at 9:29

Erinnern

[Foto: 3www]

Welchen Sinn hat erinnern?

Hängt der Sinn davon ab, an was man sich erinnert?

Ist das Betrachten einer Folge Derrick, das Hören der Hitparade von 1987 oder das Betrachten von Fotos aus der Studienzeit in irgendeinerweise hilfreich?

Wieviel Zeit sollte man gedanklich idealerweise in der Vergangenheit verbringen, wieviel in der Gegenwart und wieviel in der Zukunft?

Steigt dieser Anteil mit dem Alter?

Von den Dingen besessen werden

In An Mich on Dezember 4, 2007 at 7:22

x = 7?

[Foto: ChrisP]

Ich erinnere mich vage an ein altes, wahrscheinlich chinesisches Sprichwort: Wer mehr als X Dinge besitzt, wird von den Dingen besessen. Alten Mythen folgend galt bestimmt: X=7.

Ist X heute immer noch 7? War X überhaupt jemals 7? Allein Jacke, Hemd, Hose, Strümpfe und Schuhe sind ja schon 5 nur zum Anziehen (und da ist noch nicht mal eine Unterhose dabei oder Socken zum wechseln). Mit Bett, Decke, Kissen, Tisch, Stuhl, Schrank, Herd, Topf wären wir schon bei 13. Sind Löffel, Gabel, Messer schon Luxus? Kühlschrank, Geschirrspüler, Waschmaschine?

Wieviele Dinge besitze ich? 500? Wieviele davon benutze ich nicht? 300?

Sollte man das Sprichwort nicht besser umschreiben und Geld statt Dinge sagen?


Fragen zum gleichen Thema:

In Synch?

In An Mich on November 25, 2007 at 8:15

Gleichschritt

[Foto: ChicagoEye]

Bis in die 90er-Jahre hinein empfingen 80% der Bevölkerung nur drei Fernsehprogramme. Eine Sendung wie Wetten-Dass zog bis zu 25 Millionen Fernsehzuschauer an und sorgte für Gesprächsstoff am Montag morgen. Die abendliche Tagesschau war Stichwortgeber für Millionen von simultanen politischen Diskussionen. Aktenzeichen XY liess Freitag nachts eine Generation von Kindern nicht einschlafen und verdächtige Geräusche im Keller hören.

Die Aufmerksamkeit der Menschen ist heute verteilt. Auf mehr Fernsehkanäle, aber auch auf mehr Medien – insbesondere das Internet oder Computer-Spiele haben sich ein grosses Stück vom Aufmerksamkeitskuchen abgeschnitten.

Sind unsere Empfindungen, Gedanken und Handlungen heute also weniger synchronisiert sind als noch vor 10-15 Jahren? Sind wir stärker voneinander entkoppelt? Wird unsere Gesellschaft dadurch vielfältiger und interessanter? Oder ist diese Vielfalt eine Illusion, weil die im Grunde gleichen Botschaften nur über andere Kanäle zu uns dringen?

Oder überschätze ich den Einfluss des Fernsehens und es sind ganz andere Dinge, die uns synchronisieren – z.B. Weihnachten oder die Jahreszeiten?

[Inspiration Viralmythen]

Mehr Fehler = mehr Erfolg

In An Mich on November 21, 2007 at 7:42

Ein Versuch, die folgende These zu beweisen: mehr Fehler machen ist ein Weg zum Erfolg.

These 1: Erfolgreich kann man nur werden, wenn man Dinge unternimmt. Je mehr Dinge man unternimmt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass man erfolgreich ist. Und desto grösser auch die Wahrscheinlichkeit, dass man Fehler macht. Logischer Schluss: je mehr Erfolg man hat, desto mehr Fehler macht man auf dem Weg dorthin.

These 2: Je ungewöhnlicher die Idee, die man umsetzt, je origineller man ist, je mehr man gegen den Strich bürstet, desto erfolgreicher ist man. Die grössten Meilensteine der Menschheit in Kunst, Wissenschaft und Unternehmertum sind geprägt von Einzigartigkeit – und wurden anfänglich als Irrtümer und Fehler belächelt.

Schluss: wenn also Fehler nur ein anderes Wort für Originalität und Widerspenstigkeit ist, dann sollte man bewusst Fehler machen, um erfolgreich zu sein. Mehr Fehler machen ist ein Weg zum Erfolg. Q.E.D.

Wo liegt der Fehler?

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

In An Mich on November 20, 2007 at 7:37

Jeder darf an der Geschichte mitschreiben. Aber nur ein Wort. Kann daraus Literatur werden? Warum nicht?

Siehe http://wordage.org.

Zeitgemässe Bitte?

In An Mich on November 19, 2007 at 7:58

Dark

[Foto: jrblackwell]

Ist die folgende Bitte noch zeitgemäss: Ich kann es dir jetzt nicht erklären, du musst mir vertrauen!

Macht es einen Unterschied, wenn man sie

  • Kindern
  • Freunden
  • Arbeitskollegen
  • Arbeitnehmern
  • Mitbewohnern
  • Passanten

anträgt?

Oder in welchem Kontext sie geäussert wird?

Wie kann man eine solche Bitte am geschicktesten und überzeugendsten abwehren?

Wissen bergen

In An Mich on November 15, 2007 at 11:14

Safe

Wo befindet sich das meiste Wissen? In Büchern und auf Web-Seiten? Oder in den Köpfen der Menschen? Oder in den Tiefen der Datenbanken von privaten Organisationen? Oder wo sonst noch?

Wie bekomme ich es von dort am besten in meinen Kopf?

Hm,

  • wenn es vor allem in Büchern und auf Web-Seiten ist, dann muss ich danach suchen, richtig?
  • wenn es vor allem in den Köpfen ist, dann muss ich danach fragen, richtig?
  • wenn es in privatem Besitz ist, dann muss ich es kaufen, richtig?

Welches der folgenden Unternehmen ist demnach am besten für die Bergung des Wissens gerüstet: Google (suchen) oder Facebook (fragen)? Und wie kommt man an das restliche Wissen heran?

Nicht nur der Schein, auch der Klang kann trügen…

In An Mich on November 12, 2007 at 8:41

Eine Tonfolge, die mit jedem Hören weiter oben beginnt? Erklärungen? Was soll man von einem Gehirn halten, dass sich so leicht veräppeln lässt?

[Via]

Identitätsspuren

In An Mich on November 1, 2007 at 7:56
Fingerabdruck
[Foto: Debagel]

Identitätsspuren finden sich in der DNA eines Menschen und damit in seinen Haaren, in seinem Blut und in seiner Spucke. Identitätsspuren finden sich in der Stimme, in der Handschrift und im Klang eines Klavierstücks. Identitätsspuren finden sich auf Fotos, in Handlungsmustern und in Formulierungen.

Identitätsspuren erlauben es, mit recht grosser Wahrscheinlichkeit die Identität einer Person zu bestimmen. So kann man anhand der Handschrift herausfinden, ob zwei Briefe von der gleichen Person geschrieben wurden, ob eine Klavieraufnahme von einem bestimmten Pianisten stammt oder auch, ob ein Verbrechen in das Muster eines Serientäters passt.

Hinterlassen wir auch Identitätsspuren bei unseren Bewegungen im Internet? Damit meine ich nicht, dass die IP-Adresse auf eine Telekom-Kundennummer abgebildet oder ein Username einem Account zugeordnet werden kann, sondern vielmehr: versteckt sich hinter jedem Kommentar, den wir in einem Blog oder einem Forum hinterlassen, ein Stück von uns selbst, das dazu benutzt werden kann, unsere Identität zusammenzupuzzeln?

Entsorgungspläne

In An Mich on Oktober 30, 2007 at 8:33

Empty Room

Und wenn ich jetzt einfach jeden Abend irgendetwas wegschmeisse, was ich nicht brauche?

Wie lange dauert es wohl, bis es schmerzhaft wird?

Siehe auch: Vermüllungssyndrom

Mit links

In An Mich on Oktober 23, 2007 at 6:50

Hands on

[Foto: wiccked]

Für alle, die nach stundenlangem Betrachten der Tänzerin immer noch an zwei Gehirnhälften glauben: Wer die Maus am Computer fortan mit seiner anderen Hand bedient, tut seinem Gehirn etwas Gutes und fördert die Vernetzung von linker und rechter Gehirnhälfte.

Wie lange dauert es, bis der Intelligenz-Zuwachs den Produktivitätsverlust wettgemacht hat?

Ganz meiner Meinung

In An Mich on Oktober 17, 2007 at 8:52
Gefängniszelle
[Foto: Still Burning]

Warum fühle ich mich beim Lesen der allermeisten Büchern in meiner Meinung bestätigt?

Kann es sein, dass Amazons Empfehlungssystem zu gut funktioniert?

Was sollte ich tun, um mal wieder eine andere Meinung zu hören?

Oder interpretiere ich einfach alles so, dass es mir in den Kram passt?

Auf den Kopf gestellt

In An Mich on Oktober 15, 2007 at 8:24
Fragebogen 
[Foto: jetalone]

Was käme dabei heraus, wenn man die Fragen aus dem FAZ-Fragebogen (den Proust 2x beantwortet haben soll) einfach mal auf den Kopf stellt?
- Wo möchten Sie nicht leben ?

- Welche Fehler entschuldigen Sie auf keinen Fall?

- Ihre unangenehmsten Romanhelden?

- Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am wenigsten?

- Wer oder was hätten Sie nicht sein mögen ?

Sind die Antworten dann genauso aussagekräftig wie die ursprünglichen? Erfährt man über einen Menschen mehr, wenn man ihn nach seinen Vorlieben fragt, als nach dem, was er ablehnt?

Qual der Wahl – digital

In An Mich on Oktober 12, 2007 at 8:59
Choice
[Foto: Sifter]

Ich habe etwa 75 RSS-Feeds abonniert (Kinderteller, Robert Scoble hat über 800!) und bin täglich mit schätzungsweise etwa 300 Posts konfrontiert, die ich mit Google Reader zweimal am Tag durchblättere. Dabei werfe ich einen schnellen Blick auf die Überschrift und ein mögliches Bild und öffne diejenigen in einem neuen Browser-Tab, die ich wirklich lesen möchte (dann bleiben vielleicht 20-30 übrig).

Welche Veränderungen bewirkt diese Tätigkeit in meinem Gehirn? Lerne ich dadurch Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen? Kann ich mehr Informationen aufnehmen als nicht-trainierte Menschen? Gilt dies auch ausserhalb des Internet-Kontexts (z.B. bei der Beurteilung von Menschen oder Situationen)?

Oder gibt es auch negative Effekte? Welcher Art könnten die sein? Könnte ich mich dabei zu einem Menschen entwicklen, der Information überbewertet? Der schwieriger Entscheidungen treffen kann? Der verlernt, sich einer Sache intensiv und mit Hingabe zu widmen?

Siehe auch [Nerdcore]

Sollte ich mir ein chinesisches Auto kaufen?

In An Mich on Oktober 10, 2007 at 8:25

Argumentationshilfe gefällig?

[via]

Die Suche nach Maddy

In An Mich on Oktober 9, 2007 at 8:24

Kann es sein, dass es uns allen lieber wäre, die kleine Maddy wäre von ihren Eltern getötet worden als von unbekannten Entführern? Würde dies den Schrecken mindern? Oder die Tragik der Eltern? Linderte das die generelle Angst von Eltern, dass ihrem Kind etwas passieren könnte? Ist es erträglicher, die Eltern des Mädchens schuldig zu sehen als einen raffiniert agierenden Kinderschänder? Ist eine schockierende Wahrheit leichter zu verdauen als ein ungeklärter Kriminalfall?

Meine Musiksammlung

In An Mich on Oktober 5, 2007 at 10:19

Plattensammlung

Wie kommt es, dass 90% der Songs auf meinem iPod mich nicht interessieren? Galt das auch schon früher für meine CD-Sammlung? Oder ganz ganzfrüher für meine Plattensammlung? Hat sich einfach mehr Schrott bei mir eingenistet oder ist man ab einem gewissen Alter einfach übersättigt, weil man alles schon mal irgendwie gehört hat?

Oder ist es die Möglichkeit, prinzipiell alles haben und hören zu können, dieser Mangel an Schranken, der mich langweilt? Sollte ich also verknappen, um wieder geniessen zu können, wegschmeissen, um mich aus dem Überdruss zu befreien?

Ist es sowieso nicht viel natürlicher – statt sich sein Leben lang eine ständig wachsende Musiksammlung gleichmässig einzuflössen -, ein Lied oder ein Album drei Wochen lang täglich bis zur Verblödung zu hören und dann nie wieder (mein Söhnchen macht das so, ich früher auch)? Ist es nicht diese Verknüpfung zwischen Musik und zeitlich einordenbarer Ereignisse, die unverwechselbare Erinnerungen produzieren und das Leben ein wenig markiert und vertieft?

Zeitgeist

In An Mich on September 27, 2007 at 8:28
70er
[Foto: GeeSpot1]

Wenn in den Siebziger Jahren jemand in einer Talk-Show gerufen hätte: „Merkt ihr denn nicht, wie Scheisse ihr aussieht? Ihr habt alle die gleiche beschissene Frisur, die gleichen abartigen Ringelstrümpfe und die gleichen geschmacklosen Hemden! Kommt zur Vernunft! Wacht auf! Ihr werdet in 10 Jahren die Fotos verfluchen, die euch abbilden!“ – ich vermute, er wäre kopfschüttelnd abgeführt worden. Aber wohl auch 10 Jahre später zum Visionär erklärt worden.

Wie war eine solche Gleichschaltung möglich? Wie konnte sich der Zeitgeist so verschandeln lassen? Wie liessen sich Millionen Menschen kollektiv in den Geschmacksbankrott führen?

Und: es ist doch irgendwie anders heute, oder? Oder???

Gute Ratschläge

In An Mich on September 20, 2007 at 7:17

Viele Menschen geben gerne gute Ratschläge. Zum Beispiel wie man Blogs schreibt.

Aber lernt man nicht das am besten, was man am eigenen Leib erfahren hat? Lassen sich die Erfahrungen anderer wirklich auf den eigenen Kontext übertragen? Wie soll ich das herausfinden? Und ist es nicht ärgerlicher, die Fehler anderer nachzumachen als die eigenen Fehler?

Und wer war das nochmal, der gesagt hat, dass Geschenke und Ratschläge vor allem dem Vergnügen bereiten, der sie gibt?

Werbefrei

In An Mich on September 7, 2007 at 6:40

TITLE

Es gibt einen Firefox-Plugin, der es erlaubt, eingeblendete Werbung auf Web-Seiten zu unterdrücken. Er wird wohl kaum benutzt, oder zumindest nur von paranoiden Geeks, jedenfalls nicht von der breiten Masse. Nehmen wir mal an, alle würden ihn benutzen, z.B. aufgrund chronischer Werbe-Allergie.

Würde das Internet sich in ein Netz bezahlter Dienste verwandeln? Oder erheblich an Dynamik verlieren?
Was würden Web-Startups in ihre Business-Pläne schreiben?

Würde die Innovationsfreude erlöschen oder – im Gegenteil – neue, stabilere, pfiffigere Geschäftsmodelle entwickelt werden, die Innovation neu befeuern?

Was würde aus Google, die 99% ihres Geschäfts mit Werbung verdienen?

Was wird aus journalistischen Angeboten und aus Blogs? Würde Werbung unausrottbar in die Texte hineinwachsen? Oder wären solche Angebote gar nicht mehr interessant für Werbung?

Würde die Werbe-Industrie neue Arten von Werbung erfinden?

Wie würde ein Unternehmen seine Produkte über das Internet bekanntmachen, wenn es keine Werbefläche mehr gibt? Gar nicht? Über Schleichwerbung? Über virales Marketing?

Hätten wir dann am Ende mehr Qualität und mehr Vielfalt oder weniger?