Vor ein paar Wochen hatte ich den Vorschlag gemacht und paleica hat ja freundlicherweise schon die Werbetrommel gerührt, nun wird es bald ernst: das Foto-Projekt „Augen in der Gross-Stadt“.
Idee: die Idee ist, das Gedicht „Augen in der Gross-Stadt„ von Kurt Tucholsky zu visualisieren. Jeder Teilnehmer möge sich vom Gedicht inspirieren lassen und ein Foto, ein Bild oder eine Collage beisteuern. Die Beiträge werden dann zu einem Video zusammengeschnitten und mit meiner Vertonung des Gedichts unterlegt.
Regeln:
Teilnahmezeitraum: 11.11.09 bis 12.12.09. Ich hoffe, das Video spätestens zu Weihnachten fertig zu haben
Wer mitmachen will, kann sein Bild entweder auf seinem Blog (oder Flickr oder Community-Stream) veröffentlichen und von dort diesen Beitrag hier verlinken, mir das Bild oder den Link direkt per Mail schicken (frageblog[at]gmail[dot]com) oder einfach einen Kommentar mit Link hinterlassen
Das Bild sollte das Format: 500×333 haben
Ich werde die Bilder auch als Thumbnails in diesen Beitrag hier einbinden, damit jeder eine Idee vom Fortgang des Projekts hat
Ich habe nichts gegen Mehrfach-Einsendungen. Wenn unerwarteterweise zu viele Bilder eingesendet werden, mache ich halt einen zweiten Film
Die Bilder werden von mir natürlich nur für dieses eine Projekt benutzt
Da mehrmals danach gefragt wurde, habe ich ein kleines Logo gebastelt, um dem Projekt ein Gesicht zu geben, es ist ganz oben in diesem Beitrag
Und nein: man muss nicht in einer Gross-Stadt leben, um mitzumachen. Aber man braucht wahrscheinlich ein Paar Augen
Wenn es noch Fragen oder Verbesserungsvorschläge gibt, nur her damit!
…fragte ich auf Twitter und war mitten in einer Diskussion mit Hannelore, die wir dann über E-Mail weiterführten. Hier ist der Wortlaut. Weitere Stimmen erwünscht!
FZ: Ist es für ältere Menschen einfacher, in einer technologisierten Welt zu leben, oder werden sie vielmehr ausgegrenzt? http://bit.ly/4daGih
HV: ältere Menschen grenzen sich wenn, dann selber aus #technologie an sich grenzt ja keinen aus
FZ: @hvonier wenn die neue Technik schwer zu verstehen oder zu lernen ist, dann besteht die Gefahr einer Ausgrenzung (nicht nur Älterer)
HV: Ist Technik schwerer zu verstehen/zu erlernen als irgendetwas anderes, das man lernen will?
FZ: Ja, ab einem gewissen Grad. Banküberweisung übers Internet – sollte das auch ein 80jähriger noch lernen müssen?
HV: Was unterscheidet den Schwierigkeitsgrad einer Online-Überweisung von Email oder Online-Shopping?
FZ: Man kann ohne Email leben. Aber man muss einkaufen und über sein Geld verfügen können. Wenn man *nur noch* über das Internet einkaufen könnte oder sein Bankkonto verfügen könnte, besteht die Gefahr der Ausgrenzung einer Generation bzw des Aufzwingens von Technik.
HV: In meiner Community haben alle Älteren Email, um Kontakt mit ihren Kindern, Enkeln oder Schulfreunden zu halten. Sie nutzen auch online-Services, um Fotos und Videos auszutauschen. Facebook ist für Senioren ideal, um nicht isoliert zu sein. Ist diese Technik nicht gerade für alte Menschen bereichernd und erleichternd? (Ich war übrigens seit 15 Jahren in keiner Bankfiliale mehr.)
FZ: Ohne Zögern: ja. Sie kann gerade alte Menschen aus der Isolation herausholen. Aber: nicht jeder ist in der Lage, dem Fortschritt zu folgen, der sich im letzten Jahrzehnt immer weiter beschleunigt hat. Muss man von den älteren Menschen erwarten, dass sie sich dem Fortschritt anpassen? Oder sollte man ihnen (zumindest für eine Übergangszeit) die Wahl lassen? Ich meine, man sollte (und das hiesse dann zum Beispiel auch, einen Briefkasten in jedem Ort).
HV: Erstmal: wen meinst du hier mit „man“? Wenn niemand mehr Papier verwendet, um Infos zu verbreiten, dann ist die Post überflüssig, genauso wie einst die Poststationen zum Pferdewechseln. Es gibt Menschen, die meinen mit 25 Jahren „ausgelernt“ zu haben und glauben, das Leben wäre statisch. Andere lernen, was gerade Neues in der Gegenwart geschieht. Sie sind up-to-date, egal wie alt sie sind.
FZ: Es gibt nunmal viele Menschen, die können oder wollen (beides bedingt einander) ihr Leben ab einem gewissen Punkt nicht mehr ändern oder sich mit Dingen auseinandersetzen, die nicht in ihr Weltbild passen. Nach meiner Erfahrung sind das sogar die allermeisten. Irgendwann werden die Briefkästen verschwinden. Aber ich finde, wir sollten sie nicht abbauen, bevor nicht die letzte Oma verschwunden ist, die ihren Nichten Weihnachtskarten schickt
FZ: Es gibt aber noch einen anderen Aspekt des Themas, der in dem Artikel oben anklingt: die Erfahrungen, die Menschen in ihrem Berufsleben machen, werden schon nach wenigen Jahren nutzlos, weil immer neue Technologien die alten ablösen.
HV: Es findet momentan nicht nur ein technologischer, sondern auch ein großartiger sozialer Wandel statt. Die Menschen erschaffen sich neue Technologien, weil sie genug haben von Gewalt und Krieg. Sie wollen Harmonie, sich mit anderen wohl fühlen anstatt im Dauerwettstreit zu liegen. Der Druck, der Fremdbestimmtheit zu entkommen, und Selbstbestimmung zu erlangen ist enorm. Das Internet zeigt, wie nie etwas anderes zuvor: Es geht, soziales Handeln lässt sich in Realität umsetzen und niemand kann das stoppen. Auf den Beruf bezogen, oder besser Berufung, bedeutet das: Ich definiere meine Job-Description selbst. Leute im Ruhestand müssen das – und vieles andere – gar nicht mehr lernen. Aber beim nochmaligen Durchlesen des Artikels kommt mir der Gedanke: Können nicht gerade ältere Menschen den Facettenreichtum des Web ausgiebiger nutzen, weil sie über Erfahrungen verfügen, die ihnen im virtuellen Raum des Net eine große Flexibilität erlaubt?
Die Diskussion begann – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir. Und sie endet – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir auch. Aber sie ist natürlich auch noch nicht zu Ende – und auch das gefällt mir.
Wenn es unendlich viele Wege durch das Leben gibt, man aber nur einen einzigen nehmen kann, muss man dann nicht zwangsläufig das Gefühl haben, unendlich viel zu verpassen?
Kurt Tucholsky: Augen in der Gross-Stadt (1932/1994)
(Text: K.Tucholsky, Musik: M.Jung)
(Das Lied steht unter Creativ-Commons-Lizenz. Bearbeitung und Verbreitung
ausdrücklich erwünscht! Mehr Tucholsky-Vertonungen hier.)
Beim Suchen eines passenden Foto-Motivs auf flickr musste ich diesmal ungewöhnlich lange suchen. Ich fand einfach keine Augen in der Gross-Stadt. Das hat mich auf eine Idee gebracht: es gibt eine Reihe von Foto-Blogs, die gemeinsam themenbezogenen Projekte initiieren. Wie wäre es denn mal mit einem Thema „Augen in der Gross-Stadt“? Ich würde etwa 50-60 Fotos, Bilder oder Collagen zu einem Film zusammenschneiden und mit dem Chanson oben unterlegen. Wer hat Interesse? Ich klopfe mal an bei mondgras und paleica – meint ihr, da ist was zu machen?
David Golumbia (hier ein Interview mit ihm in der SZ) vertritt die These, dass die ohnehin schon mächtigen und grossen Organisationen in überproportionalem Masse von den neuen Kommunikationstechnologien profitieren. Online-Banking vereinfacht zwar das Leben eines Bankkunden, aber reduziert in dramatischer Weise den Verwaltungsaufwand und Personalbedarf der Banken. Soziale Netzwerke vereinfachen den Austausch und das Knüpfen von Kontakten, vor allem aber geben sie den Betreibern wertvolle Informationen in die Hand. Das Internet mag mehr Transparenz über Unternehmen schaffen können, zudem ermöglicht es weltweit agierenden Unternehmen wie Wallmart eine bisher nie dagewesene Kontrolle über Mitarbeiter bis in den kleinsten Winkel der Welt auszuüben. Unternehmen wie Google oder Apple gelingt es, Informationen über interne Prozesse weitgehend gemein zu halten, während ihre Kunden immer gläserner werden. Auch als Instrument gegen Diktaturen seien Tools wie Twitter oder Facebook völlig überschätzt. Welche Diktatur wurde durch das Internet gestürzt?
Er kritisiert den blinden Glauben an eine Verbesserung der Welt lediglich durch Technik und Algorithmen, der so weit geht, dass nicht nur das menschliche Gehirn fragwürdigerweise dauernd mit Computern verglichen wird, sondern gar das gesamte Universum.
Ich gebe zu, dass mich Golumbias Thesen auf dem falschen Fuss erwischen. Ist hier wieder mal ein gewöhnlicher Kulturpessimist am Werk oder haben seine Analysen ein solides Fundament? Was spricht dafür? Was spricht dagegen? Revolution von unten oder Verfestigung des Status quo? Internetus – Cui Bono?
Als ich heute diesen Artikel las, kam mir die Frage in den Sinn, warum es eigentlich keine Rechtsschutzversicherungen für Blogger gegen Abmahnungen gibt. Eigentlich müsste das doch eine lukrative Geschäftsidee sein: Blogger akzeptieren die meisten Abmahnungen, obwohl diese vor Gericht wahrscheinlich gar nicht stand halten würde, aus dem einfachen Grund, dass sie das Risiko von Gerichtskosten und die damit verbundene psychische Belastung nicht tragen wollen. Das wissen auch Rechtsanwälte, die sich auf Abmahnungen spezialisiert haben, und durch solch defensives Verhalten ermutigt werden. Eine Rechtsschutzversicherung, die dafür sorgt, dass der Blogger vor Gericht zieht, hätte also eine enorme Abschreckungswirkung. Warum also gibt es das nicht?
Ein Blogger hat vor zwei Jahren eine Reihe von Versicherungen angeschrieben, um ein Angebot für eine solche Rechtsschutzversicherung einzuholen. Es gibt keine Angebote, das wird schlicht und einfach nicht versichert (Begründungen sind manchmal etwas seltsam und bewegen sich im Bereich von „lässt sich nicht versichern“ bis „rechtlich nicht möglich“).
Ich habe einen mit mir befreundeten Rechtsanwalt dazu befragt und er meinte, prinzipiell wäre das möglich, es gibt keine rechtlichen Beschränkungen, die das verbieten (die rechtlichen Beschränkungen bestehen lediglich darin, dass die Versicherung nicht ihre eigenen Rechtsanwälte auf den Fall ansetzen dürfen). Höchstwahrscheinlich führten die mitunter willkürlich ermittelten und extrem variierenden Streitwerte zu Kostenrisiken für die Versicherungen, die sich nicht mehr seriös kalkulieren lassen. Lässt sich also nicht eine Obergrenze von Streitwerten bei Abmahnungen festlegen? Dann würden die Kostenrisiken kalkulierbar und eine Rechtsschutzversicherung hätte ein neues Geschäftsmodell…
Das Genie schafft Neues, nie Dagewesenes, Unvergleichliches aus dem Nichts. Das Genie lässt sich nicht auf eine Stufe mit gewöhnlichen Handwerkern stellen. Das Genie hat originäre Ideen, die kein Mensch vorher erdacht hat noch erdenken konnte. Das Genie hat eine Mission, die ihm vom Schicksal übertragen wurde. Das Genie ist ein Geschenk des Himmels.
Transparenz ist der grosse Feind des Genies. Denn sie entlarvt das Genie als eine Projektion, als Idealisierung und als Selbststilisierung. Denn was, wenn jeder die Ursprünge des Genies nachvollziehen kann? Wenn das Neue als Variation, Verknüpfung oder Kopie von Vergessenem entlarvt wird? Wenn die Ideen gar nicht originär sind (sein können)? Wenn nicht das Schicksal, sondern der Zufall den Erfolg gebracht hat? Wenn nicht der Himmel, sondern die Wahrscheinlichkeitsrechnung die Geschenke verteilt?
Was ist dann? Fehlt uns dann was? Würde das Genie aus unserem Wortschatz verschwinden? Oder würden wir weiter so tun als ob es Genies gäbe? Wie stünde es um das Selbstverständnis des Genies, das aus der Illusion seiner Einzigartigkeit gerissen wird?
Und: hat das Genie als Vehikel von Ideen Nutzen gebracht? Hat es das Grosse ins reche Licht gerückt? Oder hat es vor allem Schatten auf andere geworfen?
Ich hatte die Frage schon mal hier gestellt, da war die Diskussion aber bereits erschöpft:
Stimmt das denn wirklich, dass es für Musiker heute schwieriger ist, von ihrer Musik zu leben als früher? Und ich spreche dabei nicht von denen, die auch heute noch vom alten System der Selektion und Markenbildung profitieren…
Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit für einen jungen, unbekannten Musiker heute, von Musik leben zu können, verglichen mit der Wahrscheinlichkeit vor 20 Jahren?
Wie kann man sich einer Antwort fern jeder Meinungsmache nähern? Gibt es Studien, Anekdotensammlungen, schlüssige Argumentationsketten, Schätzungen?
Noch was zu Charles Manson: der Mann war auch Musiker, einer seiner Songs wurde sogar von den Beachboys gecovert (hier die Version der Beachboys, hier die Version von Manson). Klingt so die Musik des Teufels? Wird dieser Song ab und zu in der Hölle aufgelegt?
In Frankreich wurde vor sechs Jahren Betrand Cantat, der Leadsänger der einflussreichen französischen Rock-Formation Noir Désir wegen Totschlags an seiner Freundin Marie Tritignant zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Einige Stimmen in der französischen Öffentlichkeit forderten, das Abspielen im Radio sowie den Verkauf von Liedern von Noir Désir zu verbieten – als zusätzliche Strafe oder auch als Respekt vor den Hinterbliebenden der Opfer (hier mein Lieblingslied von Noir Désir). Andere suchten und fanden natürlich auch Spuren des Bösen im Werk des Totschlägers. Also wieder ein paar mehr Titel für die MP3-Sammlung des Teufels?
Aber wer sagt dann, dass sich ausgerechnet die dunkle Seite eines Menschen in seiner Musik findet? Könnte es nicht auch sein, dass all seine positiven Seiten in seine Musik fliessen, dass die Musik gerade das Heilmittel ist, dass die bösen Seiten lindert, hindert, nicht ausbrechen lässt?
Als Kind hat mich eine Donald-Duck-Geschichte beeindruckt. Donald wird in irgendeiner Stadt im wilden Westen aus welchen Gründen auch immer gegen seinen Willen als Kandidat für den Posten des Sheriffs vorgeschlagen. Um auf Nummer Sicher zu gehen und seine Wahl auf jeden Fall zu verhindern, hält er eine öffentliche Rede vor den Bürgern und sagt sinngemäss: „Ich habe so etwas noch nie gemacht, ich habe keine Ahnung, keinen Schimmer von der Aufgabe – ich bin unfähig, wählt den anderen!“
Die Reaktion der Bürger war überraschend. Endlich jemand, der zugibt, dass er keine Ahnung hat. Endlich jemand, der uns nicht mit durchsichtigen Lügen und falschen Versprechungen um den Finger wickeln will. Endlich ein normaler Mensch. Den wählen wir! Und Donald wurde mit überwältigender Mehrheit zum Sheriff gewählt (ich weiss allerdings nicht mehr, wie die Geschichte endete – wenn jemand sie ebenfalls kennt oder sie im Web zugänglich ist, bitte sagen!)
Ich frage mich, ob die Reaktion der Deutschen auf einen Kanzlerkandidaten, der zugibt, nicht mehr zu wissen, als die, die auch nicht viel mehr wissen, weil nunmal niemand in die Zukunft schauen kann, vielleicht ebenso positiv wäre. Ehrlichkeit als Wahlprogramm – kann das funktionieren? Hat es schonmal jemand mit Ehrlichkeit probiert? Und ist schon mal jemand für Ungewissheit als Wahlversprechen gewählt worden?
Kann es sein, dass meine Versuche, sie zu beschwichtigen, kontraproduktiv sind, weil sie glaubt, dass ich ihre Sorgen unterschätze? Wäre sie also beruhigter, wenn ich ihren Sorgen mit gesteigerter Besorgnis begegnete?
Mein Vater war Leistungssportler und hat mich sehr früh für den Sport interessiert. Als 7jähriger schaute ich bereits den 100m-Endlauf der olympischen Spiele und das Endspiel der Fussball-Europameisterschaft. Als 8jähriger sass ich morgens um 4 Uhr auf dem Schoss meines Vaters, um Muhammed Ali kämpfen zu sehen. Als 9jähriger erlebte ich heulend die Schmach von Cordoba. Als 10jähriger schwärmte ich für Björn Borg und Dietrich Thurau und kannte alle Ergebnisse der gesamten Fussball-Bundesligasaison. Anfang der Achziger verbrachte ich Samstagnachmittage vor dem Radio, um die Radio-Reportagen aus den Bundesliga-Stadien zu verfolgen, oder Sommertage vor dem Fernseher, um Laurent Fignon in seinem gelben Trikot die Alpenpässe nach oben fliegen zu sehen. Später dann hat mich Boris Becker im Daviscup oder den US Open Nächte fiebern lassen. Alles – wie ich glaube – inspiriert durch die Sportbegeisterung meines Vaters.
Mein Sohn beginnt jetzt, sich für Fussball zu interessieren. Und natürlich stellt er sich auf die Seite der Sieger: weniger als Barcelona und Lionel Messi geht gar nicht. Und ich frage mich jetzt, inwiefern ich sein Interesse fördern oder Begeisterung in ihm wecken soll. Denn ich selbst bin eher ernüchtert durch Kommerz und Dopingwahnsinn, die zwar beide sehr alte Begleiter des Sports sind, aber von mir nach Absetzen meiner rosa Brille erst in den letzten Jahren wahrgenommen wurden. Das Doping-Geständnis von Laurent Fignon, der jetzt schwer an Krebs erkrankt ist, hat mich persönlich sehr getroffen, es war in gewisser Weise das Eingeständnis des Verrats an dem Kind, das ihn damals angehimmelt hat.
Ist Sportbegeisterung trotz allem sinnvoll – weil es zur eigenen körperlichen Bewegung anspornt, weil es hilft, mit Niederlagen leben und im Triumph Demut zu lernen, weil es die Muster des Lebens mit seinen Dramen und seiner Vergänglichheit als Mikrokosmos widerspiegelt, weil es in gewisser Weise auch zur allgemeinen Bildung gehört?
Der ostdeutsche Musiker Gerhard Gundermann arbeitete als Baggerfahrer im Kohlebau, später dann als Tischler, obwohl er es nicht musste, um seine Existenz zu sichern. Wikipedia schreibt: „Seine Maxime, nicht von der Kunst, sondern von „echter Arbeit“ zu leben, um eine kommerzielle Vermarktung seiner Lieder zu verhindern, führte zu einem übermäßig anstrengenden Lebenswandel mit extrem wenig Schlaf. Oftmals fuhr er von einem seiner dreistündigen Konzerte direkt zur Schicht oder umgekehrt, ohne sich eine Pause zu gönnen. Diese Umstände trugen wahrscheinlich maßgebend zu seinem frühen, plötzlichen Tod bei.„
Ich glaube, Gundermann hatte recht, dass ein Leben für die Musik die Gefahr birgt, vom kommerziellen Erfolg korrumpiert zu werden, den Erwartungen der Produzenten und der zahlenden Kundschaft entsprechen zu müssen, aber auch den Kontakt zum Leben zu verlieren, in seine persönliche Umlaufbahn zu geraten, die sich um die eigene Grossartigkeit dreht und dann Lieder zu schreiben, die davon handeln, wie es sich so schwebt in dieser Umlaufbahn. Gute Lieder sind gute Geschichten – und die erlebt man nicht, wenn man nicht mit normalen Menschen zu tun hat. Auch gesellschaftliche Missstände gerinnen leicht zu blutleeren Klischees und ritualisierter Klage, wenn man sie nicht mehr am eigenen Leib spüren muss. Viele kommerziell erfolgreiche Musiker scheinen mir (Ferndiagnose) an chronischem Mangel von neuen Impulsen oder akkutem Verlust des Erdbodens zu leiden. Aber musste es so weit kommen, dass Gundermann für diese bewundernswerte Konsequenz sein Leben opfert? Gibt es keinen besseren Weg aus dem Dilemma als zwei Leben auf einmal zu führen?
Man geht unbeschwert durchs Leben, vertraut seiner Intuition, hat eine gewisse Orientierung, Stützpfeiler, die das Gedankengebäude zumindest eine zeitlang tragen, man geht auf festem Boden, bildet sich ein Urteil und noch eines, eine Menschenkenntnis, formt Ziele, die ja nichts anderes sind als Projektionen in die Zukunft, man erobert sich den Platz, den man uns gelassen hat, findet möglicherweise sogar ein Leitmotiv in seinem Leben, nickt zufrieden, wenn man recht gehabt hat, vertieft mit jeder Ausnahme den Glauben an die Regeln, man bastelt sich eine Welt, in der man zuhause ist, und wenn alles gut geht, hat man nicht einmal gemerkt, dass das ganze Leben auf einer Reihe von teils durchaus kühnen Annahmen aufgebaut ist, die teils richtig, teils aus den falschen Gründen richtig, teils durch puren Zufall richtig waren.
Als angehender Unternehmer habe ich mir letztens mal eine Liste von Annahmen gemacht, die eintreffen müssen, damit die Unternehmung erfolgreich ist. Die einzelnen Punkte betreffen eigene Fähigkeiten, die ich bei mir selbst noch nicht abrufen musste, die Entwicklung des Marktes, also der Verhaltensweisen von Kunden, die ich noch gar nicht genauer kenne, die Reaktion und Kompetenz von Wettbewerbern, deren Zahl ich sehr wahrscheinlich noch gar nicht vollständig erfasst habe, den Erfolg von sozialen Medien als Marketing-Instrument und noch viele andere Dinge, die eines gemeinsam haben: ein grosses Fragezeichen. Wahrscheinlich ist die Liste nicht mal komplett. Aber sie hilft mir, mir bewusst zu werden, worauf ich vertrauen muss und sie könnte mir als Warnsystem dienen. Und ich vertraue auch darauf, dass mir das Glück zur Seite steht.
Und dann dachte ich: vielleicht sollte ich auch mal eine solche Liste für mein privates Leben aufstellen? Ich habe es nicht gemacht. Wer weiss, ob ich mir dabei nicht bewusst würde, wie dünn das Eis ist, auf dem ich durchs Leben stampfe. Reicht ja, es zu merken, wenn man erstmal im kalten Wasser zappelt. Oder?
„Wer heute nicht mit Social Media anfängt, hat morgen nicht das Netzwerk, das er braucht!“ Diesen Satz hat mir Hannelore zugetwittert, er ist wohl auf dem Deutschen Multimedia-Kongress in ähnlicher Form gesagt worden. Wie das nun mal so ist mit prägnanten, schön formulierten Sätzen, sie betören schon mal allein durch ihre Form und Stringenz, kristallisieren ein vages formloses Gebräu von Gedanken und lösen den Reflex aus zu denken: genau! Und wenn man dann mit den Gedanken wieder weiterwandert, dann verwandelt sich der schöne Satz zum Filter im vorderen Hirnlappen und macht Werbung in eigener Sache (im Volksmund auch Vorurteil genannt).
Deswegen möchte ich den Satz nicht widerstandslos in den Frontallappen einziehen lassen und ihn stattdessen ein wenig hinterfragen. Netzwerke gibt es schon, seit es Menschen gibt. Dazu braucht man keine neuen Medien. Man braucht dazu nur seine Augen und Ohren, seinen Mund und eine gewisse Neugier beim Gang durch das Leben. Der Gründer von Facebook, Marc Zuckerberg, hat mal auf die Frage geantwortet, wie man Netzwerke oder Communities im Internet erzeugt: „Gar nicht, man kann nur bereits existierende abbilden“. Wieder so ein prägnanter Satz. Natürlich entstehen neue Netzwerke – denn was anderes sind meine Kontakte mit meinen Blog-Lesern und den Bloggern, bei denen ich kommentiere, oder die Twitterer, mit denen ich Gedanken austausche?
Doch wie stabil sind diese Netze eigentlich? Enden sie mit dem Blog oder mit dem Löschen des Facebook- oder Twitter-Accounts? Migrieren sie mit mir auf die nächste populäre Platform? Werden sie die Zeit überdauern bis zu dem Tag, an dem sie nützlich werden könnten?
Und was vermögen diese neuen Netze zu leisten? Was weiss ich wirklich von diesen virtuellen Freunden? Würde ich ihnen Geld leihen? Mich für sie bei meinem Chef einsetzen, um ihnen einen Job zu besorgen? Würde ich ihnen meine Kinder anvertrauen? Sicher nicht, ohne sie persönlich getroffen zu haben. Aber würde ich ihnen wenigstens – wenn ich denn könnte – einen Platz in einem Panel besorgen oder die Möglichkeit einen Vortrag zu halten? Ja, wenn die Referenzen stimmen und fachliche Kompetenz erkennbar ist – aber das würde ich auch bei jedem anderen, der mich danach fragt.
Wie effizient ist also dieses Netzwerken verglichen mit den traditionellen Netzwerken? Lassen sie sich überhaupt so einfach voneinander trennen? Könnte es sogar sein, dass die im Web besonders gut Vernetzten vielleicht ihre persönlichen Netzwerke mit ins Web gebracht haben – dass die eigentliche Vernetzungsarbeit ganz klassisch durch den beruflichen Werdegang und den Freundeskreis entstanden ist? Sind vielleicht die verborgenen Bande, die keiner im Internet gespiegelt sieht, die mächtigeren?
Wie oft habe ich schon gedacht, dass ich mit meiner Musik mehr Menschen durch einen einzigen Auftritt in der Fussgängerzone erreichen kann als durch monatelanges Bloggen und Twittern. Ist es vielleicht genauso mit den Netzwerken? Investiert man seine Zeit nicht besser durch das Entwickeln persönlicher als durch das Entwickeln virtueller Kontakte in sozialen Medien? Gesetzt – es geht einem wirklich darum, ein Netzwerk zu schaffen, „das man später braucht“ – denn für mich bleibt Bloggen und Twittern einfach ein kreatives Vergnügen.
Apple hat seinen. Oracle hat einen. Microsoft hat seit ein paar Jahren auch einen. Googles Largei-Serry ist zwar öffentlichkeitsscheu, aber anscheinend durchaus beeindruckend im direkten Kontakt. Und der FC Bayern hatte bekanntlich Oliver Kahn.
Ich hatte letztens die Möglichkeit, mit dieser Gründerin hier zu sprechen und war beeindruckt von ihrer Energie, ihrem Ehrgeiz, ihrer Eloquenz, aber auch ihrer Kompromisslosigkeit, ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Art, Gespräche an sich zu reissen und zu lenken, von ihrem – ja, jetzt ist es raus – von ihrem Charisma. Da ich in ein paar Monaten selbst ein Startup gründen möchte, mein Partner ein eher ruhiger, ernsthafter Vertreter ist, und ich selbst schon häufiger als mundfaul beschrieben wurde, stellt sich die Frage, ob in unserer Mannschaft nicht eine Lücke klafft, die uns zum Verhängnis werden kann und die geschlossen werden sollte.
Braucht ein erfolgreiches Startup-Unternehmen einen charismatischen Gründer? Oder wenigstens jemanden, der keine Probleme damit hat, als Arschloch wahrgenommen zu werden und keine Skrupel besitzt, auf einer Konferenz die Leute so lange mit seiner Idee zu belästigen, bis sie ihm ihre Visitenkarte geben? Der vorne schon wieder zu Tür hereinschaut, während sein Hintern noch vom Fusstritt des Rauswurfs schmerzt? Der einem Unternehmen ein einzigartiges und sofort erkennbares Gesicht gibt? Braucht es so jemanden – oder ist das nur ein medialer Mythos und geht es auch ohne? Oder wächst man vielleicht sogar ganz automatisch in eine solche Rolle hinein? Welche Unternehmen wurden mit lauter freundlichen, zurückhaltenden, höflichen Menschen erfolgreich?
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen als Information eine Mangelware war. Information fand sich in Büchern, Bibliotheken oder auch in den Köpfen von meist älteren Menschen. Manchmal stiess man zufällig – im Fernsehen oder im Radio oder in der Zeitung oder im persönlichen Gespräch – auf eine interessante Information. In der Regel aber war Informationgewinnung mit grossem Aufwand verbunden. Und sie war planwirtschaftlich organisiert. Informationen wurden zugeteilt, nach Alter gestaffelt und aufbereitet. Die Wissenden waren die Herrscher. Die Unwissenden mussten betteln und sich oft nur mit Krümelchen zufrieden geben. Auf manche Information musste man Jahre warten. Manch eine Frage, die ich mir als Kind gestellt habe, konnte ich mir erst vor wenigen Jahren beantworten. Und nicht nur das: viele Informationen, die ich mir damals mühselig angeeignet habe, stellten sich viele Jahre später als falsch heraus. Bücher, die Informationen enthielten, waren kostbare Schätze, die man von der ersten bis zur letzten Seite durchforstete, um kein Tröpfchen des edlen Informationsflusses zu verschütten. Wer nur wenig hat, der schätzt dieses Wenige ganz besonders, der wird geizig, der verschwendet nicht, der sitzt darauf wie auf einem goldenen Ei. Es war gewiss eine schwere Zeit, aber wir empfanden es nicht so. Und trotzdem sind Spuren geblieben, kleine Traumatismen, kleine kauzige Gesten – Mangelkinder haben nunmal Nachholbedarf.
Heute ist Information im Überfluss da – die gleiche Information doppelt, dreifach, von allen erdenklichen Winkel beleuchtet. Die meisten Informationen sind nutzlos, wertlos, ohne Bedeutung und Bezug zu uns. Aber wir, wir Mangelkinder, wir haben nicht gelernt, mit dem Überfluss umzugehen. Wir können Informationen nicht einfach so mit Missachtung begegnen, wir können nicht loslassen, wir können nicht wegwerfen. So wie unsere Eltern den Schimmel von der Marmelade abstreichen und auf das angetrocknete Brot mit ranziger Butter schmieren, weil sie es nicht über das Herz bringen, etwas Essbares in den Müll zu werfen, so schaffen wir es nicht, ein Buch nur zu durchblättern oder es halbgelesen zur Seite zu legen. Wir sind auf Vollständigkeit trainiert. Wir haben gelernt, unsere Bücher zu Ende zu lesen (wir fürchten gar, dass es Regenwetter gibt, wenn wir unsere Bücher nicht fertiglesen). Wir bleiben den Blogs treu, die wir einmal abonniert haben, und geben jedem Artikel von neuem eine Chance. Wir leiden unter der modernen, digitalen Variante des Compulsive-Hoarding-Symptoms. Wir glauben immer noch an den Wert der Information und beschweren uns mit unnötigem Ballast. Wir können eine Information auch kaum noch von ihrer hässlichen Schwester, der Neuigkeit, unterscheiden. Doch jetzt gibt es eine Therapie: sie heisst Twitter und sie fördert den Mut zur Lücke.
Heute habe ich einfach mal all meine RSS-Feeds ohne Rücksicht oder nähere Betrachtung als gelesen markiert. Ein erster Schritt zur Normalität?
Warum sind wir auf dieser Welt? Wie verwirklichen wir unsere Träume? Was macht uns Hoffnung? Was wollen wir im Leben erreichen? Was erwarten wir von uns? Wenn wir auf keine dieser Fragen mehr eine Antwort zu finden glauben, dann bleibt uns nur noch ein Ausweg: wir delegieren die Lösungsfindung an die nächste Generation und beschweren ihr Leben mit unseren Idealen, Träumen, Hoffnungen, Zielen und Erwartungen. Wir schreien ihnen zu: Du sollst es sein! Und vielleicht finden wir ja in unseren Kindern das, was wir nicht in uns und unseren Zeitgenossen gefunden haben. Vielleicht…
Ich möchte wissen, aufgrund welcher Quellen ein Artikel geschrieben wurde. Jeder Artikel sollte ein Link-Verzeichnis haben
Ich möchte wissen, wer den Artikel geschrieben hat und welche Meinungen der Journalist in der Vergangenheit vertreten hat, um mir ein Bild von ihm machen zu können und seine Beurteilungen einordnen zu können. Welche Perspektive bezieht dieser Journalist? Wo steht er?
Ich lese themenbezogen und nicht markenbezogen: wenn mich ein Thema interessiert, möchte ich Informationen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, eine breite Palette von Informationen und Meinungen, die sich gerne auch widersprechen. Ist mir egal, ob da jetzt Spiegel, Zeit oder Frankfurter Rundschau drübersteht
Meinung ist mir weniger wichtig als sorgsam recherchierte und belegbare Fakten. Meinung hat jeder, gute Begründungen nur wenige
Ich bin überzeugt, dass Kommunikation uns der Wahrheit näher bringt. Alle Journalisten sollten über ihre Artikel mit anderen Journalisten und ihren Lesern in Dialog treten. Lieber weniger schreiben, dafür aber mehr diskutieren und öffentlich Argumente und Informationen austauschen
Ich möchte, dass Informationen und Beurteilungen strikt voneinander getrennt sind. Alter Hut? Ist aber selten der Fall. Jeder Spiegel-Artikel seit 1949 ist eine einzige suggestive Vermischung von Wahrheiten, Halb-Wahrheiten und Beurteilungen und Polemik
Ich möchte keine eingebaute Werbung in Artikeln lesen. Ich möchte nicht, dass ein Journalist Rücksicht nehmen muss auf die, die ein paar Seiten weiter werben
Ich möchte eigentlich überhaupt gar keine Werbung
Agenturmeldungen will ich auf einer speziellen News-Seite lesen und nicht bei Spiegel, FAZ oder Sueddeutsche. Ich möchte auch nicht, dass jemand diese Agentur-Meldungen weiterverwurstet, ohne auf die Agenturmeldung zu verlinken
Tja, nun steht die Frage im Raum: gibt es für diese Art des Journalismus überhaupt ein Geschäftsmodell? Aufwendiges Recherchieren, sorgfältiges Prüfen, zeitintensives Kommunizieren, aber die Taue zur Wirtschaft kappen und Leser finden, die die ganze Arbeit bezahlen. Ich nenne immer gerne Brandeins und CT, die – auch wenn sie sich ebenfalls zu einen grossen Teil aus Werbung finanzieren – meinem Ideal schon recht nahe kommen. Ist das auch denkbar für weniger spezialisierte Themen?
Es ist eine erhebende Erkenntnis, lernen zu können, sich durch vielzähliges Wiederholen Fähigkeiten anzueignen, die unerreichbar schienen, bevor man den Versuch begann. Diese Erkenntnis würde ich meinem Söhnchen gerne vermitteln, aber ich weiss, dass sie sich durch Worte nicht vermitteln lässt, sondern sich nur durch erfolgreiches Tun als Aha-Effekt offenbart. Wer erst einmal selbst erlebt hat, zu was Arbeit und Fleiss führen können, der wird die damit verbundenen Mühen leicht ertragen können und immer weiter gelangen. Aber wer sich die mühsame Reise nicht zutraut und erst gar nicht antritt, der wird auch nie den Sinn und die Schönheit der Reise erkennen. Ein Teufelskreis! Wie also den Anfang machen? Was könnte ein Kind erlernen, für das es sich ein klein wenig quälen muss, ohne zu früh die Lust zu verlieren, aber auch ohne es zu leicht zu haben?
Frank Sinatra war bekannt als jemand, der bei Studio-Aufnahmen nur einen Versuch brauchte, um ein Lied aufzunehmen. Andere brauchen Jahre, um ihren Aufnahmen den richtigen Schliff zu geben. Hört man das? Wirkt Sinatra frischer, unverbrauchter, inspierierter auf seinen Aufnahmen als jemand, dessen Stimme mehrfach nachbearbeitet wurde, der mehrere Aufnahmen machte, die dann zusammengeschnitten werden? Ist dieser Spirit of Live auch auf Tonträgern noch lebendig? Oder sind es nicht doch die Ton-Ingenieure, die einer Aufnahme den Zauber, den Geist, die Qualität verleihen?
Und wenn das der Fall ist, kann man diese Technik, den Augenblick zu verzaubern, auch auf andere kreative Bereiche anwenden: zum Beispiel der Software-Entwicklung oder Web-Design oder Video-Bearbeitung oder Blog-Artikel schreiben? Oder ist diese ganze Geschichte nur ein wohlgepflegter Mythos (haben vielleicht die Ton-Techniker am Ende alles ausbügeln müssen?), der falsche Hoffnungen und Illusionen schürt – nämlich ohne Mühen und Schweiss erfolgreich zu sein?
Vor Ihnen stehen zwei Boxen. In der ersten, durchsichtigen Box sind immer 1.000 Dollar; in der zweiten Box, die sie nicht einsehen können, liegt entweder eine Million Dollar oder gar nichts. Sie dürfen nun eine Entscheidung treffen:
Sie nehmen nur die zweite Box oder
Sie nehmen beide Boxen.
Ein allwissendes Wesen hat vorhergesagt, wie sie sich entscheiden werden. Seine Verlässlichkeit bei Voraussagen ist absolut. Sieht dieses Wesen voraus, dass Sie nur die zweite Box nehmen, hat es die Million Dollar in die Box gelegt. Sieht das Wesen dagegen voraus, dass Sie beide Boxen nehmen werden, blieb die zweite Box leer.
Nehmen Sie beide Boxen oder nur die zweite Box?
(Quelle: Wikipedia)
Dieses Spiel nennt sich Newcombs Paradox und ich bin beim Lesen von Watzlawick’s „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ darauf gestossen (danke an Patrick für den Tipp). Meine Frau entschied sich ohne zu zweifeln dafür, nur eine Box zu öffnen. Schliesslich hätte das Wesen ja vorausgesehen, wenn sie beide Boxen öffnen würde und die Box bereits präventiv geleert. Ich dagegen würde beide Boxen öffnen, denn zu dem Zeitpunkt, wo ich meine Entscheidung treffe, kann das Wesen die Million ja nicht mehr wegnehmen oder dazulegen – da wäre es ja blöd, nur die zweite Box zu öffnen. Wir diskutierten eine Weile unnachgiebig – wie zu erwarten ohne Ergebnis.
Das Faszinierende an dem Spiel ist ja gerade, dass beide Argumente unbestechlich und logisch korrekt sind, aber zwei gegensätzliche Dinge folgern. Man könnte auch sagen: beide Seiten haben recht, die Wahrheit kann sowohl das eine als auch sein Gegenteil sein. Es bleibt uns nicht anderes übrig, als mit diesem Widerspruch zu leben. Und ich finde, es lebt sich glänzend mit Widersprüchen. Ich finde sie direkt erfrischend!
Ich habe mich auch gefragt, ob man aus der Entscheidung, die jemand trifft, auch irgendwelche Rückschlüsse auf dessen Glauben an einen freien Willen oder Determinismus ziehen kann. Genausogut könnte man vermuten, dass jemand, der beide Boxen öffnet, eher dazu neigt, Regeln zu brechen als der andere. Oder auch einfach nur jemand ist, der immer alles anfassen muss, was er sieht. Küchenpsychologie… Max Planck hat die Frage nach dem freien Willen etwas läppisch abgetan: „Beides ist richtig. Das ist nur eine Frage der Perspektive. Von aussen betrachtet ist die Welt deterministisch. Von innen betrachtet sind wir frei in unseren Entscheidungen“. Widersprüchlich? Wahrscheinlich hatte Planck einfach keine Lust mehr über Dinge zu diskutieren, die zu nichts führen. Aber ich habe bisher noch keine bessere Antwort gehört.
Ist gibt eine Theorie, vermutlich stammt sie von einem Verhaltensforscher wie Desmond Morris, die sagt, dass das Benutzen von Parfums den menschlichen Geruchssinn in einer Weise vernebelt, dass wir uns in der Wahl ihrer Partner irren. Früher konnten wir den idealen Partner am Geruch erkennen. Heute müssen wir uns auf weit ungenauere Dinge verlassen (im schlechtesten Fall Fotos oder Informationen aus Datenbanken). Verbot von Parfums = Senken der Scheidungquote? Wie lange soll das wohl hergewesen sein und warum hat jemand dann überhaupt das Parfum erfunden und begonnen, sich zu parfümieren (können ja eigentlich nur die Stinker gewesen sein, die niemand riechen mochte)? Heute könnte man auch einfach nach der Wahl der Parfummarke entscheiden. Armani-Kennenlern-Parties – ob das wohl für stabilere Paare sorgt? Und es muss doch auch gute Gründe geben, dass unser Geruchssinn verglichen mit den meisten Tieren extrem unterentwickelt ist?
Und: wenn man Blog -Artikel riechen könnte, fände man dann schneller heraus, ob einem der Autor liegt? Hat denn der Geist auch einen Geruch?
Das Happy-End ist ein gängiges Muster im Filmhandwerk. Wir alle glauben, dass alles gut enden wird. Ende gut, alles gut. Aber: wievielen ist es wirklich vergönnt – ein echtes Happy-End? Betagt, im Kreise der Lieben, bei vollem Bewusstsein und klarem Verstand, ohne Schmerzen, in Frieden mit sich und seiner Umwelt. Ist ein Happy End nicht die echte Ausnahme? Ist es nicht grausam, dass selbst auf den letzten Metern noch so viel schief gehen kann, dass man sich todunglücklich von der Welt verabschieden muss? Dass die letzten Eindrücke, die man bekommt, den eigenen Verfall, die eigene Entmenschlichung, den Verlust der eigenen Würde und möglicherweise sogar des eigenen Charakters dokumentieren? Dass man irgendwann zu schwach ist, um sich dagegen wehren zu können, nur noch ein Spielball des Schicksals zu sein? Kann der letzte Eindruck, den man hinterlässt, einen Schatten auf ein Leben werfen? Ein Happy End könnte mit dem Leben versöhnen. Aber wievielen ist es wirklich vergönnt?
Supermann hat die besten Ideen. Supermann hat den grössten Ehrgeiz. Supermann hat die meiste Energie. Supermann kann geschickt argumentieren. Supermann ist von seinen Ideen überzeugt. Supermann übernimmt Verantwortung. Supermann hält den Kopf hin. Supermann ist sich nicht zu schade, die Nacht durchzuarbeiten. Supermann weiss immer noch etwas zu verbessern. Supermann hat durchaus einen guten Draht zu den anderen. Supermann nimmt viel Redezeit in Anspruch. Supermann hat uns schon oft gerettet.
An Supermann geht kein Weg vorbei. Geht es deshalb oft nicht voran?
Supermann wirft lange Schatten. Ist er deshalb von so vielen Unterbelichteten umgeben?
Was täten wir ohne Supermann! Vielleicht anfangen, selbst zu denken?
Ein grippaler Infekt hat mich niedergelegt. Ich bin gerade nicht ich selbst. Zerschlagen, unkonzentriert, willensschwach, lustlos, freudlos. Bin ich also gerade ein Anderer, ein anderer Charakter? Aber wann bin ich eigentlich überhaupt ich selbst? Gibt es denn nicht ständig irgendwelche äusseren Umstände, die mich zu etwas anderem machen als ich glaube zu sein? Welchen Wert hat es, vom „ich selbst“ zu sprechen, wenn es lediglich Knet in den Händen meiner Umgebung ist, zufälliges Resultat des komplexen Zusammenspiels mit unzähligen, sichtbaren und unsichtbaren Kräften? Oder ist dieses „ich“ das, was immer gleich bleibt, das keine Grippe, kein Schicksalsschlag, aber auch keine Erkenntnis erschüttern kann (wer möchte so etwas?)?
Mein „ich“ ist womöglich mein gerade aktuelles, persönliches Idealbild von mir selbst, das sich unvermeidlich durch neue Erfahrungen, durch meine eigene Veränderung mitverändert – ich bin also tatsächlich der Schatten meines „ich selbst“, das wenige des Möglichen, was wirklich wurde. War ich unklar genug? Habe ich jetzt einen Begriff mit sich selbst erklärt?
Wenn ich mit meinem Söhnchen Schach spiele, gibt es schon mal blanke Wut, wenn seine Dame vorzeitig das Feld räumen muss, und tiefe Trauer, wenn sein König sich nicht mehr aus dem Schach befreien kann. Niederlagen hinzunehmen ist nicht einfach. Wenn er seine Felle schwinden sieht, mogelt sich plötzlich ein Turm in eine gute Position, gibt es ellenlange Diskussionen darüber, ob Bauern nicht doch auch nach hinten schlagen können und Läufer andere Figuren überspringen, und manchmal muss ich mich aus Gründen der Harmonie auf das Zurücknehmen von ganzen Zugkombinationen einlassen. Auch Stofftiere greifen manchmal brutal in das Spiel ein.
Seit kurzem spielt er auch immer mal gegen den Computer. Und siehe da: er verliert ohne Tränen, er akzeptiert die Regeln ohne zu schimpfen und Niederlagen mit der Motivation, das nächste Mal zu gewinnen. Der Computer scheint meinem Söhnchen die Gelassenheit, Niederlagen zu akzeptieren, besser beizubringen als ich. Kann ein Computer ein besserer Pädogoge sein als ein Mensch?
Zum Jahresbeginn eine musikalische Frage. Komponiert wurde sie von Charles Ives, gestellt wird sie von einer Trompete – wieder und immer wieder. Oberflächliches Geschwafel und schliesslich genervtes Meckern ist die Reaktion einer Gruppe von Bläsern, während die Streicher leise und unbeeindruckt ihren harmonischen Gleisen folgen. Möge jeder für sich sein Instrument finden und die Frage für sich selbst beantworten.
Nehmen wir mal an, wir machen gerade mit Schopenhauer einen kleinen Spaziergang am Frankfurter Main-Ufer, unterhalten uns mit ihm über Gott und die Welt und bekommen plötzlich folgenden Satz zu hören: „Wer die Behauptung, dass in der Welt der Genuss den Schmerz überwiegt oder wenigstens sie einander die Waage halten, in der Kürze prüfen will, vergleiche die Empfindung des Tieres, welches ein anderes frisst, mit der dieses andern.„
Wir sind beeindruckt und dennoch wissen wir instintiv, dass diese Sicht der Dinge zu einseitig ist. Wir möchten dem guten Schopi etwas erwidern, aber nicht so etwas Belangloses wie „Kopf hoch, Arthur“ oder „Sei doch mal ein bisschen positiver!„. Nein, wir wollen unsere Geistesgegenwart und Eloquenz unter Beweis stellen, ihm auf Augenhöhe begegnen und ihm gleichzeitig sein Bild um die Ohren hauen. Also, liebe Kneipen-Philosophen, die ihr gestählt wurdet durch viele sinnlose, alkoholgetränkte, meist längst vergessene Diskussionen und Bonmots unter Freunden, was würdet ihr erwidern?
Stichwort E-Book: wenn Romane upgedated werden können, werden Autoren dann ähnlich wie Google Beta-Versionen auf den Markt bringen, um bereits frühzeitig die Akzeptanz eines Werkes zu testen? Gibt es dann sowas wie „Krieg und Frieden“ V0.5? Wird ein Werk durch Leser-Feedback kontinuierlich verbessert oder verändert? Wird sich das positiv auf die Qualität und Leser-Zufriedenheit auswirken?
Aber wird dann am Ende überhaupt noch ein Buch fertig? Arbeitet dann ein Autor vielleicht sein ganzes Leben an dem Schinken, weil er immer noch etwas verbessern könnte? Absorbieren die vielen permanenten Baustellen vielleicht alle Energie für andere Romane? Hätte der alte Goethe den jungen Werther bereichern können? Hätte er neben den Wartungsarbeiten für sein gesamtes Dramenwerk noch Zeit für Faust II gehabt? Hätte Proust bei seiner Suche nach der verlorenen Zeit frühzeitg entnervt aufgegeben und lieber mehr Kurzgeschichten und Essays geschrieben?
Warum scheint eine so einleuchtende Strategie in einem anderen Kontext so fremd?
Für Platon muss eine stabile Gesellschaft relativ geringe Einkommensunterschiede aufweisen. Der reichste darf nicht mehr als 20 mal mehr verdienen als der ärmste. Was würde passieren, wenn in Deutschland morgen ein Gesetz verabschiedet würde, dass genau das festlegt: ein Unternehmen darf seinem bestverdienenden Angestellten nicht mehr als das Zwanzigfache des geringstverdienenden bezahlen. Wenn es seinem Chef 1 Million zahlen will, muss es seinem Pförtner 50000 im Jahr bezahlen. Oder umgekehrt: wenn es nur 10000 für seine Putzfrau bezahlen will, kann auch der Chef nicht mehr als 200000 verdienen. Scheint mir eine gute Sache. Aber wie ich die Menschen kenne, würden sie versuchen, diesen hehren Plan zu unterlaufen. Aber wie? Fiese Ideen?
Amazon gibt bekanntlich die berühmten Empfehlungen „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch: …“. Ist das nicht eine tolle Grundlage für ein völlig sinnloses Spiel, mit dem man Zeit totschlagen kann? Startpunkt setzen (z.B. Elton John), Endpunkt setzen (z.B. Louis Armstrong).
Gibt es einen Amazon-Empfehlungspfad zwischen Slayer und Jürgen Drews? Wer ihn findet, bekommt von mir eins der Produkte zu Weihnachten, die auf dem Empfehlungs-Pfad liegen.
Was soll der Unfug? Bin gerade im Büro eingeschneit. Und das an der Côte d’Azur. Das stand so nicht im Vertrag…
Ich bin mal auf ein Blog gestossen (Joel on Software), das keine Kommentare von Lesern zulässt und dies explizit und ernsthaft begründet. Ein Blog gäbe jedem eine Stimme. Doch Kommentare verrauschten diese Stimme, relativierten die Botschaft, nämen ihr an Kraft. Wer Stellung nehmen will, könne dies auf seinem Blog tun, aber nicht hier bei ihm. Er stelle Thesen auf, sei aber kein Diskussionsmoderator.
Ist da etwas dran? Kommentare in Blogs: Ausdruck der Meinungsfreiheit oder im Gegenteil: Unterlaufen der Meinungsfreiheit? Gibt es auch eine Relativierungsfreiheit, eine Korrekturfreiheit?
Nachfrageorientierte Theorien vs. Angebotsorientierte Theorien oder auch Staat vs. Markt: ein gutes Beispiel wie intelligente Menschen aneinander vorbeireden, weil sie sich einem Lager verschrieben haben? Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass zu einer Wirtschaft sowohl eine Angebotsseite als auch eine Nachfrageseite nötig ist. Die eine braucht die andere. Manchmal braucht die eine etwas mehr Zuwendung, manchmal die andere – abhängig vom wirtschaftlichen Kontext. Stattdessen stehen sich aber Vertreter beider Lager immer wieder feindlich gegenüber und versuchen Einfluss auf die Politik zu gewinnen, um Stimmung für ihre Seite zu machen. Der Neoliberalismus, der dies sehr erfolgreich getan hat (also erfolgreich Einfluss zu gewinnen, nicht aber, erfolgreich den Reichtum aller Menschen zu fördern) scheint jetzt abgewirtschaftet und die Regulierer und Gläubigen in die Stärke des Staates bekommen Oberwasser. Vielleicht gelingt es ihnen sogar wieder, Politiker auf ihre Seite zu bekommen und ihre reine Lehre so lange an den armen kleinen Mann zu bringen, bis das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlägt. Dabei ginge doch beides! Ein starker, demokratischer Staat, der klare Regeln vorgibt, UND ein Markt, der für mehr Effizienz sorgt. Eine Stärkung der Angebotsseite durch z.B. Abbau von Bürokratie, bessere Bildung, einfacherer Steuern UND eine Stärkung der Nachfrageseite durch Verbraucherschutz, Kaufkraftstärkung, Mitbestimmung. Anreize für Menschen, unternehmerisch tätig zu werden UND die Möglichkeit für Menschen, entsprechend ihrer Fähigkeiten einer interessanten Arbeit nachzugehen. Wo ist der Widerspruch?
Die Lager. Was wird eigentlich so alles gelagert im bürgerlichen und linken Lagern? Voruteile und Misstrauen etwa? Oder ausrangierte Politiker? Oder vergessene Wahlversprechen? Kann man diese Lager nicht einfach mal aufräumen? Oder besser noch: schliessen?
Der Wählerauftrag. Jedes Lager scheint ihn nach jeder Wahl klar erkennen zu können. Gibt es denn etwa geheime Wahlzettel, Wählerauftragsformulare, auf denen man nicht nur Kreuze machen kann, sondern Sachen draufschreiben wie „Koch abwählen!“ oder „Eine CDU/FDP-Koalition bilden!“ oder „Mit dem gleichen Ministerpräsidenten weitermachen, aber den Parteivorsitzenden austauschen!“? Und wer ist denn dieser Wähler, der ihn erteilt? Oder erteilt jeder Wähler seinen eigenen und die Parteien wählen dann den, der ihnen am besten passt?
Eine Schnapsidee: anstatt Menschen beim Wählen nach dem Kandidaten zu fragen, sollte ein interaktiver Fragebogen sie nach ihren politschen Überzeugungen fragen. Das Programm wählt dann automatisch die entsprechende Partei und den Kandidaten. Ob sich damit wohl etwas ändern würde? Würde besser gewählt? Weniger manipuliert? Themen statt Personen den Wahlkampf bestimmen? Ein Rezept gegen Populismus?
Gibt’s schon (auch wenn es natürlich keine automatische Stimme abgibt)! Interessant übrigens, dass es zur Bayernwahl wegen einer Anordnung des Verwaltungsgerichts nicht benutzt werden durfte. Ist es eine Bedrohung, wenn die Wähler plötzlich darüber Bescheid wissen könnten, wer ihre Überzeugungen am besten vertritt?
Ich finde, es ist eine wahrhaft frustrierende Aussicht, sich zu verlieben, weil es nur eine Sache von kurzer Dauer sein wird, wobei „kurz“ durchaus 20 Jahre sein können, aber halt nicht ewig. Selbst wenn ich für eine Frau meine Geilheit, mein Verlangen, meine Faszination über Jahrzehnte aufrechterhalten könnte, was wäre mit ihr? Es ist frustrierender, nicht geliebt zu werden, als nicht zu lieben. Wie sieht es mit Sex aus, welche Rolle spielt er für einen 60jährigen? Wen interessieren eigentlich überhaupt noch 60jährige? Ausser als Oma oder Opa, die für 50 DM Taschengeld gerade gut genug sind, deren scheinbar antiquierte Denkweise man nur belächeln kann, anstatt aus ihr zu lernen?
Man müsste eine Frau haben, die die Kinder grosszieht und eine Geliebte, eine Frau, die man liebt, zu der man einen heisse Liebe verbindet, die man einmal die Woche sieht und liebt, total intensiv. Der Alltag tötet nämlich jede Liebe, irgendwann sieht man seine Frau nur noch als Neutrum, als geschlechtsloses Inventar, das nun mal da ist, an das man sich halt gewöhnen musste, die eigentlich nicht weiter stört, die aber fehlen würde, wäre sie nicht da. Vielleicht braucht man sie ja tatsächlich, ungefähr so wie „Dallas“ am Dienstag Abend oder wie ein Glas Wasser nach einem Besäufnis. Aber ist das Liebe? Mitnichten, vernichtet durch all die gemeinsamen Erlebnisse, durch Details, durch Gewohnheit, ihre Lockenwickler, ihre Zahnpasta, ihre Nase, ihre Brüste, ihre Scheide, alles schon dagewesen, nichts neues, nichts erregendes, sie steht nackt neben dir im Bad, dich bewegt es ungefähr so wie das Zahnputzglas, mit dem sie sich mit Wasser gefüllt den Mund ausspült. Sie zieht an deinem Schwanz, es ist das gleiche Gefühl, als hättest du dich hinterm Ohr gekratzt oder dir die Füsse massiert. Alles schon mal dagewesen, nichts neues, nichts erregendes, ihre Brüste so aufregend wie die deiner Mutter, als sie 55 war. Was bleibt? Respekt, Freundschaft, zweimal Sex im Jahr, gemeinsame Erfahrungen, die verbinden, Höhen und Tiefen, die man gemeinsam durchgemacht hat, gemeinsame Kinder, gemeinsame Wohnung – alles Gemeinsamkeiten. Soviele Gemeinsamkeiten, wie du sie auch mit deiner Schwester hattest. Du suchst nach einer anderen Frau? Keine wird dir je so vertraut, keine wirst du so lieben wie deine eigene! Liebst du sie denn? Anscheinend! Erst wenn sie nicht in deiner Nähe ist, brauchst du sie. Sie fehlt dir, du weisst nicht wie, sie weiss nicht warum. Jede andere erregt dich mehr, doch nie mehr als dich deine eigene damals erregt hat. Was kann denn noch kommen? Was kann nach deiner Frau noch kommen? Nichts! Nichts, was du nicht schon kennst! Leidenschaft, Liebe, Sex! Aber alles eine Nummer kleiner als damals, du verschlechterst dich nur. Ausserdem fehlt der Respekt, die Freundschaft, das Vertrauen, die verbindenden Erfahrungen, die Höhen, die Tiefen, der Sex, bei dem du weisst, dass du dich nicht blamierst, wo du nie versagst, wo du dir sicher bist, das richtige zu tun, auch wenn es nur zweimal im Jahr ist.
Kann ich eine Frau heiraten, von der ich weiss, dass sie das perfekte Gegenstück zu mir ist, obwohl ich eine andere kenne, die ich demütig liebe, obwohl sie mich belächelt?
Es gibt nichts dümmeres als aus Liebe zu heiraten, aber nichts menschenverachtenderes als aus Verstand zu heiraten! Vielleicht sollte ich niemals heiraten, obwohl ich weiss, dass es irgendwann geschehen wird, vielleicht nur aus einer Laune, aber es wird ewig halten. Was ist das Ideal? Viele Frauen verkehren mit vielen Männern, keiner ist eifersüchtig, ich bumse mit vielen, die wiederum von vielen gebumst werden, doch ist das Liebe? Ist das eines Menschen würdig? Begebe ich mich nicht vielmehr auf die Ebene eines Tieres? Ist es überhaupt dem Menschen typisch? Ist es nicht vielmehr entgegen der menschlichen Mentalität, widerspricht es nicht jedem reinen Gefühl? Vielleicht ist Monogamie ein Produkt jahrtausenderlanger Erziehung! Aber egal ob Natur oder Umwelt, egal ob genuin oder anerzogen, ist alles das gleiche. Für die Konsequenzen spielt es keine Rolle, ob ein Mensch ein Produkt seiner Gene oder seiner Erziehung ist! Interessant ist vielmehr die Frage, könnte ich mit einem Mädchen befreundet sein, es lieben, wenn ich wüsste, dass sie zwar auch mich, aber noch einen oder mehrere andere liebt, mit ihnen schläft, das gleiche empfindet wie für mich. Käme ich mir nicht vor wie ein Massenprodukt? Wäre ich eifersüchtig oder würde es mir reichen, zu wissen, dass sie mich liebt, egal, wen sie sonst noch so liebt? Wie wäre es umgekehrt? Hätte ich Verlangen nach anderen Frauen, wenn ich eine bestimmte lieben würde? Viele Fragen, keine Antworten. Ich sollte die Fragen auch mal anderen stellen, respektive weiblichen Mitmenschen, vielleicht sind Antworten dabei, vielleicht ist auch die ein oder andere Antwort für mich dabei?
Der frühere Bundestrainer und jetztige Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann hat versprochen, dass jeder seiner Spieler am Ende der Saison besser sein wird. Wäre das nicht mal ein schöner Vorsatz für alle Manager dieser Welt: „ich verspreche, dass jeder meiner Mitarbeiter am Ende des Jahres … etwas neues gelernt hat, Fähigkeiten entwickelt, die es ihm erlauben, neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, Schulungen seiner Wahl besuchen durfte, bessere Chancen bei einem Wechsel hat, seinen Lebenslauf aufgewertet hat, neue Kontakte knüpfen konnte … “ Warum ist das so schwierig? Sollte es denn nicht eigentlich selbstverständlich sein? Und ist es nicht bemerkenswert, dass die Idee aus dem Fussball kommt?
Peking am 24.8.2008: Hunderte von Menschen folgen einer Geisterhand, erheben sich über ihre Individualität, verschmelzen in einer gigantischen Animation, verwandeln sich in ein funkelndes Formen- und Farbenspiel. Doch hinter jedem Farbtupfer steht ein Mensch. Monate- oder gar Jahre probte jeder unter Entbehrungen für diesen grossen Moment der Perfektion, der unbedingte Unterordnung, Aufgabe der eigenen Wünsche, Gedanken und Gefühle erfordert, der nicht die kleinste Abweichung von der vorgegebenen Choreographie erlaubt, der dem Einzelnen keinen Zentimeter Raum lässt, sondern das Opfern der eigenen Persönlichkeit für das gemeinsame, grosse Ziel als Preis verlangt.
Bei den Tänzern der Zeremonien der Olympischen Spiel darf man zumindest hoffen, dass dieses Opfern freiwillig geschah und zeitlich begrenzt ist. Bei manchen grossen Bauwerken wie den Pyramiden von Gizeh, dem Schloss Sanssouci oder in neuerer Zeit dem Empire State Building stimmt das nicht, dort wirkte politischer oder wirtschaftlicher Zwang und kostete zahlreichen Arbeitern ihr Leben.
Ist der Preis des Grossen, des Perfekten, des Aussergewöhnlichen immer der gleiche – die Unterdrückung der Bedürfnisse des Einzelnen, das Opfern des Leibes oder der Seele der Mitwirkenden? Kann eine Gesellschaft überhaupt Grosses leisten, ohne einen Teil seiner Bevölkerung dafür zu opfern? Was ist, wenn sich niemand mehr opfern will? Wie geschützt ist eine solche Gesellschaft gegen Sabotage? Was wäre passiert, wenn nur eine Handvoll der Artisten abweichende Wege beschritten hätte – wäre das Werk nicht in Kürze dem Chaos verfallen?
Gedankenexperiment: wäre der deutsche Herbst anders verlaufen, hätte es zu dieser Zeit schon das Internet und die Blogosphäre gegeben? Wären die Schleyer-Videos zuerst auf YouTube erschienen? Wären die Terroristen durch das Internet näher an der Realität gewesen, weil sie mehr Kommunikationsmöglichkeiten hatten? Wären sie also nicht bis zum Äussersten gegangen? Oder hätten sie auch mehr positiven Zuspruch bekommen und hätten sich eher ermutigt gefühlt? Hätten sie das Heft des Handelns weniger in der Hand gehalten – weil es einfach viel mehr Kommunikationskanäle gibt – oder stärker – weil sie verschiedene Medien hätten gegeneinander ausspielen können? Wären mehr Informationen an den Bürger durchgedrungen (damals gab es ja eine sehr enge Abstimmung der Regierung mit den Medien) oder soviele und widersprüchliche, dass sie die Wahrheit noch viel effizienter begraben hätten? Stärkt ein solch einschneidendes geschichtliches Ereignis eher die klassischen Medien oder stärkt es die Blogosphäre? Wäre es der Polizei leichter gefallen, die Terroristen zu lokalisieren oder schwerer?
Endlich hat ein Politiker begriffen, dass man keine Nazi-Vergleiche machen darf. Stattdessen hat er einen RAF-Vergleich gemacht. Könnte das der Beginn eines neuen Trends sein? Dürfen wir uns demnächst auf so gelungene Tiraden wie die folgenden freuen?
„Der schlimmste Hetzer seit Horst Mahler.“
„Es war nicht alles schlecht bei der RAF. Zum Beispiel die Kameradschaft.“
„Damals gab es noch Respekt innerhalb der Brigade!“
„Rot war auch die Farbe der RAF.“
„Baader verstand auch etwas von PR.“
„Das hat auch Ulrike Meinhof schon gesagt.“
„Das sind Sekundärtugenden. Damit kann man auch eine terroristische Vereinigung betreiben.“
„Die haben immerhin die Kronzeugenregelung eingeführt, die benutzen wir heute noch!“
Ist Werbung ein Geschäftsmodell für die Zukunft? Ein paar Überlegungen. Während der Internet-Blase im Jahr 2000 wurde viel geworben. Geld, das Investoren in Startups pumpten, wurde oft für Werbung genutzt. Die Werbeplätze wurden von anderen Startups zur Verfügung gestellt. Investoren schafften also sowohl das Angebot als auch die Nachfrage für Werbung – allerdings keine nachhaltige. Das Platzen der Blase führte dazu, dass sowohl Werbeplätze als auch Werbung zurückgingen.
Heute scheint es, dass viele Startups zwar werbefinanzierte Geschäftsmodelle haben, aber ohne grosse Werbebudgets. Teils finanzieren sie sich ganz ohne Investoren und versuchen über Mundpropaganda ihre Bekannheit zu steigern. Wenn man noch die Vielzahl von etablierten und neu entstehenden Blogs dazunimmt, darf man wohl behaupten: es werden viele neue Werbeplätze geschaffen. Allerdings wachsen nicht notwendigerweise die Werbebudgets. Wird Werbung also billiger?
Es gibt eine Tendenz zur Umschichtung hin von Print-Medien und Fernsehen ins Internet. Internet-User sind aber zunehmend werbeblind. Werbung wird ignoriert oder sogar mithilfe von technischen Hilfen weggeschaltet. Das heisst, die Benutzer zerstören in gewisser Weise die neuen Werbeplätze. Machen sie Werbung damit wieder teurer?
Die Werbeplätze, die noch existieren, das heisst, die sich Benutzer gefallen lassen, sollten viel wertvoller werden. Allerdings könnte es sein, dass es viel schwieriger wird festzustellen, wo Werbung noch funktioniert und unter welchen Voraussetzungen. Es könnte also passieren, dass immer grössere Teile von Werbebudgets erfolglos verpulvert werden und letztlich nur noch an wenige sichere Werbeplätze geht. Also wieder zurück vom Long-Tail zu den Hits?
Es könne durchaus auch passieren, dass Werbung in seiner existierenden Form verschwindet und Platz macht für eine offene Kommunikation mit Kunden. Aber das wäre ja zu schön, um wahr zu sein. Eher wird man versuchen, die Werbeblindheit der Internet-Benutzer zu kurieren, indem man Werbung in den Content einbettet. Und wenn sich das die Benutzer auch nicht gefallen lassen?
Wie sähe die Welt aus, wenn Patente nicht nur auf Erfindungen, sondern auf musikalische Ideen vergeben werden würden – auf Ton-Intervalle, Akkordfolgen, Rhythmen, musikalische Formen, Tempi, Agogik, Vortragsanweisungen, …?
Wenn wir annehmen, dass Patente 20 Jahre gültig sind, dürfte man annehmen, dass Bach sämtliche Komponisten seiner Zeit arbeitslos gemacht hätte und den frühen Mozart blockiert. Beethoven hätte ohne Anlauf direkt die Romantik erfinden müssen und hätte seinerseits Schubert, Schumann und Co. unter enormen Druck gesetzt, früh eine unbesetzte Nische zu finden. Möglicherweise gab es auch einen uns heute unbekannten Schlaumeier, der sich den Walzer-Rhythmus unter den Nagel gerissen und den guten Johann Strauss in den 5/4-Takt gezwungen hätte. Wäre die Musikgeschichte schneller abgelaufen? Oder gar nicht? Kann man ohne anfängliches Kopieren und Variieren überhaupt etwas Neues schaffen? Kultur muss man aufsaugen, um sie neu zu schaffen. Gilt das auch für Technologie und Wissenschaft?
François Mitterand hat 1981 in Frankreich die Todesstrafe abgeschafft. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung war für die Todesstrafe. Mitterand hat sich über die grosse Mehrheit der Bevölkerung hinweggesetzt, weil er wusste, dass er Recht hatte.
Was lehrt uns diese Geschichte? War Mitterand ein grosser Politiker? War Mitterand ein echter Demokrat?
Ist Aufmerksamkeit dabei, Geld als Währung der Wirtschaft abzulösen? Vor ein paar Monaten hatte ich dazu schon einige Fragen gestellt. Hier ein paar Gegenfragen:
Ist Aufmerksamkeit heute denn wirklich wichtiger und auch leichter zu monetarisieren als vor 30 Jahren?
Ist Aufmerksamkeit denn nicht viel zu kurzlebig und flüchtig, um Grundlage einer Ökonomie sein zu können?
Aufmerksamkeit wurde seither durch Filter und Aggregatoren gelenkt. Bei begrenzter Aufmerksamkeit und mehr Informationen mag diese Funktion noch wichtiger werden. Aber was ändert sich substantiell, ausser dass die Filter verteilter und dynamischer werden könnten?
Auch wenn es unübersehbar wird, dass das Ringen um Aufmerksamkeit wichtiger geworden ist: ist es wirklich mehr als nur eine Nischenstrategie für diejenigen, die die Marktwirtschaft zurücklässt?
Ist Aufmerksamkeit nicht einfach nur Mittel zum Zweck – nämlich Produziertes zu verkaufen – also nicht mehr als ein Instrument der klassischen Marktwirtschaft? Oder bestenfalls eine Unterdisziplin?
Ist Geld nicht immer noch das stärkste Instrument, um Aufmerksamkeit zu erlangen? Gibt es irgendwelche Anzeichen, dass sich das geändert hätte?
Ignoriert das Konstrukt einer Aufmerksamkeitsökonomie nicht die elementaren Bedürfnisse von 80% der Erdbevölkerung? Kann eine Aufmerksamkeitsökonomie überhaupt global sein?
Jemand, der sich öffentlich hinstellt und mit pseudo-logischen Argumenten zu begründen versucht, warum er glaubt, dass im nächsten Jahr die Niederschlagsmenge bei soundsoviel Milliliter liegen wird oder die Durchschnittstemperatur im nächsten Januar bei 1.3 Grad, wird zurecht als unseriöser Kaffeeleser diskreditiert (über die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen gibt es übrigens einen Artikel bei Freakonomics).
Aber jemand, der das gleiche mit Börsen- und Wechselkursen oder konjunkturellen Daten und Branchenentwicklungen tut, der sich dabei sogar von Dart-werfenden Affen in seinen Vorhersagen besiegen lassen muss, der kann damit viel Geld verdienen.
Warum also hört man den Börsenanalysten so genau zu? Ist das hier ein Schritt zur Normalisierung?
Facebook wirbt auf Google mit den Namen seiner registrierten Benutzer für sich selbst. Nicht gut!
Aber mal ne ganz andere Frage: wie stellt man so etwas eigentlich fest, dass auf Google mit dem eigenen Namen geworben wird? Kannessein, dass manche BloggerjedenMorgenvordem Frühstück auf Google erst mal nach ihrem Namen suchen? Und hat Facebook vielleicht darauf spekuliert, dass niemand sich traut, dies zuzugeben?
Johnny Haeusler vom Spreeblick kündigt jetzt rechtliche Schritte gegen diese Werbeaktion an. Ich kann mir zwar durchaus ein paar hehre Ziele bei dieser Aktion vorstellen, aber fraglich ist doch, ob diese Geschichte überhaupt ausserhalb der Blogosphäre bekannt werden wird. Irgendwie fühle ich mich dabei etwas an Dissidenten der katholischen Kirche erinnert, bei denen ich mich immer gefragt habe, warum sie überhaupt der katholischen Kirche beigetreten sind, wenn sie denn gegen Zölibat, Patriarchismus und tradierte Heilslehren sind? Hätten sie das nicht auch schon vorher wissen können? Und warum wird jemand Mitglied eines sozialen Netzwerks, wenn er nicht will, dass mit seinen persönlichen Daten Geld verdient wird? Es wurde doch niemand gezwungen, seinen Namen da einzugeben, oder?
Eine Un-Frage: war wirklich alles Schlecht unter den Nazis? Gab es nicht Autobahnen, Familienwerte, wenig Kriminalität, wenig Arbeitslosigkeit, … ?
Ich würde eher fragen: muss man sich wirklich die Mühe machen, jeden Punkt einzeln zu widerlegen? Und wenn man es nicht schafft, hat das dann irgendeine Bedeutung?
Reicht es nicht aus, diese Zeit einfach aus der Perspektive eines jüdischen Mitbürgers zu betrachten?
Wem nützen Autobahnen, dessen Auto konfisziert wurde?
Wer kann von Familienwerten sprechen, wenn ganze Familien im Konzentrationslager vergast wurden?
Wem nützt eine niedrige Kriminalitätsrate, der wegen seiner Herkunft einfach weggesperrt wurde?
Welcher Zwangsarbeiter profitiert von niedriger Arbeitslosigkeit?
Wie kann eine Ideologie, deren Ziele die Ausrottung ganzer Menschengeschlechter und die Unterjochung der Nachbarn waren, sich irgendwelche temporär für manche Menschen angenehmen Seiteneffekte anrechnen?
Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, passe ich mich dem Gegenüber an – sowohl thematisch, als auch was meinen Kommunikationsstil betrifft. Manchmal nimmt diese Anpassung sogar Formen an, dass ich mich frage, ob das wirklich ich selbst bin, der da kommuniziert. Selbst bei einem Vortrag vor einer Gruppe von Zuhörern, versuche ich vor allem, dem Publikum gerecht zu werden.
Völlig anders ist das in der digitalen Welt bei Blogs oder auch Werkzeugen wie Twitter (das ich noch? nicht benutze). Ich kenne die Erwartungen meiner Kommunikationspartner nicht, weil ich nicht weiss, wer meine Texte oder Nachrichten liest und wer was daran interessant finden möge (bei manchen Themen-spezifischen Blogs mag das anders sein). Ich frage mich, ob diese Art der Kommunikation – eine Art Rundruf ins Unbekannte – nicht eine grosse Chance ist, mich von Erwartungen unabhängig zu machen. Oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis mich die Kommentare von Lesern wieder in ein Erwartungskorsett zwingen? Bin ich – bis dahin – in meinen Blog-Postings wirklich näher an „mir selbst“ oder versuche ich trotzdem als Stütze, irgendwelchen imaginären Erwartungen gerecht zu werden? Ist Bloggen also eine Chance, sich selbst zu finden und zu verstehen?
Mal angenommen, ein Sicherheitsexperte würde den sieben Geisslein einen Vortrag zur Prävention gegen zukünftige abermalige Wolfsverschluckung halten. Welche entscheidenen Fehler würde er ihnen nachweisen können? Welche Massnahmen zur Verhinderung würde er vorschlagen?
Unerwartete Ereignisse – Kriege, Todesfälle von jungen Menschen, Anschläge, Mondreisen – liefern regelmässig Stoff für Verschwörungstheorien. Akribisch werden Details für diverse Theorien zusammengetragen und auch gierig von vielen Anhängern aufgesaugt.
Sind Verschwörungstheorien nicht nur deshalb so beliebt, weil sie genauso wie Menschen funktionieren: selektive Wahrnehmung; Verdrehen von Informationen, bis sie ins vorgefertigte Schema passen; Wichtigtuerei; Angst, aussen vor zu bleiben; Paranoia; Lust an der Übertreibung?
Gelungene Verschwörungen scheinen immer im kleinen Rahmen organisiert zu sein.
Hat denn überhaupt schon mal eine Verschwörung geklappt, wenn mehr als eine Person darin verwickelt war? In unserer Firma schaffen es ja noch nicht mal drei Leute, eine Information für sich zu behalten, geschweige denn, sich auf gemeinsame Schritte zu einigen. Wie also soll eine Geheimorganisation über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte einen konsistenten Plan verfolgen, hunderte oder gar tausende von treuen und schweigsamen Mitgliedern rekrutieren, Leute ausbilden, die Teile von Regierungen werden, sich regelmässig konsultieren?
Sollte ein Blogger der Vielfalt seiner Interessen werden (sofern es diese Vielfalt überhaupt gibt) und über alles schreiben, was ihm durch den Kopf geht? Oder sollte er sich auf eine Sache konzentrieren? Ein kommerziell orientierter Blogger würde die Frage wahrscheinlich mit einem deutlichen Ja beantworten und in seiner Begründung würden die Worte „Zielgruppe“, „Effizienz“ und „Fokus“ vorkommen. Aber was ist mit allen anderen, den Gelegenheitsbloggern, Geschichtenerzählern, Tagebuchschreibern? Auch die könnten sich die Frage stellen und dabei auf weitere Fragen kommen:
Will ich meine Leser für mich interessieren oder für meine Themen?
Will ich in erster Linie publizieren oder kommunizieren?
Diskutiere ich lieber mit einer kleinen treuen Schar von Lesern, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren und dieses gerne vertiefen?
Oder sollte jeder Post wieder andere Leser ansprechen, die möglicherweise eher zufällig auf das Blog stossen und auch schnell wieder verschwinden, durch ihre Kommentare aber eher für Überraschungen und neue Impulse sorgen können?
Ist das nicht das alte Lied von Leben, Liebe und Freundschaft?
Wer findet eine passende Frage zu der folgenden Antwort?
Wahrscheinlich habe ich damals die These vertreten, dass Erinnerungen, die es wert sind, ohnehin als lebendiges Bild vor meinem inneren Auge bestehen bleiben.
Am 1.Mai findet mein 20jähriges Abi-Jubiläum statt. Lohnt es sich, dafür nach Deutschland zu fliegen?
Ist das nicht eine einmalige Möglichkeit, meine Menschenkenntnis zu testen, meine Vorurteile von damals mit der Realität abzugleichen, mein statisches Menschenbild zu korrigieren, kuriose Geschichten von Zeitgenossen meiner Generation zu erfahren, mich inspirieren zu lassen und alte Kontakte wieder aufleben zu lassen?
Oder erwartet mich nur oberflächliches Gebrabbel mit viel zu vielen Menschen, die für einen Tag wieder in die Rollenmuster der damaligen Zeit zurückfallen, ihren Lebenslauf aufsagen und mit denen mich sowieso nicht allzuviel verbindet (denn ansonsten hätten wir ja heute noch Kontakt)?
Jungbrunnen oder programmierte Enttäuschung – was ist wahrscheinlicher? Ich muss bis Sonntag buchen und warte noch auf das durchschlagende Argument.
Ähm, üben die Zeitungen seit ein paar Tagen für den 1.April oder kann es sein, dass gerade etwas ernsthaft aus dem Ruder läuft? Ändert sich gerade mal wieder die finanzpolitische Mode? Versucht man bald wieder, die wilden Finanzkräfte zu bändigen anstatt sich auf ihre guten Wirkungen zu verlassen? Hat der Markt an sich an Attraktivität verloren?
Können wir unser Denken im Alter verbessern? Können wir unsere Erinnerung schulen? Können Gedanken das Gehirn umbauen? Was geschieht bei der Meditation im Kopf? Kann Erziehung das Hirn konstruieren? Können wir Kindern bei der Entwicklung ihres Denkapparats neurodidaktisch helfen? Macht Denken glücklich, und wenn ja, wie müsste man denken, um es zu werden?
Diesen Fragen will die FAZ demnächst auf den Grund gehen. Aber nicht im Wissenschaftsteil, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern im Feuilleton. Hirnforscher begleiten mittlerweile in starkem Masse kulturelle Debatten, die vormals Künstlern, Philosophen oder Geisteswissenschaftlern vorbehalten waren. Das kann der Wahrheitsfindung nur gut tun, finde ich, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven auf die gleiche Sache schauen und sich über ihre jeweilige Sicht austauschen (musste sofort an die Parabel von den Blinden und dem Elefanten denken).
Und warum nicht noch einen Schritt weiterdenken: warum sind Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, etc. überhaupt so säuberlich getrennt? Werden dadurch nicht eher Zusammenhänge zerschnitten als Übersicht geschaffen? Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, ob man eine Zeitung nicht auch völlig anders gliedern könnte?
Man fordert von Gläubigen immer wieder mal Gottesbeweise. Diejenigen Menschen, die es nach eigenen Angaben geschafft haben, Gott zu erleben, sind leider nicht in der Lage, ihre Erkenntnisse in verständlicher Weise anderen mitzuteilen, was sie erlebt haben. So ist es ja übrigens auch mit den meisten anderen Erlebnissen. „Muss man erlebt haben“, ist natürlich immer eine unbefriedigende Antwort. Es ist leider für aussenstehende auch unmöglich zu entscheiden, ob der Gegenüber einer Illusion erlegen ist oder wirklich Zugang zu höheren Welten erlangt hat.
Stellen wir jetzt mal vor, es gäbe tatsächlich die Möglichkeit ein Sinnesorgan zu entwickeln oder zu aktivieren, mit der wir in der Lage wären, Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen blieben. Wie sollten diejenigen, die es geschafft haben, mit den anderen kommunizieren können? Wie sollte ein Blinder verstehen, wenn ein Sehender ihm sagt: „der Himmel ist blau“. Der Blinde weiss nicht mal, was eine Farbe ist. Was soll er mit der Ausprägung „blau“ anfangen können?
Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, darüber zu sprechen, was eine Farbe ist? Oder sollte man das Thema lieber vermeiden, das beide sich auf einer anderen Ebene bewegen, die keine Kommunikation zulässt – also nur über den kleinsten gemeinsamen Nenner kommunizieren?
Warum lächeln mir so viele Frauen zu, wenn ich mit meinem kleinen Söhnchen Rollschuh laufe? Und nur dann!? Welche mir unbekannten Instinkte werden durch welche mir unbekannten Assoziationen erweckt? Kann man diese Instinkte auch auf weniger anstrengende Weise direkt ansprechen? Oder leide ich an verzerrter Wahrnehmung?
Ich lasse mich in meinem Urteil über Männer in grossem Masse davon beeinflussen, mit welcher Frau ein Mann zusammen ist. Ein Mann schrumpft in meinem Ansehen, wenn er eine langweilige, zickige, ausstrahlungslose, uninteressante, humorlose oder (ich gebe es zu) hässliche Frau hat. Eine fantastische Frau hingegen, die mit einem Idioten zusammen ist (der selbst durch den Charme seiner Frau nicht interessant wird) – nun gut, die hat sich eben getäuscht. Die Frau steht für sich allein. Der Mann definiert sich durch seine Frau. Die Frau strahlt von alleine. Die Frau ist die Sonne, die den Mann ins rechte Licht setzt.
Ach ja, ich bin ein Mann. Und hier der Form halber, ist ja schliesslich das Frage-Blog, auch noch ein Fragezeichen: ?
Ist das denkbar: eine Partei, die mit der Forderung nach vollständiger Transparenz des Staates (nicht die der Bürger, da arbeiten ja schon ein paar übereifrige Politiker dran) als politisches Programm in den Wahlkampf zieht? Zum Beispiel:
Einsicht des Bürgers in alle Entscheidungsfindungsprozesse der Bundes- und Landesregierungen und Ministerien
Die sogenannte 68er-Generation wird immer mal wieder für den Niedergang familiärer Werte verantwortlich gemacht. Ist es nicht vielmehr so, dass die 68er als erste diesen Niedergang erkannt haben und die Bigotterie von innerlich kaputten und nur fassadenhaft aufrechterhaltenen Ehen nicht ertragen konnten?
Wird also nicht der Überbringer der schlechten Botschaft bestraft?
Jeder, der etwas auf seine Religion hält, sollte sich diese Frage weder stellen, noch sie versuchen zu beantworten. Egal, wie die Antwort lautet, würde sie auch mit grosser Wahrscheinlichkeit passen, wenn man das Wort Religion durch irgendetwas anderes, zum Beispiel durch Drogen oder Freunde ersetzt.
Sollte Religion nicht den Anspruch haben, Wahrhaftigkeit zu vermitteln, anstatt eine wie auch immer geartete Funktion zu erfüllen? Spielt sie nicht mit ihrer Existenz, wenn sie sich auf einen Nutzen beruft?
Heinz Ehrhard war stets von dem Alptraum geplagt, dass ihm eines Tages die Ideen ausgehen könnten. Kann das auch einem Blogger passieren? Eines Tages aufwachen und schlicht und einfach keinen Einfall mehr, keine Spur von Inspiration, kein noch so ausgetretenes Thema mehr, über das er schreiben könnte?
Akzeptieren, was der Chef sagt, nur weil er der Chef ist. Obwohl er eigentlich nicht mehr weiss, keine besseren Ideen hat, keine besseren Entscheidungen trifft. Einfach nur weil er Chef ist. Druck auszuhalten, weil irgendein Mensch irgendetwas Sinnloses von dir will, das er nicht mal richtig begründen kann – und muss. Nur weil er zufällig der Chef ist. Weil ihr euch im Jahr X zufällig in diesen künstlichen Rollen wiedergefunden habt. Er der Chef, weil er irgendwie früher da war oder sich mit irgendjemanden, der irgendwie früher da war, gut verstanden hat. Disziplinieren lassen von einem undisziplinierten Menschen, nur weil er dein Chef ist. Weil auf irgendeinem Zettel steht, dass er das darf. Freundlich sein zu einem Menschen, der dir zutiefst zuwider ist, dem du im richtigen Leben nicht mal die Hand geben würdest, geschweige denn ein Bier trinken. Er der Chef, er darf dich kritisieren, erziehen, Ziele festlegen, dich kontrollieren, dich loben. Er der strenge Vater, du das Kind, das nicht frech sein darf, das gehorchen muss, das um Aufmerksamkeit betteln muss.
Ist die FPD ein Umfaller, wenn sie eine Ampel-Koalition eingeht? Ist die SPD ein Umfaller, wenn sie sich von der Linkspartei unterstützen lässt? Sind die CDU und die Grünen Umfaller, wenn sie eine Jamaika-Koalition schmieden? Umfallen kann man ja eigentlich nur, wenn man vorher aufrecht gestanden hat, oder?
Warum hängen sich die Parteien ohnehin vor Wahlen so weit aus dem Fenster und ketten ihr Schicksal an das der anderen Parteien? Baut ernsthaft noch irgendein Wähler auf Versprechen vor einer Wahl? Wäre es nicht für alle ein Befreiungsschlag, hemmungslos kopulieren koalieren zu können?
Warum koalieren man eigentlich überhaupt – man könnte doch Mehrheiten einfach pro Thema schmieden? Würde das dem Wählerwillen nicht näher kommen?
Mal angenommen, 10 Leute stranden auf einer Insel. Zunächst werden sie all ihre Zeit ohne Unterlass damit beschäftigt sein, etwas zu essen zu finden und einen geschützten Unterschlupf zu finden. Sie werden nach einiger Zeit Werkzeuge bauen und Methoden entwickeln, die es ihnen erlauben, effizienter zu werden und ihre Arbeitslast erheblich zu reduzieren. Dem gesunden Menschenverstand folgend, werden sie die verbleibende Arbeit auf alle 10 verteilen, jeder wird also von der steigenden Produktivität profitieren und alle ernährt werden können.
Wenn sie allerdings einen Industriestaat als Vorbild nehmen würden, würden 3 Leute weiter Tag und Nacht schuften, 3 würden so tun als ob und für den Rest bliebe nichts zu tun, er müsste aber ein gewisses Engagement zeigen, seine Nützlichkeit beweisen, um überhaupt etwas zu essen zu bekommen.
Die Börsenturbulenzen bestimmen seit drei Tagen Print-Medien und Fernsehen. Die Blogosphäre hingegen nimmt das Thema so gut wie nicht wahr (Ausnahme: Spiegelfechter). Warum ist das so? Ich glaube nicht, dass es an Inkompetenz oder Selbstüberschätzung liegt. Es scheint nur keine Blogger zu geben, die sich dafür interessieren. Ich erwarte von Blogs wie Spreeblick oder Nerdcore auch nicht, dass sie ihren Senf zu wirtschaftlichen Entwicklungen abgeben. Das würde mich sogar irritieren.
Allerdings ist es doch seltsam, dass sehr viel über Startups gebloggt wird, aber keines der Technologie-Blogs, Gründer-Blogs, Startup-Blogs, VC-Blogs, Web2.0-Blogs – auch kein Techcrunch oder Basicthinking- mal darüber nachdenkt, welchen Einfluss diese Turbulenzen auf ihre Themen oder gar ihre Existenz haben. Hat nicht der letzte Börsencrash im Jahr 2000 die Träume einer ganzen Generation von Gründern ausgelöscht und eine mehrjährige Risikokapital-Eiszeit ausgelöst? Hält man das für eine wirtschaftsgeschichtliche Ausnahme?
Werden solche Gedanken verdrängt? Oder schätzt man die Turbulenzen als nicht relevant ein? Oder ist der Tunnelblick eine Qualität von Gründern? Ich wundere mich.
Google macht eine sehr sorgfältige Trennung zwischen organischen Suchergebnissen und bezahlten Suchergebnissen. Organische Links werden nach Relevanz ausgewählt (was immer das sein mag), bezahlte Links (auch AdWords genannt) vor allem nach dem gebotenen Preis der Werber für Suchwörter.
Es scheint, dass Suchende aber mehr Vertrauen in die organischen Links haben (wahrscheinlich weil diese nicht explizit als Werbung deklariert sind). Als Ergebnis bildete sich ein ganzer Industriezweig: die Suchmaschinenoptimierer (SEO). Diese Leute entwickeln und verwenden Methoden, um die Links ihrer Kunden in der organischen Suche weiter oben erscheinen zu lassen. Das ganze scheint für viele Werber rentabler zu sein als für das Erscheinen von Werbelinks zu bezahlen. Google ist das natürlich ein Dorn im Auge, weil erstens die Relevanz organischer Ergebnisse kompromittiert wird und weil sie zweitens Werbeeinnahmen von Firmen verlieren, die sonst gezwungen wären, für das Erscheinen der Links zu zahlen. Und so entwickelt sich seit einigen Jahren ein Katz-und-Maus-Spiel: Google ändert den Suchalgorithmus, die SEOs passen ihre Methoden an.
Sind das – aus Sicht von Google – nicht verschwendete Energien? Und ist das überhaupt im Sinne der Benutzer, also derjenigen, die etwas Relevantes im Netz suchen? Die Suchqualität scheint zu sinken – ist die Zeit für etwas anderes gekommen?
Ich stelle deshalb mal einen ketzerischen Vorschlag in den Raum: warum schafft Google die Trennung in organische und bezahlte Links nicht einfach ab und lässt alle dafür zahlen, die Links zu ihrer Seite oben zu platzieren? Jeder kann seine Seite selbst anhand von Schlüsselwörtern indizieren und einen Preis nennen – wobei der Preis auch 0 Euro sein kann. Die Suche nach Schlüsselwörtern, für die sich niemand registriert hat, bleibt ergebnislos. Ansonsten werden die Ergebnisse in der Reihenfolge der aktuellen Gebote gezeigt. Wären die Ergebnisse wirklich schlechter als heute?
Ameisen strömen in alle Richtungen aus, um Futter zu suchen. Diejenigen, die etwas gefunden haben, signalisieren den anderen den Fundort. Das Futter kommt der ganzen Kolonie zugute. Statistisch gesehen sind es immer wieder andere Ameisen, die erfolgreich sind. Natürlich – denn der ganze Mechanismus ist darauf ausgelegt, alle mögliche Wege zum Futter zu untersuchen, auch die verkehrten. Keine Ameise wird dafür bestraft, kein Futter gefunden zu haben. Keine Ameise wird zum Superstar, weil sie zufällig etwas gefunden hat.
Das Gründen von Startups erinnert von einem übergeordneten Blickwinkel auch an eine Ameisenkolonie. Gründerameisen schwärmen aus, um tragfertige Ideen zu finden. Nur wenige finden den richtigen Weg. Im Gegensatz zu Ameisen kooperieren sie zwar nicht, von Erfolgen profitieren aber in gewisser Weise wieder alle – andere Startups durch Investitionsgelder, die Volkswirtschaft durch Innovation und Wertschöpfung. Im Gegensatz zu Ameisen werden die Gewinner aber gefeiert und übermässig belohnt – und die anderen oft als Verlierer abgestempelt, was ohne Frage kontraproduktiv ist. Nur dort, wo auch die Verlierer gewürdigt werden, schwärmen genügend aus.
Ist nicht unserere ganze Gesellschaft ein Ameisenhaufen, der die Verlierer bestraft und individuelle Leistung überbewertet?
Seit einem halben Jahr hat Belgien keine gewählte Regierung, so beginnt dieser FAZ.net-Artikel. Das Leben in Belgien scheint aber trotzdem weiterzugehen.
Was ist also so schlimm daran, keine Regierung zu haben? Was würde denn in Deutschland passieren, gäbe es ein paar Jahre lang keinen Bundeskanzler, kein Kabinett, keine Bundestagssitzungen? Der Bundespräsident müsste dann halt ein paar Besucher mehr empfangen und es würden keine neuen Gesetze verabschiedet. Aber die alten Gesetze gelten ja weiter. Die meisten Gesetze sind ja ohnehin schon uralt. Ein paar Jahre länger werden sie’s dann auch tun. Und die Verwaltungen in Exekutive und Judikative arbeiten ja auch weiter. Und sonst? Keine Wahlkämpfe mehr und keine Machtkämpfe, keine billige Polemik, kein Schaulaufen in Talk-Shows, keine Pseudo-Diskussionen in Parlamenten, keine Gehälter für Vor- und Hinterbänkler, keine Ansprechpartner für Lobbyisten. Ist das nicht eher angenehm? Verliert Deutschland dann seinen Kopf – oder vielmehr seinen Blinddarm oder gar ein Magengeschwür?
Und wenn man wirklich mal ein Gesetz braucht, könnten Vorschläge ja von Bürgerinitiativen kommen und von den zuständigen Beamten in den Ministerien ausgearbeitet werden. Hat das schonmal jemand vorgeschlagen?
Was mich beschäftigt und was ich gerne von euch wissen möchte: habt ihr, bevor ihr einen Artikel postet, ein Gefühl dafür, ob der Artikel viel gelesen, referenziert oder kommentiert wird? Oder seid ihr (wie ich) jedesmal aufs neue überrascht, welche Reaktionen ein Artikel hervorruft?
wie Albert Einstein sagt, weil Wissen im Gegensatz zu Phantasie beschränkt ist, ist dann das Internet eine eher kontra-produktive Erfindung, weil es vor allem Wissen transportiert – aber Phantasie nicht oder kaum fördert, sondern in vielen Fällen auch verkümmern lässt?
Die Feudalherren des späten Mittelalters verschliefen die Geldwirtschaft. Die Währung des Erfolgs und des Reichtums hiess Macht. Ihr Ziel hiess: zu Adligen werden. Der Systemwechsel von der Feudal- zur Marktwirtschaft ist ihnen schlecht bekommen. Denn nun war Geld die Währung des Erfolgs. Und Macht liess sich nicht so leicht in Geld umwandeln wie Geld in Macht. Der Adel verarmte.
Sind wir gerade in einem Übergang zu einer neuen Ökonomie von der Marktwirtschaft zur Aufmerksamkeitsökonomie? Dieser Frage und ihren Implikationen widmete sich bereits vor 10 Jahren Michael Goldhaber in einem bemerkenswerten Essay:
Heisst die neue Währung des Erfolgs bald Aufmerksamkeit statt Geld?
Ist Darstellen, nicht Produzieren der künftige Weg zum Erfolg?
Ist das Preisgeben geistigen Eigentums und auch eines grossen Teils der Privatsphäre Grundbedingung für Erfolg in der Aufmerksamkeitsökonomie?
Lässt sich Aufmerksamkeit leichter in Geld umwandeln als Geld in Aufmerksamkeit?
Werden finanzielle Transaktionen auf Kosten von Aufmerksamkeitstransaktionen an Bedeutung verlieren?
Sind wir der Aufmerksamkeitsökonomie in den letzten 10 Jahren ein deutliches Stück näher gekommen?
Wenn man das mal weiterzudenken versucht, leben wir dann irgendwann in einer Welt, in der folgendes gilt?
Menschen führen Aufmerksamkeitskonten, die ausweisen, wieviel Aufmerksamkeit sie besitzen?
Es gibt standardisierte Mechanismen um Aufmerksamkeit zu transferieren, also um damit reelle Güter und Dienstleistungen zu bezahlen?
Unternehmen werden an einer Aufmerksamkeitsbörse notiert, die angibt, wieviel Aufmerksamkeit das Unternehmen besitzt?
Es gibt Aufmerksamkeitsräuber, die es schaffen, mit Aufmerksamkeit gesegneten Menschen, Aufmerksamkeit zu entziehen und sich selbst anzueignen?
Wenn mehr Aufmerksamkeit erzeugt wird als echte Werte produziert werden, gibt es Aufmerksamkeitsinflation?
Eine zentrale europäische Behörde regelt Aufmerksamkeitsparameter – wie zum Beispiel den Aufmerksamkeitszins (was immer das sein mag, da fehlt mir die Phantasie)?
Ein Ratgeberbuch namens „Aufmerksamkeit macht nicht glücklich!“ steht seit Jahren auf der Aufmerksamkeitsliste ganz oben?
Ein geflügeltes Wort heisst: „Aufmerksamkeit stinkt nicht!“?
jeder hört nur dem zu, der ausspricht, was er ohnehin schon denkt
wir lassen in einer informationsflut daten vorfiltern von leuten, die uns nahestehen, oder von algorithmen, die wir mit unseren vorlieben füttern
damit bekommen wir nur das, was wir schon wissen, was wir schon mögen, was wir schon kennen
und wir lernen leute kennen, die immer in das gleiche raster passen. wir bilden ghettos mit gleichgesinnten und verkrusten zusammen und bestärken uns in unseren überzeugungen
Kandidaten: Unternehmensgrösse, Standort, Organisation von Gewerkschaften, soziale Herkunft, Verhältnis von Angebot und Nachfrage, technologische Entwicklungen, konjunkturelle Situation, Diplome und Zeugnisse, Alter des Mitarbeiters, Skrupellosigkeit, Bereitschaft zur Vetternwirtschaft, Glück. Was noch und was wieviel?
Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht sicher. Aber ein Faktor spielt definitiv keine Rolle: Leistung. Warum eigentlich nicht? Weil man sie nicht messen will? Oder kann?
Und ist das der Grund, warum manche Politiker immer wieder mal hysterisch rufen: „Leistung muss sich wieder lohnen!“? Gab es denn mal eine Zeit, als sich Leistung lohnte?
[Inspiration: Brandeins]
Wenn Maschinen irgendwann die Weltherrschaft anstreben, dann sollten sie die folgende Geschichte genau lesen, denn die könnte später mal als nützliche Anleitung dienen. Einer Spam-Software gelingt es, Menschen (genauer gesagt: Männer) dazu zu bringen, für sie Texte in Bildern zu identifizieren (sogenannte Capchas). Warum sollten Menschen einen solchen Sklavendienst leisten? Weil sie für jedes gelöste Captcha ein neues Bild einer sich langsam entblätternden Frau zu sehen bekommen. Perfektes Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Menschliche Schwächen verbinden sich mit denen der Maschine für einen schlechten Zweck.
In Anlehnung an einen Gedanken von Spiesser Alfons [via StoiBär], der sagt, dass Eisenbahner viel weniger verdienen als die Kreativdirektoren in deutschen Werbeagenturen, ihre Arbeit aber viel wichtiger für das Funktionieren unserer Wirtschaft und Gesellschaft ist.
Könnte man das gleiche nicht auch für die Briefträger gegenüber der Vorstandsetage der Post sagen? Oder die Stahlgiesser im Vergleich zum Finanzchef von Daimler oder BMW? Oder die Microsoft-Programmierer im Vergleich zu Steve Ballmer?
Ich weiss natürlich, dass es natürlich potentiell mehr Menschen gibt, die Lokführer, Stahlgiesser oder Programmierer werden könnten. Und dieses erhöhte Angebot drückt die Gehälter. Andererseits ist schon erstaunlich, dass anscheinend diejenigen, die sich um die Details kümmern und die Sache am laufen halten, geringer bewertet sind als diejenigen, die organisieren, delegieren und für die grossen Linien verantwortlich sind. Es sind zufälligerweise auch diejenigen, deren Arbeit man schneller und unkomplizierter beurteilen kann. Gibt es da einen Zusammenhang? Kann man die Leistung der Chefs überhaupt objektiv beurteilen – oder ist der Börsenwert, der ja oft als Mass herangezogen wird, viel stärker von anderen Faktoren abhängig?
Stimmt also der alte Witz von den zwei Löwen, die aus dem Zoo ausbrechen und sich nach ein paar Monaten wiedertreffen? Der eine ist hager, der andere fett. Der Hagere sagt: ich habe gerade mal einen einzigen Menschen fressen können, danach wurde ich ständig gejagt und war ununterbrochen auf der Flucht. Der Fette sagt: ich habe mich neben den Eingang eines IBM-Büros gesetzt und habe jeden Tag einen Manager gefressen. Das ist niemandem aufgefallen.
Auf die Frage Sollten Top-Manager ihre Gehälter offenlegen? hat der Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinngemäss geantwortet: „Besser nicht. Das bringt nur die Neider auf den Plan.“
Und dann
gehen erst die Manager weg (dahin wo sie für ungerechte Gehälter nicht beneidet werden)
und dann die Unternehmen (dahin wo die Manager sind)
und schliesslich die Arbeitsplätze (dahin wo die Unternehmen sind)
Aber stimmt das wirklich? Kostet Transparenz Arbeitsplätze? Ist das eine intelligente Lösung, unangenehme Wahrheiten einfach zu verschweigen oder zu vertuschen anstatt sie zu korrigieren?
Könnte es nicht auch sein, dass das Verschweigen die Phantasie der Mitarbeiter anstachelt und Zahlen erfinden lässt, die als ungerecht empfunden werden? Könnte die Offenlegung die Arbeitsatmosphäre nicht erheblich verbessern (siehe Business Week)?
Könnte es nicht auch passieren, dass dann Manager die Unternehmen führen, die mit gerechten Gehältern zufrieden sind? Führen die etwa die Unternehmen schlechter? Hängt der Erfolg eines Unternehmens überhaupt von so wenigen Personen ab?
Wie kommt es übrigens, dass Toyota das erfolgreichste Automobil-Unternehmen der Welt ist? Kann es auch damit zusammenhängen, dass der Vorstand dort durchschnittlich lediglich 260.000 Euro verdient?
Wie legt man eigentlich ein gerechtes Gehalt fest? Eine faszinierende Berechnung, basierend auf dem Goldenen Schnitt, findet sich bei Brandeins.
Hat schon mal jemand die Farbkartuschen seines Druckers vertauscht – z.B. Magenta mit Schwarz und Gelb mit Cyan – und dann ein paar Bilder damit ausgedruckt?
Die Kartuschen meines Druckers waren eben noch leer. Ich habe sie gerade ausgewechselt. Aber mich wieder nicht getraut…
Lässt sich der gleiche Effekt auch künstlich, das heisst mit Programmen wie Photoshop simulieren? Könnte dabei so etwas ähnliches rauskommen wie auf dem Bild da oben?
Qualität natürlich! Oder? Stellen wir uns vor, die Erde wird von einem Meteoriten getroffen und unsere Zivilisation völlig zerstört.
Szenario: 100000 beliebige Menschen überleben.
Szenario: 10000 ausgewählte Menschen überleben, alle die jeweils besten ihres Gebiets.
Wer würde die Zivilisation schneller wieder aufbauen – die wenigen Spezialisten oder die vielen Otto Normalverbraucher? Ist also Qualität oder Quantität entscheidend?
Hat die kleine Gruppe der Spezialisten einen Startvorteil, weil sie durch ihr Wissen schneller in der Lage sein könnte, die neue Welt bewohnbar zu machen? Können sie von ihrem Wissen direkt profitieren und Lösungen finden, die bereits die Überlebenschancen der nächsten Generation erheblich verbessern? Können sie durch pädagogisches Wissen die nächste Generation vor entscheidenden Fehlern bewahren?
Oder hat die grosse Gruppe der Durchschnittsmenschen einen Startvorteil, weil einfach mehr Menschen durchkommen werden und Nachkommen zeugen, die mit grösserer Wahrscheinlichkeit an die neue Umgebung angepasst sein werden? Können die Spezialisten ihr Wissen überhaupt in die nächste Generation retten? Ist ihr Wissen von praktischer Bedeutung? Entsteht in der grossen Gruppe nicht eine grössere Vielfalt, die durch stärkere soziale Interaktion auch zu mehr Ideen führt, die dann ihrerseits durch die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten auch zu mehr Kreativität und besseren Lösungen führt?
Als beste Strategie, um auf seinen Blog aufmerksam zu machen, gilt das Setzen von Trackbacks und das Kommentieren von Artikeln anderer Blogs (und das damit verbundene Verlinken auf den eigenen Blog). Ein anderes Blog ist damit gleichzeitig Werbeplatform und Konkurrenz im Kampf um Aufmerksamkeit. Das führt dazu, dass ein grosser Teil von Kommentaren in Blogs – gerade bei bekannten Blogs – von anderen Bloggern gemacht werden.
Würden diese Blogger Artikel auch kommentieren, wenn sie nicht wüssten, dass sie damit ein paar Leser abgreifen können? Würden sie andere Blogs überhaupt lesen? Wie gross ist überhaupt der Anteil von Lesern, die nicht Teil der Blogosphäre sind?
Wenn die Vermutung zuträfe, dass Blogger sich zwar gegenseitig Aufmerksamkeit verschaffen, es ihnen aber nicht gelingt, andere Leserschichten ausserhalb der Blogosphäre zu erschliessen, befänden wir uns dann nicht in einer Blase? Gibt es eine Analogie mit dem Internet-Boom in den 90ern, als werbefinanzierte Startups Geld in Werbung investierten, die anderen werbefinanzierten Startups ihren Werbeetat finanzierten – mit dem Unterschied, dass die Währung Aufmerksamkeit heisst? Könnten erfolglose oder enttäuschte Blogger, die sich vom Bloggen wieder abwenden, eine Abwärtsspirale auslösen? Sind die rückgängigen Verlinkungen und das Dämmern des Blogblues Indiz für das baldige Platzen der Bloggerblase?
Die Wirkung aller Medikamente basiert zu einem Grossteil (bei homöopathischen Medikamenten möglicherweise sogar ausschliesslich) auf dem sogenannten Placebo-Effekt, das heisst sie beruht auf einer Art Selbstheilung des Patienten – bestärkt durch die Idee, dass das Medikament helfen wird.
Funktioniert der Placebo-Effekt auch noch, wenn ich über ihn Bescheid weiss? Und wenn nicht: gehört dann nicht die Aufklärung über den Placebo-Effekt verboten? Kann also die Wahrheit der Gesundheit schaden? Sollten Ärzte im Interesse der Gesundheit ihren Patienten falsche Tatsachen vorspiegeln?
Wer sich schon mal die folgenden Fragen gestellt hat oder sie sich zu stellen traut, den könnte das Buch „Das Ende ist mein Anfang“ des früheren Spiegel-Korrespondenten Tiziano Terzani interessieren – es zeichnet das letzte Gespräch des Todkranken mit seinem Sohn nach.
Hat mein Leben einen roten Faden? Woran erkenne ich ihn?
Kann man die Welt verstehen, wenn man sich sein ganzes Leben mit Hingabe einem einzigen ganz speziellen Thema widmet?
Was ist echter Journalismus? Ist Objektivität wichtig für einen Journalisten?
Was ist der Unterschied zwischen Wahrheit und Fakten?
Worin liegt der Wert des Abenteuers?
Worin liegt der Wert kultureller Vielfalt?
Was macht den Vietnam aus? Was macht China aus? Was macht Japan aus?
Lernen wir aus der Geschichte?
Verändert die Gesellschaft den Einzelnen oder der Einzelne die Gesellschaft?
Sollte ich an einer Gabelung nach oben oder nach unten gehen?
Über Brandeins bin ich auf ein interessantes Konzept names ROWE gestossen: Angestellte können selbst entscheiden, wo und wann sie arbeiten. Es gibt keine Anwesenheitspflicht mehr. Der Mitarbeiter wird ausschliesslich am Ergebnis gemessen. Die Firma Best Buy hat das Konzept für einen Teil seiner Mitarbeiter in der Verwaltung eingesetzt und immense Produktivitätssprünge gemessen.
Ist ROWE die richtige Antwort auf Probleme wie mangelnde Motivation, unproduktive Arbeitsumgebungen, Schwierigkeiten beim Ausbalancieren von Arbeit und Freizeit? Gibt ROWE Mitarbeitern Flexibilität, Verantwortung und letztlich die Freiheit, ihr Leben selbst organisieren zu können?
Oder entfacht ROWE lediglich ein produktives Strohfeuer, das in kurzer Zeit seine Angestellten verbrennt, die den Druck, Ergebnisse liefern zu müssen, nun ständig mit sich herumtragen müssen und denen man damit auch jede Ausrede aus der Hand nimmt? Fördert sie nicht eine Controller-Mentalität, in der das Was wichtiger ist als das Wie, in der dann der Zweck die Mittel heiligen darf? Lässt ein Unternehmen damit nicht auch seine Mitarbeiter in gewisser Weise allein?
Nehmen wir mal an, der Trend hin zu Web-Applikationen sei keine Modeerscheinung sondern Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses der Computerbenutzer nach einfacherer Handhabung, mehr Mobilität, mehr Kommunikation und Kollaboration und weniger Administration (keine Software-Installation, kein Datenback-Up, kein Ärger mit Viren, u.s.w.). Nicht nur typische Web-Anwendungen wie E-Mail, Fotosharing oder Suche, sondern auch viele andere typische PC-Anwendungen wie Briefe schreiben, Haushaltsabrechnung machen, Kalender, Verwalten von Adressen und TODO-Listen wandern ins Netz.
Wozu brauchen die meisten Menschen dann noch einen PC?
Wäre es also nicht logisch, dass Home-PCs zu einem Grossteil von anderen Devices mit Web-Browser, z.B. Mobiltelefonen, MP3-Player oder einfachen Internet-Tablets ersetzt werden und nur noch für Spezialanwendungen wie CAD, Publishing, Video-Bearbeitung, Simulationen oder andere Ressourcen-aufwändige Anwendungen benutzt werden?
Würde der PC dann das, was die Mainfraimes früher waren – Spezialgeräte für Spezialisten, Unternehmen und Forschungsinstitutionen?
Wenn also Office-Applikationen und Betriebssystemsoftware dramatisch an Marktanteilen verlieren würden, was passierte dann mit Microsoft? Könnten sie ihr Monopol auf dem Markt dieser neuen Geräte übertragen und so den Verlust an verkauften PCs und Office-Paketen wettmachen? Und wenn nicht, wer könnte zum Erben werden?
Welche Firma ist mit solchen Geräten bereits extrem erfolgreich, hat ein hervorragendes Markenimage und in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ein Gespür für Benutzerfreundlichkeit und Design haben (beides Dinge, die in diesem Markt wichtiger sind als im PC-Markt)?
Darf ich also meine Frage aus der Überschrift wiederholen: gewinnt Apple doch noch den PC-Krieg?
Wer sich die folgenden Fragen schon einmal gestellt hat oder es interessant finden könnte, sie sich zu stellen, der könnte sich für das Buch „The 4-Hour Workweek“ von Timothy Ferriss interessieren:
Welche Vorteile hat eine NOT-TODO-Liste gegenüber einer TODO-Liste?
Wie würde meine Karriereplanung aussehen, wenn ich nie in Rente gehen dürfte?
Wäre es nicht sinnvoller, jedes Jahr einmal in Rente zu gehen als einmal im Leben?
Bin ich produktiv oder nur aktiv?
Erfinde ich mir Aufgaben, um die wichtigen Aufgaben zu vermeiden?
Wieviele der Ws (was, wann, wo, für wen) im Arbeitsleben bestimme ich selbst?
Was würde ich machen, wenn ich morgen meinen Job verlieren würde?
Wie hoch sind die Kosten, etwas nicht zu tun oder zu verschieben?
Was fände ich aufregend?
Was kosten meine Träume? Was kostet es, sie nicht zu erfüllen? Was kann mir schlimmstenfalls passieren, wenn ich es versuche?
Sind Märkte rational? Sind ihre Entscheidungen also vernünftig und nachvollziehbar?
Da Märkte ja nichts anderes als Menschen mit Bedürfnissen sind: handeln einzelne Marktteilnehmer rational?
Oder anders gefragt: verfolgen einzelne Marktteilnehmer mit ihrem Handeln einen Zweck, den sie begründen können und den andere nachvollziehen können? Und wieviele braucht es davon für einen rationalen Markt?
Kann die Summe von irrationalen Einzelentscheidungen ein rationales Resultat hervorbringen?
Was sind die Grundvoraussetzungen, damit ein Markt überhaupt rational sein kann?
Was sind die Vorteile von rationalen Märkten? Gibt es auch Nachteile?
Gibt es Möglichkeiten, Märkte zu „rationalisieren“, Massnahmen, um sie rationaler zu machen?
Wenn es wenigstens Besserwisser waeren, die sich in den Vordergrund spielen, aber es sind ja meist die Schlechterwisser 11 hours ago
Alles konnte man ihm verzeihen, aber nicht, dass er Recht hatte 11 hours ago
Ist die folgende Bitte noch zeitgemäss: "Ich kann es dir jetzt nicht erklären, du musst mir vertrauen!"? 2 days ago
Bei diesem Wetter würde ich keinen Hund vor der Tür begraben 3 days ago
@uebersetzer Da die meisten Selbstmörder Depressive sind,scheint mir dein Pathos vom christl. motivierten Zwang zu Leben ins Leere zu zielen 3 days ago