Jens Jessen von der Zeit hat vor ein paar Wochen in einem Video-Podcast die Forderung aufgestellt, dass sich im Internet niemand mehr anonym bewegen dürfe, um Urheberrechtsverletzungen, kriminelle Aktivitäten, Beleidigungen und Diskriminierungen zu verhindern. Er verglich das Internet mit einer Stadt, das von marodierenden Banden durchzogen sei, die im Schutze der Anonymität ungestraft ihr Unwesen treiben dürften.
Ich frage mich, welche Folgen die konsequente Durchsetzung einer solchen Forderung hätte (insofern sie überhaupt technisch und verfassungsrechtlich durchsetzbar wäre). Würden Beleidigungen und Diskriminierungen wirklich dramatisch zurückgehen – oder würden sie vielleicht nur in einer Weise formuliert, dass sie rechtlich nicht angreifbar sind (so wie das die Bild-Zeitung immer mal wieder hinbekommt)? Würde Musik tatsächlich gekauft anstatt aus dem Internet geladen – oder würde sie halt wie früher einfach unter Freunden kopiert? Und sind denn diese Beleidigungen wirklich ein Problem, das sich nicht einfacher, zum Beispiel durch schlichtes Löschen lösen lässt (so wie es ja fast überall praktiziert wird)? Werden Fehlinformationen im Internet nicht automatisch durch die Vielzahl von Quellen und Korrekturen eliminiert?
Welchen Preis müssten wir für das Aufgeben der Anonymität zahlen? Wäre ein massiver Rückgang von Transparenz, Offenheit und Wahrheit die Folge, weil sich viele Menschen aus Gründen möglicher Abmahnungen oder Probleme mit ihrem Arbeitgeber gar nicht mehr bequemen würden, ihre Meinung im Internet kundzutun, Produkte zu bewerten, Probleme mit Unternehmen zu beschreiben oder vor illegalen Machenschaften zu warnen? Geht es Jessen in Wahrheit vielleicht nur darum, das bröckelnde Meinungsmonopol der grossen Medien zu verteidigen?
Und warum dann nicht konsequenterweise jeden Menschen mit einem Funkchip samt Mikrophon und Kamera ausstatten, der jede seiner Bewegungen in der wirklichen Welt mitprotokolliert und es möglich macht, jedes Fehlverhalten sofort zu ahnden. Delikte wie Beleidigungen und Taschendiebstahl sollten dann schnell der Vergangenheit angehören (und als angenehmer Nebeneffekt vielleicht auch Pinkeln in Mülleimer oder Fahrradfahren ohne Licht).
Vielleicht sollte sich Jessen mal die Frage stellen, warum Wahlen in Demokratien geheim sind, warum es im Journalismus Quellenschutz gibt und in Unternehmen Kummerkästen. Kleiner Tipp: der Grund ist in allen drei Fällen der gleiche.
Ich kann jetzt nach eigener Lektüre nachvollziehen, warum Ernst Jünger für sein Buch „In Stahlgewittern“ gehasst wurde. Nicht weil er den Krieg verharmlost oder verherrlicht. Seine Beschreibungen sind oft abstossend und schockierend, schildern wie Kameraden zerfetzt, zerrissen und verstümmelt werden, ihnen das Gehirn ausläuft, der Kopf explodiert, ihre Gedärme aus dem Leib quellen. Jünger beschreibt den Krieg durchaus abschreckend als ein furchtbares Gemetzel.
Das Unerträgliche an diesem Buch ist, dass selbst die schlimmsten Erfahrungen den jungen Soldaten nicht über das Erlebte nachdenken lassen, Zweifel an seinem Tun schüren oder auch nur die geringste Frage nach dem Sinn seiner Mission aufwerfen. Ohne Zweifel, ohne Fragen, ohne Reue geht es immer und immer wieder aufs neue in die nächste Schlacht. Selbst der Tod von Freunden und die eigene schwere Verwundung können nicht die Gewissheit ankratzen, das richtige zu tun – und hindern ihn auch nicht, stets von Mut, Stärke, Furchtlosigkeit zu quaken. Der Mann kommt aus dem Krieg so heraus wie er hineingegangen ist – ohne innere Konflikte. Das Buch endet mit der stolzen Feststellung, vom Kaiser den obersten Verdienstordnen verliehen bekommen zu haben.
Diese seltsame Chronik, die zudem mit manch geschmacklosem Vergleich und Bild etwas linkisch gespickt wurde, ist einfach zu wenig, auch für einen 23jährigen zu wenig. Durchgefallen! Von einem gebildeten Menschen wie Jünger durfte man auch zu dieser Zeit, auch in diesem jungen Alter mehr erwarten. Jünger hätte verständlich machen können, was seine Generation eigentlich im Inneren getrieben hat, sogar Verständnis wecken, Einsichten in den politischen und gesellschaftlichen Kontext geben. Nein, keine Stellungnahme – nicht zuständig! Und mir scheint gerade nach dieser Lektüre, dass es auch diese Schwäche war, keine Stellung beziehen zu können oder zu wollen, vermischt mit soldatischem Pflichtbewusstsein, Eitelkeit, Loyalität und Corpsgeist, die die Generalität zu Hitlers wirksamstem Instrument gemacht hat.
In den „Stahlgewittern“ zeigen sich unbeabsichtigt die Keime des Niedergangs und der Selbstzerstörung Deutschlands zwei Jahrzehnte später. Vielleicht wäre die Katastrophe aufzuhalten gewesen, wenn auch Jünger sich und seinen Altersgenossen die einfache Frage gestellt hätte, die er später noch sein ganzes Leben lang als Belästigung empfunden hat: warum?
Um gefährliche Situationen schnell erkennen und flüchten zu können, durfte der Mensch früher nicht lange zweifeln. Er musste seine Umwelt in seine erlernten Muster einordnen und neue Informationen blitzschnell in seine Vorurteilsschemen pressen. Dieses Verhalten ist auch heute noch überall zu beobachten (vor allem wenn es um Politik geht). Diejenigen, die zum Beispiel nicht glauben wollten, dass Tiger böse Feinde sind oder auch nur von einem etwa zehnsekündigen Zweifel daran befallen wurde, wurden von der Evolution kommentarlos aber schmerzlich herausgefiltert. Die Tatsache, dass Leute wie ich schon Jahrzehnte hier auf der Erde herumlaufen und sogar andere mit ihren Zweifeln anstecken dürfen, ist wohl allein der weiteren Tatsache geschuldet, dass es keine natürliche Selektion mehr gibt. Ich werde von der Natur also mitgeschleppt, vergleichbar mit Brillenträgern, die den Tiger damals mit einem Strauch verwechselt hätten. Darf ich mich also in aller Demut und Dankbarkeit als mentalen Brillenträger bezeichnen? Und wem habe ich das zu verdanken? Wer hat die Evolution rechtzeitig abgestellt?
Sarah Palinwurde in einem Fernseh-Interview nach ihrer Reaktion gefragt, als ihr von John McCain das Amt der Vize-Präsidentin angetragen wurde. Sie sagte sinngemäss: „Ich habe nicht einen Moment gezögert. Ich habe sofort Ja gesagt. Bei einer solchen Entscheidung darf man nicht einen Augenblick mit der Wimper zucken!“
Bei solch einer wichtigen Entscheidung mit all ihren Implikationen und Konsequenzen nicht eine Sekunde nachgedacht? Selbst wenn das vielleicht nicht stimmen und die Antwort lediglich Entschlossenheit und Stärke demonstrieren sollte: wie kann man mit einer solchen Antwort in der Öffentlichkeit durchkommen? Schlimmer noch: warum scheint die Öffentlichkeit eine solche Antwort zu erwarten? Warum ist eine solche Antwort stimmenbringender als „ich habe mich ein paar Tage mit meiner Familie beraten und John McCain nach sorgfältigem Abwägen und im Bewusstsein der Verantwortung, die das Amt mir auferlegt, zugesagt.“ Wollen die Bürger tatsächlich Politiker, die nicht zucken?
Aus einem Mail-Austausch: „ich frage mich schon länger, ob ein freier wille überhaupt unter der annahme möglich ist, dass etwas anderes als materie existiert: wenn es also keine geistige, seelische, übersinnliche oder wie auch immer man sie nennen mag) welt gibt, der mensch nur aus materie und materiell bedingter energie besteht, ist er dann nicht zwangsläufig, einfach der logik folgend, determiniert? muss der freie wille nicht von „aussen“ kommen, also als eine kraft, die die materie dominieren kann, die unseren körper lenkt?“
Wenn „ich“ also keine Kugel in einem Millionen Jahre alten Spiel bin, die einst angeschoben wurde und nun unabänderlich ihren Weg rollt, bis sie ihre Energie verloren hat, bin „ich“ also zwangsläufig eine Marionette, an deren Fäden der Freien Wille zieht?
Warum werden Entscheidungen um Urheberrechts-, Persönlichkeitsrechts- und Markenrechtsverletzungen so oft vom Landgericht Hamburg getroffen? Auch im Presserecht (aktueller Fall) fallen die Urteile oft in Hamburg.
Wie ist es möglich, dass ein abmahnender Rechtsanwalt den Gerichtsstandort wählen darf? Ist das nicht eine massive Aushöhlung des Rechtsstaats, wenn ein Kläger seinen Richter wählen darf, dessen grundsätzliche Einstellung er bereits kennt?
Warum wird – wenn sich beide Parteien nicht auf einen Standort einigen können – nicht einfach gelost?
Ich habe am Donnerstag eine etwas seltsame Erfahrung gemacht. Ich bin auf einen Artikel eines mir bis dahin unbekannten Blogs gestossen, der den Blog-Vermarkter Adical mit harschen Worten („Blutgeld“) dafür kritisierte, mit Cisco und Yahoo zwei Werbepartner gewonnen zu haben, die mit dem chinesischen Regime kooperiert und Regimegegner ans Messer geliefert haben sollen. Daraufhin stellte ich ein paar Fragen. Ich bekam zwar keine Antwort, wurde aber mit Vorwürfen bombardiert: hätte wohl noch nie in dem Blog gelesen, trüge eine Konsumhaltung mit mir herum, würde wohl schneller kommentieren als denken, habe eine Schwarz-Weiss-Sicht, rechtfertige unmenschlichen Pragmatismus. Schliesslich wurde mir noch mein persönliches Armutszeugnis ausgestellt, Oberflächlichkeit bescheinigt und Niveaulosigkeit in Bodennähe attestiert. Alle Vorwürfe passten in 2 Kommentare. Meine Replik wurde dann gar nicht mehr freigegeben. Eine äusserst frustrierende Erfahrung, schon präventiv für eine nicht geäusserte Meinung bestraft zu werden, die ich mir noch gar nicht gebildet hatte.
Habe ich etwas falsch gemacht, habe ich das Thema verfehlt? Konnte mein Kommentar als destruktive Provokation empfunden werden? Hätte ich mich vorher über mehr Einzelheiten dieser konkreten Affäre informieren müssen, bevor ich relativ abstrakte Fragen dazu stelle? Oder liegt es am Fragen selbst? Ist Fragen selbst vielleicht sogar viel provokativer als eine Gegenmeinung zu vertreten? Werden Fragen als Troll-Verhalten empfunden, weil sie Antworten und Rechtfertigungen fordern und in eine aufwendige Diskussion verwickeln können?
Oder wurde ich nur Zufallsopfer mangelnder Gesprächskultur, die sich in Arroganz, Rechthaberei, reflexgetriebener Gesinnungskultur und paranoidem Freund-Feind-Denken manifestiert? Zeit, das Frage-Konzept zu überdenken?
Ich bin auf eine blogartige Web-Seite namens Nachdenkseiten gestossen. Der Titel hat mich angezogen. Ich erwartete Nachdenkliches. Ich erwartete, zum Nachdenken angeregt zu werden. Ich bin ein wenig enttäuscht. Kann es sein, dass die Autor der Seiten (einer ist ein ehemaliger Mitarbeiter der sozialliberalen Bundesregierung der 70er) nicht zum Nachdenken bringen will, sondern vielmehr, dass seine Leser das nach-denken sollen, was er ihnen bereits vor-gedacht hat?
Ob die Zahl der fehlerhaften Artikel oder von mir aus auch der Fehlinformationen pro 1000 Zeilen in den deutschen Medien am 1. April wohl signifikant höher ist als an anderen Tagen? Wie sieht es mit der Blogosphäre aus? Hat sich mal jemand die Mühe gemacht zu zählen?
Können wir unser Denken im Alter verbessern? Können wir unsere Erinnerung schulen? Können Gedanken das Gehirn umbauen? Was geschieht bei der Meditation im Kopf? Kann Erziehung das Hirn konstruieren? Können wir Kindern bei der Entwicklung ihres Denkapparats neurodidaktisch helfen? Macht Denken glücklich, und wenn ja, wie müsste man denken, um es zu werden?
Diesen Fragen will die FAZ demnächst auf den Grund gehen. Aber nicht im Wissenschaftsteil, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern im Feuilleton. Hirnforscher begleiten mittlerweile in starkem Masse kulturelle Debatten, die vormals Künstlern, Philosophen oder Geisteswissenschaftlern vorbehalten waren. Das kann der Wahrheitsfindung nur gut tun, finde ich, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven auf die gleiche Sache schauen und sich über ihre jeweilige Sicht austauschen (musste sofort an die Parabel von den Blinden und dem Elefanten denken).
Und warum nicht noch einen Schritt weiterdenken: warum sind Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, etc. überhaupt so säuberlich getrennt? Werden dadurch nicht eher Zusammenhänge zerschnitten als Übersicht geschaffen? Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, ob man eine Zeitung nicht auch völlig anders gliedern könnte?
Frankreichs Präsident Sarkozy plant, Beamte nach Leistung zu bezahlen. Da auch in Frankreich Beamte dafür berüchtigt sind, nichts zu leisten, erfreut sich der Vorschlag durchaus einer gewissen Popularität. Ausser bei den Beamten. Die sprechen von Krieg und wollen streiken. Zufälligerweise kommt das Thema jetzt auch in Deutschland auf den Tisch. Zeit für ein paar Fragen:
Nach welchen Kriterien soll Leistung gemessen werden? Arbeitsstunden pro Woche? Kundenzufriedenheit? Rentabilität?
Wie soll ein Zugführer seine Leistung steigern? Reicht es nicht, wenn er jeden Tag pünktlich seinen Zug dahin fährt, wo man ihn erwartet?
Wie wird man beim Aufstellen der Kriterien den spezifischen Berufsgruppen gerecht: Lehrer, Zugführer, Sachbearbeiter, Museumswärter, Schalterbeamter, …?
Werden die gleichen Kriterien auf nationaler Ebene angewendet? Oder versucht man, lokalen Besonderheiten gerecht zu werden?
Wer setzt diese Kriterien pro Berufsgruppe fest? Und wer wertet sie aus? Wie kann dabei Missbrauch verhindert werden?
Soll jeder einzelne Beamte bewertet werden? Oder eine ganze Abteilung?
Wieviel kostet es, für jeden einzelnen Beamten Leistungsziele oder -bewertungen festzulegen?
Wie kann verhindert werden, dass die Produktivität auf der Strecke bleibt, weil nur noch für die Kriterien optimiert gearbeitet wird?
Da Leistung in grossem Masse von der Motivation abhängt und Motivation von einer interessanten Tätigkeit, Eigenverantwortlichkeit und einem guten Arbeitsklima: hat man schon mal daran gedacht, an diesen Stellschrauben zu drehen?
Wie will man die Probleme lösen, die viele Firmen beim Einsatz von Belohnungssystemen erleben?
Richard Dawkins bezeichnet religiöse Menschen in seinem Buch Der Gotteswahn als dumm und geisteskrank (ich habe das Buch nicht selbst gelesen, verlasse mich jetzt aber einfach mal auf die Rezension von Georg Keuschnig). Was ich nicht verstehe: ein Evolutionsforscher müsste doch eigentlich in ganz besonderer Weise Toleranz für die Vielfalt menschlicher Charakterausprägungen und Ideen haben. In seiner Logik müsste es ein religiöses Gen geben oder eine Gruppe von Genen, die in Kooperation und in gewissen gesellschaftlichen Kontexten religiöse Einstellungen bei ihren Überlebensmaschinen, also den Menschen, hervorbringen, die sich im Überlebenskampf mit ihren Allelen behaupten müssen. Wenn Religiosität Menschen dumm und geisteskrank macht – beides keine Sieger-Eigenschaften- , müsste sie ja eigentlich von der Evolution sehr klein gehalten werden. Warum also die Aufregung?
Bedeuten Flat-Rates nicht Ineffizienz, Ressourcenverschwendung, falsche Anreize, Aushebeln des Marktes, Preisspiralen nach unten, Verdrängungskämpfe? Müsste nicht jeder Betriebswirtschaftler und sogar Volkswirtschaftler von Flat-Rates dringend abraten?
Wie konnte es dazu kommen, dass die Idee einer Flat-Rate sich auf breiter Basis durchsetzen konnte? Dass mittlerweile sogar Kneipen („Flat-Rate-Saufen“) das Konzept aufgreifen?
Wird das denn so bleiben oder ist es denkbar, dass Flat-Rates eines Tages wieder durch nutzungsabhängige Preissysteme ersetzt werden?
Und: wieviele Internet-Nutzer gäbe es heute ohne Flat-Rates?
Ist das nicht einer dieser Vorträge, der einem so das Hirn einnebelt, das man sich wohlig in seine Überzeugungen kuschelt und gar nicht anders kann als vor dem Bildschirm aufzustehen und zu applaudieren? Sollte man sich nicht wenigstens die Mühe machen und der Form halber ein paar kritische Fragen stellen?
Zunächst zum Inhalt dieses Lehrstücks in Kommunikation von Lawrence Lessig über das geltendende Urheberrecht. Es beginnt mit 3 Geschichten:
1. Beim Aufkommen der Grammaphone fürchtete ein gewisser Herr Sousa, seines Zeichens Komponist von Marschmusik, dass die Kultur des Singens und Musizierens unter Kindern verloren gehen könnte.
2. In den USA existierte ein Gesetz, das Landbesitz auch die Lufthoheit über dieses Landes garantiert. Farmer klagten gegen Fluggesellschaften und verloren, weil das Gesetz nicht gesundem Menschenverstand entspricht.
3. In den 20er-Jahren begann das Radio die Einnahmen der amerikanischen Musikindustrie zu bedrohen, die daraufhin eine Verwertungsgesellschaft namens ASCAP gründete, die in kürzester Zeit den amerikanischen Musikmarkt kontrollierte und nicht nur die Preise, sondern auch die Musikgenres diktierte. Eine massive Preiserhöhung 1939 liess die Radiosender reagieren und Musik von der konkurrenziellen BMI lizensieren. Die ASCAP musste sich öffnen.
Wie bringt man also diese 3 Geschichten zusammen und baut dabei eine emotionelle Botschaft ein?
Die heutigen Technologien bringen uns das kindliche Singen und Musizieren von damals in der Form des Remixes zurück. (Kinder erwecken Emotionen! Die eingespielten Mashups sind Prachtexemplare ihrer Art!)
Aus den heutigen Gesetzen zum Urheberrecht spricht genauso viel Menschenverstand wie aus denen, die damals in den USA den Landbesitz regelte.
Die Kriminalisierung unserer Kinder korrumpiert und unterhöhlt die Gesellschaft.
Konkurrenz bricht Monopole.
Schlussfolgerung: wir brauchen eine Konkurrenz zum Monopol der Urheber. Wir brauchen Creative Commons!
Aber:
Ist denn die Kultur des Singens und Musizierens wirklich verloren gegangen?
Was hat Remixen überhaupt mit Singen und Musizieren zu tun – sind das nicht zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten, die schon immer parallel existiert haben?
Was, wenn es unseren Kindern nicht um das kreative Remixen, sondern nur um das kostenlose Hören geht?
Kann man die Interessen von ein paar amerikanischen Farmern, deren Hühner angeblich beim Vorbeifliegen eines Jets aufflattern, mit den Interessen einer millionenschweren Industrie vergleichen, die ihre Felle davonschwimmen sieht? War die Entscheidung gegen die Landbesitzer wirklich durch gesunden Menschenverstand motiviert – oder vielleicht doch eine Entscheidung zugunsten der Stärkeren?
Wie geht man mit Leuten um, die Creative-Commons-Lizenzen brechen, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen? Darf man die auch Piraten nennen? Oder schlägt CC dafür ein anderes Wort vor?
Wenn man verhindern will, dass grosse Teile der Bevölkerung kriminalisiert werden, warum schafft man dann Urheberrechte nicht ganz ab (so wie dem Landbesitzer der Luftraum entzogen wurde)?
Die Amerikaner haben die Irak-Invasion auch damit begründet, den Irak in eine Demokratie zu verwandeln und damit die gesamte Region im Nahen Osten zu stabilisieren.
Vier Jahre später sind über 75000 Menschen gestorben, die meisten davon irakische Zivilisten.
Wer also hat wen stärker verändert? Die Amerikaner den Irak? Oder die Iraker Amerika? Welche Signale hat Amerika gesendet? Was ist die Bilanz des Krieges: Gibt es jetzt in der Welt mehr oder weniger Demokratie als vorher?
Bei einem älteren Post bin ich auf eine Studie gestossen, die herausgefunden hat, dass Placebos langfristig unwirksam sind und lediglich bei Schmerzen und Phobien einen messbaren Effekt haben (was ja schon mal gar nicht schlecht ist). Jetzt bin ich verwirrt. Die Gegner der Homöpathie führen ja immer an, dass die Heilungseffekte der Homöopathie (nicht nur bei Schmerzen und Phobien) lediglich auf dem Placebo-Effekt basieren, bestreiten aber nicht die Heilungseffekte selbst. Wenn jetzt aber Placebos garkeineHeilungseffekte haben, wo kommen dann die der Homöopathie her? Kann jemand das Rätsel lösen?
Ist Googles Firmenphilosophie – nichts löschen, alle Informationen zugänglich machen – nicht die digitale Entsprechung der Krankheit, die alte Menschen ihre Dosen, Zeitungen und Schachteln stapeln lässt und in denen man sie dann halbverwest sechs Wochen nach ihrem Tod findet, weil der Hund des Nachbarn etwas gerochen hat?
Wenn ja, wer wird dann der Hund sein? Und: riecht schon jemand etwas?
Herr Verteidigungsminister, welchen Bürger möchten Sie schützen?
Was ist mit denen im Flugzeug?
In welchem Fall wollen Sie den Befehl zum Abschuss geben – grundsätzlich bei jeder Flugzeugentführung oder nur bei solchen mit terroristischem Hintergrund?
Woran erkennen Sie Flugzeugentführungen mit terroristischem Hintergrund?
Was ist mit Flugzeugen, die entführt wurden, um Gesinnungsgenossen freizupressen? Werden die auch abgeschossen? Oder sucht man vorher das Gespräch?
Werden Sie den Abschuss-Befehl selbst geben oder haben Sie dafür einen Experten?
Wie wollen Sie ausschliessen, dass bei einem Abschuss mehr Menschen ums Leben kommen als ohne Abschuss?
Gibt es Erfahrungswerte, um den optimalen Zeitpunkt und die optimale Position für einen Abschuss zu bestimmen? Verfügen Sie über Simulationsprogramme?
Werden Sie vorher eine Kosten-/Nutzenanalyse erstellen, die die Zahl der Toten im Fall eines Abschusses gegen den Erwartungswert der potentiellen Toten bei einem Nicht-Abschuss miteinander vergleicht? Wie lange dauert es, eine solche zu erstellen, die alle entscheidenden Parameter mit einbezieht?
Würden Sie das Flugzeug auch abschiessen lassen, wenn Herr Ackermann, ein Staatssekretär und Franz Beckenbauer an Bord wären?
Sie möchten Anschläge wie die des 11.September verhindern. Was hätten Sie also anders gemacht als die Amerikaner? Woran hätten Sie erkannt, dass das erste Flugzeug in die Twin Towers fliegen wird?
Hätte es am 11. September weniger Tote gegeben, wenn das Flugzeug über New York abgeschossen worden wäre? Wissen Sie, wo das brennende Flugzeug dann hingefallen wäre?
Haben Sie auch über andere Möglichkeiten nachgedacht, den Bürger zu schützen? Könnte man nicht über einen Fernzugriff die Kontrolle über ein Flugzeug erlangen?
Kardinal Meisner hat Kultur als „entartet“ bezeichnet, die „von der Gottesverehrung abgekoppelt wird“.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das Wort „entartet“ noch nie benutzt habe und kenne auch persönlich niemanden, der es im Munde führt. Das Wort wird zwar auch als Fachbegriff in der Physik und Mathematik gebraucht, ist aber kein Teil des aktiven Wortschatzes. Im Kontext von Kunst und Kultur wurde es von den Nazis geprägt für Kunst, die sich nicht in die Vorstellungen ihrer Ideologie einfügte, und meines Wissens weder vorher noch nachher (ausser von Neo-Nazis) benutzt.
Wie also gerät dieses so seltsame und auffällige Wort jetzt in eine Rede eines Kardinals im Kölner Dom?
Wurde es in Meisners Familie oder Freundeskreis häufig benutzt, so dass es ihm gar nicht auffiel, es ihm sozusagen herausrutschte? Und was sagte uns das über seine Familie oder seinen Freundeskreis?
Sucht Meisner zu provozieren? Und wenn ja, wen und warum?
Wäre die öffentliche Reaktion ähnlich gewesen, wenn er statt „entartet“ „mies“ oder „nutzlos“ oder „hässlich“ gewählt hätte?
Warum stolpern immer und immer wieder bekannte Persönlichkeiten – von Jenninger über Walser bis Eva Herman – über Vergleiche und Assoziationen mit dem Nazi-Reich? Was macht die Faszination eines Nazi-Vergleichs aus? Will man die Öffentlichkeit immer mal wieder testen? Oder ist das so eine Art Mutprobe? Oder das Bedürfnis ein Tabu zu brechen? Oder eine subtile Form des Schreiens?
Und: sind sie dann überrascht, wenn sie den Arsch versohlt bekommen?
Fragen, die mir beim Herumspielen mit Facebook in den Sinn kamen:
Warum muss ich für manche Applikationen eine neue User ID beantragen, ein neues Passwort, u.s.w.? Ist das nicht der Sinn von Facebook, seine Anwendungen zu bündeln und sich nicht mehr mit dutzenden von Accounts, Web-Applikationen und Passwörtern herumschlagen zu müssen?
Warum gibt es keine gescheite Instant Messaging Anwendung, die von mindestens 500000 Usern benutzt wird? Ist Instant Messaging keine typische Facebook-Aktivität?
Warum kann ich meine Mails nicht besser ordnen? Ist Mailen auch keine typische Facebook-Aktivität?
Was ist eine typische Facebook-Aktivität? Welche Art der Kommunikation propagiert Facebook? Wie soll Facebook meine Kommunikation verbessern?
Warum kriege ich jedesmal ne E-Mail zu meinem Mail-Account geschickt, wenn mir jemand eine Message schickt?
Warum bin ich ständig besorgt, dass ich zuviel Informationen preisgeben könnte?
Warum fühle ich mich ständig irgendwie beobachtet?
Für Marié Digby wurde der Traum vieler Amateur-Musiker wahr: ein paar Videos bei YouTube posten, bekannt werden und einen Plattenvertrag bekommen. Jetzt stellte sich heraus, dass die Geschichte nicht ganz wahr ist, jedenfalls nicht die Reihenfolge.
Meine Fragen an Marié Digby:
Wer hatte die Idee, YouTube-Filmchen zu posten?
Hat dich diese Art der Kommunikation mit deinen Fans in deiner Identität als Musikerin gestärkt? Oder eine zusätzliche Identität geschaffen?
Hast du dadurch klarere Ideen gewonnen, welche Art von Musik du machen möchtest?
Schaust du dir auch im Internet Amateur-Videos von unbekannten Musikern an? Hast du dabei schon grosse Talente entdeckt?
Warum hast du verschwiegen, dass du schon seit 18 Monaten einen Plattenvertrag hast?
Hätte die Wahrheit von Anfang an – also ein Pro-Status mit einer Plattenfirma im Rücken – deine Popularität beeinträchtigt?
Hat ein professioneller Musiker mit Plattenfirma ein schlechteres Image als ein Amateur und es schwerer, von der Internet-Gemeinde angenommen zu werden?
Hast du das Gefühl, deine Fans belogen zu haben? Was sagst du einem Fan, der dir das vorwirft?
Glaubst du, dass sich Fans von dir abwenden könnten? Dass dein Karrierestart dadurch vermasselt werden könnte? Oder im Gegenteil dadurch erst richtig an Fahrt gewinnt?
Wärst du auch ohne die professionelle Beratung deines Plattenlabels heute so populär wie du es bist?
Wie haben sich die Zugriffszahlen entwickelt? Welchen Einfluss hatte das Platzieren von „Umbrella“ im Radio auf die Zugriffszahlen?
Haben sich die Zugriffszahlen auf die Cover-Versionen schneller entwickelt oder anders entwickelt als die deiner eigenen Songs?
Wirst du auch in Zukunft weiter private YouTube-Filmchen posten? Warum oder warum nicht?
Wenn 1) ich mich 2) morgens an den Computer 3) setze, wird meine WLAN-Verbindung zu meinem DSL-Router fast minütlich unterbrochen. Warum – wegen 1), 2), 3) oder wegen etwas anderem?
1) Warum funktioniert das WLAN, wenn mein Sohn am Computer sitzt?
2) Warum funktioniert das WLAN abends besser als morgens?
3) Warum funktioniert das WLAN am besten, wenn überhaupt niemand am Computer sitzt?