HV: ältere Menschen grenzen sich wenn, dann selber aus #technologie an sich grenzt ja keinen aus
FZ: @hvonier wenn die neue Technik schwer zu verstehen oder zu lernen ist, dann besteht die Gefahr einer Ausgrenzung (nicht nur Älterer)
HV: Ist Technik schwerer zu verstehen/zu erlernen als irgendetwas anderes, das man lernen will?
FZ: Ja, ab einem gewissen Grad. Banküberweisung übers Internet – sollte das auch ein 80jähriger noch lernen müssen?
HV: Was unterscheidet den Schwierigkeitsgrad einer Online-Überweisung von Email oder Online-Shopping?
FZ: Man kann ohne Email leben. Aber man muss einkaufen und über sein Geld verfügen können. Wenn man *nur noch* über das Internet einkaufen könnte oder sein Bankkonto verfügen könnte, besteht die Gefahr der Ausgrenzung einer Generation bzw des Aufzwingens von Technik.
HV: In meiner Community haben alle Älteren Email, um Kontakt mit ihren Kindern, Enkeln oder Schulfreunden zu halten. Sie nutzen auch online-Services, um Fotos und Videos auszutauschen. Facebook ist für Senioren ideal, um nicht isoliert zu sein. Ist diese Technik nicht gerade für alte Menschen bereichernd und erleichternd? (Ich war übrigens seit 15 Jahren in keiner Bankfiliale mehr.)
FZ: Ohne Zögern: ja. Sie kann gerade alte Menschen aus der Isolation herausholen. Aber: nicht jeder ist in der Lage, dem Fortschritt zu folgen, der sich im letzten Jahrzehnt immer weiter beschleunigt hat. Muss man von den älteren Menschen erwarten, dass sie sich dem Fortschritt anpassen? Oder sollte man ihnen (zumindest für eine Übergangszeit) die Wahl lassen? Ich meine, man sollte (und das hiesse dann zum Beispiel auch, einen Briefkasten in jedem Ort).
HV: Erstmal: wen meinst du hier mit “man”? Wenn niemand mehr Papier verwendet, um Infos zu verbreiten, dann ist die Post überflüssig, genauso wie einst die Poststationen zum Pferdewechseln. Es gibt Menschen, die meinen mit 25 Jahren “ausgelernt” zu haben und glauben, das Leben wäre statisch. Andere lernen, was gerade Neues in der Gegenwart geschieht. Sie sind up-to-date, egal wie alt sie sind.
FZ: Es gibt nunmal viele Menschen, die können oder wollen (beides bedingt einander) ihr Leben ab einem gewissen Punkt nicht mehr ändern oder sich mit Dingen auseinandersetzen, die nicht in ihr Weltbild passen. Nach meiner Erfahrung sind das sogar die allermeisten. Irgendwann werden die Briefkästen verschwinden. Aber ich finde, wir sollten sie nicht abbauen, bevor nicht die letzte Oma verschwunden ist, die ihren Nichten Weihnachtskarten schickt
FZ: Es gibt aber noch einen anderen Aspekt des Themas, der in dem Artikel oben anklingt: die Erfahrungen, die Menschen in ihrem Berufsleben machen, werden schon nach wenigen Jahren nutzlos, weil immer neue Technologien die alten ablösen.
HV: Es findet momentan nicht nur ein technologischer, sondern auch ein großartiger sozialer Wandel statt. Die Menschen erschaffen sich neue Technologien, weil sie genug haben von Gewalt und Krieg. Sie wollen Harmonie, sich mit anderen wohl fühlen anstatt im Dauerwettstreit zu liegen. Der Druck, der Fremdbestimmtheit zu entkommen, und Selbstbestimmung zu erlangen ist enorm. Das Internet zeigt, wie nie etwas anderes zuvor: Es geht, soziales Handeln lässt sich in Realität umsetzen und niemand kann das stoppen. Auf den Beruf bezogen, oder besser Berufung, bedeutet das: Ich definiere meine Job-Description selbst. Leute im Ruhestand müssen das – und vieles andere – gar nicht mehr lernen. Aber beim nochmaligen Durchlesen des Artikels kommt mir der Gedanke: Können nicht gerade ältere Menschen den Facettenreichtum des Web ausgiebiger nutzen, weil sie über Erfahrungen verfügen, die ihnen im virtuellen Raum des Net eine große Flexibilität erlaubt?
Die Diskussion begann – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir. Und sie endet – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir auch. Aber sie ist natürlich auch noch nicht zu Ende – und auch das gefällt mir.